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Die Leichtigkeit des Seins

Wenn an lauen Sommerabenden Balkon, Garten oder Restaurantterrasse locken, ist die Zeit des Rosé gekommen. Schon die zarten Farbtöne deuten seine Leichtigkeit an. Er verwöhnt den Gaumen auf eine ganz eigene, süffige Art.
01.07.1998
Wenn an lauen Sommerabenden Balkon, Garten oder Restaurantterrasse locken, ist die Zeit des Rosé gekommen. Schon die zarten Farbtöne deuten seine Leichtigkeit an. Er verwöhnt den Gaumen auf eine ganz eigene, süffige Art.

Wenn an lauen Sommerabenden Balkon, Garten oder Restaurantterrasse locken, ist die Zeit des Rosé gekommen. Schon die zarten Farbtöne deuten seine Leichtigkeit an. Er verwöhnt den Gaumen auf eine ganz eigene, süffige Art.

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung ist Rosé keine Mischung von roten und weißen Sorten. Immer fängt es mit roten Trauben an. Weil die Farbstoffe - bis auf wenige Ausnahmen - nur in der Schale sitzen, tritt beim Pressen der dunklen Früchte zunächst weißer Saft aus, der sich dann durch den Kontakt mit den Beerenhäuten allmählich färbt. Soll zum Beispiel ein farbintensiver Rotwein entstehen, müssen Saft und Schalen je nach Sorte einige Tage bis mehrere Wochen zusammenbleiben. Sie bilden die sogenannte Maische.

Beim Rosé geht alles viel schneller. Zunächst werden die Trauben gemahlen, damit der Saft austritt. Die dabei entstehende Maische wird schon nach wenigen Stunden oder spätestens nach einem Tag abgepreßt - je nachdem, wie farbkräftig die Trauben waren und welchen Farbton der Kellermeister wünscht.

Die Gärung verläuft anschließend wie bei den weißen Sorten, nämlich ohne Schalen. Daher die Verwandtschaft: Rosé und Weißwein werden beide kühl getrunken. Mit dem Rotwein verbindet den leichteren "Bruder" jedoch die Herkunft aus den roten Trauben, was sich in verwandten Aromen ausdrückt. Sie erinnern oft an rote Früchte, beispielsweise an Himbeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren.

Eine Besonderheit ist der Rosé de saignée, auf deutsch "Ablauf"-Rosé. Er entsteht ohne Pressung und enthält dadurch so gut wie keinen Gerbstoff. Aus der Maische läuft der Saft zunächst von alleine ab. Der Rest wird zwar noch abgepreßt, aber zum Rotwein gegeben. Dieses Verfahren wird recht häufig in Südfrankreich angewendet. Die Weine sind feinfruchtig, von besonders zarter Struktur und haben oft einen blaßrosa Farbton.

Ein guter Weißherbst hat ein feines Aromenspiel

In Deutschland heißt der Rosé Weißherbst. Allerdings nur dann, wenn er aus einer einzigen Rebsorte hergestellt wird, was aber die Regel ist. Ansonsten muß er auch hierzulande Rosé genannt werden. Die Pfalz, Baden und Württemberg sind die wichtigsten Weißherbst-Erzeugergebiete. Leichte, süffige Tropfen entstehen meist aus der Portugieser-Traube, der seltenere Schwarzriesling liefert etwas mehr Volumen und Länge. Die besten Weißherbste stammen jedoch vom Spätburgunder. Gute Vertreter besitzen Charakter, Eleganz und feines Aromenspiel.

Ein genaues Studium des Etiketts ist angebracht, denn es gibt in Deutschland drei Typen von Wein. Die trockenen und halbtrockenen sind in der Regel kenntlich gemacht. Finden sich aber beide Begriffe nicht auf dem Etikett, dann ist davon auszugehen, daß es sich um ein süßes Exemplar handelt.

Leichter fällt die Orientierung in Frankreich. Der Rosé d'Anjou, der von der Loire stammt, ist der einzige halbtrockene Vertreter seiner Art. Alle anderen sind trocken. "Cotes de Provence" heißt das bedeutendste Anbaugebiet. Hier macht der Rosé 75 Prozent der Gesamtproduktion aus. Aber auch andere südfranzösische Gebiete liefern inzwischen guten Rosé. Im Naturkostladen sind vor allem "Corbières" und "St. Chinian" zu finden, manchmal "Cotes du Lubéron", "Coteaux d'Aix" oder "Les Baux".

Aus Südfrankreich sind darüber hinaus Rosé-Landweine in großer Auswahl im Naturkostladen vertreten. Diese Tropfen sind trocken, oft im "Saignée"-Verfahren hergestellt und entsprechend zarte und feingliedrige Begleiter für sommerliche Gerichte oder Gartenfeste. Die Landweine sind meist etwas leichter und weniger komplex als ihre Kollegen aus den Qualitätsweingebieten.

Egal, aus welcher Kategorie - zur Mittelmeerküche mundet ein Rosé allemal. Die Leichtigkeit des Seins, die in diesen Tropfen funkelt, verträgt sich hervorragend mit gebratenen Zuccini, Ratatouille, Auberginenpüree, gegrillten Paprika oder Meeresvorspeisen - also allen kleinen Leckereien des Südens. Fehlt nur noch das passende Wetter für ein Gläschen unter freiem Himmel.

Wolfram Römmelt


Im elften Teil der Serie zum Thema Wein informieren wir Sie in der August-Ausgabe über das Thema Veneto.

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