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Das Bio-Huhn von morgen

Tierhaltung Hühner (Foto: Biohof Kettenberg/Sebastian Kettenberger)
Wegen ihrer blauen Füße werden diese Zweinutzungshühner auch „Les Bleues“ genannt. (Foto: Biohof Kettenberg/Sebastian Kettenberger)

TIERZUCHT Bio nutzt Hochleistungshühner. Deshalb werden auch für Bio-Eier männliche Küken getötet. Das soll sich ändern. Mit einer Öko-Tierzucht. Ihr Kapital: Hühner, die Frischluft vertragen – und blaue Füße haben. // Leo Frühschütz

Entweder – oder: Nach dieser Devise arbeiten die großen Hühnerzüchter seit Jahrzehnten. Entweder züchten sie Tiere, die möglichst schnell Muskelmasse ansetzen. Das Ergebnis sind Masthühner, die sich innerhalb eines Monats zum schlachtreifen Fleischberg entwickeln. Oder sie erzeugen Tiere, die viele Eier legen. Bis zu 330 Eier im Jahr schafft so eine Legehenne, bevor sie ausgemergelt geschlachtet wird. Die männlichen Küken dieser Linien taugen nicht zur Mast, weil sie zu wenig Fleisch ansetzen. Deshalb werden sie am Tag der Geburt getötet. Den „Kükenmord“ aber lehnen immer mehr Menschen ab. Sie fordern Alternativen.

Zuchtziel: Eier und Fleisch

An Alternativen wird von verschiedenen Seiten gearbeitet. Mittendrin ist Inga Günther. Die Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH ist seit März 2015 auf der Suche nach einem echten, öko-tauglichen und leistungsfähigen Zweinutzungshuhn. Ein solches muss beides können – Eier und Fleisch. Konkret stellt sie sich Tiere vor, die etwa 260 Eier im Jahr legen und deren männliche Seite auf rund drei Kilogramm Mastgewicht in 18 Wochen kommt.

Hinter der Ökologischen Tierzucht-Gesellschaft stehen Bioland und Demeter. Den beiden Bio-Verbänden geht es um mehr als das Kükenschreddern. Es geht auch um Unabhängigkeit. Denn die Zucht von Legehennen liegt weitgehend in der Hand von drei weltweit tätigen Unternehmen. Bis jetzt sind Bio-Bauern auf deren Tiere angewiesen, weil es kaum noch andere leistungsfähige Rassen gibt.

Doch die Hochleistungshühner der Konzerne sind wenig öko-tauglich. Das gilt auch für die Zweinutzungshühner, an denen zwei der Konzerne arbeiten. Sie alle brauchen ein ausgeklügeltes Futter mit synthetischen Vitaminen und viel Eiweiß, das meist in Form von Sojaschrot in die Futtermischung kommt. Zudem müssen die Eiweißbausteine, die Aminosäuren, in einem bestimmten Verhältnis enthalten sein. Mit synthetischen Aminosäuren lässt sich das gut einstellen, doch die sind für Öko-Landwirte tabu. Diese Hennen mit Öko-Futter richtig zu ernähren ist somit ziemlich schwierig. Auch sind die Tiere anfällig und bekommen an der frischen Luft schnell eine Erkältung. Aufgrund der extremen Leistung leiden sie oft an chronischen Erkrankungen, etwa Eierstockentzündungen. Deshalb brauchen solche Hennen oft Antibiotika. Für das Bio-Huhn von morgen haben Bioland und Demeter folgende Zuchtziele definiert: „100 Prozent Öko-Fütterung, Auslauf-Eignung, Anpassung an heimische Leguminosen und Proteinkomponenten sowie Resistenz gegen Krankheiten und Robustheit bei gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreicher Lege- und Mastleistung.“

Ökologisch gezüchtete  Legehennen (Foto: Ökologische Tierzucht gGmbH)

Ökologisch gezüchtete Legehennen: Domäne Gold (links) und Domäne Silber (rechts) (Foto: Ökologische Tierzucht gGmbH)

Bio: Hühnerzucht in Bauernhand

Um dieses Huhn zu züchten, muss Inga Günther mit den Tieren von heute anfangen. Die gängigen Zuchtlinien samt ihrer Genetik gehören den drei Konzernen. Doch es gibt noch wenige ältere Hühnerrassen, die in den letzten Jahren züchterisch bearbeitet wurden. Inga Günther selbst züchtet im Hänsel&Gretel-Projekt des schwäbischen Demeter-Betriebs Hofgut Rengoldshausen mit Hühnern aus der französischen Region Bresse. Diese liefern schmackhaftes Fleisch und die Hennen legen hinreichend Eier. Wegen ihrer blauen Füße werden die Tiere auch als „Les Bleues“ bezeichnet. Auch die Herrmannsdorfer Landwerkstätten im Osten Münchens, Öko-Bauern aus Brandenburg und die bayerische Erzeugergemeinschaft Die Biohennen AG arbeiten seit ein paar Jahren mit älteren Rassen.

Eine der Aufgaben der neuen Züchtungsgesellschaft ist es, den Erfahrungsaustausch dieser und weiterer Projekte zu organisieren und ihre Arbeit zu koordinieren. Vor allem aber soll sie mit einem Grundstock eigener Züchtungstiere arbeiten. Diese Tiere hat die Domäne Mechtildshausen eingebracht. Der hessische Bioland-Betrieb arbeitete über Jahre hinweg mit Geflügelzüchtern der Universität Halle zusammen. Deren genetisches Material stammte aus Beständen der staatseigenen Zucht der DDR, unbeeinflusst von westlichen Konzernen. „Die drei bestehenden Zuchtherden der Rassen New Hampshire, White Rock und Bresses Gauloises sind hinsichtlich ihrer Größe und der jahrelangen züchterischen Bearbeitung europaweit, wenn nicht sogar weltweit einmalig“, schwärmt Sebastian Fuchs, Leiter der Abteilung Qualität bei Demeter. 

Inga Günther (Foto: Ökologische Tierzucht gGmbH)

Sucht das Huhn von morgen: Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen
Tierzucht-Gesellschaft. (Foto: Ökologische Tierzucht gGmbH)

Ein intelligentes Nest erkennt das Huhn

Aus diesen insgesamt 4 000 Zuchttieren sollen die Öko-Tierzüchter um Inga Günther in jeder Generation und für jede der drei Herden getrennt die Tiere auswählen, die die Zuchtziele am besten erfüllen. Mit diesen arbeitet sie dann weiter. Bis die Züchter einschätzen können, ob ein bestimmtes Tier die vorgegebenen Zuchtziele Legeleistung, Futterverbrauch, Gesundheitszustand und Sozialverhalten erreichen wird, vergeht mindestens ein Jahr. Dann muss Inga Günther auch sichergehen, dass die Henne ihre Eigenschaften vererbt – und wie sich die Hähne dieser Tiere entwickeln. „Dazu müssen wir wissen, welche Henne welches Ei gelegt hat und welches Tier daraus geschlüpft ist“, sagt die 28-jährige Agrarwissenschaftlerin. Um bei Hunderten von Hühnern den Überblick zu behalten, braucht sie intelligente Nester. Diese können das Huhn über einen Chip am Bein identifizieren, das gelegte Ei wiegen und es kennzeichnen. „In der konventionellen Zucht leben die Tiere in Einzelkäfigen, da ist eine Zuordnung leichter. Aber wir wollen ja das soziale Verhalten der Tiere beobachten, etwa wie sie mit den anderen Hennen und dem Hahn umgehen.“ Außerdem würden sich die Haltungsbedingungen der Tiere auch auf den Nachwuchs auswirken. „Die Küken bekommen das als genetische Erinnerung mit. Wenn man öko-taugliche Tiere will, muss man die Zuchttiere entsprechend halten.“ Auf zehn Jahre ist dieses erste Züchtungsprogramm angelegt.

Doch so lange müssen Bio-Kunden nicht auf Eier und Fleisch von echten Zweinutzungshühnern warten. Denn die Öko-Züchter wollen nicht nur ihre drei reinrassigen Herden züchterisch weiterentwickeln. Sie planen auch, die reinrassigen Elterntiere zu kreuzen, etwa einen gut zu mäs-tenden Bresse-Hahn mit einer legefreudigen White Rock- Henne. Daraus entstehen Zweinutzungshühner mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sie jetzt schon Landwirten anbieten. Von diesen Tieren vermuten die Züchter, dass sie besonders vital und wenig anfällig sind. Domäne Silber heißt eine dieser Kreuzungen aus zwei legebetonten Linien. Praxis-Betriebe wie der Bauckhof und der Kudammhof haben einige Herden dieser Tiere aufgestallt und sammeln Daten. „Schließlich müssen interessierte Landwirte wissen, was diese Tiere im Alltag leisten“, erklärt Inga Günther.

Lösung? Hähne schon im Ei erkennen

Auch die konventionellen Eierproduzenten wollen das Problem „Kükenmord“ lösen. Sie setzen auf die Geschlechtsbestimmung im Ei. Die Eier mit männlichen Embryonen würden dann aussortiert und verwertet – etwa als Rohstoff für Futtermittel oder für die chemische Industrie. Ein Verfahren für die Geschlechtsbestimmung haben Wissenschaftler der Universität Leipzig entwickelt. Dabei schneidet ein Laserstrahl ein kleines Loch in die Eierschale. Ein Mikroskop sendet einen Lichtblitz ins Ei und wertet aus, wie dieser gestreut wird. Daraus lässt sich das Geschlecht des drei Tage alten Embryos erkennen. Ist es ein weibliches Küken, wird die Schale wieder verschlossen und das Ei kommt zurück in den Brutkasten.

Bis Ende 2016 wollen die Forscher einen vollautomatischen Prototyp entwickeln. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert diesen Schritt mit 1,2 Millionen Euro, schließlich hat Minister Christian Schmidt erklärt: „Mein Ziel ist, dass das Kükenschreddern 2017 aufhört.“ Ob das so schnell gelingen wird, ist offen.

Bruderhahn und Hähnlein-Eier

„Aus unserer Sicht bekämpft dieser Vorschlag nur Symptome“, sagt Pamela Wieckmann, die die Bruderhahn-Initiative Deutschland (BID) koordiniert. Damit bleibe es bei der einseitigen Zucht von Hochleistungshennen und -mastgeflügel aus Linien, die in der Hand weniger Konzerne sind. Die Bruderhahn-Initiative wurde 2012 vom norddeutschen Bio-Geflügelspezialisten Carsten Bauck und einigen Naturkostgroßhändlern gestartet. Die Idee: Die Eier-Erzeuger ziehen die Hähnchenküken mit auf. Da diese nur langsam Fleisch ansetzen, brauchen sie viel mehr Zeit und Futter bis zur Schlachtung und das kostet Geld. Die Mehrkosten zahlen die Kunden über einen Zuschlag für die eigens gelabelten Eier. Masthühner und Eier aus der Initiative gibt es schon zu kaufen. Inzwischen machen 29 Bauern und neun Großhändler mit, die die Eier überwiegend an norddeutsche Bio-Läden liefern.

Die Brüder der Hennen werden nach rund fünf Monaten Mast geschlachtet. Ihr Fleisch kauft überwiegend noch der Babykosthersteller Holle. „Künftig wollen wir mehr Bruderhahnfleisch an die Endverbraucher vermarkten, etwa als ganze Hähnchen oder in Teilen“, sagt Pamela Wieckmann. Aufgegriffen haben die Bruderhahn-Idee auch andere Bio-Eiererzeuger. Ihre Eier finden sich in Bio-Läden unter Bezeichnungen wie „Bio-Eier mit doppeltem Lebenswert“, „HennenGockelEi“ oder „Hähnlein-Eier“.

In Deutschland gibt es solche Produkte ohne Kükenschreddern fast nur in Bio-Läden. In Österreich hingegen sollen sie bald überall zu finden sein. Dort haben sich der BioDachverband und der Lebensmitteleinzelhandel darauf geeinigt, alle männlichen Küken der Bio-Eier-Produktion aufzuziehen und das über den Preis der Eier zu finanzieren.

Ein großer Fortschritt sei das, aber doch nur eine mittelfristige Lösung, sagt die Hühner-Züchterin Inga Günther. Denn die österreichischen Bio-Bauern setzen auf „Sandy“, eine herkömmliche Legehybride des Weltmarktführers Lohmann Tierzucht und das sei nun mal kein ökologisch gezüchtetes Tier. „Wir können die bestehenden Strukturen nur ändern, wenn wir selbstbestimmt und frei von Konzerninteressen ökologische Züchtungsziele entwickeln und umsetzen.“ 

Hühner Freilauf (Foto: Bruderhahn Initiative Deutschland e.V.)

Bio-Masthühner dürfen ins Freie und haben mehr Zeit zum Wachsen. (Foto: Bruderhahn Initiative Deutschland e.V.)

60 Cent fürs Ei

Doch dafür braucht es Geld. Bisher haben die Öko-Züchter vor allem Zuwendungen aus der Bio-Branche bekommen. Noch fehlen für 2016 und 2017 rund vier Millionen Euro. Ein Förderantrag an das Bundeslandwirtschaftsministerium ist gestellt. Auch Handel und Verbraucher will Inga Günther mit einbeziehen. Ein Züchtungs-Cent für jedes Ei wären bei 1,1 Milliarden verkauften Bio-Eiern immerhin elf Millionen Euro.

Letztlich sind es auch die Verbraucher, die entscheiden, ob Zweinutzungshühner überhaupt eine Zukunft haben. Denn diese Tiere legen von Natur aus weniger Eier und setzen langsamer Fleisch an als die jeweiligen Hochleistungszüchtungen. Deshalb müssen Eier und Fleisch deutlich mehr kosten als bisher üblich. Größenordnung: 60 Cent fürs Ei und 20 Euro für das Kilogramm Hähnchen. Doch das ist es wert, oder?

 

Keine Wahl ...

Drei große Konzerne beherrschen die Zucht von Legehennen. Ihr Zuchtziel: Leistung. Zurzeit müssen Bio-Bauern noch auf die Tiere der Konzerne zurückgreifen. Doch das soll sich ändern.  

Kükenmord

Rund 45 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jährlich gleich nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet, weil sie nicht zur Mast taugen. 

Frische Luft und ganze Körner

Hühnerhaltung (Foto: Ökologische Tierzucht gGmbH)
(Foto: Ökologische Tierzucht gGmbH)

Bio-Hühner leben besser

  • Hühner wollen scharren, picken, im Staub ]baden, frische Luft genießen und nachts auf Stangen schlafen. Das alles können sie in Bio-Ställen, denn Einstreu und Sitzstangen sind ebenso Pflicht wie ganze Getreidekörner im Futter. Gentechnisch verändertes Futter ist verboten.
  • Bei Bio-Hennen dürfen die Schnäbel – im Gegensatz zu konventionellen Hennen – nicht gekürzt werden. Verstümmelte Schnäbel erschweren das Fressen und die Pflege des Gefieders. 
  • Pro Quadratmeter dürfen Bio-Bauern im Stall sechs Hennen halten. Jedem Tier stehen zudem vier Quadratmeter Auslauf zu. In der konventionellen Bodenhaltung leben neun Tiere auf einem Quadratmeter, ohne Auslauf. 
  • Antibiotika sind in Bio-Herden die Ausnahme. Deswegen finden Wissenschaftler in Bio-Ställen weniger antibiotikaresistente Keime.
  • Ein Bio-Bauer muss genug Ackerflächen haben, um sie mit dem Mist seiner Tiere zu düngen. Eine Überdüngung wird so vermieden. Das schützt das Grundwasser vor Nitrat.
  • Bio-Hühner werden meist 70 bis 90 Tage ge-mästet (konventionelle Hennen 28 bis 40 Tage). Bei längerer Mastdauer können sich die Knochen proportional zur Fleischzunahme entwickeln. Dadurch werden Gelenkschäden vermieden.

Zahlen und Fakten: Henne und Ei

1,1 Milliarden Bio-Eier  

‣ In Deutschland leben 40 Millionen Legehennen und legen pro Jahr fast 12 Milliarden Eier. 

‣ 63 Prozent der Legehennen fristen ihr Dasein in konventioneller Bodenhaltung, 18 Prozent in Freilandhaltung. Knapp vier Millionen Hennen eben auf einem Bio-Betrieb. Das sind rund 10 Prozent.

‣ Bio-Hennen legen im Schnitt 280 Eier im Jahr, das macht 1,1 Milliarden Bio-Eier im Jahr. 

‣ Ein Ei der Gewichtsklasse M wiegt 53 bis 63 Gramm. Es enthält rund fünf Gramm Fett, vor allem im Dotter, und sieben Gramm Eiweiß. Ein Ei deckt 8,5 Prozent der empfohlenen Zufuhr von Vitamin D über die Nahrung (20 µg) ab sowie ein Drittel des Tagesbedarfs an Vitamin B12.

Interview: „Bio ist ein erster Schritt“

Ursula Hudson (Foto: privat)
Ursula Hudson ist die Vorsitzende von Slowfood Deutschland. Die weltweite Organisation setzt sich für gute, saubere und faire Lebensmittel ein. (Foto: privat)

Was bedeutet der Slowfood-Anspruch „gut, sauber und fair“ für Ihr Frühstücksei?

Mit einem Ei muss man behutsam und vorsichtig umgehen, schon bei der Beschaffung. Es muss aus einer richtig guten Hühnerhaltung stammen, und die sind selten. Die Hühner müssen auch richtig gefüttert werden, kein Sojaschrot, sondern richtiges Getreide zum Picken. 

Erfüllt ein Bio-Ei Ihren Anspruch?

Ein Bio-Ei ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Aber das ist eine Mindestschwelle, darunter geht gar nicht. Das Problem ist, dass sich auch bei Bio-Geflügel eine ziemliche Spezialisierung entwickelt hat. Ideal ist aus unserer Sicht ein gemischter Betrieb, in dem Hühner neben vielen anderen Tieren leben. Und am besten ist ein Zweinutzungshuhn.

 Die sind aber rar.

Ja, aber es gibt viele gute Modelle, es ist viel in Bewegung und das kann man mit dem Kauf solcher Eier unterstützen. Sicher sind sie teurer, aber das sind sie wert. Schließlich ist ein Ei ein wunderbares Lebensmittel, eine Konzentration vieler wichtiger Nährstoffe. Das sollte man mit einem Dank an das Huhn verzehren.

 Und wie sieht es mit dem Gockel aus? 

Die Tiere sollen ein gutes Leben haben und nicht innerhalb von 28 Tagen zu Fleischbergen herangemästet werden. Ein solches Fleisch schmeckt auch überhaupt nicht. Und trotzdem stürzen sich viele Menschen darauf, weil weißes Fleisch angeblich gesund ist. Auch der Gockel sollte von einer Zweinutzungsrasse stammen. Ein solches Huhn ist ein Festtagsbraten, ein wertvolles und genussreiches Lebensmittel. Da bleibt bei uns nichts übrig.

Auch nicht die Knochen?

Die abgenagten Knochen koche ich mit Wurzelgemüse aus. Das ergibt einen wunderbaren Fond, etwa als Grundlage für ein Risotto.

Mehr zum Thema

Projekte mit Zweinutzungshühnern

www.hahnundhuhn.de

www.oekotierzucht.de

www.zweinutzungshuhn.de

www.blog.herrmannsdorfer.de

www.aktion-ei-care.de

www.diebiohennen.de

www.bioeier.de/zweinutzunghuhn.html

www.tonishennehahn.at

www.bressegauloise.de

 

Projekte mit Bruderhähnen

www.bruderhahn.de

www.ez-fuerstenhof.de/11.html (Haehnlein)

www.hennengockelei.de

www.lechfeld.info/bicklhof

www.stolzer-gockel.de

www.eiermacher.at

www.kudammhof.de/hof/bruderhaehnchen

 

www.tierzuchtfonds.de

Der Tierzuchtfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft unterstützt die Züchtung von Zweinutzungshühnern und freut sich über Spenden.

Konto: Zukunftsstiftung Landwirtschaft,
IBAN: DE53 4306 0967 0030 0054 56,
BIC: GENODEM1GLS,
Stichwort: Zukunftshuhn

Erschienen in Ausgabe 02/2016
Rubrik: Ernährung

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incl. 'http://'

Habe ich gerade entdeckt, vielleicht sollte man das oben noch mal verlinken: Eine Webseite mit einem leicht verständlichen Erklär-Video: https://huhn-von-morgen.de

Linda

Ja, sterben muss jeder, werte Leserin45, aber töten müssen wir deswegen noch lange nicht, wenn man auch gesund und genussvoll leben kann, ohne andere Lebewesen dafür leiden zu lassen. Und wenn es ihnen gleich ist, dass Menschen und Tiere getötet werden - ohne dass eine Notwendigkeit besteht - dann müssten wir alle Mörder frei lassen, weil sie auch einen Grund hatten, andere zu töten. Dann seien Sie, Leserin45, bitte auch so konsequent und lassen sie Kannibalismus in unserer Gesellschaft zu! Denn das ist eigentlich auch ein natürlicher Teil des Lebenskreislaufes.

Die Einstellung, Tiere leben zu lassen und nicht mehr auf deren Kosten zu leben, mag ihnen verrückt vorkommen. Es ist vielmehr noch ungewöhnlich in der Vorstellung der meisten Menschen, allerdings weniger werrückt als rücksichtsvoll!

Ich finde es viel verrückter, Lebewesen zu töten, obwohl dies nicht mehr zwangsläufig notwendig ist!

Und sie wollen auch darüber bestimmen, wieviel Kinder jedes Paar weltweit bekommen darf?

Ich finde ihre Entscheidungen über das Leben anderer Lebewesen schon sehr anmaßend und radikal!

Leserin45

„@Birgit Neuwirth „Nur biovegan ist friedlich“ zum Artikel „Das Bio-Huhn von morgen“ aus der Ausgabe 02/2016

Also ich muss schon sagen – es wird immer verrückter! Wie wäre es denn damit, am besten überhaupt nicht zu leben? Das wäre die allerallerfriedlichste Lösung!
In unserer Zeit haben offenbar einige Zeitgenossen völlig verdrängt, dass das Leben mit dem Tod endet – egal ob für Mensch oder Tier – und dass die Nahrungskette nun mal so angelegt ist von der Natur, dass sich Leben von Leben ernährt. Das ist ein Naturgesetz und das werden wir Menschen nicht abschaffen und besser machen können.
Wäre es Ihnen denn lieber, die domestizierten Tiere würden komplett aussterben? Denn das würden sie tun, wenn wir sie nicht mehr aufziehen, züchten und hegen würden, Hühner, Rinder, Schweine, Hunde, Katzen – sie wären kaum in den Wiesen und Wäldern allein überlebensfähig. Dann gäbe es wiederum Proteste wegen Artensterben….
Das Leben ist nun mal nicht das Paradies, wer das möchte, hängt einer Illusion nach.
Wer es „friedlicher“ möchte, muss diesen Frieden aus dem Friedhof suchen.
Mir scheint daher eine vernünftige Lösung richtig, die aus zwei Grundkomponenten besteht: 1. keine Massentierhaltung, sondern eine artgerechte, umweltverträgliche Tierhaltung und 2. die Drosselung der Vermehrung des Menschen auf der Erde, damit meine ich eine natürliche Verhütung, so dass Paare im weltweiten Durchschnitt nicht mehr als 2 oder 3 Kinder in die Welt setzen. So müsste auch eine Ernährung der Weltbevölkerung zu bewerkstelligen sein.

Linda

Ich bitte alle Menschen dringlichst darum, Lebewesen nicht mehr als Produktionsgut, als zu produzierende Sache zu betrachten!!! Wer von uns möchte schon zu einer Produktionseinheit reduziert werden?! Tiere fühlen und erleben ähnlich dem Menschen. Gestehen wir ihnen in unserer heutigen, weiterentwickelten und aufgeklärten Zivilisation doch bitte den Status als freies, selbstbestimmtes Lebewesen zu, dessen Recht auf ein unversehrtes Leben unantastbar sein sollte - so wie wir es für uns selbst voraussetzen!!!!

uta

Vielen Dank für den aufklärenden Artikel zum Thema Züchtung von Zweinutzungshühner. Einen Aspekt habe ich jedoch vermisst, den Konsum. Wahrscheinlich ist es bei der großen Nachfrage heutzutage kaum noch möglich gute, faire und saubere Lebensmittel zu produzieren. Sollten die Verbraucher daher nicht auch zur Zügelung ihres Konsums bestimmter Lebensmittel angehalten werden - à la "Zurück zum Sonntagsbraten".

Linda Grass

Sehr geehrte Schrot & Korn - Redaktion,

mit Entsetzen habe ich Ihren Artikel über eine neu geplante Hühnerrasse gelesen, die als sogenannte Zweinutzungshühner herhalten sollen.
In meinen Augen kommen da die Tiere vom Regen in die Traufe. Sollen die männlichen Küken etwa noch dankbar dafür sein, dass sie nicht sofort geschreddert werden, sondern erst 18 Wochen gemästet und dann geschlachtet werden?
Das ist doch mal wieder Verbrauchertäuschung und ein genauso das Leben nicht respektierender Versuch, das Lebewesen Huhn / Hahn zu einem Gebrauchs- /Verbrauchsgut zu reduzieren. Nur wenn man das Wort "öko" davorsetzt und die Legewerte etwas niedriger ansetzt, macht diese Umgangsform mit Lebewesen noch lange nicht ethisch vertretbarer!
Ich möchte alle Schrot & Korn - Leser einmal bitten, im Geiste etwas Abstand von der Betrachtung des Huhns als Nutztier zu nehmen und den Artikel mal bewusst durchzulesen.
Vielleicht könnte jeder mal versuchen, sich an die Stelle dieser Hühner zu setzen, von denen in diesem Artikel die Rede ist, und dann Begriffe wie "Zuchtziele", "Zweinutzungsrasse", "leistungsfähig", "ausgeklügeltes Futter", "wirtschaftlich erfolgreicher Lege- und Mastleistung" usw auf sich zu beziehen.
Welcher Mensch möchte schon all solche Erwartungen erfüllen müssen, um nach kurzer Zeit sowieso getötet und konsumiert zu werden?!
Für mich klingt das, was Bioland und Demeter da mit Lebewesen veranstalten und planen, genauso abstoßend wie das, was die kommerzielle Lebensmittelindustrie verbricht.
Meiner Meinung nach sollten wir in freie Lebensräume für Tiere investieren, auch ohne dass wir einen Nutzen von ihnen haben, und eine vegane Lebensweise anstreben. Kommen wir doch bitte endlich mal auch für die nichtmenschliche Tierwelt von Gebräuchen wie Zucht und Rassezielen weg! Überlassen wir der Natur, welche Arten weiter existieren und sich den Umweltveränderungen anpassen und welche mit der Zeit aussterben werden. So wie es schon früher war. Hören wir auf, Gott zu spielen!
Keiner von uns möchte selbst als reine Nutzeinheit in unserer Gesellschaft verstanden werden, weshalb wir es auch von keinem anderen Lebewesen fordern sollten.

Vielen wird meine Ansichtsweise als zu ideologisch oder utopisch klingen.
Aber warum nicht versuchen? Nur weil wir diesen Weg noch nicht als Erfahrungswert kennen, heisst das doch noch lange nicht, dass es unmöglich sei. Lassen wir uns nicht von Theorie und eingeschränkten Vorstellungsmöglichkeiten verunsichern, machen wir uns einfach auf den Weg dorthin, dann kann es vielleicht eine Zukunft haben. Stehen wir uns nicht selbst im Weg.

Mich jedenfalls überzeugt dieser Artikel, dass Vorsilben, wie bio- und öko- nicht der erste Schritt sind und solche Produkte nicht unbedingt tierfreundlicher sein müssen, sondern eher dem Verbraucher als Gewissensberuhigung dienen. Nur eine biovegane Lebensweise ist in meine Augen eine friedliche, rücksichtsvolle Art und Weise, dem Leben auf diesem Planeten zu begegnen.

Mit freundlichen Grüßen,

Linda Grass.

Carmen

Jahrelang wähnte ich mich als Bio-Vegetarierin auf der richtigen Seite. Der Artikel hat mich in meiner vor fünf Jahren getroffenen Entscheidung, aus ethischen Gründen eine vegane Lebensweise zu wählen, bestätigt. Das Lesen ist mir nicht leicht gefallen: Für mein Empfinden ist bereits das Vokabular (Zucht, Nutzung, Fleisch, Mast etc.) entlarvend: Tiere werden (gerade auch in der Bio-Landwirtschaft) als Mittel zum Zweck, als Ware, als Produkt, als Konsumgut für den Menschen betrachtet. Die erwähnten Fortschritte sind für mich nach wie vor Schritte in die falsche Richtung. Es mag Zeiten gegeben haben, in denen Menschen ohne eine (Aus-)Nutzung von Tieren kaum überlebt hätten. Glücklicherweise befindet sich ein Großteil der heutigen Menschheit in der Lage, darauf verzichten zu können. Wie wäre es, wirklich neue Wege zu beschreiten? Fortschritt hieße für mich es als eine Selbstverständlichkeit anzusehen, Tiere um ihrer Selbst willen leben (und letztlich auch sterben) zu lassen. Der "Nutzen" bestünde dann darin, dass sie als individuelle Subjekte ihren (freiwilligen oder auch natürlichen) Beitrag innerhalb einer intakten Mitwelt "leisteten" - und nicht als nach menschlichem Gusto gezüchteten, optimierten kommerziellen Objekt dienen müssten. "You may say I'm a dreamer ... Imagine!"

Schaut auch mal gerne auf unserer Website vorbei. Wir halten auch seit drei Jahren Bresse und Gauloise um eine andere Form der Hühnerhaltung zu etablieren. Wir haben mit unserer CSA (solidarischen Landwirtschaft) aber auch eine andere Möglichkeit der "Vermarktung"
beste Grüße vom WeidenHof
David

Die grausamen Bilder aus Legebatterien sind vielen Menschen bekannt, aber auch die so genannten alternativen Haltungsformen sind nicht das Gelbe vom Ei. Ob nun Boden- Freiland- oder Biohaltung: Der Tod im Schlachthof bleibt auch hier keinem Huhn erspart.