Auf den Löffel, fertig, los! - Schrot und Korn

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Auf den Löffel, fertig, los!

Babybrei (Foto: gettyimages/Johner Images/Lena Granefelt)
Und morgen gibt's Spinat-Kartoffelbrei. (Foto: gettyimages/Johner Images/Lena Granefelt)

BEIKOST Der erste Brei steht auf dem Speiseplan. Fürs Baby soll es natürlich nur das Beste sein. Ein Blick ins Bio-Regal. // Annette Sabersky

Wenn der erste Brei ins Spiel kommt, wird es spannend. Wie wird das Baby reagieren? Unserem Wonneproppen hier hat es  ganz offensichtlich super geschmeckt.

Doch der Brei soll nicht nur schmecken, sondern natürlich und frei von Schadstoffen sein. Deshalb finden viele Mütter und Väter gerade jetzt den Weg in den Bio-Laden. Fast alle Gläschen und Tüten, die es hier zu kaufen gibt, tragen das Logo von Demeter oder Bioland. Diese Siegel stehen für eine besonders hochwertige Bio-Qualität. Die Milch zum Beispiel, die in den Baby-Milchbrei kommt, ist reich an gesunden Omega-3-Fettsäuren. Das liegt daran, dass die Rinder zeitweise auf der Weide stehen oder mit Heu gefüttert werden. Ein Vorteil von Bio allgemein: Getreide, Obst und Gemüse werden ohne synthetische Pflanzenschutzmittel angebaut.

Gemüse macht den Anfang

Die Auswahl an Babykost im Bio-Laden ist groß. Es gibt Gläschen mit Pastinake, Kürbis und Karotte pur und in Kombination mit Kartoffeln, Reis und Hirse sowie Fleisch oder Geflügel. Salz und Gewürze sind tabu, denn Babys Geschmacksnerven sollen nicht überfordert werden. „Ohne Salzzusatz“, das bleibt auch bei den Menügläschen für ältere Babys so – anders als bei vielen herkömmlichen Babygläschen.

Wer sein Baby vegetarisch ernährt, dem rät das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) zum Gemüse-Kartoffelbrei Hirse- oder Haferflocken zu geben. Denn die sind reich an dem für die Hirnentwicklung wichtigen Eisen. Durch Zugabe von ein wenig Obstsaft wird die Eisenaufnahme verbessert.

Außerdem sollte allen Gläschen-Breien etwas Fett zugefügt werden, denn die meisten Mahlzeiten sind fettarm. Sie liefern somit zu wenig Energie und gesunde Fettsäuren. Das FKE empfiehlt Rapsöl, da es reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Im Regal finden Eltern spezielle Beikost-Öle mit einem Mix aus Raps- und Sonnenblumenöl, auch in Kombination mit Hanfsamenöl.

Neu im Bio-Beikostsortiment ist tiefgekühlte Babykost. In Dampf gegartes und püriertes Gemüse, Obst, Geflügel, Fisch und Fleisch wird hierfür portioniert eingefroren. Die kleinen Würfel können nach Geschmack zu Babybrei zusammengerührt werden. Natürlich ist alles ohne Salz und sonstige Zusätze. Und für ältere Kinder gibt's die tiefgekühlte Beikost mit Stückchen.

Getreide aus der Tüte, Obst aus dem Beutel

Am Nachmittag schmeckt Babys ein Getreidebrei mit frisch püriertem Obst oder mit Frucht aus dem Gläschen, die es in vielen Geschmacksrichtungen, etwa Apfel, Birne, Heidelbeere und Pflaume, gibt. Im Bio-Laden werden ausschließlich Vollkornbreie angeboten, also Getreide inklusive Keimling und Randschichten. Das heißt: Ballaststoffe und gesunde Fettsäuren satt. Die Breie aus Weizengrieß, gemahlenem Hafer, Dinkel, Hirse oder Reis müssen meist nur noch mit heißem Wasser angerührt werden.

An sich dürfen Bio-Produkten keine Vitamine zugesetzt werden. Doch die für Beikost maßgebliche Diät-Verordnung fordert einen Zusatz an Vitamin B1 (Thiamin). Ansonsten würde der vorgeschriebene Thiamingehalt nicht erreicht. Bio-Milchbreien aus der Tüte – ein Mix aus Vollgetreide, Milch- und Molkenpulver für Babys Abendmahlzeit – müssen sogar die Vitamine B1, A und D sowie Kalzium zugesetzt werden. Das Plus der Getreidebreie in Bio-Qualität: Ihnen wird kein Zucker zugegeben und auch keine unnötigen Beigaben wie Schokolade, Nüsse oder Vanillearoma.

Für unterwegs bietet das Babykostregal Snacks wie Zwieback, Kekse und Riegel. Die sind praktisch, aber nicht wirklich nötig. Denn Babys brauchen keine derartigen Zwischenmahlzeiten. Auch Obstbreie aus dem Beutel sollten eine Ausnahme bleiben. Sie enthalten zwischen neun und zwölf Gramm Zucker je 100 Gramm. Das entspricht drei bis vier Stückchen Würfelzucker. Zwar handelt es sich meist um Fruchtsüße. Doch Zucker aller Art und das Nuckeln am Beutel fördern Karies.

Und was ist mit Selberkochen? Ist das nicht am besten? Beides, Selberkochen und fertige Babykost, habe Vorteile, sagt das FKE. Gekaufte Breie sind auf Schadstoffe kontrolliert, praktisch in der Handhabung und gut für unterwegs. Fürs Selberkochen spricht, dass der Brei aromatischer schmeckt und so eine größere Geschmacksvielfalt bietet. Vorausgesetzt, es wird nitratarmes Bio-Gemüse verwendet und alles nur knapp gegart. Praktisch: eine größere Menge kochen und portionsweise einfrieren.

Der richtige Zeitpunkt

Das Baby kann ab dem fünften Lebensmonat Beikost erhalten, muss aber nicht. Das stellte die Nationale Stillkommission (NSK) vor Kurzem nochmals klar: Zuvor kursierten Empfehlungen, wonach das Baby schon im fünften Lebensmonat Breikost erhalten müsse – weil es sonst nicht satt werde. Die NSK rät jedoch, gesunde Babys in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Wann genau mit Einführung der Beikost begonnen wird, hängt vom Appetit des Kindes auf feste Nahrung ab und ob es gut gedeiht.

Mehr zum Thema

www.slowfood.de
„Slow Food Junior, gut, sauber, fair von Anfang an. Anregungen zum Essen mit Kindern“ heißt die Broschüre, die man online lesen und bestellen kann.   

www.in-jedem-baby-steckt-ein-gourmet.de und www.fke-do.de Hier gibt es Infos rund um die Studie „Babygourmet“ des Forschungsinstituts für Kinderernährung.

Interview: „Vielfalt fördert Geschmack“

Dr. Ute Alexy (Foto: Privat)
Dr. Ute Alexy ist Wissenschaftlerin an der Universität Bonn und Mitarbeiterin der DONALD*-Kinderernährungsstudie. (Foto: Privat)

Damit die Geschmacksnerven des Kindes nicht überfordert werden, wurde lange Zeit empfohlen, bei den Breien die Gemüsesorten nicht so häufig zu wechseln. Gilt das noch?

Diese Empfehlung hat sich geändert. Wir wissen heute, dass Babys, die im Beikostalter von Anfang an viele verschiedene Gemüsesorten bekommen, neuen Geschmackseindrücken gegenüber weniger ablehnend sind als Babys, die eher eintönig ernährt werden. 

Was sollten Eltern im Hinblick auf die Geschmacksbildung anbieten: selbst gekochten Brei oder ein fertiges Produkt?

Im Rahmen der DONALD-Studie zeigte sich, dass Jungen, die im Babyalter einen höheren Anteil kommerzieller Beikost erhalten hatten, im Säuglingsalter einen niedrigeren Gemüseverzehr hatten und im Kindergarten- und Grundschulalter sowohl weniger Gemüse als auch weniger Obst aßen. Bei Mädchen konnte dieser Zusammenhang allerdings nicht gezeigt werden. Eltern sollten ihrem Baby darum nicht nur Fertigbrei geben, sondern wenigstens ab und zu selbst kochen.

Tiefkühlkost oder Gläschen. Gibt es da einen Unterschied im Bezug auf die Geschmacksentwicklung bei Kindern? 

Die Babygourmet-Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung zeigte, dass Kinder, die drei Monate lang mittags ein tiefgekühltes Baby-Menü gegessen hatten, im Anschluss an diese Zeit signifikant mehr von einem unbekannten Brei mit Bohnen aßen als Babys, die Gläschenkost erhalten hatten. Das spricht für eine größere Offenheit gegenüber neuen
Geschmackseindrücken durch tiefgekühlte Menüs. Man kann aber im Moment noch nichts darüber sagen, ob diese Effekte auch längerfristig prägend sind.

*Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed

Erschienen in Ausgabe 02/2016
Rubrik: Ernährung

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