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Fasten und Detox: Ballast abwerfen

ERNÄHRUNG Detoxen ist ein bisschen wie Fasten – und umgekehrt. Beides ist kein Allheilmittel, aber ein guter Einstieg, um etwas zu ändern.
05.02.2016
ERNÄHRUNG Detoxen ist ein bisschen wie Fasten – und umgekehrt. Beides ist kein Allheilmittel, aber ein guter Einstieg, um etwas zu ändern.

ERNÄHRUNG Detoxen ist ein bisschen wie Fasten – und umgekehrt. Beides ist kein Allheilmittel, aber ein guter Einstieg, um etwas zu ändern. // Monika Herbst

Der Morgen beginnt für Kristin Woltmann mit einem Saft aus Apfel, Gurke, Spinat, Petersilie, Zitrone und Ingwer. Fünf Tage lang isst die Food- und Fitness-Bloggerin nichts und trinkt stattdessen frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte. Kristin macht eine Detox-Kur. Am ersten Abend bekommt sie Kopfschmerzen, sie schläft viel – beides typische Begleiterscheinungen. Auch Hungergefühle, Frösteln und Gereiztheit kommen beim Detoxen vor. Zum Glück meist nur in den ersten Tagen, bis sich der Stoffwechsel umgestellt hat. Nach der Kur geht es Kristin rundum gut. Sie ist energiegeladen, ihre Haut wirkt frisch.

Detox heißt „entgiften“

Detox ist angesagt, gerade jetzt im Frühjahr. Viele Menschen wünschen sich mehr Energie, möchten ein paar Kilo abnehmen und entschlacken. Doch kann Detox dabei helfen? Und was genau ist Detox eigentlich?

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Drogenentzug und bedeutet „Entgiften“. Der Körper soll von innen gereinigt werden. Dafür verzichtet man ähnlich wie beim Fasten ganz oder teilweise auf feste Nahrung. Heidi Klum, Moderatorin von „Germany’s Next Topmodel“, schwört zum Beispiel auf eine Mischung aus Wasser, Zitrone und Cayennepfeffer. Hollywood-Schauspielerin Reese Witherspoon greift zu grünen Detox-Drinks.

Bei einigen Detox-Programmen ist auch feste Nahrung erlaubt, „Detox light“ sozusagen. Dann gibt es vor allem gesunde und nährstoffreiche Gerichte mit viel Obst und Gemüse, zum Beispiel die in den USA beliebten „Detox-Bowls“ – leichtes Essen mit vielen pflanzlichen und ohne tierische Zutaten. Fleisch und Milch sind beim Detoxen tabu, genauso Zucker, Koffein und oftmals auch Weißmehl oder Weizen.

Was Detox leisten kann

Detoxen setzt auf das Ausscheiden von Giftstoffen und Schlacken. Ein Punkt, in dem sich Schulmediziner und naturheilkundliche Ärzte uneins sind. Die Schulmedizin ist überzeugt, dass sich der Körper über die Leber, Nieren und den Verdauungstrakt selbst reinigt. „Das schaffe der Körper nicht immer“, sagen dagegen Heilpraktiker. Sie sind überzeugt: Fasten fördert den Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechsel-Endprodukten.

Was eine Detoxkur aber auf jeden Fall leisten kann: ungesunde Essgewohnheiten, wie Schokolade oder Chips zum Fernsehen, zu durchbrechen. Und sie kann dabei helfen, den Einstieg in eine gesunde Ernährung zu schaffen. Wer dabei auf frische und ökologisch angebaute Zutaten setzt, tut sich auf jeden Fall etwas Gutes. Kristin Woltmann hat die Erfahrung gemacht: „Wer den eigenen Körper einmal gründlich gereinigt hat, ‚vermüllt‘ ihn nicht so schnell wieder mit zuckerreicher, ungesunder Nahrung.“

Eine Pause für den Körper

Besonders beliebt ist Detoxen bei berufstätigen Frauen. „Sie sind durch ihren Berufsalltag und die Arbeit Zuhause stark belastet, gleichzeitig ist ihnen klar, dass sie mit der richtigen Ernährung viel Positives für den Körper bewirken können“, erklärt der Ernährungssoziologe Daniel Kofahl. Während die einen das Detox-Programm auch im stressigen Alltag gut hinbekommen, ziehen sich andere bewusst raus. Sie fahren in die Berge oder ans Meer zu einem Detox-Retreat, einer modernen Version der klassischen Fastenwoche. Den Teilnehmern geht es dabei um eine Auszeit, ein Innehalten. Sie wandern oder machen Yoga und haben Zeit, Dinge zu durchdenken und hinterher vielleicht einiges klarer zu sehen.

Detox oder Fasten?

Detox ist ein neues Phänomen. Fasten hingegen hat eine lange Tradition. Beiden gemein ist, dass es viele verschiedene Varianten gibt und dass sie dem Körper eine Pause bieten. „Verdauung bedeutet Arbeit für den Körper und Stress für Organe und Zellen“, erklärt Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. Deshalb tue es dem Körper gut, mal eine Pause zu machen. Wie diese Pause am besten aussieht, da ist man sich beim klassischen Fasten wie auch beim Detoxen uneinig: Wie viele Kalorien soll man zu sich nehmen? Kann man auch feste Nahrungsmittel essen? Wie viele Tage sind ideal? Solche Fragen wurden bislang nicht wissenschaftlich untersucht.

Doch egal ob man es nun Detox oder Fasten nennt – die Möglichkeiten, Ballast loszuwerden, sind zahlreicher denn je. So kann jeder für sich die passende Methode finden. Einen Versuch ist es auf jeden Fall Wert. Kristin Woltmann plant für dieses Jahr ihre fünfte Detox-Kur. Für sie sind die Tage ohne Essen jedes Mal ein Gewinn, seelisch und körperlich. Sie nutzt die Zeit, um negative Dinge aufzuarbeiten und hinter sich zu lassen. Am meisten schätzt sie den Energieschub, der sich ab dem dritten Tag bei ihr einstellt – und der auch noch Wochen nach der Kur anhält.

Detox oder Fasten: Zwei Begriffe, ein Ziel

Unter Fasten versteht man den Verzicht auf feste Nahrung. Daneben haben sich weniger strickte Formen des Fastens etabliert, wie Teilfasten, bei dem nur bestimmte Lebensmittel gegessen werden, oder sogenanntes intermittierendes Fasten, bei dem sich Fasten und Essen abwechseln. Die positiven Effekte sind zahlreich: Fasten hellt zum Beispiel die Stimmung auf, senkt Zucker- und Cholesterinspiegel, normalisiert den Blutdruck und reinigt den Darm.

Beim Detoxen geht es darum, Substanzen, die negativ für den Körper sind, loszuwerden. Eine Detox-Kur ist ein Ausgleich für zu viel und zu schweres Essen. Ähnlich wie beim Fasten setzen viele Kuren ausschließlich auf flüssige Nahrung. Außerdem gibt es spezielle Detox-Lebensmittel und -Produkte, die den Körper bei der Kur unterstützen sollen. Der Begriff Detox ist allerdings nicht geschützt. Es müssen also keine Kriterien erfüllt oder Wirkungen nachgewiesen sein.

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