Die Sonne des Midi im Glas - Schrot und Korn

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Die Sonne des Midi im Glas

Südfrankreich

Früher galten sie als billige Massenware, aber das ist längst vorbei: Weine aus Südfrankreich bieten inzwischen sehr gute Qualität.

Es war im Jahr 1976. In ganz Südfrankreich, dem sogenannten Midi, waren die Winzer auf den Straßen. Den Kampf gegen die Schikanen der Großhändler machten sie auch zu einem Kampf für mehr kulturelle und politische Autonomie. "Okzitanien", der alte Name für den Midi, war in aller Munde, und "okzitanischer Wein" stand auch auf deutschen Tischen.

Heute, 22 Jahre später, hat sich die Situation des Weinbaus im Midi so grundlegend verändert, daß man von einer Revolution sprechen kann. Die blassen, dünnen Rotweine, die damals in Massen produziert wurden, gehören der Vergangenheit an. Nach und nach wurden minderwertige Reben ausgerissen und durch Qualitätssorten ersetzt. Für die endgültige Stillegung von Rebflächen zahlte die EU Prämien. Seit 1985 sind einige Anbaugebiete als "Appellation d'Origine Controlée" (AOC) anerkannt. Das ist die französische Bezeichnung für Weine, die nach strengen Qualitätskriterien erzeugt werden. So sind die Anbauflächen genau definiert, die Erträge limitiert, und es gibt Vorschriften für die Rebsortenwahl.

Eines dieser Anbaugebiete ist "Corbières". Es liegt etwa in einem Dreieck zwischen Carcassonne, Narbonne und Perpignan. In fast jedem Naturkostladen Deutschlands steht heute ein Corbières, in diesem Gebiet haben besonders viele Betriebe auf Öko-Anbau umgestellt. Zum größten Teil wird Rotwein erzeugt, Rosé- und Weißwein in kleinerer, aber steigender Menge. Die Rotweine sind kräftig, aber nicht schwer. In ihnen lebt die Kraft der Mittelmeersonne. Sie passen zur mediterranen Küche, aber auch zu Käse. Dem Corbières nah verwandt sind die anderen AOC-Gebiete des Languedoc, also des westlich der Rhone liegenden Teils Südfrankreichs. In vielen Naturkostläden findet sich zum Beispiel ein St. Chinian, ein Minervois oder ein Coteaux du Languedoc. Auch diese Weine bestehen zu immer größeren Teilen aus hochwertigen Rebsorten wie Grenache, Syrah und manchmal Mourvedre, während die Carignan-Rebe, die für die früher so charakteristischen rauhen Gerbstoffe verantwortlich war, zurückgedrängt wird.

Rosé: das Markenzeichen der Provence
Neben dem Languedoc macht auch die Provence in Sachen Öko-Wein immer mehr von sich reden. Ebenfalls vor mehr als zehn Jahren in den AOC-Status aufgerückt, sind die dortigen Anbaugebiete beim Anpflanzen edler Sorten besonders weit voran-gekommen. Im Unterschied zum Languedoc ist in der Provence die aus dem Bordeaux-Gebiet bekannte "Cabernet-Sauvignon"-Rebe zugelassen, wenn auch begrenzt. Zudem steht der Rosé an erster Stelle, er ist quasi das Markenzeichen des provenzalischen Weinbaus.

Die bekanntesten Gebiete sind "Cotes de Provence", "Coteaux d'Aix en Provence" und "Les Baux de Provence". Letzteres ist ein ökologisches Vorzeigegebiet, da mehr als die Hälfte der Betriebe umgestellt hat. Weniger bekannt sind die AOC-Weine "Cotes du Lubéron" und "Cotes du Ventoux", die oft etwas leichter sind, dafür aber meistens preisgünstiger.

Die vielleicht noch größere Revolution im Weinbau des Midi neben der Herausbildung der AOC-Weine sind die Veränderungen bei den Landweinen. Ursprünglich einmal als Bezeichnung für die etwas besseren Tafelweine gedacht, haben sie sich zu interessanten und gefragten Tropfen gemausert. Ausgedehnte Flächen wurden in den letzten zehn Jahren mit gefragten Rebsorten bepflanzt, wie etwa Chardonnay und Sauvignon für Weißwein, oder Merlot und Cabernet-Sauvignon für Rotwein. Immer häufiger werden sortenreine Landweine hergestellt. Für den Kunden macht das die Orientierung leichter. Greift er zu einem Merlot, dann kann er einen runden, fruchtigen, nicht zu schweren "Roten" mit Anklängen an Kirsche erwarten. Bei einem Sauvignon dagegen darf er mit einem schlanken, aromatischen Weißwein mit Blume und machmal Noten von schwarzen Johannisbeeren rechnen.

Übrigens ist das Languedoc mit 1700 Hektar kontrolliert biologischer Anbaufläche das größte Ökowein-Gebiet in Europa. Der größte Teil der Produktion entfällt auf Landwein. Mehr als die Hälfte der Gesamtmenge wird exportiert, wobei Deutschland an erster Stelle steht. Trotzdem reicht das Angebot nicht mehr aus, um die hiesige Nachfrage zu befriedigen. Derzeit ist geplant, weitere 400 Hektar umzustellen.

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