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Warum Pestizide echt übel sind 

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Pflanzenschutzmittel? Ackergifte! @ shutterstock/Fotokostic

Pflanzenschutzmittel klingt erst einmal harmlos. Doch Pestizide sind Gifte, und Gifte können zwischen Schädlingen und Nützlingen nicht unterscheiden. 5 Gründe, warum Pestizide nicht auf den Acker gehören.

1 Weil Abwaschen nicht genügt

Manche Pestizide haften außen am Obst und Gemüse, andere dringen in die Schale ein. Viele Wirkstoffe jedoch verteilen sich in der ganzen Frucht. „Durch gründliches Waschen können bis zu 50 Prozent der Pestizide entfernt werden – mehr nicht!“, sagt die Verbraucherzentrale Bayern. Das Schälen, etwa von Äpfeln, reduziert die Rückstände weiter, doch mit der Schale landen wertvolle Inhaltsstoffe im Bio-Müll statt auf dem Teller. Häufig und hoch belastet sind Johannisbeeren, Trauben, Paprika und Kräuter.

2 Weil sie in der Umwelt bleiben

Bei vielen Pestiziden dauert es eine Zeit, bis sie sich zersetzen. Deswegen lassen sie sich in der Umwelt nachweisen. Greenpeace fand in Wasser- und Bodenproben europäischer Apfelplantagen Cocktails mit bis zu 13 verschiedenen Pestiziden. Von den Feldern gelangen Pestizide in Bäche und Tümpel, wo sie Insekten und Wasserlebewesen schädigen. Selbst in größeren Flüssen schwimmen Pestizide. Bei einem Viertel der amtlichen Messstellen lagen die Konzentrationen über den von der EU vorgegebenen Werten. Einige Pestizide schaffen es sogar durch den Boden bis ins oberflächennahe Grundwasser. Fünf Prozent der Messstellen überschreiten den Pestizidgrenzwert von 0,1 Mikrogramm je Liter. Mit dem Wind gelangen einige Pestizide in Regionen fernab der Landwirtschaft und lassen sich in Baumrinden nachweisen. Bio-Unternehmen im Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft finanzieren gerade eine Studie dazu.

3 Bienen sterben

... und viele andere Fluginsekten. Pestizide töten also nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge. Um 75 Prozent ist der Insekten-Bestand seit 1989 zurückgegangen. Insekten bestäuben einen Großteil der Pflanzen und sorgen so für einen reichgedeckten Tisch. Außerdem dienen sie anderen Arten als Futter. Weniger Insekten bedeutet deshalb weniger Fische, Frösche, Vögel. Kurz: Mit dem Insektensterben bricht das Fundament unserer Ökosysteme zusammen.

4 Felder veröden

Mit Pestiziden lassen sich die immergleichen Pflanzen auf großen Äckern anbauen. Die Folge sind Monokulturen und Agrarwüsten. Weil alle anderen Pflanzen totgespritzt werden, wächst dort außer den angebauten Pflanzen nichts mehr. Insekten, die auf andere Pflanzen angewiesen sind, verschwinden mit diesen. Was bleibt: Schädlinge, die auf die Nutzpflanzen spezialisiert sind – ohne natürliche Feinde. Das heißt: Es muss wieder gespritzt werden.

5 Weil selten nur ein Pestizid gespritzt wird

Für Pestizide gibt es amtliche Grenzwerte. Ob die Grenzwerte die Gesundheit tatsächlich schützen, ist umstritten, insbesondere bei Substanzen, die wie Hormone wirken oder – wie Glyphosat – womöglich Krebs erregen können. Doch ein Pestizid kommt selten allein. Obst und Gemüse werden oft mit verschiedenen Pestiziden besprüht, die sich dann auch als Rückstände finden. Wie diese Cocktails wirken, ist weitgehend unbekannt.

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HINTERGRUND 

Was sind Pestizide?

Pestizide sind Substanzen, die unerwünschte Organismen in der Landwirtschaft, aber auch in Parks oder Gärten beseitigen. Insekten werden mit Insektiziden, Pilze mit Fungiziden bekämpft. Gegen Unkraut werden Herbizide eingesetzt. In Deutschland sind 753 Pestizide mit 270 verschiedenen Wirkstoffen zugelassen.

Bio-Bauern arbeiten anders

Chemisch-synthetische Pestizide sind für Bio-Landwirte verboten. Sie setzen statt dessen auf Fruchtfolgen und robuste Sorten. Sie fördern Nützlinge und regulieren das Unkraut mit Striegel und Hacke. Erlaubt sind natürliche Pflanzenschutzmittel. Dazu zählen Pflanzenöle und Schwefel, Extrakte aus Quassiaholz oder Wirkstoffe von Mikroorganismen wie Spinosad. Auch das umstrittene Schwermetall Kupfer ist noch darunter, weil es als einziges Mittel gegen Mehltau im Obst- und Weinbau hilft.

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Erschienen in Ausgabe 10/2018
Rubrik: Ernährung

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