Die Küchen- oder Speisezwiebel - Schrot und Korn

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Die Küchen- oder Speisezwiebel

Haben Sie auch schon einmal gehört, dass eine geschälte, klein gehackte Zwiebel über Nacht neben das Kopfende des Bettes gestellt, bei Erkältungskrankheiten Erleichterung bringen soll? Ich hörte davon und habe es ausprobiert. Die "Zwiebel"-Nacht war eine Katastrophe: nicht meine Erkältung wurde gemindert, sondern meine Wohn- bzw. Schlafqualität. Warum? Das ganze Zimmer "roch" nämlich binnen kürzester Zeit fürchterlich nach Zwiebeln. Außerdem tränen einem die Augen, auch dann noch, wenn man sie schließt. Doch bei allem sich nun vielleicht entwickelndem Vorbehalt gegen diverse Hausmittel, gerade die Speisezwiebel wird wegen der Vielzahl ihrer Anwendungsgebiete nicht nur in der Volksheilkunde hoch geschätzt.

Zwiebeln hat man bereits kultiviert als andere Gemüse noch durch Sammeln geerntet wurden. Sie sind seit etwa 5000 Jahren bekannt und zählen zu den ältesten Kulturgemüsen. Ihren Ursprung vermutet man in West - oder Zentralasien. Eine sumerische Keilschrift aus der Zeit 2400 v. Chr. enthält zu Gurken- und Zwiebelfeldern Angaben und auch im Pentateuch wird sie erwähnt. Ob Moses schon ihren wahren Wert zu schätzen wusste und ihr deshalb einen festen Platz im ältesten Buch der Bibel einräumte bleibt allerdings offen.

Alles in allem hat die Zwiebel viele Höhen und Tiefen durchlebt: In der Antike bildeten Brot und Zwiebeln die Nahrung der Armen, auch im Mittelalter fristete sie dieses kümmerliche Dasein. Dagegen genoss sie in manch anderen Zeiten ein hohes Ansehen, denn Ärzte und Volk machten regen Gebrauch von ihren Heilkräften. Vor allem kannte und kennt man ihre harntreibenden, blutreinigenden und bakterientötenden Wirkungen. Sie soll bei Prostataentzündungen, Diabetes mellitus und Bluthochdruck ebenso helfen wie bei der Vorbeugung von Alterserscheinungen und Arterienverkalkung. Schon Paracelsus verglich seinerzeit die Zwiebel mit einer ganzen Apotheke.

Will man der Vielfalt der Arten und Sorten Rechnung tragen, den Wert als Gewürz oder Gemüse beachten - die Zwiebel bildet hierbei die gern zitierte Ausnahme von der Regel, beides zu vereinen - und ihre mystische Vergangenheit beleuchten, wird es schwierig, sie treffend zu portraitieren.

Botanisch ist die Speisezwiebel ein Liliengewächs (Liliaceae). Sie bildet eine sehr sorten-, formen- und farbenreiche Gruppe, von der die oberirdischen dunkelgrünen hohlen Blätter - sogenannte Schalotten - oder aber das Speicherorgan selbst in der Küche verwendet werden können. Namentlich besteht die Familie aus Küchen-, Silber-, Gemüse-, Haushalts-, Lauch-, Etagen- und Winterheckzwiebeln. Sie kommen in rot, braun oder weiß, birnenförmig, leicht abgeflacht oder rund vor. Frische Zwiebeln enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe sowie schwefelhaltige ätherische Öle und Säuren, welche den Zwiebeln den typischen Geschmack verleihen und in den Schleimhäuten wüten. Und zwar nicht nur im Hals-, Nasen- und Augenbereich.

Aus der Mystik verlautet, dass den Priestern und der Mondgöttin Isis selbst der Genuss der Zwiebeln verboten war. Ein Liebling der Isis, Diktys genannt, stürzte beim Auffangen von Zwiebeln in den Nil und ertrank. Einem Bericht des griechischen Geschichtsschreiber Herodot nach, sollen beim Bau der Pyramide des Pharaos Cheop für umgerechnet 7,5 Millionen Mark Zwiebeln, Rettiche und Knoblauch von den Arbeitern verzehrt worden sein. Und, damit das Bild abgerundet wird, noch ein Beispiel für die Verwendung der Zwiebel um den "Richtigen" ausfindig zu machen. Gebraucht werden vier Zwiebeln. Jede Zwiebel wird mit dem Namen eines ehetauglichen Mannes versehen und an einen warmen Ort gestellt. Sollte eine der Zwiebeln über Nacht keimen, ist die Identität des Auszuwählenden geklärt. Sollte wider Erwarten nach Jahren die Potenz desselben ein wenig nachlassen, einfach die Zwiebelsamen durch ein Sieb passieren, mit Honig vermengen und diesen "Trunk" dem Gatten auf nüchternen Magen reichen - möge die Zwiebel viele Samen tragen!

Kulinarisch ist die Speisezwiebel eine Herausforderung, dabei ist es unerheblich ob man sie als Gewürz oder als Gemüse verwendet. Ihre Vielseitigkeit ist schier grenzenlos, gleich den vielen regionalen Rezepten, die sich im Lauf der Zeit herauskristallisiert haben.

Heide Haßkerl


Zwiebelsuppe, französisch

500 g in Streifen geschnittene Zwiebeln in circa 50 g Butter hellbraun angebraten, mit 2 dl Rotwein ablöschen und mit 6 dl Gemüsebouillion auffüllen. Suppe mit Salz und Pfeffer abschmecken und 5 Minuten kochen. Suppe auf Teller verteilen, je ein Röstbrot auf die Suppe legen und mit reichlich Reibekäse bestreuen. Suppe überbacken und vor dem Servieren mit gehackter Petersilie bestreuen.


Zwiebelgemüse, thüringer Art

500 g Zwiebeln schälen und in dünne Scheiben teilen, 250 g frische Tomaten brühen, schälen und ebenfalls in dünne Scheiben schneiden.

Beides in heißem Olivenöl garen und mit einem Löffel fein geschrotetem Weizenmehl bestreuen. Sobald das Mehl leicht gebräunt ist, mit Buttermilch ablöschen und unter Zugabe von etwas Beifuß kurz aufkochen. Suppe mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und ganzem oder gemahlenem Kümmel abschmecken.

Weitere Rezepte mit Zwiebeln finden Sie hier.

 

 

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