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Met: Göttertrank aus Wasser und Honig

Für die alten Kulturvölker war Met ein Rauschtrunk für festliche Anlässe. Heute ist der Honigwein fast nur noch Insidern ein Begriff. In kontrollierter Bio-Qualität ist er eine echte Rarität.

Hans Krautstein

Jeder Kreuzworträtsler kennt zumindest die drei Buchstaben: Met. Der Honigwein ist wahrscheinlich nicht nur in unseren Breiten, sondern sogar weltweit das älteste alkoholische Getränk. Besonders die Germanen haben die Kunst der Met-Herstellung gepflegt, nach Schätzung von Historikern bereits vor 3.000 Jahren. Sie benutzten ihn als Rauschtrunk bei kultischen Festen, und da sie die Wirkung des Alkohols noch nicht verstanden, rankten sich viele Mythen und Sagen um das seltsame Gebräu. Die Veränderung ihrer Sinne schrieben unsere Vorfahren einem geheimen Zauber zu, der Met avancierte bald zum Geschenk der Götter.

So wird Met hergestellt: früher und heute

Aus Quellwasser und Honig haben die alten Völker ihren Met bereitet, den Gärvorgang hatten sie beim wilden Honig zufällig entdeckt. In den Ansatz spuckte man anno dazumal ein paarmal kräftig hinein, zwecks besseren Gelingens. Dass dies kein Aberglaube war, sondern Erfahrung und Instinkt, ist inzwischen klar. Unser Speichel enthält verschiedene Enzyme, die im Magen den Gärprozess einleiten.

Heute nimmt man stattdessen Weinhefe, die aus dem Honig-Wasser-Gemisch (Verhältnis 1:2) nach sieben- bis neunwöchiger Gärzeit den fertigen Met entstehen lässt. Was sonst noch hineinkommt, darüber schweigen sich die Produzenten oft aus. Rezepte verrät man nicht. Mancher gibt Vitamin C hinzu, was desinfiziert und ein Umkippen verhindert. Andere rühren Hopfen und Gewürze unter, um den Geschmack zu verbessern. Nach Meinung der qualitätsbewussten Hersteller hat guter Honigwein diese Korrektur aber gar nicht nötig.

Die Kräfte des Honigweins

Der gegorene Honigtrank, schon von griechischen Dichtern gelobt, galt nicht nur als berauschend, ihm wurden noch weitere positive Eigenschaften zugeschrieben, die die des reinen Honigs sogar übertrafen. Den Göttern schien der Met Unsterblichkeit zu verleihen, beim Menschen wirkte er - jedenfalls damals - kräftigend und lebensverlängernd. "Met tut viel Gutes, er bewirkt einen guten Appetit, fördert die Verdauung, reinigt und stärkt den Magen, schafft ungesunde Stoffe weg", so schrieb auch der Naturheilpraktiker Sebastian Kneipp. Die Hochschätzung des erklärten Alkoholgegners wird verständlich, wenn man weiß, dass man früher bei der Met-Produktion stets die gefüllten Bienenwaben komplett vergor.

Die Drüsen- und Wuchsstoffe der Immen sowie Wachs, Pollen und Propolis gingen ins fertige Erzeugnis über. Allein die Pollen lieferten zahlreiche Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Fermente, die Bedeutung des Kittharzes Propolis ist hinlänglich bekannt. Nach Erfindung der Honigschleuder war der Met aber beileibe nicht mehr das, was er zuvor einmal war. Pollen und Propolis wurden nun ignoriert, längeres Kochen reduzierte auch die wertvollen Inhaltsstoffe des Honigs auf ein Minimum.

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