Eier ohne Kükenmord - Schrot und Korn

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Eier ohne Kükenmord

Legehenne oder Tod? Die Entscheidung fällt kurz nach dem Schlüpfen. (© Fotolia/kaharan)
Legehenne oder Tod? Die Entscheidung fällt kurz nach
dem Schlüpfen. (© Fotolia/kaharan)

KÜKEN Trotz gesetzlichem Verbot geht das Töten weiter. Doch es gibt Alternativen. von Leo Frühschütz

Eigentlich sollte zum Jahresanfang Schluss sein mit Kükenmord. Zumindest in Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland hatte den Brütereien verboten, männliche Küken zu töten. Doch die Betriebe haben dagegen geklagt. Jetzt entscheiden die Gerichte und bis dahin bleibt alles beim Alten. Fast alles.

Seit Jahrzehnten arbeiten die Hühnerzüchter nach der Devise Entweder – Oder. Entweder sie züchten Hybridlinien, die möglichst schnell viel Eiweiß in Muskelmasse verwandeln. Das Ergebnis sind Tiere, die sich in einem Monat vom Küken zum schlachtreifen  Huhn entwickeln. Oder die Tiere werden so optimiert, dass sie möglichst viel Eiweiß in Eier verwandeln. 300 Eier im Jahr schafft so ein Huhn. Doch die männlichen Küken dieser Legehennen-Linien setzen kaum Fleisch an und taugen deshalb nicht für die Mast. Sie werden bereits am Tag der Geburt aussortiert und getötet.

Bio-Bauern suchen seit Jahren nach Wegen aus diesem Dilemma. Einige Betriebe mästen die männlichen Legehennen-Küken. Die brauchen aber viel mehr Zeit und Futter bis zur Schlachtung. Das kostet Geld. Die Mehrkosten zahlen die Kunden über einen Zuschlag für die Eier. So arbeitet die Bruderhahn-Initiative, die der norddeutsche Bio-Geflügelspezialist Carsten Bauck zusammen mit regionalen Naturkostgroßhändlern gegründet hat. In Mecklenburg-Vorpommern verfolgen die Fürstenhof-Betriebe mit ihren Hähnlein-Eiern ein ähnliches Konzept. Auch mehrere süddeutsche Betriebe gehen diesen Weg und vermarkten Bio-Eier mit „doppeltem Lebenswert“, Stolze Gockel oder das HennenGockelEi.

Ei und Fleisch – das geht

Andere Bio-Betriebe setzen auf alte Zweinutzungsrassen: Deren Hennen legen reichlich Eier und die Hähne liefern ein wohlschmeckendes Fleisch. Die süddeutsche Biohennen AG und die Initiative Ei Care in Brandenburg setzen auf französische Les-Bleues-Hühner. Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten haben auf die alte Hühnerrasse Sulmtaler zurückgegriffen.

Auch die großen Geflügelzuchtkonzerne hat die Kükenmord-Diskussion erreicht. Die Firmen Lohmann und Novogen haben Zweinutzungshybriden entwickelt. Einige Bio-Betriebe sammeln erste Erfahrungen mit den Lohmann Dual-Tieren. Zu kaufen gibt es Eier und Fleisch aus all diesen Projekten vor allem im Bio-Fachhandel. Sie kosten mehr. Denn Zweinutzungsrassen können nicht so günstig produzieren wie hochspezialisierte Hühner.

Deshalb will die konventionelle

Eierindustrie von Zweinutzungshühnern nichts wissen. Sie setzt auf Methoden, mit denen sich bereits am Ei das Geschlecht der Küken bestimmen lässt. Doch noch sind diese Methoden aufwendig. Bis Maschinen günstig Tausende Eier täglich überprüfen, werden noch Jahre vergehen .

Was bedeuten die Zahlen auf den Eiern? Infos rund um die Kennzeichnung von Eiern finden Sie hier.

Erschienen in Ausgabe 03/2015
Rubrik: Ernährung

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incl. 'http://'

Die beste Alternative - GAR keine Eier / Eierprodukte essen. Es gibt wunderbaren Ei-"Ersatz" :-)  

Man muss nur "Ei-Alternativen" oder "Ei-Ersatz" in einer Suchmaschine eingeben und wird fündig - kinderleicht.

Im Übrigen - JEDES Huhn, das stirbt, stirbt als Küken. Hier die Vergleichszahlen der Lebensdauer von "Nutz"-Tieren bzw. ihrer natürlichen Lebenserwartung. Von daher ist die Überschrift leider nicht wirklich getroffen.

https://vebu.de/themen/tiere-a-ethik/tiere-und-tierhaltung/398-vergleich-lebenserwartung-von-tieren-in-freiheit-und-nutztierenq

Ich vermisse auch einen Hinweis auf die o. g. Möglichkeiten. Mir scheint, dass SchrotundKorn sich da in letzter Zeit immer weniger Gedanken macht - ich hoffe, der Eindruck täuscht ...

Auch bemerkenswert - die natürliche Legeleistung eines Huhns würde im Jahr ca. maximal 15 - 20 Eier betragen. Nur hochgezüchtete Hühner legen um die 300 Eier im Jahr. Von daher unterstützt man mit dem Konsum von Eiern und Tierprodukten generell Tierleid.

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"Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar."

Ingeborg Bachmann

(auch den "Schrot & Korn"-Lesern ...)

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Vegetarierin

Eier sind im Grunde, wenn unbefruchtet, nur die Menstruationsreste der Hühner. So einfach ist das. Eklig, nur keiner erwähnt sowas!
Eier sind nur Bindemittel, kaum Geschmacksträger. Man kann auch ohne Ei auskommen.

Schon ein unverschämtes Unding, dass gegen ein ENDLICH verabschiedetes Gesetz, dass die Albert-Schweitzer-Stiftung und Peta usw. mit FREUDEN vernommen hatten, durch Klagen der Betriebe (war ja klar, die flennen, die Lobbyisten), infrage gestellt wird. WAS soll dieser Mist? Gesetz ist Gesetz.

Da wird es einem echt übel! :-(((((

Da wird doch geschmiert (Gerichte lassen sich Zeit.....) ohne Ende.

Im Ernst: "Zweinutzungshuhn", "Dual-Tier". Wenn auch für eine positiv gemeinte Sache - die Begriffe sind grauenhaft!
Die ganze Verdinglichung der Existenzen, die Ökonomisierung, schreien aus diesen Euphemismen.
Meiner Ansicht nach ein Anstoß, darüber nachzudenken, wie weit wir die Tierhaltung getrieben haben, wenn solche Kreaturen zu designen die gute Lösung sein soll.

Liebe Grüße - Holger ho Schlenz