Der Sellerie - Schrot und Korn

Anzeige

Anzeige

Der Sellerie

Apium graveolens var. dulce, Umbelliferae, Knollen-, Wurzelsellerie, Bleich-, Stangen-, Stauden-, Stichsellerie

Es heißt, dass in Schuhe gestreute Selleriesamen zum Fliegen befähigen. Ich habe es probiert, wie ich gern Hausmittelchen teste. Nun, nichts ist geschehen, außer dass mir die Füße am Abend wehgetan haben, weil die kleinen Samen fürchterlich drückten.

Und damit nun niemand gänzlich abhebt, noch eine schlechte Nachricht gleich vorneweg: Als Potenzmittel soll er gar nicht so tauglich sein, wie häufig geschrieben und nicht weniger häufig erhofft wird (auch Kalypso hoffte vergebens!). Die Inhaltsstoffe, die eine solche "steigernde" Wirkung begünstigen könnten, sind in so geringen Konzentrationen vorhanden, dass man darüber nicht einmal sprechen muss. Wohl aber soll der Geruch des frischen Selleries sexuelle Gelüste erwecken. Demnach verleihe ein recht hoher Konsum von rohem Sellerie - ob das gesund ist wird nicht erwähnt - der verkonsumierenden Person einen unwiderstehlichen, wunderbaren Duft. Nun aber der dritte Wermutstropfen: Mengenangaben fehlten gänzlich bei dieser Information.

Auch wenn das mit der aphrodisierenden Wirkung nicht so ganz hinhaut, Sellerie kann durchaus Wirkung zeigen und kommt deshalb auch in der Naturmedizin zum Einsatz - beispielsweise um den Gallen- und Speichelfluss anzuregen und um die Verdauung zu fördern. Die Römer schätzten den Sellerie hingegen aus kulinarischen Gründen, züchteten Varietäten und entbitterten diese. Letztendlich hielt das Gemüse im 17. Jahrhundert auch in unsere Küchen, Töpfe und Leiber Einzug.

Gleich Möhre oder Pastinake gehört Sellerie zur Familie der Doldengewächse und ist ebenfalls zweijährig. Hervorgegangen ist er aus dem Wildsellerie - auch Eppich, Schoppenkraut, Zellerie oder Zellerich genannt. Die Wildform gedeiht noch heute - allerdings ist sie wesentlich kleiner und zarter - an feucht-salzigen Orten. Deswegen wohl auch die unter Gartenbesitzern verbreitete Sitte, dem Sellerie reichlich Salz um die Wurzeln zu streuen. Mittlerweile wurden aus dem Wildsellerie die drei uns bekannten Arten gezüchtet: Knollensellerie, Bleichsellerie (auch Stauden-, Stiel- oder Stengelsellerie genannt) und Schnittsellerie. Der Anbau erfolgt weltweit, insbesondere jedoch in Europa, Südwestasien, Sibirien, Nordafrika und Nordamerika.

Der Knollensellerie bildet als Einziger eine dicke bräunliche Knolle, die halb aus dem Erdreich hervorschaut. In der Küche können die Knollen roh, gekocht oder gebraten, als Salat, Suppenbeilage oder Gemüse Verwendung finden. Ein kulinarischer Geheimtipp sind bissfest gegarte Selleriescheiben, paniert und mit Käse bestreut und in heißem Öl goldgelb gebacken.

Der Bleich-, Stauden- oder Stangensellerie bildet keine bzw. nur schwach ausgeprägte Knollen. Seine Stiele - ihre Farbe reicht von verschiedenen Grünschattierungen bis weiß - werden roh als Salat oder gedünstet als Gemüse verwendet. Schön bleich sollten sie schon immer sein, die Selleriestangen. Deshalb wurden die oberirdisch wachsenden Stängel früher zum Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung mit Erde, Stroh- oder Bastmatten abgedeckt. Heute sind jedoch neu gezüchtete Sorten im Handel, die ein solches Bleichverfahren nicht mehr erforderlich machen. Stangensellerie ist übrigens nicht nur als Gemüse interessant. Auch seine Samen kommen in der Küche zum Einsatz. Sie entwickeln sich im zweiten Jahr aus den weißen Blütendolden der Pflanze. Verwendung finden sie - getrocknet und gemahlen - als Gewürz, vor allem als Bestandteil des Selleriesalzes. In der Küche verwenden lassen sich natürlich auch die Blätter. Sie eignen sich zum Verfeinern von Suppen, Soßen und Gemüsebrühen.

Schnittsellerie bildet feine, besonders aromatische Blätter und gleich dem Stangensellerie keine Knolle. In der Verwendung entspricht er der Petersilie. Schnittsellerie verleiht Eintöpfen den letzten Pfiff. Im Garten hält er, neben Kohl gepflanzt, die Raupen fern.

Typisch für die Selleriepflanzen sind die dunkelgrünen, glänzenden, gefiederten und nicht behaarten Blätter. Beim Betrachten eines Exemplars liegt die Vermutung nahe, dass die ganze Pflanze vor Gesundheit nur so strotzen würde. Diesen Umstand und seinem aromatischen Geruch verdankt der Sellerie dann wohl auch seine frühzeitige Nutzung als Heil- oder Kultpflanze. So war zum Beispiel die Mumie des Kennt (etwa 1000 vor Christus) mit einer Girlande aus Blüten und Blättern des Selleries sowie blauen Lotusblüten geschmückt worden, und es zierten Sellerie- anstatt Lorbeerkränze das Haupt des Siegers bei den Nemeischen Spielen. In Homers Odyssee war Sellerie gar das Lieblingsgemüse der Kalypso.

Heide Haßkerl

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'