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Intuitiv kochen – so geht's

Seit Corona stehen mehr Menschen am Herd, doch so mancher fühlt sich überfordert. Muss nicht sein – kocht einfach los!

21.06.2021 vonIna Hiester

Seit Corona stehen mehr Menschen am Herd, doch so mancher fühlt sich überfordert. Muss nicht sein – kocht einfach los!

Homeoffice ohne Betriebskantine, geschlossene Restaurants und soooo viel Zeit zu Hause: Corona hat unseren Lebensrhythmus und unsere Gewohnheiten auf den Kopf gestellt. In vielen Küchen sind die damit einhergehenden Veränderungen gleich auf den ersten Blick erkennbar. Wo früher nur die Krümel auf dem Brotzeit-Brettchen von den kulinarischen Anstrengungen des Tages zeugten, türmen sich plötzlich Schüsseln, Töpfe und Pfannen, die schon ungeduldig auf ihren nächsten Einsatz warten. In einer Umfrage für den Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gaben 30 Prozent der Befragten an, seit Ausbruch der Pandemie häufiger selbst zu kochen.

Doch während sich erfahrene Hobbyköche und -köchinnen genussvoll in kulinarische Eskapaden stürzen, macht sich in einigen Küchen Unsicherheit breit. Wo anfangen? Wann sind Nudeln al dente und wie viel Salz muss ins Nudelwasser? Was ist mit „Zwiebeln kleinschneiden“ gemeint – sind es eher 5 Millimeter oder 2 Zentimeter große Stücke? Und welches Messer nimmt man dafür am besten?

Fehler beim Kochen

Angesichts der Fülle an Koch- und Backbüchern zusammen mit dem Online-Angebot aus Rezepten, Kochvideos und Apps könnte man vermuten, dass jeder Anfänger leicht den richtigen Weg ins Kochvergnügen finden sollte. Doch oft ist es gerade die Wucht der zur Verfügung stehenden Informationen, die erschlägt – und am Ende dazu führt, einmal mehr die schnelle Nummer des nächsten Lieferdienstes zu wählen.

Kein Wunder, findet Sophia Hoffmann, die gerade ihr Kochbuch „Die kleine Hoffmann – Einfach intuitiv kochen lernen“ mit Tipps und Tricks rund um eine pflanzenbetonte Küche herausgebracht hat. Denn mal ehrlich: Wie oft haben Sie eine Kochshow gesehen, in der auch mal was schiefgegangen ist? „Trial and Error – Ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen – gehört zum Kochen aber dazu“, weiß die Köchin aus eigener Erfahrung. Beispiel Bratlinge: Die werden häufig zu früh und zu häufig gewendet, sodass sich keine Kruste bilden kann. Deshalb müssen die krümelig gewordenen Bratlinge samt Rezept noch lange nicht in die Tonne – sie schmecken ja trotzdem – sondern sind eine Einladung, beim nächsten Mal Brutzeln einfach etwas geduldiger zu sein.

Trial and Error – Ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen – gehört zum Kochen aber dazu

Kochbuch-Autorin Sophia Hoffmann

Für viele endet die Freude am Kochen jedoch bereits am übervollen Supermarkt-Regal. Laut Lebensmittelverband gibt es im Einzelhandel etwa 170.000 verschiedene Produkte. Alleine Salz, das alltägliche Würzmittel, gibt es mit und ohne Jod, weiß, gräulich, rosafarben oder mit Kräutern, grob oder fein, vom Himalaya und sogar von den Inkas – obwohl es ja streng genommen gar keine echten Inkas mehr gibt. Da fällt die Entscheidung mindestens mal schwer.

Wer sich in der Obst- und Gemüseabteilung verloren fühlt, sollte Sophias Beispiel folgen und ausschließlich regionale, saisonale, biologisch angebaute und faire Lebensmittel einkaufen. Das ist nicht nur gesünder und umweltverträglicher, sondern erleichtert auch die Qual der Wahl. Und gerade am Anfang sei weniger mehr, gibt die Köchin zu Bedenken. Sie ist überzeugt, dass jeder es schaffen kann, aus ganz einfachen Grundnahrungsmitteln etwas Tolles zu machen. Denn Kochen, das sei wie Puzzeln: „Man kann mit 20 Teilen beginnen und Spaß haben und wenn man mehr Erfahrung sammelt, hat das kulinarische Wissens-Puzzle vielleicht irgendwann 1000 Teile.“

Mehr Mut in deutschen Küchen

Sophia Hoffmann weiß, wie glücklich sie sich schätzen kann, live und in Farbe dabei gewesen zu sein, als sich ihr Vater – Hausmann und Künstler – mit maximaler Experimentierfreude und minimaler Berührungsangst das Kochen selbst beibrachte. Gemeinsam machten sie sich die Finger schmutzig, interpretierten Rezepte nach Lust und Laune und probierten, bis sie fast satt waren. „Als Kind auf diese spielerische Art und Weise erleben und erfahren zu dürfen, welche Zutaten sich wie kombinieren und zubereiten lassen, empfinde ich als echtes Privileg“, erzählt Sophia. Sie bedauert, dass in den vergangenen Jahrzehnten so viel Wissen rund um das Kochen verloren gegangen ist, und macht auch die Lebensmittelindustrie dafür mitverantwortlich. Sie habe uns vermittelt, dass Kochen ein komplizierter Zeiträuber sei.

„Um sich dem Umgang mit Lebensmitteln ganz ungezwungen zu nähern, ermutige ich alle, einzelne Zutaten möglichst unverarbeitet anzufassen und zu probieren.“ Frische Kräuter, Spinat oder auch Blätter vom Staudensellerie zum Beispiel. Sophia plädiert damit für mehr Mut in deutschen Küchen – und das bedeutet auch, sich von rigiden Rezepten und scheinbar in Stein gemeißelten Kochregeln zu lösen. „Ich selbst hatte gelernt, dass man beim Wirsing den Strunk rausschneiden muss. Irgendwann habe ich den mal probiert und festgestellt: der schmeckt prima – und seither wird er mitgegessen.“ Selber kochen kann unser Selbstvertrauen, unsere Eigenständigkeit und unsere Kreativität fördern – und ist ein Akt der Selbstfürsorge, die gerade in Pandemie-Zeiten oft zu kurz kommt. Worauf also warten – ran an den Herd ...

Fünf Tipps für Koch-Neulinge

  • Scharfes Messer, großes Schneidbrett, leitfähige Töpfe und Pfannen: Gutes Werkzeug ist die halbe Miete für ein erfüllendes Kocherlebnis.
  • Fett ist ein wichtiger Geschmacksträger und gehört in jedes wohlschmeckende Gericht.
  • Statt starr nach Rezept zu kochen, vorsichtig würzen und ständig abschmecken.
  • Harte Kräuter wie Rosmarin dürfen mitgekocht werden, weiche Kräuter wie Petersilie oder Basilikum erst am Ende der Zubereitung dazugeben.
  • Fehlt noch was? Meist ist es eine Prise Salz, ein Schuss Säure oder ein Hauch Süße.

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