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Einkauf: Bio-Gummibärchen

Mit der artgerechten Haltung schaut es bei Bio-Gummibärchen schlecht aus. Sie haben viel zu wenig Platz in ihren Tüten. Deshalb schnell raus mit ihnen und den Unterschied schmecken
30.07.2006
Mit der artgerechten Haltung schaut es bei Bio-Gummibärchen schlecht aus. Sie haben viel zu wenig Platz in ihren Tüten. Deshalb schnell raus mit ihnen und den Unterschied schmecken

Raus aus der Tüte!

GEGEN DUMME Gedanken gleich im Vorfeld: Gummibärchen bestehen zu mehr als drei Vierteln aus Glukosesirup und Zucker. Sie sind also weder vollwertig noch zum massenhaften Verzehr geeignet. Deshalb öffnet der Autor die Tütchen auch nur zu Forschungszwecken und verbraucht nur ganz wenige Versuchsbärchen. Schließlich wollen die Kinder auch noch welche.

Die erste Versuchsreihe gilt dem Biss. Die Ergebnisse sind eindeutig. Die Bärchen mit Apfelpektin sind weicher und weniger elastisch als die mit Schweinegelatine. Das elastische Gefühl kommt von den Eiweißstoffen in der Gelatine. In Apfelpektin-Bärchen beißt es sich dagegen eher wie in ein sehr hartes Gelee. Trotzdem sind sie eine leckere Alternative für Vegetarier, denn Gelatine stammt nun mal aus ausgekochten Schweineschwarten. Bei einigen Herstellern kommen die Schwarten ausschließlich von ökologisch gehaltenen Schweinen. Das verbessert zwar nicht das Beißgefühl, zeigt aber, dass diese Hersteller ihren Bio-Anspruch ernst nehmen und sich das etwas kosten lassen. Bio-Gelatine ist etwa dreimal so teuer wie konventionelle. Die härtesten Bärchen im Versuch waren übrigens die mit Gummi Arabicum. Fast schon Kaugummi mit Bärchen-Geschmack.

Saftiger Geschmack

Schwerpunkt dieser Forschungsarbeit ist natürlich der Geschmack. Doch wie sollen Bio-Gummibärchen schmecken? Richtig fruchtig oder nach Haribo? Bei konventionellen Gummibärchen kommt der Geschmack ausschließlich aus Aromen. Unter den Bio-Produkten ist die ge schmackliche Bandbreite größer. Da sind manche, die nur natürliche Aromen als Geschmacksstoffe mitbringen. Bei Cola-Bären sind es Gewürz- und Kräuterextrakte. In den meisten Bio-Produkten sorgen jedoch Fruchtsaftkonzentrate für den Geschmack. Die Menge des eingesetzten Fruchtsaftes schwankt stark, zwischen acht und mehr als 25 Prozent. Leider geben viele Hersteller den Fruchtsaftgehalt nicht auf der Verpackung an und auch nicht, wie viel davon auf Apfelsaft entfällt und wie viel auf andere, teurere Saftkonzentrate. Deshalb müssen wir das selbst herausfinden, unter Einsatz aller verfügbaren Geschmacksknospen. Es gibt Bären, die schmecken tatsächlich nach Himbeersaft, schwarzer Johannisbeere, Zitrone oder Kirsche. Bei manchen steht der Geschmack von Apfelsaftkonzentrat im Vordergrund, bei anderen dominieren die eingesetzten natürlichen Aromen und nicht die Säfte. Ganz ohne natürliche Aromen kommen auch die fruchtigsten Bärchen nicht aus. Das liegt daran, dass die Fruchtsaftkonzentrate beim Herstellen der Gummibärchenmasse entweder mitgekocht, zumindest aber auf 65 Grad erhitzt werden. Dabei gehen leicht flüchtige Geschmacksstoffe aus den Säften verloren und müssen durch natürliche Aromen ersetzt werden.

Natur statt Billigaromen

Im Gegensatz zu konventionellen, mit Hilfe von Bakterien oder Schimmelpilzen gewonnenen Billigaromen, stammen die bei Bio-Bären eingesetzten Aromen zum größten Teil aus den jeweiligen Früchten. So besteht zum Beispiel ein Himbeeraroma zu 95 Prozent aus Geschmacksstoffen, die aus echten Himbeeren gewonnen wurden. Der Rest stammt aus anderen natürlichen Rohstoffen. Keine natürlichen Aromen brauchen aufgrund ihrer anderen Rezeptur die Gummi Arabicum Bären.

Die Farbe der Bio-Gummibären stammt von Pflanzenkonzentraten und Extrakten: dunkles Rot von Holunder und schwarzen Johannisbeeren, grün von Spinat und Brennnessel, gelb von Kurkuma und Karotte. Karamellzucker färbt die Cola-Bären braun. Blaue Bio-Gummibärchen gibt es mangels passender Färbepflanze keine. Konventionelle Hersteller greifen da zu E 132, dem synthetischen Farbstoff Indigotin. Der gilt zwar als gesundheitlich harmlos im Vergleich zu manchen Azo-Farbstoffen, die sich immer noch in einigen konventionellen Gummibären finden. Chinolingelb (E 104), Gelborange (E 110), Azorubin (E 122) und Allurarot (E 129) liefern nicht nur schöne Gelb- und Rottöne, sondern stehen auch im Verdacht, bei empfindlichen Menschen Pseudoallergien, Neurodermitis und Asthma auszulösen. Auch sollen sie die Hyperaktivität bei Kindern fördern. Im Vergleich dazu sind Bio-Gummibären richtig gesund. Manche Hersteller peppen ihre Bärchen zusätzlich mit Vitamin-C-reichem Acerolakirschenpulver auf. Es gibt sogar Schwarzbären mit Spirulina-Algen.

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