Grünes Gold statt Griechenlandkrise - Schrot und Korn

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Grünes Gold statt Griechenlandkrise

Mani Bläuel (Foto: Doradzillo)
Die Mani ist ein Landstrich im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes mit mehr als 350 Olivenbauern. (Foto: Doradzillo)

OLIVEN-ANBAU Mani Bläuel setzt trotz Finanz- und Wirtschaftskrise weiterhin auf die Menschen und Oliven aus dem Peloponnes. Wir haben den Bio-Hersteller in Griechenland besucht. // Johanna Emge

Links von der Küstenstraße, die sich Richtung Pyrgos schlängelt, liegen die steinigen und wild bewachsenen Berge der Mani, rechts das tiefblaue Mittelmeer – und dazwischen der Olivenhain von Panajotis Oikonomeas. Es ist Mittagszeit und der Olivenbauer tischt zwischen den knorrigen Bäumen ordentlich auf: leuchtend rote Tomaten, duftendes Basilikum aus dem eigenen Garten, selbstgemachter Schafskäse und knuspriges Brot. Darüber träufelt er großzügig frisches, leuchtend gelbgrünes Olivenöl. „Die Erde kann krank werden, aber sie stirbt nicht. Du hast zu essen, wenn du Erde hast. Menschen, die Oliven besitzen, haben immer etwas zu essen“, sagt Panajotis und blickt über sein Feld, wo seit den frühen Morgenstunden auf Hochtouren geerntet wird.

Zur Erntezeit, zwischen November und Januar, ist das Feld wie ein Zuhause für ihn. Alle Helfer haben ihren Platz, jeder Handgriff sitzt. Das Brummen des elektrischen Erntebesens, mit dem die Oliven sanft von den Bäumen gefegt werden, kündigt das Ende der kurzen Verschnaufpause an. Kleinere Zweige werden in Handarbeit durch ein Metallsieb gerüttelt, die Oliven fallen in darunter gespannte grobe Jutesäcke, die später zur Ölmühle gebracht werden.

Kräftige Äste schneidet Panajotis mit der Säge von den Bäumen: „Das ist Chefsache“, sagt er schmunzelnd und wischt sich die harzig-verfärbten Finger an seinem Shirt ab. Im Akkord geht es weiter – so schaffen er und seine Männer 25–35 Säcke Oliven am Tag. Tagein, tagaus – es gibt viel zu tun.

Mani Bläuel (Foto: Doradzillo)

(l) Frisches Öl von der Koroneïki-Olive. (r) Auf die Größe und Farbe kommt es an! (Fotos: Doradzillo)

Das griechische Gallien

Von der Wirtschafts- und Finanzkrise, die seit 2010 die Berichterstattung über Griechenland dominiert, ist die Mani weitestgehend verschont geblieben – auch dank der Oliven und des Tourismus. Und Bläuels tragen ihren Teil dazu bei: Die Bio-Bauern haben durch sie einen gesicherten Absatz ihres Öls zu fairen Bedingungen. Im eigenen Abfüll- und Exportbetrieb, der über die kurvenreiche und steinige Bergstraße zu erreichen ist, sind derzeit etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt. Als Nikos Mavroidis, Qualitäts- und Produktionsleiter, 1995 ins Unternehmen einstieg, waren es gerade einmal zehn. Aber nicht nur die finanzielle Sicherheit, die Bläuels’ Mitarbeiter dank der immer weiter steigenden Nachfrage nach dem Öl aus der Koroneïki-Olive haben, gäbe den Menschen hier Sicherheit.

„Die Familie Bläuel setzt Prioritäten und macht Dinge anders, als die Menschen es von den heimischen Arbeitgebern gewohnt sind.“ In vielen tradionellen griechischen Unternehmen herrsche ein autoritärer Führungsstil, der weit in der Unternehmenskultur des Landes verankert sei. Bei den Bläuels stünde das Zwischenmenschliche an erster Stelle. Das heiße: angstfreies, selbstverantwortliches Arbeiten, Organisation und Selbstverwirklichung. Fehler müssten nicht versteckt werden.

Mani Bläuel (Foto: Doradzillo)

Effektive und schonende Ernte. (Foto: Doradzillo)

Aller Anfang ist schwer

Vor fast 40 Jahren, als Friedrich „Fritz“ Bläuel in die Mani kam, wurden die Pestizide noch mit dem Flugzeug aus der Luft auf die Felder und Wiesen gespritzt. Fritz hoffte damals, gemeinsam mit seiner Kommune aus Wien, auf einen Neustart in Griechenland. Er träumte vom eigenen Bio-Garten, Kindern –  und wohnte die ersten drei Monate erst mal unter einem Baum am Strand. Doch die Stadtkommune, die sich über Kapitalismuskritik und den Widerstand gegen die bürgerliche Gesellschaft definierte, scheiterte.

Fritz blieb. Und seine spätere Frau Burgi, die in Österreich Musik studierte und eigentlich nur zum Kommunenbesuch in die Mani reiste, kam und wurde seine wichtigste Mitstreiterin im Kampf für ökologische Landwirtschaft und Oliven-Anbau in der Region.

„Wir haben die Toskana Griechenlands zur Toskana gemacht“, sagt Burgi und meint damit, dass erst durch die Arbeit der Bläuels die Region Mani als Olivenanbaugebiet international bekannt wurde. Die energiegeladene Aussteigerin hat mittlerweile ein eigenes ambitioniertes Projekt gestartet: der Mani-Sonnenlink. Im zertifizierten Bio-Hotel, dem ersten und einzigen in Griechenland, mit Seminarhaus können sich Menschen ganzheitlich erholen und neue Lebensinspiration finden.

Wenn dort gerade nicht meditiert oder philosophiert wird, kann es auch schon mal vorkommen, dass die Bläuels im „Sonnenhaus“ in intimer Atmosphäre gemeinsam musizieren – Fritz am Klavier und Burgi an der Geige. Ein eingespieltes Team.

Von der Olive zum Öl

So wie Panajotis und seine Helfer, für die es nach der Arbeit auf dem Feld direkt in die Ölpresse geht. Denn: Je schneller die Oliven verarbeitet werden, desto hochwertiger ist das Olivenöl.

Während in der Halle die Oliven in verschiedenen Stationen von den letzten Blättern befreit, gewaschen und zentrifugiert werden, wird der Raum nebenan zum Treffpunkt. Hier kommen die Menschen aus dem Dorf oft zusammen, sitzen um den langen Tisch und tauschen sich aus. Jeder bringt eine Kleinigkeit mit: Loukoumades, mit Honig und Zimt bestreute Teigbällchen, Pastizio, griechischen Nudelauflauf, Blätterteigtaschen mit Spinat – alles steht wild durcheinander, es wird getrunken und gelacht, aber auch über ernste Themen gesprochen. Politik, Flüchtlinge, Krise. Nebenan tönt die Olivenpresse, bis das gelb-grüne Öl gleichmäßig aus den Rohren in die Behälter zur Lagerung fließt.

Die Qualität, dafür sei er verantwortlich, sagt Mavroidis und verköstigt dabei das frische Öl, das von den Oliven von Panajotis’ Feld stammt. Dazu füllt er eine kleine Menge in ein rundes Glas, hält es einen Moment mit der Handfläche zu und saugt dann intensiv mit der Nase den Geruch ein. Im nächsten Schritt vermischt er eine kleine Menge des Öls im Mund mit Speichel und atmet dabei nur durch die Nase aus. Erst dann wird geschluckt. Zum Schluss spült er mit Wasser nach, um den Geschmack im Mund zu neutralisieren.

Fruchtig, bitter, pikant, grasig – aber auch modrig, metallisch und sauer kann ein Öl schmecken. Wichtig für die Qualität des extra nativen Öles ist der hohe Polyphenolgehalt und der niedrige Säuregehalt, der 0,8 Prozent nicht überschreiten sollte. Neben der freiwilligen Selbstkontrolle ist Mani Bläuel der einzige Ölabfüller in Griechenland, der den Polyphenolgehalt selbst misst. Im Olivengeschäft sei es wichtig, immer einen Schritt voraus zu sein.

Sein oder nicht sein

Ortswechsel. In der Taverne von Ilias Kelepouris im kleinen Partisanendorf Saidona hingegen ist die Zeit stehengeblieben. Die Köchin serviert Fleisch, Bauernsalat und eine Art Kartoffelbrei mit frischem Knoblauch – und natürlich Olivenöl. „Als wir damals bei einem der hiesigen Dorfbauern im Wohnzimmer saßen, um ihn mit dicken Schweißtropfen auf der Stirn von Bio zu überzeugen, lief Hamlet im Fernsehen“, erinnert sich Fritz Bläuel mit Blick auf den kleinen Flimmerkasten, der in der Taverne an der Wand hängt und tonlos Musikvideos zeigt. „Sein oder nicht sein“. Das Dorf war Anfang der 90er-Jahre das erste in Griechenland, das komplett auf Bio umstellte.

Wissen um Werte

Während die Landflucht der jüngeren Generation in der Mani seit Jahrzehnten ganze Dörfer, wie zum Beispiel Saidona, zum Aussterben bringt, hat der 31-jährige Felix Bläuel knapp 50 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt, in Kalamata, selbst eine kleine Familie gegründet. „Ich weiß, wie wichtig die Geschichte meiner Eltern für das Unternehmen ist“, sagt der Juniorchef, der als Teil der Geschäftsführung nach und nach in die Fußstapfen seiner Eltern tritt. Er möchte das Unternehmen ganz nach ihrer Philosophie weiterführen – aber auch eigene Ideen umsetzen: „Das ist natürlich eine Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Zukunft.“

Die große Bewährungsprobe steht in diesem Jahr an: Da ist unter seiner Verantwortung ein großer Relaunch der gesamten Produktlinie geplant.


Mani Bläuel / Friedrich Bläuel & Co. GmbH

Familie Bläuel (Foto: Doradzillo)
Familiensache: Bei Bläuels trägt die ganze Familie
ihren Teil zum Unternehmen bei: Fritz, Burgi,
Felix, Julia. (v. l. n. r.) (Foto: Doradzillo)

„Wir machen schon immer das, was für alle Beteiligten gut ist“

Im Jahr 1980 ließ Fritz Bläuel das Unternehmen „Friedrich Bläuel“ in Kalamata registrieren, 1983 stieg seine Frau Burgi mit ins Unternehmen ein. Gemeinsam begannen sie mit der Förderung von kontrolliert ökologischer Landwirtschaft in der Mani und setzten sich für den Export von biologischem Olivenöl unter dem Namen der Region ein. Das Bläuel-Olivenöl war das erste ökologisch erzeugte Olivenöl überhaupt in Griechenland.

1992 bauten sie eine Fabrik mit Abfüllanlage in Pyrgos in der West-Mani. Mittlerweile sind dort etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt. Im Jahr 2009 übernahm der Sohn von Fritz und Burgi, Felix Bläuel, einen Teil der Geschäftsführung. Und auch Tochter Julia, die in Wien Umwelt- und Bio-Ressourcenmanagement studiert, steht dem Familienunternehmen beratend zur Seite. Seit Ende 2011 ist das Seminar- und Kulturhaus Mani-Sonnenlink das erste zertifizierte Bio-Hotel Griechenlands.Demnächst sind weitere Schritte in Richtung Nachhaltigkeit und Energiemanagement geplant. 

www.mani-blaeuel.de

Erschienen in Ausgabe 03/2016
Rubrik: Ernährung

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Bebek Welten

Tolles Artikel, ich war schön länger "Fan" von die Blauel produkten. Des zu entauschter war ich dan auch wann ich auf die Bluael "Mani" Kapern ins Kleingedruckte las: "Herkunft Türkei"! Das grenzt an Betrug.

Günther Langer

Hallo, wo kann ich das Olivenöl kaufen?