Ein Fall für zwei - Schrot und Korn

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Ein Fall für zwei

ERKÄLTUNG Schniefnase und Husten die rote Karte zeigen – mit Vitamin C und Zink. Funktioniert das wirklich? // Brigitte Sager-Krauss

Haaatschum!“ – Unüberhörbar, der Schnupfen ist da. Nicht genug, am nächsten Morgen gesellt sich der Rotznase ein fieser Husten hinzu. Die Stimmung  geht auf Sinkflug und mit ihr die Gesundheit. Mindestens eine Woche wird es brauchen, bis beide wieder auf dem Damm sind.

Etwa drei Erkältungen pro Jahr, so die Statistik, durchlebt der Durchschnittsbürger, Kinder sogar etwa sechs. Einige glückliche Zeitgenossen bleiben jedoch auch jetzt, wenn unzählige Viren in überheizten Räumen und vollbesetzten Nahverkehrszügen umherschwirren, ganz locker. Ihre Abwehr steht gut. Dank einer Extraportion Zink und Vitamin C, so ihr Credo. Daran ändern selbst anderslautende Berichte, in denen der ein oder andere Experte missbilligend die Nase rümpft, nichts. Immerhin, die Umsätze mit beiden Wirkstoffen lagen laut Statista.de in 2014 allein in Deutschland bei über 60 Millionen Euro.

Unentbehrliche Helfer

Grundsätzlich gehören Vitamin C und Zink tatsächlich zu den wichtigen Nährstoffen, die das Immunsystem zum reibungslosen Funktionieren braucht. Beide ergänzen sich gut, denn sie wirken an unterschiedlicher Stelle im komplexen System, das unser Bollwerk gegen Krankheitskeime ausmacht. Vitamin C beispielsweise steht als Radi-
kalenfänger den Immunzellen bei ihrer Regeneration zur Seite. Im Alarmzustand – das heißt bei Stress, bei Entzündungen und bei der Abwehr von Viren durch das Immunsystem – wird es daher dringend benötigt. Vitamin C ist ein Stoff, der empfindlich ist. Das heißt sowohl außerhalb als auch innerhalb des Körpers unterliegt er einem raschen Zerfall oder Abbau. Deswegen ist eine regelmäßige Zufuhr sinnvoll.

Zink hilft dem Körper, die Schotten dicht zu machen: Die Schleimhäute werden mit Hilfe von Zink zu effektiveren Barrieren gegen unerwünschte Krankheitskeime. Es kann die schnelle Vermehrung von Viren eindämmen, wie Laborversuche zeigten. Und Zink ist wichtig für die Aktivierung von Enzymen und für den Aufbau von Eiweiß sowie unentbehrlich für eine ungestörte Zellteilung. Ist die Abwehr des Körpers gefragt, dann muss auf die Schnelle eine große Anzahl an Abwehrtruppen aufgestellt werden. Genau dann ist die Zeit von Zink gekommen. Auch für Zink gilt: Der Nachschub muss regelmäßig kommen. Denn für Zink existieren keine Speicher.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine durchschnittliche tägliche Zufuhr von 100 Milligramm Vitamin C. Die täglichen Rationen Zink sollten nach DGE sieben Milligramm für Frauen und 10 Milligramm für Männer einbringen. Werden die Zufuhrempfehlungen langfristig unterboten, könnten häufige Infekte eine Folge sein. Doch eine Unterversorgung sei zumindest in unseren Breitengraden eher unwahrscheinlich. Die Nationale Verzehrsstudie (II) belege eine durchaus zufriedenstellende Versorgungslage. Eine Extraportion Vitamin C oder Zink sei daher überflüssig, so das Urteil der Ernährungsgesellschaft.

Extraportion sinnvoll

Anderer Meinung ist Dr. Monika Pirlet-Gottwald, Vize-Präsidentin des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren e.V. (ZÄN): „In meiner Praxis landen zahlreiche Fälle mit ausgeprägten Mangelerkrankungen. Die Versorgungslage mit Vitaminen und Mineralien ist längst nicht so gut, wie uns die Verzehrsstudie glauben machen möchte. Denn längst nicht alles, was auf dem Teller landet, kommt auch tatsächlich im Körper an.“ Ob Vegetarier und Veganer, Rohköstler oder Personen mit einer gestörten Darmfunktion, es gebe viele Risikoträger für eine Unterversorgung. Auch hänge viel von den Lebensumständen ab: erhöhter Stress fordere ein Mehr an Vitalstoffen. Darüber hinaus spiele die Art der Zubereitung und Kombination der Speisen eine Rolle, so Pirlet-Gottwald. Ihre Empfehlung: „Nehmen Sie zusätzliche Vitamin C- und Zink-haltige Lebensmittel oder Nahrungsergänzungen gerade in der kalten Jahreszeit ganz bewusst mäßig aber regelmäßig ein.“ Wie Studien zeigen, können zusätzliches Vitamin C und Zink zwar nicht hundertprozentig vor Erkältungen schützen, jedoch deren Verlauf abschwächen und helfen, schneller gesund zu werden.

Die richtige Wahl: natürlich statt synthetisch

Bedeutend könnte auch die Form der Zufuhr sein. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln im Bio-Laden sind Spezialisten für Wirkstoffkomplexe aus der Natur. Ihre Produkte enthalten die Vitamine und Mineralstoffe nicht isoliert, sondern im natürlichen Verbund. „Es spricht einiges dafür, dass beispielsweise Vitamin C aus natürlichen Quellen wirkungsvoller ist als synthetisches“, begründet dies Ernährungswissenschaftlerin Andrea Müller von Raab-Vitalfood. Die Betonung liegt dabei auf der verbesserten Verfügbarkeit und den positiven Synergien, die sich aus allen im Rohstoff enthaltenen Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen ergibt. Natürlich gilt das auch für Lebensmittel. Eine Extraportion Zink enthalten beispielsweise Haferflocken, Paranüsse, Kürbiskerne, Weizenkeime und Emmentaler-Käse, ein Plus Vitamin C liefern Sanddornbeerensaft, Paprika, Grünkohl und Brokkoli.

Ergänzungen auf Basis natürlicher Extrakte und Lebensmittel haben einen weiteren Vorteil gegenüber isolierten Substanzen. Eine zu hohe Dosierung ist mit ihnen so gut wie ausgeschlossen. Denn auch das gilt es zu bedenken: Bei dauerhaft extrem hoher Vitamin-C-Zufuhr (über ein Gramm pro Tag) kann sich bei empfindlichen Personen das Risiko für Nierensteine erhöhen. Die tägliche Toleranzgrenze für Zink ist noch enger gesteckt, denn bei einem Zuviel an Zink könnte der Kupferstoffwechsel leiden. Ab 100 Milligramm gilt Zink als toxisch. Ernährungsgesellschaften empfehlen Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von maximal 25 Milligramm. Kindern rät das Bundesinstitut für Risikoforschung sogar gänzlich von einer zusätzlichen Zinkzufuhr ab.

Vitamin C und Zink: Was Studien beweisen

  • Streng wissenschaftlich ausgewertet wurden Studien im Cochrane-Review. Ergebnis: Vitamin C in einer Menge von mindestens 250 Milligramm täglich kann die Infektanfälligkeit bei hoher körperlicher Belastung, z.B. Leistungssport, reduzieren. Zudem verläuft eine Erkältung milder, wenn im Vorfeld Vitamin C regelmäßig aufgestockt wird.
  • Hohe Dosis: Das propagierte Nobelpreisträger und Mediziner Linus Pauling und schluckte mehr als ein Gramm Vitamin C pro Tag. Der Nutzen wird von manchem Kollegen angezweifelt, weil der Körper so viel auf einmal gar nicht verarbeiten kann. Trotzdem wird weiterhin am Nutzen hoher Vitamin-C-Plasmaspiegel geforscht.
  • Zink ist wirksam – es nutzt vorbeugend mindestens so viel wie gründliches Händewaschen. Bei beginnendem Infekt kann die Dauer um 1–2 Tage verkürzt werden, auch die Symptome waren weniger stark. Allerdings wurde bei den positiv gewerteten Studien mit einer Dosis von mindes-tens 75 Milligramm gearbeitet.
Erschienen in Ausgabe 12/2015
Rubrik: Ernährung

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incl. 'http://'
wally

Erkältungsviren leben auch in Tieren.
Vielleicht ist Hühnerbrühe so gesund, weil wir uns gleichzeitig mit den abgetöten Viren "impfen"?