Das Salus-Jahrhundert - Schrot und Korn

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Das Salus-Jahrhundert

Jubiläum Salus (© Ralph Furtner)
Seit 71 Jahren führt Otto Greither die Firma Salus und blickt auf eine erfolgreiche, aber auch aufregende Zeit zurück. (© Ralph Furtner)

JUBILÄUM Der Naturarzneimittel- und Teehersteller Salus wird 100 Jahre alt. In dieser Zeit gab es zwei Chefs. Otto Greither führt die Firma seit 71 Jahren. // Manfred Loosen

Drogen halten jung. Zu diesem Schluss kann kommen, wer Otto Greither kennenlernt. Die sonnengegerbte Haut, das freundliche Gesicht: Nichts lässt darauf schließen, dass der Salus-Chef 91 Jahre alt ist. Mit Drogen hat er seit jeher zu tun. Aber alles ganz legal! Denn das Wort „Drogen“ beschreibt im Sprachgebrauch der Pharmazie getrocknete Arzneipflanzenteile. Das englische Wort „drug“ wird heute noch auch für „Medikament“ benutzt.

Gegründet wurde die Firma 1916 von Otto Greithers Vater, der den gleichen Namen trug. Er war Arzt und Naturforscher und stellte anfangs den Münchner Gesundheitstee her. Bald kamen weitere Arzneimittel und Tees auf den Markt. Dr. med. Otto Greither senior   propagierte zudem eine besondere Bauchübung, die den Darm – und damit die Verdauung – in Schuss halten sollte: das Bauchschnellen. Dabei liegt man auf dem Rücken, legt sich ein Buch oder einen Stein auf den Bauch und hebt und senkt dann mehrmals ruckartig die Bauchdecke. Das stärkt die Bauchmuskeln und den Darm, so die These von  Dr. Otto Greither senior und junior. Der heutige Chef von Salus absolviert diese Übung  jeden Tag.

„Jeden Morgen mindestens 200 Mal!“, lacht Greither stolz. Sein Vater bot in den Anfangsjahren auch die Salus-Kur an: Darin enthalten waren Öle für die Darmreinigung und Pastillen zur Entschlackung. Später war bei der Salus-Kur auch der Bauchschnellgürtel dabei. Er diente als Gewicht fürs Bauchschnellen – statt Stein oder Buch.

So erfolgreich die Firma im Lauf der Jahrzehnte war: Immer wieder gab es auch Rückschläge. Im Zweiten Weltkrieg wurde Salus zerstört. 1945  baute Otto Greither junior – gerade mal 20 Jahre alt – die Salus-Werke buchstäblich aus dem Nichts wieder auf. Vater und Mutter waren gestorben, die Fabrikgebäude ausgebombt. Aber einige ehemalige Mitarbeiter waren sofort Feuer und Flamme für den Plan, wieder Salus-Tee zu produzieren.

Die Not war groß. Aber die Hilfsbereitschaft aller Beteiligten war größer. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass Salus eine Art Familie ist. Jeder half jedem!, sagt Otto Greither heute. Dieser Zusammenhalt hat Salus zum Erfolg verholfen, ist Greither überzeugt. Das Unternehmen wurde immer größer.

Ziel: Zufriedene Mitarbeiter

In den 60er-Jahren platzte die Firma in München aus allen Nähten. Deshalb zog Salus 1967/68 gut 50 Kilometer in den Südosten, nach Bruckmühl. Otto Greither hat allen Mitarbeitern angeboten, weiter bei Salus zu arbeiten. Die allermeisten machten davon Gebrauch. Einige zogen um, viele pendelten aber täglich von München nach Bruckmühl. Damit sie nicht zu große Nachteile durch die jetzt weitere Fahrt zum Arbeitsplatz hatten, schlug Otto Greither eine besondere Regelung vor: Wer pro Tag mehr als eine Stunde unterwegs war, konnte die Zeit, die darüber hinaus ging, als Arbeitszeit abrechnen.

Für Greither war es immer wichtig,  eine inhabergeführte Firma zu leiten, ganz nah an den Mitarbeitern: Ich bin sehr stolz darauf, dass es in unserem Unternehmen nie den Wunsch nach Gewerkschaften oder einem Betriebsrat gab, erzählt Otto Greither. Ich habe meinen Leuten immer mehr gezahlt als die Gewerkschaften in anderen Firmen verlangt haben. Und mehr Urlaub haben meine Mitarbeiter auch immer bekommen! Otto Greither hat sich nie für etwas Besseres gehalten, hat zeitweise in der Produktion mitgearbeitet. Er lebt und handelt nach dem Motto: Geld ist nicht das Wichtigste!

Liebe zur Natur

Selbst nach weiteren Rückschlägen in den Jahren 1974 und 1986 verwüsteten Brände große Teile der Firma wurde Otto Greither nicht zum Geizkragen: So kaufte er einen gut zwei Hektar großen Auwald, schräg gegenüber des Werkes und überließ ihn der Gemeinde Bruckmühl als Stadtpark. Dieser Auwald, erklärt Greither, ist ursprünglich. Wenn hier ein Baum umfällt, lassen wir ihn liegen. Mit Ausnahme der Stämme, die Menschen auf dem schmalen, mit Mulch bestreuten Weg gefährden könnten. Der Weg führt zum Kräutergarten, den Otto Greither hier anlegen ließ. So will er seine Liebe zur Natur auch anderen näherbringen. Die Natur hat mir, hat uns allen so viel gegeben. Mit dieser Arbeit kann ich der Natur auch mal was zurückgeben!

Viele Menschen kommen hierher, um Pflanzen, Fische und Vögel zu beobachten. Obwohl der Park recht nah am Zentrum der Gemeinde Bruckmühl liegt, sind hier nur Vogelgezwitscher und plätschernde Wasserläufe zu hören. Und ab und zu eine Schulklasse, die mit ihrer Lehrerin unter dem Tierkundemuseum Rast macht. Dieses Museum hat Otto Greither vor 16 Jahren gebaut, damit der ortsansässige Ornithologe einen Platz fand für seine Sammlung. Jetzt sind immer wieder Schulklassen hier, um Auwald, Tierkundemuseum und den von Greither dort angelegten Kräutergarten zu besichtigen.

Dieser Auwald-Kräutergarten ist natürlich nicht dazu da, Rohstoffe für Salus-Produkte hervorzubringen. Die kommen von großen Feldern in Deutschland, aber auch aus Mitteleu-ropa und Nordafrika. Als vor 30 Jahren das ukrainische Atomkraftwerk Tschernobyl explodierte und eine atomare Wolke über fast ganz Europa zog, war die Firma ernsthaft in Gefahr: „Große Teile unserer Ware waren verstrahlt. Wir mussten ganz schnell reagieren“, erzählt Otto Greither. Er suchte Alternativen für seinen Bio-Anbau und fand perfekte Bedingungen in Chile, etwa 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile. Die Farm liegt etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Neapel, aber es regnet dort viel mehr. Hier fallen allein in den Monaten April, Mai und Juni insgesamt 3000 ml Regen pro Quadratmeter. In Europa fallen im ganzen Jahr durchschnittlich 1000.

Auf sechs Quadratkilometern baut Salus auf seiner chilenischen Farm Heilpflanzen und Tee an. Wegen der unterschiedlichen Klimaverhältnisse wachsen dort die Pflanzen teilweise ganz anders als in Deutschland: Kamille zum Beispiel, die in Bayern den Bauern mal gerade an die Waden reicht, wächst in Chile hüfthoch.

Die Suche nach geeigneten Pflanzen für jeden Boden

Die perfekten Pflanzen für jede Klimazone, für jeden Boden züchtet Günter Stekly in der Versuchsgärtnerei auf dem Firmengelände in Bruckmühl. Er sucht zum Beispiel nach Bärlauch-Sorten, die Sonne vertragen. Normalerweise will Bärlauch keine direkte Sonneneinstrahlung, hat gerne einen schattigen Platz, erklärt Stekly. Als gelernter Landwirt weiß er aber auch, dass Bauern ungern Dächer über ihre Felder bauen ... Deshalb hat er mit jahrelangen Versuchen eine Bärlauchsorte kreiert, die – auch in der Sonne – großartig wächst. Und diese Zwiebeln werden an die Bauern geliefert.

Hauptprodukte von Salus waren und sind weiter Tonika, Tropfen und Tees. Bei Salus geht es sogar besonders streng zu in Sachen Qualität, denn hier werden die Richtlinien der Arzneimittel-Herstellung eingehalten. Die Tees, Tonika, Dragees sollen auch in Apotheken verkauft werden können. Deshalb richtet man sich hier maßgeblich nach dem Europäischen Arzneibuch, das hohe Ansprüche an die Qualität stellt.

Otto Greither hat drei Söhne. Alle haben sich erfolgreich mit ihren eigenen Firmen etabliert. Als neue Generation im Hause Salus hat sich nun der Mann von Otto Greithers Enkelin, Florian Block, herauskristallisiert. Der 36-Jährige bestimmt nun gemeinsam mit dem Seniorchef die Geschicke von Salus in Bruckmühl. Zunächst, sagt Florian Block, arbeiten Otto und ich gemeinsam, irgendwann werde ich die  Leitung der Firma übernehmen. Und eins ist ganz sicher: Es wird ein familiengeführtes Unternehmen bleiben! Das ist Otto Greither ganz wichtig, wie auch die Arbeit für gesunde Lebens- und Arzneimittel, das Engagement für die Umwelt. Das Familiäre ist etwas Besonderes. Salus soll für die Mitarbeiter und die Kunden da sein, nicht für irgendwelche Aktionäre!

Idealer Fenchel

Fenchel (© Ralph Furtner)

Salus hat einen widerstandsfähigen Fenchel gezüchtet, der schon im ersten Jahr geerntet werden kann.

Tee- und Heilkräuterspezialist Salus

Otto Greither und Nachfolger Florian Block (© Salus)
NACHFOLGE
Florian Block, der Mann von Otto
Greithers Enkelin, führt Salus nun
gemeinsam mit dem Seniorchef.
(© Salus)

„Gesundheit der Menschen und Natur liegen uns am Herzen“

Der Arzt und Naturforscher Otto Greither gründete im Jahr 1916 die Firma Salus. Tee und Arzneimittel hatten einen reißenden Absatz. Mehr als 50 Salus-Reformhäuser machten nach und nach in Deutschland auf. 1930 starb Otto Grei-ther. Er hatte offenbar bei der Forschung zu viele Röntgenstrahlen abbekommen. Seine Frau führte die Firma weiter. Nach dem Krieg baute Otto Greither junior die Salus-Werke wieder auf. Das geschah zunächst im München, ab 1968 im nahen Bruckmühl. Heute hat die Firma mehr als 400 Mitarbeiter und liefert Tee und Naturarzneimittel in mehr als 60 Staaten. Als Geschäftsführer fungiert seit 71 Jahren der Sohn des Firmengründers, der denselben Namen trägt: Otto Greither. Sein Nachfolger soll in den kommenden Jahren Florian Block werden.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte lädt die Firma Salus aus Anlass des 100. Geburtstags zum Tag der offenen Tür ein. Am 23. Juli gibt es in Bruckmühl von 11 bis 18 Uhr ein großes Fest mit Werksverkauf, Vorträgen, Kinderprogramm und Betriebsbesichtigungen.

 

Mehr zu Salus und dem „Tag der offenen Tür“ auf www.salus.de/100-jahre

(© Ralph Furtner)

Erschienen in Ausgabe 06/2016
Rubrik: Ernährung

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