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Katja Riemann: „Fleisch in Maßen, nicht in Massen“

Die Schauspielerin Katja Riemann über ihren Auftritt im Kleid aus Kohl – und ihr Engagement für Menschenrechte und Vegetarismus.

10.04.2016

Die Schauspielerin Katja Riemann über ihren Auftritt im Kleid aus Kohl – und ihr Engagement für Menschenrechte und Vegetarismus.

Wie war das, als Sie stundenlang ein Kleid aus Kohlblättern getragen haben?

Das war lustig. Genau genommen war es ein Gemüsekleid, in dem ich für die Tierrechtsorganisation PETA für gesunde Ernährung geworben habe. Das Foto hat Nela König in Szene gesetzt. Die Kohlblätter mussten während des Fotoshootings immer wieder gegossen werden, damit die Blätter auch immer frisch aussahen.

„Vegetarier sind Klimaschützer“ war die Aussage des Plakats.

Ja, als Vegetarierin setze ich mich auch für unseren Planeten ein. Ich habe 2010 das Buch von Jonathan Safran Foer gelesen: „Eating Animals Tiere essen. Foer setzt sich mit den Problemen der Massentierhaltung auseinander und plädiert für einen fleischfreien Tag in der Woche. Dieses Buch hat in unserer Gesellschaft eine breite Diskussion über Vegetarismus ausgelöst, auch wenn es nicht explizit dazu auffordert, gar kein Fleisch mehr zu essen. Aber die Zahlen machen den ganzen Irrsinn des unreflektierten, möglichst billigen Fleischgenusses deutlich.

Inwiefern Irrsinn?

In Deutschland verbrauchen wir 88 Kilo Fleisch pro Kopf. Rund zehn Prozent der Bevölkerung lebt vegetarisch, dieser Verbrauch verteilt sich noch einmal. Meine 88 Kilo Fleisch isst also jemand anders. Ich habe das einmal ausgerechnet: Fleischesser verbrauchen 97 Kilo Fleisch im Jahr! Das ist natürlich nur mit Massentierhaltung möglich. Und dagegen wende ich mich!

Sollen wir alle Vegetarier werden?

Zumindest müssen wir weniger und bewusster Fleisch essen. In meiner Familie gab es selten Fleisch, das ging auch. Heute gibt es zwar immer mehr Menschen, die kein Fleisch mehr essen. Einen wahnsinnigen Trend zum Vegetarismus gibt es aber nicht.

Stimmt! Und trotz Bio-Trend sind nur vier Prozent des Essens bio.

Ich versuche, mich bewusst zu ernähren, ich kaufe oft im Bio-Laden ein. Aber bio ist eben auch nicht alles heute muss man auch bedenken, welche Reise unser Essen machen musste, bevor es bei uns auf dem Teller landet. Das wird zunehmend wichtig nicht nur für die gesunde Ernährung. Es kommt ja auch auf die Frische der Lebensmittel an.

Ist Ihnen also „regional“ wichtig?

Ja, natürlich. Waren Sie mal in Almeria in Spanien?

Ich habe nur die Fotos von diesen Gemüseplantagen unter Plastik gesehen.

Ich bin gerade da gewesen. Es ist wirklich beeindruckend – im absolut negativen Sinn. Die ganze Gegend sieht aus wie ein riesengroßer, zugefrorener Teich. Riesige Flächen liegen unter Plastikfolien! So können wir in Deutschland auch im Winter frischen Salat essen, doch der ganzjährige Gemüseanbau hat einen hohen Preis.

Das ist natürlich ein gutes Argument für regionalen Handel.

Ich glaube, es muss noch sehr viel mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden, dass man Tomaten dann kaufen soll, wenn sie aus Brandenburg kommen; ich wohne ja in Berlin. Wir müssen keine Tomaten aus Spanien kaufen, wenn wir uns auf die Jahreszeiten beschränken, in denen bei uns Obst und Gemüse reifen. Und hier fängt natürlich auch ein Denkprozess an, der über das reine Bio-Essen hinausgeht.

Wie konsequent sind Sie beim Essen?

Ich bin Vegetarierin, aber esse Eier und Käse. Wir bauen gerade an einer kleinen Datscha in der Nähe von Berlin herum. Da kriegen wir die Eier von den Hühnern, die im Dorf rumlaufen.

Ich habe ein Bild gesehen, da stehen Sie in einer Bio-Tee-Plantage.

Auf einer meiner Reisen mit Plan International nach Sri Lanka haben wir die Paradise-Farm besucht. Arne Fjortoft aus Norwegen hat dort den Tee-Anbau auf Bio umgestellt und ist sehr erfolgreich damit. Plan International unterstützt das Projekt. In den meisten Tee- Plantagen werden sehr stark Pestizide gespritzt, während die Frauen mit ihren nackten Armen auf den Feldern arbeiten. Fjortoft ermöglicht den Frauen Fortbildungen zum ökologischen Anbau. So erfahren sie, wie sie besser wirtschaften: in gesundheitlicher Hinsicht und in Hinsicht auf den Gewinn. Die meisten Familien haben noch ein kleines Grundstück, auf dem sie selbst anbauen können. Und er sagt: „Wenn ihr da auch Tee pflanzt nach organischen Gesichtspunkten, dann kaufe ich euch den Tee ab; und zwar für den zehnfachen Preis. Beim Pestizid-Anbau haben die 600 Rupien im Monat bekommen, jetzt haben sie 6 000.

Was muss sich ändern, damit die Welt insgesamt gerechter wird?

Ich habe mit UNICEF viele Reisen gemacht. Eine grundsätzliche Erkenntnis daraus ist, dass wir Industriestaaten uns nicht auf Augenhöhe mit den armen Ländern bewegen. Ein aus meiner Sicht besserer Weg wäre zu sagen: „Wir machen miteinander Business. Die Reichen verdienen dabei vielleicht ein bisschen weniger als sonst, aber dafür machen auch die anderen ein Geschäft.Nur so können die Länder sich autonom selbst weiterentwickeln.

Die „Emma“, die Sie im Fernsehen seit Ende April spielen, hat lange in Marokko gelebt, kommt zurück nach Deutschland und berät als Psychologin Hörer bei einem Radiosender. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Dass sie Geheimnisse hat. Ich lerne sie selbst erst nach und nach kennen. Es bietet auch für mich als Darstellerin immer wieder schöne, überraschende Momente, eine Figur mit dem Drehbuchautor zu entwickeln.

Sie spielen diese Psychologin, kennen sie aber gar nicht richtig?

Stimmt, ich lerne sie – wie der Zuschauer – immer besser kennen. Wolfgang Stauch hat die ersten beiden Drehbücher geschrieben. Jetzt konnte ich zu meiner großen Freude eine tolle Regisseurin und Autorin an Bord holen: Laura Lackmann. Sie ist sehr bewandert mit psychologischen und psychotherapeutischen Fragen und sie wird unsere Emma weiterentwickeln.

Würden Sie „Emma nach Mitternacht“ einen Krimi nennen?

Das möchte ich nicht. Ich möchte komplett weg vom Krimiformat. Bei „Emma nach Mitternacht“ geht es um Psychologie. Die ist auch sehr viel differenzierter und komplexer. In jeder Folge geht es um eine besondere Geschichte – in der ersten mit Ben Becker, in der zweiten mit Corinna Harfouch – aber es geht auch immer um Emma. Aus den psychologischen Konstrukten entsteht dann hoffentlich die Spannung.

Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen traf die Schauspielerin Katja Riemann in Hamburg.

Zur Person: Katja Riemann

... ist eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Ihren großen Durchbruch hatte sie mit Katja von Garnieres „Abgeschminkt! und der Kino-Comic-Verfilmung „Der bewegte Mann im Jahr 1994. Katja Riemann spielt aber auch Theater, macht Musik und liest Hörbücher. Außerdem hat sie musikalische Hörspiele geschrieben, inszeniert und produziert.

Am 8. Juni läuft die zweite Episode von „Emma nach Mitternacht in der ARD: „ Frau Hölle . Am 12. Mai kommt ihr neuer Film „Mängelexemplar“ in die deutschen Kinos. Katja Riemann lebt mit ihrem Partner in Berlin.

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