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Bio-Wissen: Süßer Liebling

Bio-Wissen Honig © Lisa Mill/bio verlag
© Lisa Mill/bio verlag

BIO-WISSEN Bienen fliegen auf die duftenden Akazienblüten – und wir auf ihren klaren, sanft-fließenden Honig. Der eigentlich ganz anders heißen müsste. Astrid Wahrenberg

-> Honig  im Bio-Laden

Genau genommen ist die mitteleuropäische Akazie eine Robinie, die vor 300 Jahren als Zierpflanze aus Nordamerika nach Europa kam. Ganz korrekt müsste der Honig aus ihren Blüten also Robinienhonig heißen, darf sich aber hierzulande Akazienhonig nennen.

Wer im Frühsommer in der Nähe blühender Akazienwälder unterwegs ist, kann schon von Weitem einen betörenden Duft wahrnehmen. Er steigt aus Tausenden von Blüten auf und parfümiert die Luft regelrecht. Ein Duft, auf den auch Bienen – und Imker – fliegen. Aus ganz Deutschland fahren sie ihre Bienenstöcke in die großen Trachtgebiete in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und dem Saarland. In Ungarn, Rumänien und Bulgarien prägt die Akazie ganze Landschaften, ebenso in China. Wo sie wächst, haben die Bienen reichlich zu schlecken, denn die Akazie gehört zu den nektar-reichsten Pflanzen. Allerdings fließt der süße Saft erst bei höheren Temperaturen. Regnet es stark, kann die Nektarernte von heute auf morgen schon wieder vorbei sein. In manchen Jahren fällt die Ernte daher komplett aus.

Mit ihrem Honig ernten Imker inzwischen auch immer wieder Spritzmittel, ein großes Thema für die Bio-Imkerei. In Akazienwäldern müssen Bio-Imker zumindest keinen unmittelbaren Pestizideinsatz fürchten. Grundsätzlich schreibt die EU-Öko-Verordnung vor, dass sich der Standort von Bienenstöcken „in ausreichender Entfernung von Verschmutzungsquellen befindet, die die Imkereierzeugnisse kontaminieren oder die Gesundheit der Bienen beeinträchtigen können.“ In konventionellen Obstplantagen, wo häufig gegen Schädlinge und Unkraut gespritzt wird, stellen Bio-Imker ihre Bienenkisten gar nicht erst auf. 

Ohne Hitze 

Früher stand häufiger „kalt
geschleudert“ als Qualitätsbegriff auf einem Honigetikett. Das ist als Verbrauchertäuschung
verboten, da Honig generell ohne Hitzeeinwirkung geschleudert wird.

Aus ökologischer Haltung

Weil sich der Bienenflug nicht steuern lässt, sprechen manche Imker statt von Bio-Honig gern von Honig aus ökologischer Haltung. Das bedeutet zum Beispiel: Die Bienenwohnung darf nur aus natürlichen Materialien wie Holz bestehen. Kunststoffkisten sind verboten. Das Bienenwachs in der Bienenwohnung kommt aus dem eigenen Betrieb oder einer anderen Bio-Imkerei. Altes Wachs erneuern Bio-Imker regelmäßig, denn es speichert fettlösliche Giftstoffe, zum Beispiel Pestizide aus der Landwirtschaft. Als Behandlungsmittel gegen die Varroamilbe sind nur wenige Mittel, etwa organische Säuren, erlaubt. Ein Teil des Honigs bleibt den Bienen als Winterfutter. Zusätzlich füttern Bio-Imker Öko-Zucker. 

Für die Qualität der Bio-Honige spricht auch, dass die Imkerei einmal im Jahr durch staatlich zugelassene Zertifizierer kontrolliert wird.
Sie nehmen zudem regelmäßig Honig- und Wachsproben. Große Honig-Firmen, insbesondere solche, die ausländischen Honig kaufen, geben eigene Laboranalysen in Auftrag. 

Er läuft und läuft ...

Akazienhonig bleibt monatelang flüssig, das ist charakteristisch und liegt am hohen Fruchtzuckeranteil. Überwiegt der Fruktosegehalt in einem Honig im Verhältnis zur Glukose, bleibt er länger flüssig.

Nicht nur auf Brot

Mit mildem Geschmack und der flüssigen Konsistenz eignet sich Akazienhonig zum Süßen von Desserts, Kuchen, Tee und zum Abschmecken von Salatsoßen. Die Süßkraft ist stärker als die von Zucker, daher zurückhaltend dosieren.

Regionale Vielfalt

In unserer Übersicht auf der nächsten Seite haben wir bundesweit erhältliche bio-zertifizierte Akazienhonige zusammengestellt. Darunter sind solche mit Honig aus Deutschland, dem EU-Ausland und Nicht-EU-Ländern. In jedem Bio-Laden gibt es darüber hinaus Produkte lokaler Bio-Imker, die es auszuprobieren lohnt.

Blütentreue Biene

Damit sich ein Honig Akazienhonig nennen darf, muss er vollständig oder überwiegend aus den genannten Blüten oder Pflanzen stammen. Das gilt für alle Sortenhonige, etwa Linden-, Sonnenblumen- oder Edelkastanienhonig. Das klappt, weil Bienen sich von Natur aus für die ertragreichste Nektarquelle in ihrer Umgebung entscheiden. Haben Sie dann erst einmal verstanden, wie die Blüte beerntet wird, perfektionieren sie die Methode. Weniger lohnende Quellen beachten sie daher kaum.

Richtig aufbewahren

Honig ist ein naturbelassenes Produkt. Wärme und Licht schaden den Inhaltsstoffen. Daher müsste Honig eigentlich in undurchsichtigen Gläsern verkauft werden. Aber wer würde bei so einem Honig zugreifen? Die Mindesthaltbarkeit liegt meist bei zwei Jahren. Dafür muss er kühl und dunkel aufbewahrt werden. Wichtig: Das geöffnete Glas immer sehr gut verschließen. Honig zieht Feuchtigkeit aus der Luft an, das kann zur alkoholischen Gärung führen.

Erschienen in Ausgabe 11/2018
Rubrik: Ernährung

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