Warten auf Stevia - Schrot und Korn

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Warten auf Stevia

Wer träumt nicht von süßen Leckereien, die nicht dick machen? Stevia, eine Pflanze aus Südamerika, scheint diesen Traum zu erfüllen. Bald könnte sie als Süßstoff in der Lebensmittelindustrie erlaubt sein. // Ulrike Becker

SteviaEs gibt schätzungsweise 200 verschiedene Stevia-Arten, doch nur Stevia rebaudiana Bertoni besitzt einen intensiven Süßgeschmack. Für die Süßkraft der Blätter sind komplexe Moleküle verantwortlich, die Steviolglykoside. Es gibt über acht verschiedene Glykoside, von denen hauptsächlich Steviosid und Rebaudiosid A für den süßen Geschmack sorgen. „Die getrockneten Blätter haben eine 30- bis 40-mal stärkere Süßkraft als Haushaltszucker“, weiß Kathi Dittrich vom Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e.V. (UGB).

Die Steviolglykoside werden über einen aufwendigen, mehrstufigen Prozess aus den Blättern isoliert. Über Trocknung, Extraktion, Fällung und Entfärbung, Ionenaustausch und mehrfache Kristallisierung entsteht ein weißer Extrakt aus Steviolglykosiden. Diese süßen 250- bis 300-mal stärker als Haushaltszucker.

Neue toxikologische Tests

Bisher waren Steviolglykoside in der EU wegen gesundheitlicher Bedenken nicht zugelassen. Im Januar 2011 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nun mitgeteilt, dass neue toxikologische Tests die Unbedenklichkeit belegen. Ein Gremium der EFSA weist allerdings darauf hin, dass die auf täglich vier Milligramm festgelegte zulässige Aufnahmemenge (ADI-Wert) leicht überschritten werden könnte, wenn Steviolglykoside für die Verwendung in Lebensmitteln zugelassen werden. Vorgesehen ist die Zulassung unter anderem für den Einsatz in Getränken sowie energiereduzierten und zuckerfreien Lebensmitteln. Die Diskussion um die Zulassung von Stevia bezieht sich jedoch nur auf die daraus gewonnenen Steviolglykoside, nicht auf Steviablätter.

Das aktuelle Gutachten der EFSA hat noch keine rechtliche Auswirkung, sondern dient als Grundlage für die endgültige Zulassung durch die Europäische Kommission. Die Entscheidung über die europaweite Zulassung von Steviolglykosiden als Süßungsmittel soll 2012 erfolgen. In den USA und Japan werden längst Getränke und Lebensmittel damit gesüßt. In Frank-reich und der Schweiz gibt es vorläufige Einzelbewilligungen für einzelne Steviolglykoside.

Und Steviablätter? Ob sie erlaubt sind oder nicht, ist umstritten. Zum Beispiel schreibt die Uni Hohenheim auf ihrer Webseite: „Es gibt bisher keine Zulassung für die Nutzung von Stevia-Blättern oder Teeauszügen als Süßungsmittel in Lebensmitteln“. Aufgrund eines Richterspruchs des Verwaltungsgerichts Münchens (geklagt hatte eine Firma, die Tee mit Stevia anbietet) dürfen Teemischungen mit Steviablättern jedoch als Lebensmittel verkauft werden. Darauf beruft sich eine Bio-Molkerei und bringt Joghurt gesüßt mit Steviatee auf den Markt. Gegen den Richterspruch hat der Freistaat Bayern allerdings Berufung eingelegt. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs München steht noch aus. Als Badezusatz und Kosmetika deklariert sind Steviablätter und -isolate erhältlich.

„Aus Sicht der Vollwert-Ernährung spricht nichts gegen den Einsatz der Steviablätter – ob als ganze Blätter oder gemahlen als grünliches Pulver“, betont Kathi Dittrich. „Bei den aus den Blättern extrahierten Steviolglykosiden handelt es sich jedoch um ein stark verarbeitetes und isoliertes Produkt, das nicht mehr als naturbelassen bezeichnet werden kann.“

Gesundheitliche Wirkung

Stevia wirkt nicht auf den Blutzuckerspiegel, was besonders für Diabetiker von Interesse ist. Zudem sollen die Blätter das Bakterienwachstum und die Plaquebildung an Zähnen hemmen. Traditionell wird Stevia äußerlich zur Wundheilung genutzt.

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