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Genuss ohne Reue

Schlank-, Krank- oder Muntermacher? Ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand zeigt, was die beliebte Tasse Kaffee bewirken kann. Das lässt manchen Mythos alt aussehen. // Sylvia Meise
30.11.2008
Schlank-, Krank- oder Muntermacher? Ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand zeigt, was die beliebte Tasse Kaffee bewirken kann. Das lässt manchen Mythos alt aussehen. // Sylvia Meise

Schlank-, Krank- oder Muntermacher? Ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand zeigt, was die beliebte Tasse Kaffee bewirken kann. Das lässt manchen Mythos alt aussehen. // Sylvia Meise

Mythos 1: Kaffee schadet dem Herzen

Der Vorstellung, Kaffee schade dem Herzen, widerspricht P. Ballmer-Weber. Tatsächlich könnte Kaffee - so die Schlussfolgerungen der Forscherin - das Herz-Kreislaufsystem sogar vor Krankheiten schützen. Sie macht dafür die enthaltenen Polyphenole sowie Kalium und Magnesium verantwortlich. Auch die umfangreiche amerikanische „Nurses Health"- Studie zeigt: Kaffee erhöht nicht den Blutdruck, wohl aber Cola.

Womöglich, weil der koffeinhaltigen Limonade die schützenden Stoffe des Kaffees fehlen. In diesem Sinn weisen auch andere Kaffee-Forscher darauf hin, dass nach Kaffeegenuss zwar Herztätigkeit, Blutdruck und Körpertemperatur ansteigen, grundsätzlich jedoch mit positiver Auswirkung. Da sich die Blutgefäße im Hirn verengen, in den Organen aber erweitern, werden diese besser durchblutet. Die Ernährungsmediziner O. Adam und W. Forth empfehlen dennoch Überempfindlichen, maßvoll Kaffee zu trinken, vor allem Senioren und Jugendlichen sowie von Herz-Rhythmus-Störungen oder von Bluthochdruck Betroffenen. Gerade sie nämlich reagierten hochsensibel auf das Stimulans Koffein, was sich bei ihnen mit Schlafstörungen, Zittern oder Nervosität auswirken könnte.

Quellen: P. Ballmer-Weber: Kaffee und Tee - unbedenkliche Muntermacher? Aktuelle Ernährungsmedizin, Nr. 27, 2002; O. Adam; W. Forth: Kaffee und Tee. In: P. Schauder, G. Ollenschläger (Hrsg.): Ernährungsmedizin. Urban & Fischer, 2006.

Mythos 2: Kaffee schlägt Alkohol

Ein paar Tassen Kaffee und die Bierchen sind perdu? Eine Wunschvorstellung, die mit der Realität nichts zu tun hat. Koffein betätigt sich im Körper keinesfalls als nüchterner Alkoholkiller. Im Gegenteil: die Verbraucherzentralen warnen vor der Kombination Kaffee und kohlensäurehaltige Alkoholgetränke, denn beides zusammen beschleunigt die Aufnahme des Alkohols ins Blut sogar. Die sogenannten Alkopops, die auch Koffein enthalten, könnten deshalb - besonders unter körperlicher Anstrengung wie Tanzen - bis hin zum Kollaps führen.

Quellen: www.bfr.bund.de/cd/2456.de, 2004; Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung Berlin zu „Alkoholhaltigen Mischgetränken mit Koffein und koffeinhaltigen Zutaten“, 19.8.2003

Mythos 3: Kaffee macht nicht süchtig

Wer im Büro als erstes die Kaffee­- ma­schine anwirft, sich am Wochenende zu Hause aber zurückhält und nur wenig oder keinen Kaffee konsumiert, muss mit Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit so­wie verminderter Konzentrationsfähig­­keit rechnen. Das sind eindeutige Entzugssymptome, meinen Forscher wie O. Adam, denn Kaffee mache psychisch und körperlich abhängig. Koffein war sogar lange Zeit auf der Liste des olympischen Komitees als Doping- und bei der WHO als Suchtmittel geführt. Die Entwarnung folgte unter anderem mit der Begründung, das Potenzial für den Extra-kick beziehungsweise als Suchtmittel sei sehr gering. Daraufhin strichen die beiden Institutionen Koffein wieder von ihren Roten Listen.

Quellen: O. Adam (siehe oben); A. Bichler et al.: A combination of coffeine and taurine. Amino Acids No. 31, 2006

Mythos 4: Kaffee erregt Krebs

Kaffee soll Krebs, Diabetes und sogar Osteoporose verursachen. Krankmacher-Mythen beruhen oft auf Fehlinterpretationen der Daten oder - speziell beim Kaffee - auf einseitiger Betrachtung des Koffeins, ohne dass weitere Inhaltsstoffe berücksichtigt werden. Dabei lassen sich dem Getränk auch bislang eher unbekannte positive Aspekte zuschreiben. Dass es Krebs auslöst, wird nun durch neue Erkenntnisse widerlegt: Drei bis vier Tassen pro Tag könnten sogar krebsvorbeugend wirken.

Warum, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Möglicherweise sind die im Kaffee enthaltenen Antioxidantien beteiligt. Nach weiteren Studien, die noch vertieft werden müssen, soll das Getränk auf den Hormonhaushalt junger Frauen einwirken, berichtet die Ärztezeitung. Demnach hatten Kaffeetrinkerinnen vor dem Klimakterium ein um 40 Prozent niedrigeres Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Zum Diabetesrisiko meint der Forscher R. Corti, es ließe sich durch vier Tassen Kaffee pro Tag um 30 bis 60 Prozent senken.

Quellen: Ärztezeitung vom 23.3.2006; R. Corti et al.: Kaffee - Gift oder Medizin? Therapeutische Umschau 62, 2005

Mythos 5: Kaffee stärker als Espresso

Das ist nun wirklich eine knifflige Sache. Denn ob ein Kaffee als stärker oder schwächer empfunden wird, hängt zum einen mit den verwendeten Sorten zusammen - also etwa „Arabica“ und „Robusta“. Und dann spielt natürlich auch die zugegebene Menge Wasser eine Rolle. Außerdem ist die Koffeinverträglichkeit individuell sehr verschieden, was eine neutrale Bewertung der Kaffeestärke schwierig macht. Fakt ist aber auch: Für Filterkaffee werden in Deutschland meist mildere Arabica-, für Espresso stärkere Robusta-Sorten verwendet. Dass Espresso oft besser vertragen wird, liegt nach Meinung von Adam und Forth daran, dass beim Espresso der Kontakt mit dem Kaffeemehl kürzer und die Tasse kleiner ist.

Quelle: A. Bichler et al. (siehe oben)

Biokaffee hilft Kleinbauern.

Stimmt! Laut der Hilfsorganisation "Save The Children" erhalten die Bauern von Gumutindo in Uganda für organischen Kaffee 1 400 Schilling (65 Cent) pro Kilo statt 800, während sich die Produktionskosten durch den Wegfall chemischer Dünger verringern.

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