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Molke – ein altes Heilmittel

Auch wenn Molke ein Nebenprodukt der Käseherstellung ist, so ist sie keineswegs ein Abfallprodukt. Ganz im Gegenteil: Molke ist ein geschichtsträchtiges Heilmittel und es gibt es Fastendrinks, Mittel zur Hautpflege oder Darmsanierung und vieles mehr mit dem Milchprodukt.

Astrid Wahrenberg
Astrid Wahrenberg

Molke ist ein Nebenprodukt der Käseherstellung. Das gesunde Getränk wird zwar auch heute noch zu einem großen Teil an Rinder und Schweine verfüttert, doch bieten einige Hersteller im Naturkostbereich Molkeprodukte zur Nahrungsergänzung, als nährstoffreiche Fastendrinks sowie als Mittel zur Hautpflege und Darmsanierung an. Wer heute eine Molkekur machen möchte, braucht dazu keinen Kurort mehr aufzusuchen, sondern kann das ganz bequem von zu Hause aus machen.

Der Unterschied zwischen Süß- und Sauermolke

Je nach Verfahren wird in Süß- oder Sauermolke unterschieden. Bei der Herstellung von Hartkäse entsteht Süßmolke, bei der Gewinnung von Weichkäse Sauermolke.

Zur Hartkäsegewinnung setzt man der Milch Lab zu, ein Enzym aus dem Kälbermagen, und leitet damit einen Gerinnungsprozess ein. Dabei wird die Milch in zwei Fraktionen getrennt: die Käsemasse und die leicht grünliche Flüssigkeit, die Süßmolke. Bei der Weichkäseerzeugung erfolgt die Gerinnung mithilfe von Bakterienkulturen. Dabei entstehen Dickmilch beziehungsweise Quark sowie als Nebenprodukt Sauermolke. Sauermolke erhält man auch, wenn frische Rohmilch einige Tage bei Raumtemperatur stehen bleibt. Die von Natur aus in der Milch vorhandenen Bakterien sorgen dafür, dass die Milch dick wird und die Molke sich absetzt.

In puncto Nährstoffgehalt sind Süß- und Sauermolke gleichwertig. Aufgrund ihrer kurzen Haltbarkeit findet man allerdings keine frische Molke, sondern nur Trockenzubereitungen und Konzentrate im Lebensmittelhandel. Diese sind längere Zeit haltbar und immer griffbereit.

Nach Bedarf kann das gesunde Molkegetränk aus Pulver und Wasser angerührt oder aus Konzentraten vermischt mit Obstsäften oder Wasser hergestellt werden. Als Trinkkuren gibt's Molke pur – und für die, die es lieber mögen – mit Erdbeer-, Schoko- und Vanillegeschmack.

Fasten mit Molke

Aus den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten geht bereits hervor, dass Molke als vielseitiges Universalmittel für die Gesundheit gehandelt wird. Ein Wundermittel ist das Getränk laut einer Infobroschüre von Bioforce jedoch nicht, sondern eher ein „sehr ursprüngliches und natürliches Lebensmittel.“

Den Nährstoffen in Molke ist eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Gießen auf den Grund gegangen. Sie bescheinigt dem kalorienarmen Milchprodukt einen hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Molkeneiweiß, Milchzucker und Milchsäure. Fett und weitere Kohlenhydrate sind dagegen fast nicht enthalten. Die Nährstoffe sind in der wässrigen Molke gelöst und können so schnell vom Organismus verwertet werden.

Molke gilt als ideales Getränk während einer Fastenkur oder Reduktionsdiät, da sie den Organismus trotz Nahrungsverzicht mit gesunden Nährstoffen versorgt. Ein weiterer Vorteil: Das in geringen Mengen enthaltene, aber hochwertige Eiweiß sorgt dafür, dass bei einer Diät nicht körpereigenes Eiweiß – zum Beispiel aus dem Muskelgewebe – abgebaut wird. „Außerdem fördert die kaliumreiche Molke die Nierenfunktion und Flüssigkeitsausscheidung. Eingelagertes Gewebewasser wird dadurch schonend ausgeschwemmt“, berichtet Leo Krähenmann, Geschäftsführer von Biokosma.

Molkekur zum Ausprobieren

Empfohlen werden ein bis zwei Molketage im Halbjahr, an denen man sich außerdem richtig ausspannen sollte. Am besten eignet sich ein Wochenende. Der Darm sollte dabei mit leichter Kost entlastet werden.

Tipps für die Molkekur: Täglich einen Liter kalorienarme Molke trinken und viel Obst und Gemüse essen. Außerdem jeden Tag mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit zuführen (die Molke eingerechnet). Wer den Molkegeschmack nicht mag, kann zum Beispiel auf Produkte mit Erdbeer-, Vanille- oder Schokoaroma zurückgreifen.

Welche Fastenkuren es sonst noch gibt

Gesunder Darm dank Milchsäure

Die in Molke enthaltene Milchsäure sorgt für eine gesunde Bakterienbesiedlung im Darm und bringt die Verdauung auf Trab. Der Organismus wird auf natürliche Weise entschlackt. Ein gesunder Darm ist die Voraussetzung für ein stabiles Immunsystem: Ist die Darmflora intakt, werden Nährstoffe aufgenommen und verwertet, können krankmachende Keime bekämpft und gesundheitsschädliche Gär- und Fäulnisprozesse blockiert werden. Molke soll auch einen eventuellen Säureüberschuss im Darm regulieren.

Bei ernährungsbedingten Stoffwechselstörungen wie Gicht, Magen-Darm-Erkrankungen, Verstopfung, Gallen- und Nierenleiden sowie Herz-Kreislaufkrankheiten soll Molke bei der Ernährungsumstellung helfen. Die Liste der empfohlenen Anwendungsgebiete lässt sich mühelos verlängern. So soll Molke unter anderem bei hohem Blutdruck und erhöhten Cholesterinwerten helfen, Halsentzündungen lindern und Blähungen beseitigen.

Das Geheimnis der Kurerfolge mit Molke wird in einer Entlastung des Organismus von der Stoffwechselarbeit, der Erhöhung seiner Ausscheidungen und der Möglichkeit, bei minimaler, aber ausreichender Eiweißzufuhr überflüssiges Fett abzubauen, gesehen.

Molke zur Hautpflege

Molke kann nicht nur bei einer gesunden Ernährung, sondern auch äußerlich angewendet werden. Milchsäure spielt im menschlichen Organismus eine große Rolle und wird von ihm auch selbst gebildet. Sie kommt in Organen, Sekreten, im Magensaft, Schweiß und Urin vor. Für eine gesunde Haut gilt sie als unerlässlich, da sie ein Bestandteil des Säureschutzmantels ist. Die in Molke vorkommende Milchsäure entspricht in ihrer chemischen Struktur der vom menschlichen Körper gebildeten. Deshalb soll das gesunde Getränk der Haut bei der Selbstheilung helfen und auch von empfindlicher, zu Allergien neigender Haut vertragen werden.

Kleine Geschichte der Molke

Schon die alten Griechen und Römer schätzten Molke als Schönheits- und Heilmittel. In unserem Jahrhundert gerieten die Wirkungen des bei der Käseherstellung anfallenden Nebenproduktes jedoch in Vergessenheit. So landet auch heute noch ein Großteil des gesunden und kalorienarmen Getränks als Viehfutter in den Trögen von Nutztieren statt Teil unserer Ernährung zu sein. Im Zuge der Wiederentdeckung altbewährter Heil- und gesunder Nahrungsmittel erlebt Molke jedoch eine Renaissance.

Wer im 18. und 19. Jahrhundert etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, besuchte einen der zahlreichen Molke-Kurorte. In der Schweiz, in Bayern, im Salzkammergut oder im Harz kredenzte man Damen und Herren aus erlauchten Kreisen, die aus nahegelegenen Sennereien herangekarrte Frischmolke. Als Kur wurde sie bei Verstopfung, Gallenbeschwerden, Magen-Darm-, Leber- und Nierenerkrankungen sowie bei Übergewicht und Hautleiden verordnet. Wie Molketherapien damals eingestuft wurden, lassen die Worte des Arztes und Naturforschers Tissot im Jahre 1779 erahnen: „Ich behaupte, dass Molke eines der größten Heilmittel ist.“ Damals kannten die Ärzte weder die Nährstoffzusammensetzung, noch konnten sie die durch Molke ausgelösten Vorgänge im Organismus wissenschaftlich belegen.

Historischen Quellen zufolge waren Molke-Kuren bereits im Altertum bekannt. In einer Schrift aus dem 12. Jahrhundert steht: „Molken wischt ab, dringet ein wo Verstopfung, Galle seyn.“ Überliefert wurden auch alte Rezepte für die Kur selbst, zum Beispiel aus dem Jahre 1822 von dem königlich-bayerischen Badearzt Rosenmerkel: „Als Kur wird die Molke am besten nüchtern getrunken. Man macht mit einem oder zwei Schoppen (circa ein viertel Liter) den Anfang und steigert täglich, je nachdem wie es die Krankheit fordert, die Portionen. Die Dauer der Kur sollte 20 bis 24 Tage betragen.“

Mit der Entwicklung der modernen Medizin geriet Molke wie viele alte Heilmittel in Vergessenheit. Hinzu kommt erschwerend, dass frische Molke nicht lange haltbar ist. Etwa zwei Stunden nach ihrer Gewinnung beginnt sie zu verderben. Das enthaltene Eiweiß schmeckt dann unangenehm käsig. So wandelte sich das einstige Heilmittel im Laufe der Zeit zum Abfallprodukt.

Die Entwicklung von Verfahren zur Haltbarmachung wie Pasteurisieren und Trocknungsverfahren, ihre Wiederentdeckung durch die Naturheilmedizin sowie wissenschaftliche Untersuchungen über ihre Zusammensetzung und Wirkungen im Organismus lassen Molke nun jedoch wieder in einem anderen Licht erscheinen.

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