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Bier: Wie das zischt!

BIER Darf᾽s ein kühles Blondes oder ein dunkles Malz sein? Leo Frühschütz kennt sich aus mit dem Gerstensaft und stellt die Bier-Vielfalt im Bio-Laden vor.

WeizenbierLadenthema Bier - Weizenbier (© Sarah Eick/bio verlag)

Der Stern des Südens

Ein Bier mit überschäumendem Temperament – das Einschenken in die hohen Gläser braucht Übung. Die viele Kohlensäure und der fruchtige Geschmack machen das Weizen zu einem beliebten Durstlöscher, besonders als „Leichtes“ mit wenig Alkohol oder ganz ohne. Das Weißbier stammt aus Bayern und war lange ein adeliges Bier. Nur die Wittelsbacher Kurfürsten durften es in ihren Hofbräuhäusern brauen.

Ein Weizen muss aus mindestens 50 Prozent Weizenmalz gebraut sein. Das obergärige Bier gibt es als naturtrübe, helle oder dunkle Variante – oft mit reichlich Hefe in der Flasche – ebenso wie als klares Kristallweizen. Weißbier gärt in der Flasche nach, weswegen es nur selten Weißbier vom Fass gibt.

Ladenthema Bier - Malzbier (© Sarah Eick/bio verlag)

Malzbier

Der süße Energiespender

Vitamalz und Karamalz waren das Kinderbier der Baby-Boomer-Generation. Fast schwarz, cremiger Schaum, prickelnd süß mit wenig bitterem Hopfen und ohne Alkohol. Heute werden Malzgetränke als „natürliche Energiequelle für alle, die körperlich und geistig viel leisten müssen“ vermarktet. Der Brauer setzt die Hefe bei Temperaturen knapp über Null Grad zu. Der Malzzucker wird dadurch nicht zu Alkohol vergoren, sondern steht als Nährstoff zur Verfügung.

Ein Malzbier darf bis zu zwei Prozent Alkohol enthalten und keinen zugesetzten Zucker. Gibt der Brauer Zucker oder gar Zuckerkuleur als Farbstoff zu, kommt das Produkt als sogenannter Malztrunk in den Handel – und muss dann alkoholfrei sein!

 

Ladenthema Bier - Alkoholfreies Bier (© Sarah Eick/bio verlag)

Alkoholfreies Bier

Erfrischt ohne Umdrehungen

Im seit Jahren schrumpfenden deutschen Biermarkt ist das Alkoholfreie der Lichtblick der Brauer. Längst hat jede größere Brauerei ihr eigenes „Bleifreies“, als Helles, Dunkles, Pils oder Weizen. Die Braumeister dämmen die Bildung von Alkohol während des Gärprozesses ein oder entziehen dem fertig gebrauten Bier schonend den Alkohol. Alkoholfreies hat weniger Kalorien als Fruchtsaft und wird deshalb gerne als isotonisches Sportlergetränk beworben.

Alkoholfrei darf sich ein Bier mit einem Alkoholgehalt von 0,5 Prozent und weniger nennen. Diese geringe Menge hat keine Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit. Auch Fruchtsaft darf übrigens bis zu 0,3 Prozent Alkohol enthalten, ohne dass er als vergoren gilt.

 

Ladenthema Bier - Pils (© Sarah Eick/bio verlag)

Pils

Die herbe Frische

Seinen Namen hat das beliebteste Bier der Deutschen von der tschechischen Stadt Pilsen. Dort wurde es 1842 erstmals gebraut – von einem niederbayerischen Braumeister. Das goldgelbe, stark gehopfte Bier schmeckt schlank und spritzig und hat besonders in Norddeutschland viele Fans. Getrunken wird es am liebsten frisch gezapft. Dafür braucht es maximal drei Minuten, keine sieben.

Pils gehört zu den untergärigen Bieren. Die verwendete Hefe sinkt am Ende des Gärprozesses auf den Boden. Untergärige Hefen lieben es kalt; die Brautemperatur liegt bei vier bis neun Grad. Bevor Carl von Linde 1876 die Kältemaschine erfand, konnten untergärige Biere nur im Winter gebraut werden.

 

Ladenthema Bier - Glutenfreies Bier (© Sarah Eick/bio verlag)

Glutenfreies Bier

Hirse macht᾽s möglich

Weizen und Gerste enthalten Gluten, weswegen herkömmliche Biere für Menschen mit Zöliakie oder auch Glutensensitivität nicht geeignet sind. Für sie verarbeiten findige Bio-Brauer Malz aus glutenfreien Bio-Rohstoffen wie Hirse, Reis, Buchweizen oder Quinoa zu glutenfreien Bieren. Oder sie verwenden Gerstenmalz und entfernen das Gluten nach dem Brauen schonend aus dem Bier. Damit erfüllen sie sogar das Reinheitsgebot.

Als glutenfrei gelten Biere, wenn sie weniger als 20 Milligramm Gluten je Liter enthalten. Das muss regelmäßig durch Messungen kontrolliert werden. Meist tragen die Produkte das Siegel der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft, eine durchgestrichene Ähre.

 

Ladenthema Bier - Mix-Biere (© Sarah Eick/bio verlag)

Mix-Biere

Mischungen – voll im Trend

Das bekannteste Biermischgetränk ist das Radler, Bier mit Zitronenlimonade. Doch lässt sich Bier auch mit Säften von Apfel, Kirsche oder anderen Früchten mischen. Das mindert ebenfalls den Alkoholgehalt und führt zu überraschenden, neuen Geschmacksnoten. Bananenweizen zum Beispiel. Wer Fruchtsirup verwendet, verdünnt das Bier nicht so stark. Ein Klassiker ist hier die Berliner Weisse mit einem Schuss Himbeer- oder Waldmeistersirup.

Mischgetränke haben seltsame Namen: Alsterwasser heißt Pils mit Zitronenlimo im hohen Norden. Wer in Bayern einen Russ’n bestellt, bekommt Weißbier mit Limo. Bier mit Cola nennt sich Diesel und im Maßkrug zusammen mit einem doppelten Asbach wird daraus die legendäre Goaßnmaß.

 

Ladenthema Bier - Craft-Biere (© Sarah Eick/bio verlag)

Craft-Biere

Neues altes Handwerk

Craft heißt auf Englisch Handwerk und steht für Biere, die von jungen, qualitätsbewussten Brauern in kleinen Mengen hergestellt werden. Sie schmecken nach allem möglichen – nur nicht nach indus-
triellem Einheitsbier. Die Craft-Bier-Brauer gehen geschmacklich neue Wege, wenn notwendig auch jenseits des Reinheitsgebots. Denn man kann neben Hefe, Malz und Hopfen auch noch andere Zutaten in den Sud geben, etwa Zitronenverbene, Hanf oder Ingwer.

Bekannte Craft-Biere sind das India Pale Ale (IPA) oder das dunkle Porter. Typisch: Die Brauer verwenden reichlich Aroma-Hopfen für eine fruchtig-exotische Note. Aufgepasst: Manche Craft-Biere enthalten sieben oder acht Prozent Alkohol.

Alle Fotos © Sarah Eick/bio verlag

 

Bio-Bier

Rein ganz ohne Tricks

  • Bio-Bier ist ehrliches Handwerk pur: Das Brauereiwasser darf nicht mit Aktivkohlefilter und Ionentauscher aufbereitet werden.
  • In die Würzepfanne kommen Hopfendolden und nicht industriell hergestellte Hopfenextrakte.
  • Bio-Brauer beschleunigen die Gärung nicht durch technische Tricks wie Wärme und Druck und verwenden keine Enzyme und keine Schönungszusätze.
Erschienen in Ausgabe 06/2018
Rubrik: Ernährung

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