Echt Erdbeereis? - Schrot und Korn

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Echt Erdbeereis?

Aromen

Köstlich, so ein Erdbeereis! Cremig-kühl und fruchtig. Doch wenn Sie glauben, da seien viele Erdbeeren drin, täuschen Sie sich – zumindest bei den meisten konventionellen Lebensmitteln. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt, dass der Geschmack von „Aroma“ kommt, das die Industrie nicht selten aus künstlichen oder naturidentischen Aromastoffen synthetisiert. Löffeln Sie bio, dann sind Sie auf der sicheren Seite: Künstliche, natur-identische und gentechnisch hergestellte Aromen sind hier tabu. Bio-Erdbeereis enthält Bio-Erdbeeren, Erdbeerextrakt oder natürliches Aroma. Das ist Luxus. So stillt etwa die gesamte deutsche Erdbeerernte noch nicht einmal den nationalen Hunger nach Erdbeerjoghurt.

Natürlichen Zutaten am nächsten kommen die Aromaextrakte. Sie werden mit Hilfe von Wasser, Alkohol oder Kohlendioxid aus Kräutern, Gewürzen oder Früchten gelöst. Zu diesen Stoffgemischen zählen ätherischen Öle. Natürliche Aromen sind in der EU-Öko-Verordnung zwar erlaubt, entsprechen jedoch nicht dem, was die Bio-Branche gemeinhin unter naturbelassen versteht. Sie dürfen biotechnologisch mit Hilfe von Bakterien, Schimmelpilzen sowie isolierten Enzymen produziert werden. Doch die eigentliche Krux liegt in der irreführenden Bezeichnung.

Irreführend: „Natürliche Aromen“

Laut Aromenverordnung bedeutet „natürlich“ nur, dass die Geschmacksbausteine aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen stammen. Das müssen nicht Lebensmittel sein. Erdbeergeschmack etwa ist ein komplexes Gemisch vieler Aromen, eines davon ist Vanillin. Dieses lässt sich mithilfe von Pilzen aus natürlichen Grundstoffen herstellen, zum Beispiel aus Sägespänen. Im Grunde ist das Verbrauchertäuschung, denn fast alle Kunden, die Eis oder Joghurt mit „natürlichem Aroma“ kaufen, glauben, das Aroma stamme aus der namensgebenden Frucht. Wäre das der Fall, dann stünde allerdings laut Gesetzgeber „natürliches Erdbeer-Aroma“ auf der Zutatenliste. Nur das stellt sicher, dass das Aroma zu mindestens 95 Prozent aus Erdbeeren stammt. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt beides: natürliche Aromen aus der namensgebenden Substanz wie auch solche aus anderen natürlichen Stoffen. Und sollten natürliche Aromen und Aromaextrakte nicht in Bio-Qualität erhältlich sein, dürfen es konventionelle sein, sofern sie ohne Gentechnik produziert wurden. Alexander Beck, geschäftsführender Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V. (AoeL) urteilt: „Die EU-Öko-Verordnung reicht für Aromen nicht aus.“

Natürliche Aromen möglichst überflüssig machen

Natürliche Aromen in Bio-Qualität stammen mindestens zu 95 Prozent aus Öko-Landwirtschaft. Alexander Beck kritisiert: „Es gibt natürliche Bio-Aromen auf dem Markt, die zu 95 Prozent aus Bio-Ethanol als Trägerstoff bestehen, während die Geschmacksstoffe konventioneller Herkunft sind.“ Natürliche Aromen widersprechen damit dem Ziel der Bio-Hersteller nach größtmöglicher Transparenz für den Verbraucher. Deshalb verzichtet der Anbauverband Demeter schon seit Jahren auf natürliche Aromen. Naturland gestattet nur solche aus der namensgebenden Frucht, und auch die nicht in allen Produkten. Auch der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), dem viele Hersteller und Läden angehören, fordert in seiner Aromaempfehlung: Bio-Produkte sollen vorrangig mit Öko-Lebensmitteln und Öko-Aromaextrakten aromatisiert werden. Im Falle von Erdbeereis mit Bio-Erdbeeren und/oder Erdbeer-Extrakt. Eisverpackung mit natürlichem Aroma

„Natürliches“ Aroma bedeutet lediglich, dass die Geschmacksbausteine aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen stammen.

Karin Wegner, Mitarbeiterin der Qualitätsarbeit beim BNN, erläutert: „Wir sorgen mit der BNN-Aromaempfehlung dafür, dass natürliche Aromen immer seltener verwendet werden.“ Sofern es sie nicht in Bio-Qualität gibt, zieht der BNN Aromaextrakte konventioneller Herkunft natürlichen Aromen vor. In manchen Produkten seien sie jedoch notwendig, weil hohe Zubereitungstemperaturen, der Säuregehalt oder die Lagerdauer den Geschmack von natürlichen Zutaten mindern können.

Immer mehr Bio-Anbieter bemühen sich jedoch, ihre Zutaten so zu verarbeiten, dass natürliche Aromen überflüssig sind. Wird etwa die Fruchtmasse vom Joghurt getrennt und nicht schon untergerührt, bleibt das Aroma erhalten. „Mittlerweile gibt es im Bio-Handel kaum noch Milchprodukte mit natürlichen Aromen“, berichtet Karin Wegner. „Das gilt auch für Limonaden.“ Anders ist das bei Süßwaren. Fruchtgummis und -bonbons enthalten im Bio-Laden häufig natürliche Aromen, meist sogar konventioneller Art. Die sind auch in manchen Sojaprodukten drin, um den Eigengeschmack zu überdecken; gelegentlich in Wasser mit Fruchtgeschmack und Früchtetees. Neugierig geworden? Checken Sie die Zutatenlisten auf Verpackungen. Fragen Sie bei Ihrem Bio-Händler nach oder nehmen Sie Kontakt zu den Herstellern auf.

Geschmack schärfen

Eine falsche Ernährung schadet dem Geschmackssinn. Vor allem konventionelle Fertiggerichte stumpfen ihn mit ihren vielen Aromastoffen ab. Das gilt besonders bei Kindern. Frische Lebensmittel hingegen schulen den Geschmack.

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