Klimaschutz vor Gericht - Schrot und Korn

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Klimaschutz vor Gericht

© Gordon Welters/greenpeace
Demeter-Landwirt Heiner Lütke Schwienhorst bewirtschaftet 420 Hektar Weiden und Äcker. Er hat 120 Milchkühe und 30 Schweine. © Gordon Welters/greenpeace

 

INTERVIEW Heiner Lütke Schwienhorst hat die Bundesregierung verklagt. Weil sie ihre Klimaziele verfehlt und seine Ernte verdorrt. Leo Frühschütz

Greenpeace hat mit drei Bio-Landwirten beim Verwaltungsgericht Berlin Klage gegen die Bundesregierung eingereicht. Diese hat mehrfach beschlossen, den deutschen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Und zu wenig dafür getan, weshalb Deutschland das Ziel verfehlen wird. Außer es passiert schnell etwas. Genau das fordern die Kläger. 

Herr Lütke Schwienhorst, wie haben Sie die Dürre 2018 erlebt?

Die Kühe konnten nur ein Viertel ihres Futterbedarfs über die Weide decken, danach wuchs da nichts mehr. Obwohl wir Vorräte hatten, mussten wir für 20 000 Euro Futter zukaufen. Die Erträge bei Heu und Getreide sind um 45 Prozent eingebrochen. So etwas habe ich in den 27 Jahren, die wir Gut Ogrosen bewirtschaften, noch nicht erlebt. 

Und deshalb verklagen Sie die Bundesregierung?

Als ich wegen der Klage angesprochen wurde, hatte ich zuerst abgelehnt, weil das doch viel Zeit braucht. Beim zweiten Gespräch vier heiße Wochen später habe ich zugesagt. Die Bundesregierung hat sich schöne Ziele gesetzt. Aber es fehlt an der Courage, sie anzupacken. Ich will einen Anstoß geben. 

Was müsste geschehen?

Konkret erhoffe ich mir den Ausstieg aus der Braunkohle. Da geht es bei uns hier in Brandenburg und Sachsen allerdings eher um den Schutz von Arbeitsplätzen und nicht um den Schutz des Klimas. Das Flugbenzin gehört besteuert und ich würde auch den Treibstoff für Autos teurer machen. Oder ihn zumindest so besteuern, dass er nicht billiger wird, wenn der Erdölpreis fällt.

Denken Sie, dass Sie Erfolg haben?

Ich bin ein juristischer Dilettant, aber sehr überzeugt von den Qualitäten unserer Anwältin, die ist ein schlauer Fuchs. Ich gehe davon aus, dass die Richter sensibel sind und unser Anliegen unterstützen. Erst einmal haben die Anwälte des Bundesumweltministeriums für ihre Stellungnahme um Fristverlängerung gebeten. Dabei geht es in der Klage um die Klimaziele für 2020 und jetzt ist schon 2019, da müsste zügig debattiert werden.

Wie wappnen Sie sich künftig gegen Klimaereignisse wie Dürren?

Wir wollen einen Brunnen bohren und damit im Dürrefall 50 Hektar Land beregnen, vor allem Futterflächen für die Tiere. Wir bauen auch verstärkt Kulturen an, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen, wie Hirse und Sonnenblumen. Aber auch die brauchen Wasser zum Wachsen. Sorge bereiten mir unsere Milchkühe, denn bei Temperaturen über 25 °C leiden sie unter der Hitze. 

Mehr zum Thema

https://act.greenpeace.de/klimaklage

Wer die Kläger unterstützen möchte, kann bei Gericht beantragen, als Beigeladene am Verfahren beteiligt zu werden. Das kostet nichts und stärkt den Klägern den Rücken.

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Rubrik: Ernährung

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