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Japanische Teestunde: Alles über grünen Tee

Tee ist nicht gleich Tee. Die Bekanntschaft mit grünem Tee braucht Zeit. Schon die Zubereitung ist eine Zeremonie. Unsere Autorin wurde von ihrem japanischen Kollege zur Teestunde eingeladen und verrät, was es für einen guten grünen Tee braucht.

01.06.2002 vonKatharina Landorff

Tee ist nicht gleich Tee. Die Bekanntschaft mit grünem Tee braucht Zeit. Schon die Zubereitung ist eine Zeremonie. Unsere Autorin wurde von ihrem japanischen Kollege zur Teestunde eingeladen und verrät, was es für einen guten grünen Tee braucht.

Am Anfang war der Tee. Grüner natürlich. Mein japanischer Kollege lud mich zur Teestunde ein. Warum nicht? Schon die Zubereitung war Zeremonie. Zunächst die Kanne: Klein, sehr ästhetisch und aus Steingut. Kollege Yoshida erklärt, dass die Poren des Steinguts etwas vom Aroma des Tees aufnehmen und daher besonders für Grüntee geeignet seien. Der „Zeremoniemeister“ wählte für mich einen Klassiker aus: Den in Japan sehr beliebten Sencha. Ich durfte daran riechen: Die länglichen, geraden Teeblätter dufteten sehr aromatisch. Dann der Aufguss: Sehr vorsichtig schenkte der „Teemeister“ das dunkelgrüne „Wasser“ in meine Teeschale.

Ich hielt inne und nippte kurz – genau wie mein Vorbild. O weh! Ich fand den Klassiker eher eklig und leicht fischig. Yoshida tröstete mich, gerade Neueinsteiger bräuchten beim grünen Tee ein bisschen länger. Später wusste ich auch warum: Der Sencha war sehr hochwertig gewesen. Solch edle Produkte offenbaren sich in der Regel nur den fortgeschrittenen Grünteetrinkern.

Eine Fülle unterschiedlicher Geschmacksrichtungen

Sich Zeit lassen. Die Bekanntschaft mit grünem Tee braucht Zeit. Es gibt eine Fülle verschiedener Sorten mit wirklich sehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Der japanische Bancha beispielsweise ist ein Alltagstee mit frisch-herben Geschmack und einer gelblich-grünen Farbe. Er hat extrem wenig Koffein (beziehungsweise Tein, wie man früher sagte). Dagegen ist Gyokuro (was soviel heißt wie „edler Tautropfen“) ein sehr zarter, aber kräftig-anregender Tee mit wenig Bitterstoffen. Der kostbare Matcha schmeckt feinherb und hat eine anregende Wirkung. Er wird zu besonderen Anlässen in einer Teezeremonie getrunken.

Apropos Wirkung. Ähnlich wie beim Schwarztee verändert sich sie sich durch die Ziehzeit. Bei 2 bis 3 Minuten (je nach Geschmack kann es auch nur eine Minute sein) wirkt der Grüntee stark anregend, sein Aroma bleibt aber mild. Längere Ziehzeiten bewirken das Gegenteil: kräftiges Aroma, weniger Anregung.

Die richtige Zubereitung

Das Teewasser sollte auf 80 bis 60 Grad abgekühlt sein. Das dauert 10 bis 15 Minuten. Das Besondere beim Grüntee: Ein Aufguss kann bis zu viermal benutzt werden. Je besser die Qualität des Tees, desto besser ist sein erster Aufguss und desto häufiger kann man ihn ohne Geschmacksverlust aufgießen. Ab dem zweiten Aufguss verkürzt sich die Ziehzeit auf 1 bis 2 Minuten.

Ich trinke grünen Tee aus kleinen henkellosen Schalen (Inhalt maximal 150 Milli-Liter). Das hat einen Grund: Je größer nämlich die Tasse, desto größer ist der Luftkontakt, der den Geschmack mindert und Wirkstoffe zerstört. Mir schmeckt grüner Tee am besten, wenn ich die Blätter offen mit dem abgekühlten Wasser übergieße und einfach absiebe. Spezielle Tee-Einsätze in Kannen oder das Teenetz funktionieren natürlich auch. Übrigens geht auch die Zubereitung in der Tasse. Dann wird ein gestrichener Löffel Grüntee in die Tasse (150 ml) gegeben und mit dem abgekühlten Wasser übergossen. Nach 2 bis 3 Minuten kann der Tee einfach „vom Blatt weg“ getrunken werden. Die Blätter bleiben in der Tasse und werden auch nicht umgerührt. Dieser Aufguss kann noch zweimal wiederholt werden. Das Wasser muss dazu nicht mehr erhitzt werden. Bei der Portionierung des Tees gilt: Pro Tasse 1 gestrichenen Teelöffel und ab 5 Tassen zusätzlich 1 gestrichenen Löffel für die Kanne.

Welche Sorten es gibt

Sorten für „Einsteiger“. Am Anfang habe ich viele verschiedene Teesorten probiert. Für „Einsteiger“ eignen sich besonders gut die Sorten Bancha, Chun Mee, Gunpowder oder Jasmintee mit Blüten. Als einfache Regel gilt, dass eher schattig aufgezogene Teeblätter mehr Koffein enthalten, dafür aber weniger bitter schmecken. Frischer grüner Tee duftet angenehm nach „Heuernte“. Achtung: Wenn er vor Trockenheit raschelt – Finger weg. Auch braune Blätter im Grüntee sind tabu.

Die Asiaten sehen einen engen Zusammenhang zwischen Grünem Tee und Meditation. Ein bekannter Zen-Meister schrieb einmal: „Im Geschmack einer einzigen Tasse Grüntee wird man die Wahrheit aller zehntausend Formen des Universums entdecken. Es fällt schwer, diesen Geschmack in Worte auszudrücken.“ Da gibt es nur eines: Ausprobieren und (grünen) Tee trinken…

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