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Chinesische Elemente-Küche

Bei der Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin dreht sich alles um unsere Lebensenergie „Qi“. Eine ausgewogene Nahrung ist dabei ein Schlüssel zur Gesundheit. // Martina Petersen
30.09.2008
Bei der Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin dreht sich alles um unsere Lebensenergie „Qi“. Eine ausgewogene Nahrung ist dabei ein Schlüssel zur Gesundheit. // Martina Petersen

Wenn ein Mensch auf die Welt kommt, steht laut der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eines unwiderruflich fest: Die Menge seines Energievorrates, die er aufgrund der Konstitution seiner Eltern auf dem „Lebenskonto“ hat. Wenn dieses sogenannte „vorgeburtliche“ Qi verbraucht wurde, ist unser Leben zu Ende. Wie gut, dass wir dieses Depot durch „nachgeburtliches“ Qi aus Atmung und Nahrung aufstocken können. Da unsere Nahrung 70 Prozent dieses „Sparguthabens“ ausmacht, hat die TCM viel Aufmerksamkeit auf die Entwicklung ihrer Ernährungslehre gelegt. Die Theorie der fünf Elemente fußt im daoistischen Denken, das seine Erkenntnisse aus Beobachtungen der Natur und aus dem Verstehen kosmischer Zusammenhänge gewonnen hat.

Lehre der Wandlungen

Es ist eine Lehre der Wandlungen: Alles ist - wie die Energie in unseren Körperleitbahnen (Meridianen) - permanent in Bewegung und alles ist mit allem verbunden. Jeder Reifeprozess, sei es der Ablauf eines Jahres oder eines Menschenlebens, durchläuft identische Phasen: Im Frühling blüht die Natur auf wie der Mensch in seiner Kindheit (Element Holz), im Sommer und in der Jugend brennt diese Energie in voller Kraft (Feuer). Im Spätsommer und im mittleren Alter setzt sich das Erreichte (Erde), beim Übergang zum Herbst des Jahres und des Lebens kehren die Kräfte nach innen zurück (Metall) und im Winter genießt die Natur Ruhe und der Mensch seinen Lebensabend (Wasser). Jedes Nahrungsmittel hat aufgrund seiner Thermik Einfluss auf unseren Energiehaushalt. Und es lässt sich aufgrund seiner Geschmacksrichtung (sauer, bitter, süß, scharf, salzig), seiner Farbe (grün, rot, gelb, weiß, blau/schwarz) und seiner Wirkungsrichtung (nach innen, unten, verteilend, nach oben, außen) einem der Elemente zuordnen. Auch jedes Organ zählt zu einer der Kategorien: So gehören beispielsweise Leber und Galle zum Holz. Ebenso der saure Geschmack, denn sauer entspannt mit seiner erfrischenden thermischen Energie die Holzorgane. Um alle Organe gut zu versorgen, sollten wir bei der Ernährung alle Elemente ausgewogen zu uns nehmen. Die unterschiedlichen Geschmäcker erleichtern unserer Milz als der „Herrscherin der Säfte“ das Sortieren der Energien: Sie schickt beispielsweise das Saure zur Leber und das Bittere zum Herzen. Wenn die Chinesen immer betonen, der Mensch müsse seine Mitte stärken, dann meinen sie damit Magen und Milz. Beide mögen es warm und harmonisch. Was heißt das für unsere Ernährung?

Hilfeschrei der Milz

Eine Milz, die durch kalte Getränke, zu viel Rohkost, viele Südfrüchte oder ein Übermaß an Milchprodukten abgekühlt werde, könne laut der Lehre der TCM das Qi nicht mehr verteilen und es träten Mangelerscheinungen auf. Viel Quark, Joghurt oder Käsebrote führten demnach zur Wasseransammlung im Gewebe und zur „Verschleimung der Mitte“. Orangen und Kiwis ließen uns frieren statt die Immunabwehr zu stärken. Und das Verdauen von übermäßig viel Rohkost brauche viel Energie. Am Ende stehe meist als Hilfeschrei der Milz der Heißhunger auf Süßes - spätestens dann sollte etwas passieren, damit aus einem Ungleichgewicht keine Krankheit wird.

Die Mitte stärken

Um die Mitte zu stärken, sollten laut TCM neutrale Nahrungsmittel des Erdelemen- tes, wie Getreide und Hülsenfrüchte, mit 65 Prozent den Hauptanteil der Nahrung bilden. Dazu kommen idealerweise 20 Prozent gekochtes Gemüse und nur jeweils fünf Prozent Fleisch oder Fisch, Milchprodukte und Rohkost. Doch das System der TCM ist keinesfalls dogmatisch - im Mittelpunkt steht das Wohlbefinden. Komme ich zur Ruhe, schwitze ich übermäßig? Das sind Komponenten, die den Speiseplan bestimmen sollten. Dabei ist die emotionale Gelassenheit ebenso wichtig wie die Auswahl der Lebensmittel: „Essen Sie mit einem guten Gedanken“, brachte es der chinesische Lehrer Qingbo Sui mal auf den Punkt.

Tipps für Vegetarier

Damit der Körper ausreichend mit Wärme und Qi versorgt wird, empfiehlt die TCM Vegetariern, möglichst zu allen Jahreszeiten mindestens zweimal täglich zu kochen und dabei süß-warme Gemüse (Karotten, Kürbis und Fenchel), wärmende Gewürze (Muskat, Pfeffer, Zimt) und Kräuter (Dill, Petersilie, Schnittlauch) zu verwenden.

Die fünf Elemente

Erde, Wasser, Feuer, Holz, Metall: Die fünf Elemente stehen sowohl für die Geschmacksrichtungen süß, salzig, bitter, sauer und scharf als auch für die Organe Milz/ Magen/Bauchspeicheldrüse, Niere/Blase, Herz/Dünndarm, Leber/Gallenblase, Lunge/Dickdarm. Damit der Körper im Gleichgewicht bleibt, empfiehlt die TCM, die Geschmacksrichtungen ausgewogen miteinander zu verbinden. Das heißt: Am besten verwendet man zu jeder Speise mindestens eine Zutat aus jedem Element.

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