Bio-Cola – ein anregender Genuss - Schrot und Korn

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Bio-Cola – ein anregender Genuss

Längst wird die koffeinhaltige Limonade nicht mehr in Apotheken verkauft. Das dunkle Getränk hat die Welt erobert – und inzwischen auch die Bio-Läden. // Frauke Werner

-> Bio-Cola im Bio-Laden

Bio-Cola

Müdigkeit und Kopfschmerzen sollte der Cola-Sirup vertreiben, den der Arzt und Apotheker John S. Pemberton im Jahr 1886 erfand. Versetzt mit Sodawasser verkaufte er das koffeinhaltige Getränk glasweise in Apotheken und Soda-Bars – bis ein überaus findiger Geschäftsmann die Rechte daran erwarb. Der füllte Cola in Flaschen ab und so konnte sie die Welt erobern.

Cola-Getränke sind nicht nur eine anregende Alternative zu Kaffee. Eisgekühlt bieten sie im Sommer eine Abwechslung zu Wasser oder Schorle. Und eignen sich als Mix-Getränk mit oder ohne Alkohol. Die originale Cola-Rezeptur ist bis heute geheim. Doch gibt es viele Marken, die ebenso schmecken und erfrischen. Solche aus dem Bio-Laden beleben lang anhaltend mit natürlichem Koffein. Ihre spritzige Frische verdanken sie meist Bio-Zitronen.

Wahl des Wassers: Trink- oder Mineralwasser?

Cola-Getränke zählen zu den Limonaden. Was da hineingehört und was nicht, halten die „Leitsätze für Erfrischungsgetränke“ des Deutschen Lebensmittelbuches fest. Das sind zwar keine Rechtsvorschriften, sie beschreiben aber Herstellung, Beschaffenheit und sons-tige Merkmale, die der Kunde üblicherweise von den jeweiligen Lebensmitteln erwarten kann. Demnach ist Hauptzutat aller Erfrischungsgetränke Wasser. Ob Trink- oder Quellwasser, natürliches Mineralwasser oder Tafelwasser, das steht jedem Hersteller frei. Konventionelle Cola wird häufig schlicht mit Trinkwasser hergestellt. Bio-Hersteller haben dagegen höhere Ansprüche an ihr Wasser.

So verwendet Voelkel natürliches Mineralwasser aus einer eigenen Quelle im Biosphärenreservat Elbtalaue. Neumarkter Lammsbräu stellt ihre Erfrischungsgetränke mit natürlichem Mineralwasser her, das seit Kurzem das Bio-Mineralwasser-Siegel tragen darf. Beutelsbacher nimmt entmineralisiertes Trinkwasser, damit die Mineralien den Geschmack der Limonaden nicht beeinflussen, so der Hersteller. Bionade verwendet Trinkwasser aus dem UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Für alle weiteren Zutaten der Bio-Cola gilt der übliche Grundsatz nach EU-Öko-Verordnung: Sie müssen zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Anbau stammen.

Typischer Geschmack. Mit welchen Aromen?

Für den unverwechselbaren Geschmack sorgen Aromen aus der Colanuss, kombiniert mit Gewürzen wie Vanille, Zimt, Muskatnuss oder Nelke. Die sollten als Aromaextrakte (ätherische Öle oder pflanzliche Auszüge) und/oder als natürliche Aromastoffe in die Flasche kommen. So grenzen die Leitsätze Limonade von Brause ab, die naturidentische und künstliche Aromen enthalten darf. Diese Art von Aroma ist für Bio-Produkte verboten. Beutelsbacher und Voelkel erzeu- gen ihren Cola-Geschmack allein mit Bio-Extrakten. Neumarkter und Bionade verwenden zudem natürliche Bio-Aromen. Die stammen nach Angaben der Hersteller zu mindestens 95 Prozent aus Bio-Früchten und -Pflanzen.

Stoffe, die zur Gewinnung natürlicher Bio-Aromen verwendet werden, müssen der EU-Öko-Verordnung entsprechen, so der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). Konventionelle natürliche Aromen werden hingegen zum Teil mit chemischen Lösungsmitteln und Trägerstoffen hergestellt. Sie können Konservierungsstoffe enthalten, die in Bio-Aromen nicht eingesetzt werden dürfen, und dürfen für konventionelle Produkte mit Hilfe von Gentechnik produziert werden. Übrigens gestattet es die Aromenverordnung, sowohl künstliche als auch natürliche Aromen schlicht als „Aroma“ zu deklarieren. So bleibt dem Käufer manch konventioneller Ware die tatsächliche Art des Aromas verborgen.

Frisch mit Zitrone, dunkel dank Karamell

Frische Säure bekommt Bio-Cola meist durch konzentrierten Zitronensaft. In konventionellen Produkten sind es dagegen Zitronen- und Phosphorsäure. Erstere wird biotechnologisch, häufig mit Hilfe von Schimmelpilzen hergestellt. Daher kann sie bei Schimmelpilz-Allergikern allergische Reaktionen auslösen, warnt die Verbraucher Initiative e.V.

Phosphorsäure ist umstritten, weil sie in hohen Mengen möglicherweise das Calcium-Phosphat-Gleichgewicht im Körper stören und so zum Abbau von Calcium aus den Knochen führen kann. Während die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET e.V.) das durchaus für möglich hält, weist die Verbraucher Initiative e.V. darauf hin, dass diese These bisher nicht bestätigt werden konnte.

Und woher hat Cola ihre braune Farbe? Die kommt bei herkömmlichen Sorten mit dem Zusatzstoff Zuckercouleur in die Flasche. Er entsteht, wenn man Zucker oder Stärke mit Chemikalien stark erhitzt. Bio-Hersteller nehmen stattdessen Karamell, das sich ohne Hilfsstoffe aus erhitztem Zucker bildet, oder Holundersaft. Neumarkter Lammsbräu verwendet Bio-Zuckercouleur. Das dient nach Angaben der Firma aber nicht zum Färben, sondern als Geschmackszutat (siehe dazu S. 29).

Bio-Zucker und -Trauben machen Bio-Cola süß

Süß ist ein Muss für Limonade. Nach den erwähnten Leitsätzen sollte sie mindes-tens 70 Gramm Zucker pro Liter enthalten. Häufig sind in Cola-Getränken sogar um die 100 Gramm pro Liter zu finden. Das entspricht etwa 11 Stück Würfelzucker in der 0,33-Liter-Flasche. Bei Bio-Cola ist das nicht viel anders, nur die Sorte von Bionade ist mit 58 Gramm Zucker pro Liter deutlich weniger süß. Zum Süßen verwenden die Anbieter Rohrohrzucker, deutschen Rübenzucker oder Traubensüße in Bio-Qualität. Light-Varianten mit kaum Kalorien gibt es im Naturkosthandel übrigens nicht. Chemisch hergestellte Süßstoffe wie Cyclamat und Aspartam, die den Zucker ersetzen, sind für Bio-Produkte nicht erlaubt.

Für das frische Prickeln wird Kohlensäure zugesetzt, auch bei Sorten mit natürlichem Mineralwasser. Kohlensäure macht zudem länger haltbar, weil sie Keime abtötet. Darüber hinaus wird Bio-Cola pasteurisiert, d. h. nach dem Abfüllen kurzzeitig erhitzt.

Vereinzelt wird herkömmliche Cola mit Benzoesäure konserviert. Daraus kann sich im Getränk krebserregendes Benzol bilden. Für Bio-Lebensmittel ist Benzoesäure verboten.

Koffein-Kick. Wie macht Bio-Cola munter?

Einzigartig macht Cola-Getränke aber nicht nur ihr Aroma, sondern auch das Koffein. In geringen Mengen hebt es die Stimmung, verbessert die Konzentration und vertreibt Müdigkeit. Höher dosiert regt die Substanz auch das Herz-Kreislauf-System an. Koffein wird aus Pflanzen wie Kaffeebohnen extrahiert oder chemisch hergestellt.

Was konventionelle Anbieter nehmen, verraten sie meist nicht. Ihre Cola-Getränke enthalten 7 bis 10 Milligramm (mg) davon in 100 Millilitern (ml). Vereinzelt gibt es Sorten mit „erhöhtem Koffeingehalt“, die mehr als 15 mg/100 ml besitzen. Zum Vergleich: Eine Tasse Kaffee mit 150 ml bringt es auf durchschnittlich 100 mg Koffein.

Die meisten Bio-Colas machen mit natürlichem Koffein aus Guaranaextrakt munter. Er stammt aus den Früchten einer brasilianischen Liane. Darin ist das Koffein an Gerbstoffe gebunden, die es erst nach und nach freigeben. So belebt es über längere Zeit als das aus Kaffee. Zwischen 3,5 und 10 mg Koffein sind in 100 ml Bio-Cola enthalten.

Weil Cola anregend wirkt – und viel Zucker enthält –, zählt sie wie Kaffee und Alkohol zu den Genussmitteln. Die darf man sich in Maßen gönnen, nicht jedoch als Durstlöscher. Kinder sollten nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) grundsätzlich keine koffeinhaltigen Getränke trinken. Mit noch mehr Koffein, nämlich mit bis zu 32 mg/100 ml, dürfen unter den Erfrischungsgetränken nur die sogenannten Energydrinks aufwarten.

Cola in Dosen? Bio-Firmen bevorzugen Glas

Naturkosthersteller bieten ihre koffeinhaltigen Limonaden überwiegend in Glas-Mehrweg-Flaschen an. Das gilt sowohl für die praktischen 0,33 Liter für den sofortigen Genuss als auch für die 0,7 bzw. 0,75 Liter Vorratsmenge.

Neumarkter Lammsbräu nimmt auch ihre Kronkorken, Beutelsbacher seine Drehverschlüsse zurück. Sie werden ebenfalls recycelt. Herkömmliche Cola ist hauptsächlich in PET-Flaschen und Dosen zu haben.

Wer gerne ein paar Flaschen auf Vorrat hat, sollte sie stehend lagern und nicht in der direkten Sonne – wegen der Kohlensäure. Große Flaschen gehören nach dem Öffnen in den Kühlschrank. So prickelt die Cola bis zu fünf Tage lang.

Pur oder gemixt. Wie Cola am besten schmeckt

Eisgekühlt erfrischt Cola natürlich besonders gut. Vergessen, die neue Flasche in den Kühlschrank zu stellen? Einfach ein paar Eiswürfel mit ins Glas geben.

Cola schmeckt aber nicht nur pur. Ganz im Stil der neuen Mix-Kultur kommt sie auch mit Fruchtgeschmack gut an. Bei Cola-Orange, ob bio oder konventionell, ist dann Saftkonzentrat mit drin. Sorten mit Kirsch- oder Zitronengeschmack, wie sie der herkömmliche Handel anbietet, enthalten allerdings meist nur Aromen.

Aufgepasst: Bodensatz in der Flasche ist kein Makel, sondern Zeichen dafür, dass der zugesetzte Saft noch Fruchtfleisch enthält. Einfach vorsichtig aufschütteln, aber nicht gleich öffnen, sonst spritzt das bizzelnde Getränk hinaus.

Cola-Orange kann man auch selbst mixen, mit gleichen Teilen Cola und Orangenlimonade sowie einem Spritzer frischem Limettensaft. Beliebt zum Selbermixen ist auch Cuba Libre, ein Drink mit kubanischem Rum, Limettensaft und einigen Eiswürfeln.

Ob Rum, Rotwein oder Bier, Cola wird in Feierlaune gerne mit Alkohol gemischt. Als fertiges Getränk gibt es das nur konventionell zu kaufen.

Spritzige Bio-Cola: Von klassisch bis Orange

Für den klassischen Cola-Geschmack seiner Isis Cola Bio verwendet Beutelsbacher ätherische Öle in Bio-Qualität. Die stammen unter anderem aus Limetten, Vanilleschoten, Zimt, Muskat- und Colanüssen. Die Sorte belebt mit 10 mg Guarana-Koffein/100 ml. Praktisch: Sie hat einen Schraubverschluss.

Bionade braut seine Cola auf Basis von Bio-Gerstenmalz. Dabei vergären spezielle Bakterienkulturen den Malzzucker nicht zu Alkohol, wie beim Bier- brauen, sondern zu Gluconsäure. Die milde organische Säure gibt dem Erfrischungsgetränk einen feinherb-fruchtigen Geschmack. Anregend wirkt Bionade Cola mit 8 mg Koffein aus grünen Kaffeebohnen pro 100 Milliliter.

Neumarkter Lammsbräu kombiniert für sein Mix-Getränk now Orange Cola intensiven Cola-Geschmack mit einer fruchtigen Orangennote. Die kommt von Orangensaft und natürlichem Orangenaroma. Der Koffeingehalt ist mit 3,5 mg in 100 ml etwas niedriger als der der reinen now Black Cola (5 mg/100 ml).

Voelkel bietet in seiner Limonaden-Linie BioZisch ebenfalls eine Guarana-Cola an. Grundlage für ihren würzigen Geschmack ist ein Extrakt aus biologisch angebauten Kräutern und Gewürzen. Die Zugabe von Traubendicksaft macht sie süß. Der Koffeingehalt der BioZisch Cola liegt bei 6,5 mg/100 ml.

Bio-Cola

Zuckercouleur in Bio-Cola?

Als färbender Zusatzstoff ist Zuckercouleur für Bio-Produkte nicht erlaubt.

Weshalb die Cola-Sorten von Neumarkter Lammsbräu dennoch Zuckercouleur enthalten, erklärt Susanne Horn, General-bevollmächtigte der Firma: „Wir verwenden Zuckercouleur nicht zum Färben unserer Cola-Getränke, sondern als Geschmackszutat für die typisch bitter-herbe Note. Unser Zuckercouleur ist Bio-zertifiziert, weil es anders hergestellt wird als das herkömmliche.“

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Damianus
Etwas von Grund auf Schlechtes kann man nicht gut machen, auch nicht durch die Bio-Alternative: Fleisch, Milch, Eier und die in der neuen Ausgabe angepriesene Cola.

Die Schädlichkeit von Softdrinks ist ja allgemein bekannt, weil sie größtenteils aus Zucker bestehen. Und Zucker ist ein sehr schlechter Stoff. Markus Rothkranz hat es in seinem Buch sehr gut formuliert: "Der Unterschied zwischen Kokain und Zucker ist die Geschwindigkeit, mit der sie dich ins Grab bringen." Das klingt drastisch, ist aber wahr.

Überschüssiger Zucker wird im Körper zu gesättigten Fettsäuren umgewandelt, und diese (im Übermaß) sorgen bekanntlich für unsere zwecklos bekämpften Zivilisationskrankheiten. Weiterhin lässt Zucker schneller altern, sorgt für Falten und das Schlimmste: Er ist ein Wachstumsantrieb für Krankheitserreger, dazu gehören auch Krebszellen! Ebenso auch Bakterien und Viren. Mit Zucker nährt man sozusagen seinen eigenen Untergang.
Bio-Food-Tester
`Zeit für einen unabhängigen Geschmackstest´, schreibt ein Leser. Wir haben Bio-Colas auf den Prüfstand gestellt. Aber mit dem Original sollte man die Bio-Brausen nicht vergleichen. Wo, wie bei Bio-Colas, fragwürdige Zusatzstoffe fehlen, kann nicht geschmacklich dasselbe herauskomen. Bio-Cola ist was Eigenes. Mehr unter http://bio-food-tester.de/test-bio-cola/
Sylvia Hartung
Dieser Artikel zeigt es deutlich: Die Biobranche bemüht sich, so gut sie es hinbekommt, konventionelle Lebensmittel zu kopieren, egal, ob gesund oder nicht und egal, ob sie schmecken oder nicht. Bio-Rafaello, Bio-Nutella, Bio-Cola, Bio-Alkohol, Bio-Zigaretten. Fehlen eigentlich nur noch die Bio-Drogen. Also, liebe Bio-Branche, hier gibt es noch ungenutztes Potential. Für die Umwelt ist es doch viel besser, wenn Hanf, Mohn und Co. biologisch angebaut werden, der Nutzen für den Menschen wird ja offensichtlich nicht hinterfragt, wie die o.g. Beispiele zeigen.

Ich stimme der Leserbriefschreiberin aus dem Aprilheft zu: Die Biobranche hat sich längst zu weit aus dem Fenster gelehnt, und, was traurig ist: Schrot & Korn hilft fleißig dabei mit, indem in den verschiedenen Artikeln immer wieder Produkte beworben werden, die ein Mensch, der sich gesund ernährt, nicht braucht.

Hat sich die Bio-Branche ursprünglich aus dem Gedanken heraus entwickelt, gesunde Lebensmittel herzustellen, scheint sie inzwischen zu einem Plagiator geworden zu sein, dem der Profit wichtiger ist als die Gesundheit ihrer Kunden, die im übrigen, doch einfach konventionelle Cola & Co. kaufen könnten. Ein bißchen ungesund gibt es doch nicht, oder?
Margit Steidl
Prost!
Christof
Da wäre es doch mal Zeit für einen umfassenden, unabhängigen Geschmackstest! wer traut sich den Vergleich mit Coca?
Aristov
Sehr geehrte Damen und Herren,

es versteht sich fast von selber, dass die Bio-Bewegung sich als „Anti-Chemie“-Bewegung versteht und entsprechend auftritt. Um überzeugend zu wirken, müssen allerdings die Argumente wissenschaftlich fundiert sein.



Ich schreibe Ihnen als promovierte Chemikerin, die seit nahezu 30 Jahren Vegetarierin ist und seit mindestens 15 Jahren weitgehend biologisch angebaute Produkte konsumiert. Beides mache ich aus umwelt- und menschenrechtlichen Überzeugungen, die vollkommen mit meiner Berufung als akademische Naturwissenschaftlerin im Einklang sind. Meine Reaktion auf Ihren Artikel in Schrot & Korn 04/2013 über Cola-Getränke ist leider nicht das erste Mal, dass mich ein Artikel oder auch eine Werbeannonce in Schrot & Korn wegen der reaktionären anti-Chemie-Haltung nachdenklich stimmen.



Wichtig für die Bio- und Umwelt-Bewegung ist, dass sie immer Recht haben sollte. So möchte ich auf einige fragliche Punkte in dem Artikel über Cola-Produkte hinweisen.

Zunächst die wichtigste Klarstellung: Das einzige, in dem es keine „Chemie“ gibt (im Sinne von chemischen Stoffen), ist Vakuum. Alle Stoffe – Steine, Luft und andere Gase, die Sterne, Wasser, und alle Lebewesen auf der Erde (und auch auf anderen Planeten, jedenfalls in diesem Universum) BESTEHEN aus chemischen Stoffen. Sie haben nicht „Chemie drin“, sie SIND aus Chemikalien. Jeder Strang DNA besteht aus „Chemikalien“. Das hat nichts mit Menschenhand zu tun, sondern das IST die (faszinierende) Natur!



Insofern ergeben alle Bemerkungen wie „ohne Chemie“, „ohne chemische Stoffe“ und dergleichen keinen Sinn.



Manchmal werden mit „Chemie“ synthetisch hergestellte Stoffe, oder aber auch Prozesse, wie Raffination mit synthetisch hergestellten Komponenten bezeichnet. Die Behandlung von Naturstoffen mit synthetisch-erzeugten Lösungsmitteln (beispielsweise die Extraktion von Naturölen, Bleichung von Zucker) wird von Bio-Anhängern als kritisch gesehen.



Ein Zitat aus Ihrem Artikel: „Konventionelle natürliche Aromen werden hingegen zum Teil mit chemischen Lösungsmitteln … hergestellt.“ In Hinsicht darauf, dass ALLES Chemikalie ist – was ist KEIN chemisches Lösungsmittel? Etwa Wasser (H2O) oder Alkohol? Methylalkohol (CH3OH, Holzgeist)? Ethylalkohol (C2H5OH Brennspiritus/Trinkalkohol)? Ein anderer Alkohol?



„Frische Säure bekommt Bio-Cola meist durch konzentrierten Zitronensaft. In konventionellen Produkten sind es dagegen Zitronen- und Phosphorsäure. Erstere wird biotechnologisch, häufig mit Hilfe von Schimmelpilzen hergestellt. Daher kann sie bei Schimmelpilz-Allergikern allergische Reaktionen auslösen.“



Dass Cola mit Zitronensaft besser schmeckt als Cola mit (duftloser) Zitronensäure sei außer Frage gestellt. Allerdings habe ich auf Ihre Verwendung der Bezeichnung „Schimmelpilze“ (warum nicht „mikrobiell“?) auch ‚allergisch‘ reagiert. Es werden doch Joghurte und Kefir, ja sogar Bier und Brot durch die fermentierende Wirkung von mikrobiellen Pilzen hergestellt (also auch biotechnologisch?). Und auch – siehe da – Zitat: „Bionade braut seine Cola auf Basis von Bio-Gerstenmalz. Dabei vergären spezielle Bakterienkulturen den Malzzucker… zur Gluconsäure. Die milde organische Säure gibt dem Erfrischungsgetränk einen feinherb-fruchtigen Geschmack.“ Hier gibt’s zwei Punkte anzumerken: (1) Also, dass Bionade, ein bekannter Bio-Produkten Hersteller Bakterien verwendet um Gluconsäure zu erzeugen ist unbedenklich; im Gegensatz zur konventionellen mikrobiellen Pilz-Verwendung in der Herstellung von Zitronensäure? Das ist sowohl verwirrend als auch nicht konsequent. (2) Die „milde“ organische Gluconsäure (C6H12O7) ist zwar tatsächlich dreimal milder als die Zitronensäure, aber dafür 14 mal so stark wie Essigsäure, die in der chemischen Lehre aber auch als milde (bzw. „schwache“) Säure gilt. Warum ist also Gluconsäure in unseren Getränken unbedenklich? Zitronensäure ist doch auch eine „organische“ Säure, daran kann es also nicht liegen.



Der Schimmelpilz, um den es sich bei der Herstellung von Zitronensäure handelt, ist: „Aspergillus niger, auch Schwarzschimmel genannt, [ist] ein Schimmelpilz der Gattung Aspergillus. Sein Name leitet sich von seinen dunklen, fast schwarzen Sporen ab. Aspergillus niger kommt weltweit im Erdboden vor und ist ein häufiger Schimmel auf verdorbenen Lebensmitteln im Haushalt. In der Natur befällt der Pilz verschiedenes Obst und Gemüse wie z.B. Weinbeeren, Zwiebeln oder Erdnüsse.“ [Aus http://de.wikipedia.org/wiki/Aspergillus_niger gesichtet 31.03.2013] Möglicherweise gibt es tatsächlich für Allergiker bedenkliche Reste in Zitronensäure, die auf diese Weise hergestellt wurde. Die Immunsysteme von nicht-Allergikern sind vermutlich nicht gefährdet, handelt es sich um einen Pilz, mit dem sie ständig konfrontiert werden.

Ist es nicht großartig, dass die chemische Industrie aus einem Schädling (das schwarze Zeug auf zu lang liegengebliebenen Zwiebeln!) einen Nützling hervorgebracht hat?

Eine zweite wichtige Klarstellung: die Umstellung der Lebensmittelindustrie auf mikrobiologische Herstellung mancher Komponenten und teilweise auch synthetische Lösungs-/Extraktionsmittel ist motiviert durch die Möglichkeit, Kosten zu sparen („ja, ja, Die wollen ja nur mehr Geld verdienen“), d.h. Kosten an Material und ENERGIE („Oh.“). Der letzte Punkt dürfte für Menschen, die ihr Leben nach ökologischen Prinzipien gestalten, nicht unwichtig erscheinen. So ist es durchaus auf längere Sicht vernünftiger, einfache Zutaten wie Zitronensäure (also Reinstoffe, die für die Zubereitung von großen Mengen von Lebensmitteln gebraucht werden) mikrobiell herzustellen (mikrobielle Kulturen leben praktisch ewig bei Zimmertemperatur, benötigen lediglich Rohmaterial, in diesem Fall Zucker). Die ursprüngliche Methode Zitronensäure C6H8O7 herzustellen benötigte das 20-fache Gewicht an Zitronen, wie man Säure herstellen wollte; Löschkalk (Ca(OH)2) um die Zitronensäure aus dem Saft in Form von Calziumcitrat (also CaC6H6O7) auszufällen; und anschließend Schwefelsäure (H2SO4, früher auch Vitriolöl genannt) um das Zitrat wieder zur Zitronensäure um zu wandeln.

Weiter erwähnen Sie im Artikel den Zuckercouleur. Das Verfahren, Zuckercouleur herzustellen, indem man es „mit Chemikalien stark [erhitzt]“ ist ebenfalls eine weitaus energiesparendere und zuverlässigere Methode Zucker zu bräunen, als ihn in Pfannen anzubrennen. Die zusätzlichen Chemikalien dienen als Katalysatoren, beschleunigen also den Prozess, indem sie die benötigte Energiemenge zur Umwandlung des Zuckers herabsetzen.



Als letztes möchte ich gegen die Verwendung von Trinkwasser aus einem UNESCO-Biosphärenreservat für die Herstellung von Erfrischungsgetränken Bedenken anführen. Für mich ist dies durchaus ein Beweggrund, Produkte der Firma Bionade komplett zu boykottieren. Lieber greife ich zu wiederverwendetem Material, z.B. Trinkwasser aus dem Bodensee.
Lisa
"Neue Mixkultur"? Das gibt es doch schon seit Jahrzehnten. Man nennt es Spezi!