Abenteuer am Herd - Schrot und Korn

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Abenteuer am Herd

Kichererbsen

Am Anfang stand der Genuß: eine libanesische Vorspeisenplatte in einem Restaurant in Paris. Ein Mus in rosa, in grün, in braun und in hellbeige. Zusammen mit den hauchdünnen Teigfladen entpuppte sich der undefinierbare "Brei" als wahrhaft exotisches Abenteuer für die Geschmacksnerven. Trotz fehlender Sprachkenntnisse konnte ich das lukullische Geheimnis lüften: Kichererbsen mit Minze, durch Kurkuma farblich interessant gestaltet. Wer hätte das gedacht!

Nun war ich neugierig geworden auf die von Natur aus gelbe Hülsenfrucht mit dem hohen Einweißgehalt. Nach einiger Zeit durchforstete ich meine diversen Kochbücher nach Rezepten für Einsteiger, was übrigens nicht leicht war. Da fand sich schließlich eine schlichte Kichererbsensuppe mit Tomaten. Über Nacht eingeweichte Kichererbsen werden zusammen mit geröstetem Knoblauch, Zwiebeln, Oregano, Gemüsebrühe und Tomaten ein bis zwei (!) Stunden auf kleiner Flamme geköchelt. Hier war zwar Ausdauer gefragt, doch das Rezept hörte sich einfach an und war einen Versuch wert. Kichererbsen also abgewaschen, eingeweicht und dann zusammen mit den anderen Zutaten gekocht, gekocht und gekocht… eine Stunde, zwei Stunden. - Das Ergebnis war alles andere als überzeugend: Tomatensuppe mit kleinen gelben Klumpen. Nein danke! Die Familie, sonst immer für ein Gaumenabenteuer zu haben, streikte angesichts dieser harten "Einlage", die sich auch im Mund nicht erweichen ließ. Mir blieb nichts anderes übrig, die Kichererbsen landeten im Abtropfsieb, die Tomatensuppe blieb.

Nach diesem verunglückten Kochversuch, wartete ich eine gute Weile, ehe ich im Bekanntenkreis eine Umfrage startete: Wer kennt sich mit Kichererbsen aus? Wer hat gute Rezepte und eigene Kocherfolge? Was dabei herauskam, läßt sich schnell zusammenfassen: Fast alle bissen sich beim ersten Kochversuch mit Kichererbsen "fast" die Zähne aus. Keiner wollte oder konnte daran glauben, daß man diese kleinen Leguminosen sooo lange kochen muß, ehe sie zum Genuß werden. Tatsächlich hatten die meisten, mich natürlich eingeschlossen, obendrein den Fehler gemacht, die Kichererbsen vor dem Kochen mit Gemüsebrühe zu würzen. Niemand ahnte, daß sich dadurch die Kochzeit noch mal verlängert, sich die Erbsen in den meisten Fällen gar nicht recht erweichen lassen. Die letzte Wahrheit über Kichererbsen lautete nach meiner persönlichen Umfrage also: sie müssen gewaschen und tatsächlich sehr lange (12 - 20 Stunden) in Wasser eingeweicht werden. Erst nach dem zwei- bis dreistündigen (!) Köcheln in der ungesalzenen Einweichflüssigkeit sind sie gar. Kichererbsen halb-roh zu essen, wäre übrigens ein großer Fehler, denn wie alle andere Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen) enthalten sie das Gift Phasin, das erst beim Kochen zerstört wird.

Erst nach dieser langen Pflichtübung also, geht es dann zur Kür: Man kann Kichererbsen als schmackhafte Gemüsebeilage verwenden oder pürieren. Man kann sie auch gut zu Bratlingen weiterverarbeiten.

Zum Schluß wollte ich es wissen, den hartnäckigen gelben Perlchen zum Trotz: Auberginenpfanne mit Kichererbsen hieß das neue Unternehmen. Am Vortag weichte ich 250 g Kichererbsen zusammen mit einem Lorbeerblatt in 700 ccm Wasser ein. Am nächsten Tag kochte ich die Erbsen im Einweichwasser zweieinhalb Stunden und ließ sie danach in einem Sieb zur Ruhe kommen. Ausgerüstet mit Kardamon, Piment, Kurkuma, Curry und Kreuzkümmel (als Verneigung vor der arabischen bzw. der Mittelmeerküche, der wir die schönen Rezepte mit Kichererbsen verdanken) machte ich mich an die geschmackliche Verfeinerung. Ich mischte in Olivenöl geröstete Zwiebeln, Knoblauch und Gewürze unter die Erbsen und schmeckte alles mit Salz ab. Danach briet ich die Auberginenscheiben an, würzte sie mit Oregano und schwarzem Pfeffer und krönte sie mit einer Auflage aus der Kichererbsenmasse. Zudeckt ließ ich das Ganze fünf Minuten dünsten, ehe ich als Farbtupfer Tomatenscheiben auf die Auberginen-Kichererbsen-Plätzchen legte. Der raffinierte Doppeldecker sah sehr appetitlich aus und schmeckte tatsächlich gut. Auch wenn der Aufwand zunächst ein wenig groß erschien, hat sich dieses Rezept doch in die Familiensammlung eingeschmuggelt - für die Fälle, wo etwas Besonderes gefragt ist.

Dagmar Landorff-Schulz

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