Schweinepest

Auflagen bedrohen Bio-Halter

Wegen der Afrikanischen Schweinepest stehen etliche Bio-Schweinehalter vor dem Aus. Was Politik und Behörden jetzt tun müssen.

Oliver Scheiner

Seit September 2020 ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland, eingeschleppt von Wildschweinen, die zwischen Polen und Deutschland hin und her wandern. Für Menschen und die meisten anderen Tiere ist das Virus harmlos, für Schweine allerdings tödlich. Dort, wo Fälle nachgewiesen werden, richten die Behörden Risikozonen ein. Da sich durch Kontakt auch Hausschweine infizieren können, drohen Schweinehaltern in diesen Gebieten unter anderem Aufstallungsgebote, sie müssen ihre Tiere also einsperren. Das wird für Betriebe mit Freiland- und Auslaufhaltung, vor allem für Bio-Betriebe, mit fortlaufender Dauer zu einem Existenz gefährdenden Problem. Denn in ihren Ställen können Bauern den Tieren nicht mehr den Platz bieten, den Bio-Siegel vorschreiben.

Die eingepferchten Tiere werden aggressiv, Schwanzbeißen und Kannibalismus sind die Folge. Außerdem dürfen Bauern Einstreu und Futter aus eigenem Anbau, so wie es die Bio-Regularien vorsehen, nicht mehr verwenden, da auch diese mit dem Virus kontaminiert sein könnten. „Eine am Tierwohl orientierte ökologische Haltung ist so nicht möglich“, sagt Michael Staar, der in Brandenburg einen ökologischen Demonstrationsbetrieb leitet. Daher darf er das Fleisch seiner Tiere auch nur mit Ausnahmegenehmigung vermarkten. Er habe inzwischen ein schlechtes Gewissen gegenüber seinen Tieren und den Kunden im Bio-Laden, sagt Staar. Zudem vermisse er eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Strategie im Umgang mit der ASP.

Bio-Schweinehalter zu unrecht unter Druck

Denn Belege dafür, dass seine Haltungsform besonders gefährdet sei, gibt es nicht. Veterinärmedizinerin Anita Idel hat die wissenschaftliche Literatur ausgewertet. „Danach besteht für Betriebe, die nach der Schweinehaltungshygieneverordnung alle über einen Doppelzaun verfügen, kein höheres Eintragsrisiko für die ASP“, sagt die Expertin. Auch seien Vögel und Insekten für die Verbreitung hierzulande nicht relevant.

Was eine Wildschwein-Impfung bringt

Bislang halten die Behörden in den betroffenen Gebieten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen an ihrem Maßnahmenkatalog fest. Da die ASP in Deutschland inzwischen endemisch ist, also dauerhaft bleiben wird, ist ein nachhaltiges Konzept gefragt. „Eine Seuchenbekämpfung, ohne Bio-Schweinehaltern die Grundlage zu entziehen, ist möglich“, sagt Bioland-Sprecher Gerald Wehde. Der Anbauverband fordert von der Politik zudem, die Entwicklung von Impfstoffen voranzutreiben. Mit sogenannten Köder-Impfungen könnten Wildschweine in betroffenen Gebieten immunisiert werden.

Bio-Schweinehalter unterstützen

Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau hat für betroffene Bio-Schweinehalter ein Spendenkonto eingerichtet: Auf betterplace.org, Stichwort „Rettet die Ökoschweine“ können Sie spenden.

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