Jeden Tag eine gute Entscheidung. Für eine bessere Welt. Für uns alle.
Essen

Gesund und achtsam essen

Es gibt gute Gründe, warum wir bei der Essenswahl auf unser Bauchgefühl hören sollten.

02.04.2020 vonAnnette Sabersky

Diäten und Food-Trends haben nach wie vor Hochkonjunktur. Um sich gesund zu ernähren, sind sie allerdings oft nicht nötig oder sogar kontraproduktiv. Wer seine Ernährung überprüfen will, kann einmal das individualisierte Essen ausprobieren. Die Bezeichnungen dafür unterscheiden sich: ob nun von „Intuitivem Essen“, „Instinktnahrung“, „Somatischer Intelligenz“ oder vom „Achtsamen Essen“ die Rede ist. Immer geht es darum, dass der einzelne Mensch im Mittelpunkt der Essensauswahl steht. Und nicht „erlaubte“ und „verbotene“ Lebensmittel und lange Listen für jedermann.

Wer beim Essen der eigenen Intuition folgt, ist zufriedener mit dem eigenen Körper, seinem Gewicht und hat einen niedrigeren Body-Mass-Index, fand Dr. Tracy Tylka von der Abteilung für Psychologie der Ohio State Universität heraus. Sie überprüfte den Gesundheitszustand von Collegestudentinnen, die entweder ihrem Bauchgefühl folgten oder klassisch aßen. Dass Intuitivesser oft auch bessere Blutwerte haben und vielfältiger und genussvoller speisen, ergab eine Studie um die US-amerikanischen Forscher Teri Sue Smith und Steven Hawks.

Das beweist noch nicht, dass das Essen nach dem inneren Coach tatsächlich zu mehr Gesundheit führt. Doch Appetit und Bauchgefühl seien gute Wegweiser, sagt Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann. Ihrer Erfahrung nach ist der, der auf sein Bauchorakel hört, insgesamt zufriedener und hat mehr Spaß am Essen. Und das ist ja auch gesund.

Interview mit Ernährungsberaterin Maike Ehrlichmann

Am meisten stören Ernährungsregeln

Woher weiß ich, welches Essen gut für mich ist?

Der Körper weiß es. Man muss allerdings genau hinhören, dann erhält man eine Antwort.

Kann das denn jeder? Quasi auf Knopfdruck in sich hineinspüren?

Nein, das geht oft erst einmal nicht. Man kann es aber trainieren. Ich lasse meine Klienten zunächst mit Hilfe einer Skala ihr Hungergefühl quantifizieren. Denn mit Zahlen kennen sie sich aus. Oft empfehle ich auch eine Atemübung, darüber kommt man zu mehr Bauchgefühl und kann Hunger und Appetit besser wahrnehmen.

Und dann gibt es ständig Schokolade?

Das ist bei fast allen Klienten die Sorge. Doch das passiert nicht. Anfangs essen manche vielleicht mehr Süßes, einfach, weil sie sich Süßigkeiten so lange verboten hatten. Doch in dem Moment, wo der Druck weg ist, etwas nicht zu dürfen, verliert sich auch der Drang. Über die Beobachtung, „wie schmeckt mir das erste Stück Schokolade, das zweite, die ganze Tafel?“ lernt man schnell, wie viel Schokolade richtig ist.

Was hindert uns denn am intuitiven Essen?

Am meisten stören die Ernährungs-Regeln, die viele verinnerlicht haben. Wenn sie im Kopf herumspuken, kann ich nicht richtig nach innen hören. Auch Stress und der ständige Blick aufs Handy verhindern es. Auf stofflicher Ebene stören vor allem Geschmacksverstärker, Aromen und Süßstoffe. Denn sie täuschen einen Geschmack vor, der so nicht gegeben ist.

Dann gehören zum individuellen Essen auch gute Bio-Lebensmittel?

Absolut. Nur hochwertige Nahrungsmittel ohne Zusätze und voll mit echtem Geschmack geben uns ein ehrliches Feedback. Wir benötigen sie unbedingt, um satt und zufrieden zu sein und um uns rundum wohlzufühlen.

Wie soll das am Familientisch gehen, wenn jeder auf etwas anderes Lust hat?

Man kann einen Wochenplan machen, in dem jeder aus der Familie sein Lieblingsgericht wiederfindet. Dann stellt man die Komponenten wie z.B. Nudeln, Gemüse, Käse, Soße, Salat und Sonnenblumenkerne auf den Tisch. Davon bedient sich jeder nach aktuellem Gusto.

www.ehrlichessenmethode.de

Zum Üben: Das Bauchorakel

An sich weiß der Bauch schon, was ihm guttut. Doch manchmal müssen wir den Dialog mit dem inneren Coach etwas trainieren. Dazu eine praktische Übung: Schließen Sie die Augen, legen Sie die Hand auf den Bauch und atmen Sie einmal kräftig ein, sodass sich die Hand hebt. Atmen Sie entspannt und lang aus und dann normal weiter. Dann fragen Sie sich: Wie hungrig bin ich jetzt? Wie fühlt sich der Bauch an? Dann stellen Sie sich fiktiv vor, wie Sie ein Stück Käsekuchen essen. Was sagt das Bauchorakel? Stellen Sie sich weiterhin vor, wie Sie zwei Stück Käsekuchen essen! Was ist anders? Dann stellen Sie sich vor, Sie essen ein Steak, dann eins mit Bratkartoffeln. Eine Tomate, einen Tomatensalat mit Zwiebel usw. Bei jeder einzelnen Vorstellung meldet uns der Körper aufgrund erlebter Ess-Erfahrungen, ob uns das Essen guttun wird oder nicht. So lernen wir wieder, was wir wirklich brauchen.

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge