Diagnose: Laktoseintoleranz - Schrot und Korn

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Diagnose: Laktoseintoleranz

Wenn Milchzucker (Laktose) zu Bauchgrummeln führt, stehen Milchprodukte auf dem Prüfstand. Doch nicht jeder Betroffene muss Milch, Käse und Joghurt komplett meiden. Kleine Mengen Laktose werden oft noch vertragen – und es gibt Alternativen. // Ulrike Becker

-> Laktosefreie Rezepte

Laktoseintoleranz Viele Menschen glauben, auf Milch allergisch zu reagieren. Doch mit einer Allergie hat das Bauchgrummeln meist nichts zu tun. Wenn Milch oder Milchprodukte Probleme bereiten, liegt sehr viel häufiger eine Unverträglichkeit auf Milchzucker vor, also eine Laktoseintoleranz. Dabei kann der über Lebensmittel aufgenommene Milchzucker (Laktose) im Darm nicht oder nur unzureichend gespalten werden, weil das dafür zuständige Enzym Laktase nicht in ausreichender Menge produziert wird. Bei größeren Portionen milchzuckerhaltiger Lebensmittel gelangt der unverdaute Milchzucker in den Dickdarm. Dort wirkt er abführend und es kann zu Durchfällen kommen. Außerdem dient er bestimmten Darmbakterien als Nahrung. Sie bauen den Milchzucker zu Gasen ab, die zu Blähungen, Völlegefühl und Krämpfen führen können. Da diese Beschwerden sehr unspezifisch sind, ist die eindeutige Diagnose durch einen Arzt wichtig.

Jeder sechste betroffen

Mediziner unterscheiden drei Formen von Laktoseintoleranz. Extrem selten ist die angeborene Form, bei der von Geburt an nur minimale Mengen Laktase gebildet werden. Die sekundäre Laktoseintoleranz tritt als Folge von Erkrankungen auf, die die Dünndarmschleimhaut und damit den Bildungsort der Laktase schädigen, zum Beispiel bei Zöliakie oder Morbus Crohn. Die häufigste Form ist die primäre Laktoseintoleranz: Sie betrifft in Deutschland 15-20 Prozent der Bevölkerung. Meist geht dabei zwischen dem zweiten und 20. Lebensjahr die Aktivität der Laktase weitgehend verloren. Kleine Mengen Milchzucker, das heißt etwa 8-12 Gramm Laktose pro Tag, vertragen die meisten Betroffenen weiterhin. Nur sehr empfindliche Personen müssen die Aufnahme auf maximal ein Gramm Milchzucker am Tag begrenzen.

"Milchprodukte komplett vom Speiseplan zu streichen, ist bei einer Laktoseintoleranz meist unnötig", sagt HansHelmut Martin vom Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) und rät von einem vollständigen Verzicht ab. "Denn über diese Lebensmittelgruppe wird ein Großteil des Kalziumbedarfs gedeckt." Käse macht zudem häufig keine Probleme, da bei der Käsereifung Milchzucker in Milchsäure umgewandelt wird. "Je länger ein Käse reift", erklärt Martin, "desto weniger Laktose enthält er." Weichkäse wie Camembert oder Brie reiften zwar nicht so lang wie Hart- oder Schnittkäse, enthielten aber dennoch nur rund 100 Milligramm Laktose pro 100 Gramm, so dass auch sie häufig gut vertragen würden. Vorsicht sei allerdings bei Frischkäse geboten.

Versteckter Milchzucker

Bei Sauermilchprodukten wie Joghurt, Quark, Dickmilch und saurer Sahne bleibt das Bauchgrummeln meist aus. Zwar enthalten sie einiges an Laktose, doch die darin enthaltenen Milchsäurebakterien sorgen dafür, dass bereits ein Teil davon abgebaut wird. Auch fettreiche Milchprodukte sind oft besser bekömmlich, da Fett die Verweildauer der Nahrung im Magen-Darm-Trakt verlängert und die Enzyme dadurch mehr Zeit haben, den Milchzucker abzubauen.

Problematisch für Betroffene ist der in vielen Fertigprodukten wie Süßigkeiten, Instant-Suppen, Streuwürzen, Back-, Fleisch- und Wurstwaren als Zutat enthaltene Milchzucker. Auch einigen Medikamenten wird Milchzucker zugesetzt. Im Zutatenverzeichnis kann sich Milchzucker hinter Bezeichnungen wie Laktose, Joghurt, Sahne-, Milch- oder Molkepulver verstecken. Über die enthaltene Menge sagt dies nichts aus. Deshalb sollten Betroffene milchzuckerhaltige Fertigprodukte besser meiden.

Um eine Laktoseintoleranz eindeutig nachzuweisen, führt der Arzt unter Milchzuckerbelastung den sogenannten Wasserstoff-Atemtest durch. Das bei einer gestörten Verwertung gebildete Gas wird teilweise über die Lunge abgeatmet und kann gemessen werden. Für eine eindeutige Diagnose sollten gleichzeitig die typischen Beschwerden – Blähungen oder Bauchweh – auftreten. Liegt wirklich eine Laktoseintoleranz vor, sollten Betroffene nach etwa zwei milchzuckerfreien Wochen nach und nach ausprobieren, was und wie viel sie von welchen Milchprodukten vertragen. Bei der Erstellung eines solchen individuellen, milchzuckerarmen Speiseplans ist die Unterstützung durch eine Ernährungsberaterin hilfreich.

Tabletten mit milchzuckerspaltenden Enzymen, die zusammen mit dem Essen eingenommen werden, hält Hans-Helmut Martin nur in Ausnahmesituationen wie Einladungen oder im Urlaub für sinnvoll. Eine milchzuckerarme Ernährung können sie seiner Meinung nach nicht ersetzen.

Lebensmittel mit Laktose

Milch, Sahne, Nudelsoßen, Kartoffelpürreepulver, Pudding oder Brotaufstrich – mittlerweile gibt es alles auch mit der Aufschrift "laktosefrei" zu kaufen. Milchprodukte gelten als laktosefrei, wenn sie weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm enthalten. Um die Laktose zu entfernen, wird die Milch mit dem Enzym Laktase behandelt. Dieses spaltet den Milchzucker in die beiden Ausgangszucker Glukose und Galaktose auf. Da beide Zucker süßer schmecken als Laktose, erhält die Milch einen leicht süßlichen Geschmack. Anschließend wird die Laktase durch Erhitzen deaktiviert und die Milch zu Sahne, Joghurt und anderen Milchprodukten weiter verarbeitet.

Kennzeichen "laktosefrei"

Das wachsende Angebot ist für die Betroffenen sicherlich eine Bereicherung.Für etliche Menschen mit Laktoseintoleranz ist es jedoch nicht nötig, spezielle Butter und als laktosefrei angepriesene Schnitt- oder Hartkäse zu kaufen. Da Butter mit etwa 0,6 Gramm pro 100 Gramm relativ wenig Laktose enthält, wird sie von vielen ebenso problemlos vertragen wie Schnitt- und Hartkäse.

Ehe Verbraucher also zu den oft teureren Spezialprodukten greifen, sollten sie eine Unverträglichkeit vom Arzt diagnostizieren lassen. Da Betroffene ganz unterschiedliche Mengen Laktose vertragen, sollten sie dann selbst tes­ten, welche normalen Milchprodukte sie noch essen können und wo Spezial-Produkte sinnvoll sind. Calciumangereicherte Soja-, Hafer- oder Reisdrinks sind als Milchersatz ebenfalls eine Alternative.

Seminartipp bei Unverträglichkeiten

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