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Einkauf: Bio-Honig aus Deutschland

Die Deutschen haben eine süße Schwäche: Pro Kopf verzehren sie im Jahr 1,4 Kilogramm Honig. Deutschland kann seinen Bedarf jedoch nur zu 20 Prozent aus eigener Produktion decken. Gut 80 Prozent des Honigs werden importiert. Akazienhonig, Blütenhonig, Wald- oder Tannenhonig – auch wenn sie nach einheimischer Herkunft klingen, haben viele der vertraut klingenden Sorten eine weite Reise hinter sich.

30.09.2007

Die Deutschen haben eine süße Schwäche: Pro Kopf verzehren sie im Jahr 1,4 Kilogramm Honig. Deutschland kann seinen Bedarf jedoch nur zu 20 Prozent aus eigener Produktion decken. Gut 80 Prozent des Honigs werden importiert. Akazienhonig, Blütenhonig, Wald- oder Tannenhonig – auch wenn sie nach einheimischer Herkunft klingen, haben viele der vertraut klingenden Sorten eine weite Reise hinter sich.

Das süße Leben

Regionale Vielfalt

Dabei findet man im Bioladen eine breit gefächerte Auswahl deutscher Honige. Für die eher liebliche Variante stehen der „Bayerischer Frühlingsblütenhonig“ (Hoyer), „Sommerblütenhonig“ und „Rapshonig“ (Allos) oder „Lindenblütenhonig“ (Blütenland Bienenhöfe). „Weißtannenhonig“, „Edelkastanie“ oder „Waldhonig“ (Cum Natura) begeistern Honig-Fans mit ihrer würzig-aromatischen Note. Markant schmecken „Buchweizenhonig“ und „Heidehonig“ sowie als weiteres Highlight der „Kornblumenhonig“ (Blütenland Bienenhöfe). Neben den bundesweit erhältlichen Sorten finden sich oft Honige von regionalen Anbietern in den Naturkostregalen, deren Produktion nur für den Vertrieb vor Ort ausreicht: Vom Akazienhonig aus der Uckermark bis zum Blütenhonig mit Linde aus Sachsen-Anhalt oder dem Tausendblütenhonig aus der Region Fürth spiegeln sie die ganze regionale Vielfalt wider. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Bio-Honig und seinen konventionellen Kollegen?

Glückliche Bienen

Das sind zunächst einmal die besseren Lebensbedingungen der Bienen: Beispielsweise werden Schädlinge wie die Varroa-Milbe oder Krankheiten wie die „Faulbrut“ anders bekämpft. Die konventionelle Bienenhaltung erlaubt chemisch-synthetische Mittel. Deren Rückstände können sich im Wachs der Waben und auch im späteren Enderzeugnis wieder- finden. Der Bio-Imker geht ausschließlich mit organischen Mitteln wie beispielsweise Ameisen- oder Milchsäure vor. Und dies auch nur zu der Zeit, in der kein Honig gesammelt wird. Vorbeugende Medikamentengaben und Antibiotika sind tabu. Die EU-Bioverordnung erlaubt jedoch die chemisch-synthetische Behandlung der Bienen in Ausnahmefällen – die betroffenen Völker scheiden dann für ein Jahr aus der Produktion aus.

Demeter, Bioland und Co.

Alle Bio-Siegel stehen für die Verwendung überwiegend ökologischer Baustoffe wie Lehm, Holz oder Stroh beim Bau der Bienenkästen. Das direkte landwirtschaftliche Umfeld der Bienen soll ökologisch bewirtschaftet sein. Autobahnen oder Industrien mit Schadstoffausstoß dürfen sich nicht im Einzugsbereich der Bienenstöcke befinden, damit möglichst wenige Schadstoffe in den Honig gelangen. Dies dient auch dem Schutz der empfindlichen Bienen, die nach dem Kontakt mit Umweltgiften häufig schon sterben, bevor sie mit dem belasteten Nektar den Bienenstock erreichen. Auch der Respekt vor dem Tier spielt für Bio-Imker eine große Rolle. So beschneiden sie der Bienenkönigin niemals ihre Flügel, auch wenn sie damit das Ausschwärmen und den möglichen Verlust ganzer Völker in Kauf nehmen. Während konventionelle Imker ihren Bienen im Winter nur billigen Industriezucker als Ersatz für ihre mühsam gefüllten Waben anbieten, überlassen Bio-Imker ihnen einen Teil ihres eigenen Honigs und füttern mit Bio-Zucker zu.

Kalt oder nicht kalt

Bio-Honige von Demeter, Bioland, Naturland und Biokreis werden, ebenso wie konventioneller deutscher Imkerhonig, grundsätzlich kaltgeschleudert, um wertvolle Inhaltsstoffe wie Enzyme zu erhalten. Wobei „kalt“ durchaus der Temperatur eines Hochsommertages entspricht, denn die vorgeschriebene Obergrenze liegt bei 40 Grad Celsius, dem Wohlfühlklima der Bienen im Inneren eines Stocks. Das EU-Biosiegel trifft hier jedoch keine Regelung. Große Bio-Honig-Importeure wie Allos oder Martin Evers haben darum in puncto Erhitzung eigene Richtlinien entwickelt, die strenger sind als die der Deutschen Honigverordnung. Ein weiteres Qualitätsmerkmal deutscher Bio-Honige ist auch der geringe Wasseranteil von maximal 18 Prozent. Konventionelle lassen – entsprechend der Deutschen Honigverordnung – bis zu 20 Prozent zu.

Ohne Bienen keine Landwirtschaft

Die wertvollste Arbeit der Bienen besteht nicht nur in der Herstellung von Honig, sondern vor allem in ihrer Bestäubungsleistung. Ein Teil der Wildpflanzen würde ohne regelmäßige Bestäubung aussterben, die Ertragsleistung von Kulturpflanzen wie beispielsweise Raps deutlich abnehmen. In den USA wird schon heute viel Geld damit verdient, dass Imker mit ihren Bienen zur Fremdbestäubung quer durch das Land fahren.

Zum Weiterlesen

In unserer Schrot&Korn Bio-Bibliothek haben Gudrun Ambros und Claudia Buch ein kleines Werk zum Thema „Natürlich süßen“ verfasst. Hier ebenso zu finden: „Honig“ von Karin Heinze. Beide Bücher können Sie im Shop bestellen.

Bienen an die Leine?

Bienen fliegen, wohin sie wollen. Dadurch kann selbst der Honig von Bio-Imkern gentechnisch verunreinigt werden, deren Bienenstöcke sich bis zu drei Kilometer entfernt von Gentech-Anbauflächen befinden. Nach den jüngsten Gerichtsentscheidungen sind Lebensmittel, die zum Beispiel Spuren des Genmaises MON 810 enthalten, nicht zugelassen. Dies gilt jedoch im Augenblick noch nicht für Honig. Zynische Folge dieser Rechtslage: Imker können für die Entwertung ihrer Honigproduktion keinen Schadenersatz verlangen. Über die neuesten Entwicklungen informieren sie auf der Webseite www.bienen-gentechnik.de.

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