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Fairer Kaffee aus Mexiko

Kaffee ist beim Genießer hochbeliebt – doch lohnt sich die Bohne noch für die Erzeuger? Eine Kaffeebäuerin aus Mexiko berichtet über ihren Weg zu Bio-Kaffee und Fairtrade. // Text: Patrick Gallitz, Fotos: Patrick Gallitz und Peter Gänz
30.09.2006
Kaffee ist beim Genießer hochbeliebt – doch lohnt sich die Bohne noch für die Erzeuger? Eine Kaffeebäuerin aus Mexiko berichtet über ihren Weg zu Bio-Kaffee und Fairtrade. // Text: Patrick Gallitz, Fotos: Patrick Gallitz und Peter Gänz

Die Bohne wert

Kaffee ist beim Genießer hochbeliebt – doch lohnt sich die Bohne noch für die Erzeuger? Eine Kaffeebäuerin aus Mexiko berichtet über ihren Weg zu Bio-Kaffee und Fairtrade. // Text: Patrick Gallitz, Fotos: Patrick Gallitz und Peter Gänz

Die Serpentinen des Carretera Highways schlängeln sich auf dem Weg nach Santa Rosa durch dichten, grünen Urwald. Auf den steilen Hängen der Sierra Madre, im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, deutet nichts mehr auf die Zerstörungen des Hurrikans Paulina vor neun Jahren hin. Doch hat er gerade hier schwere Schäden hinterlassen. Auf der Suche nach betroffenen Bio-Kaffeebauern begegnet uns Margarita Carvajal. Als Zapotekin gehört sie den ältesten Indianerstämmen Mexikos an. Ihre Familie baut bereits in der dritten Generation im Hochland Mexikos Arabica-Kaffee an.

„Meine Kaffeefelder beginnen gleich auf der anderen Seite der Straße“, sagt sie. „Bio-Kaffee wächst im Schatten anderer Bäume, daher sind die Bepflanzungen von hier aus nicht zu sehen. Es wirkt alles fruchtbar und gesund – doch hat sich in den letzten Jahren viel verändert.“ Sie bekommt eine ernste Miene. Der Hurrikan hat Spuren hinterlassen – nicht zuletzt in den Herzen der Menschen. Bereits vor der Naturkatastrophe war es eine harte Zeit. Margarita Carvajal, Mutter zweier Kinder, erinnert sich gut an den Verfall der Weltmarktpreise für Kaffee in den 80er Jahren und das im Jahr 1989 aufgelöste internationale Handelsabkommen. „Als der Markt nicht mehr reguliert wurde und plötzlich alle Welt Kaffee anzubauen begann, führte das bei uns Kleinbauern zu einer schweren Krise.“

„Coyotes“ grasten den Markt ab

Die Preise für Rohkaffee fielen ins Bodenlose. Zwischenhändler, „Coyotes“ genannt, kauften den Kaffee für Großhändler zu Konditionen an, dass sich der Anbau kaum noch lohnte. „Als Kleinbauern wollten wir uns aus dem Würgegriff der Coyotes befreien und entschlossen uns, mit anderen Kaffeebauern eine Kooperative zu gründen. So konnten wir unsere Ernteerträge zukünftig selbst vermarkten“, erinnert sich die Kaffeebäuerin. Als Mitglied der ersten Stunde in der Kooperative Yeni Navan, vermarktet Frau Carvajal nun ebenso wie 1.200 andere indianische Kleinbauern ihren Kaffee zentral über die Genossenschaft. Jedoch sichert der zentrale Verkauf allein das Einkommen der Kleinbauern langfristig nicht. Erst Bio-Kaffee und fairer Handel brachten der Kooperative die dringend benötigten Zuschläge auf die niedrigen Weltmarktpreise.

Faire Preise

Seit 1992 arbeitet die Kooperative Yeni Navan nach den Richtlinien und unter Kontrolle des deutschen Anbauverbandes Naturland. Die Umstellung auf Bio-Qualität ging gut vonstatten. Die Kleinbauern der Kooperative verzichten gemäß den Naturland-Richtlinien ganz auf chemisch synthetische Dünger und Pestizide. Gleichzeitig verkaufen sie ihren biologisch angebauten Kaffee über den fairen Handel. Der größte Anteil wird an die gepa in Deutschland geliefert.

Die Fairtrade-Organisation bezahlt für Bio-Kaffee einen Mindestpreis von 1,41 US-Dollar pro amerikanisches Pfund. Das ist schon eher die Bohne wert. „Wir sind alle auf den Mehrpreis angewiesen“, sagt die Kooperativenpräsidentin Arcelli. Neben dem Überleben sichert er den Bauern aber auch Weiterbildungsangebote und eine bessere Infrastruktur in den Gemeinden.

Klimawandel bedroht Bauern langfristig

Bio-Anbau, fairer Handel und zentrale Vermarktung verbessern zwar den Preis und die Lebensqualität der Bauern. Auf der wirtschaftlichen Sonnenseite sieht sich Margarita Carvajal jedoch immer noch nicht. Ihre diesjährige Ernte ist dürftig ausgefallen. Die sinkenden Erträge ihrer vier Hektar großen Parzelle glaubt sie auf den Klimawandel zurückführen zu können. Als Folge von globaler Erwärmung erwarten Forscher außerdem mehr Regenfälle und tropische Wirbelstürme.

Hurrikan Paulina zerstörte 1997 in Oaxaca an der pazifischen Küste von Mexiko die Lebensgrundlage Hunderter Kleinbauernfamilien: Heftige Stürme und damit verbundener Erdrutsch vernichteten in kurzer Zeit die Schattenbaumflora und dünne Humusschicht der Bergwälder. Mit verheerenden Folgen für die Landwirtschaft.

„Als Paulina kam und hier alles zerstörte, ging es bergab“, berichtet Margarita Carvajal. „Trotz vorheriger Anstrengungen“. Selbst nach zehn Jahren sind die Schäden noch spürbar. „Die Gewalt eines Hurrikans kann selbst intakte Kaffee-Ökosysteme zerstören“, bestätigt Peter Gänz, Naturland-Mitarbeiter in Mexiko. „Bis sich Boden und Begleitpflanzen regenerieren, vergehen Jahre bis Jahrzehnte, solange müssen die Kleinbauern mit geringen Ernteerträgen kämpfen.“

Wirbelstürme bleiben in bedrohten Gebieten selten die Ausnahme. So erwischte Wirbelsturm „Stan“ in 2005 den Bundesstaat Chiapas östlich von Oaxaca. Schwere Regenfälle folgten. Laut Naturland sind bis heute noch immer 5.000 zertifizierte Kaffeebauern in Mexiko von den Verwüstungen betroffen. Señor Velazquez, Mitglied der lokalen Organisation POSI bestätigt: „Viele Bauern haben ihre Kaffeepflanzungen verloren, der Sturm zerstörte zahlreiche Fermentationsbecken und Maschinen zur Aufbereitung des Kaffees. Die meisten müssen alles wieder von vorne aufbauen. Wir planen, die betroffenen Gebiete mit Schattenbäumen und anschließend mit neuen Kaffeepflanzen wieder aufzuforsten. „Aber das braucht Zeit.“

Niemals aufgeben

Auch Bäuerin Carvajal hat die Folgen zu tragen: „Früher habe ich mehr als eine Tonne Pergaminokaffee über die Kooperative verkauft. Heute sind es nur noch 600 Kilogramm.“ Ans Aufgeben denkt die 45-Jährige jedoch nicht. Am Ortsausgang von Santa Rosa betreibt sie oberhalb ihrer kleinen Kaffeeaufbereitung das Restaurant und Café „El Sol“. Mit der Gaststätte kompensiert sie die niedrigen Einkünfte aus dem Kaffeeanbau. Immerhin: Auf diese Weise kann sie doch vom Kaffee leben.

Heiß geliebter Kaffee

Spitze: Kaffee ist der Deutschen Volksgetränk Nummer 1. Durchschnittlich 151 Liter des koffeinhaltigen Getränks genießt der Einzelne jährlich. Für die Erzeuger jedoch ist der Anbau schon längst kein einträgliches Geschäft mehr.

Niedrige Weltmarktpreise und Klimakatastrophen bedrohen die Existenz vieler Erzeuger. Mexikanische Kleinbauern organisieren sich daher in Kooperativen und vermarkten Bio-Kaffee über den fairen Handel.

Kaffee Arabica und Robusta

Weltweit sind Arabica (Coffea arabica) und Robusta (Coffea canephora) die wichtigsten Kaffeesorten. Arabica ist ein Hochlandkaffee und stammt ursprünglich aus Äthiopien. Sie ist hochwertiger als Robusta. Diese Bohne wird in tieferen Lagen angebaut und enthält doppelt so viel Koffein wie Arabica-Bohnen. In ökologischer Qualität ist sie indes kaum verfügbar.

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