Der bessere Fisch - Schrot und Korn

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Der bessere Fisch

Die Fischerei steckt in der Krise, die Konsumenten sind verunsichert. Allmählich setzen sich Alternativen wie Biofisch durch, die wieder Lust auf Meer und mehr machen. // Ralf Bürglin

Was ist ein Biofisch?

Ein als bio gekennzeichneter Fisch stammt immer aus einer Aquakultur und wird artgerecht gehalten: Die Tiere leben in naturnahen Teichen oder geräumigen Netzgehegen. Sie bekommen weder Hormone noch Wachstumsförderer, werden vor allem mit Biofutter ernährt oder suchen sich ihre Nahrung selbst im Teich, so etwa Karpfen im Sommer (siehe folgende Seite). Detailliertere Regeln für Bio- aquakulturen wird es in der EG-Öko-Verordnung ab 2009 geben. Der Bioverband Naturland hat bereits Mitte der 90er-Jahre begonnen, Richtlinien für die Ökoaquakultur zu entwickeln. So legt der Verband etwa Wert darauf, umliegende Ökosysteme zu schützen, verbietet Chemie zum Schutz der Netzgehege vor Algenbewuchs und setzt natürliche Heilmittel ein. Fischmehl als Futter stammt ausschließlich aus Resten der Speisefischverarbeitung, das heißt, Fischbestände werden nicht geplündert. So gibt es mittlerweile etwa Bioforellen aus Deutschland, Frankreich und Spanien, Biolachs aus Irland, Bioshrimps aus Ecuador, Brasilien und Thailand oder Bio-Pangasius aus Vietnam.

Sind Aquakulturen die Lösung der Fischereikrise?

Sie sind eine interessante Alternative, weil sich Fischbestände besser planen lassen. Leider verschärfen herkömmliche Formen von Aquakulturen das Problem der Überfischung, weil die gehaltenen Fische tierisches Protein im Futter benötigen, das in der Regel in Form von Fischmehl verfüttert wird. Fischmehl sind getrocknete und gemahlene Fische oder Teile davon, zum Teil auch andere Meerestiere. Fischmehl gewann man früher überwiegend aus Abfällen, die nach dem Filetieren von Speisefischen entstanden. In den letzten Jahrzehnten ist daneben aber auch ein Zweig der Hochseefischerei entstanden, der bestimmte Fischarten ausschließlich zur Fischmehlgewinnung für den konventionellen Bereich fängt. So droht nun auch diesen Beständen Überfischung. Laut Greenpeace stammt heute über ein Viertel der globalen Fischerei-Erträge aus Zuchtanlagen. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erwartet, dass 2030 mehr als die Hälfte aller Speisefische aus derartigen Kulturen kommt. Ökoaquakulturen achten auf eine nachhaltige Nutzung der marinen Ressourcen zur Fischmehlgewinnung. Diese kann beispielsweise das Marine Stewardship Council garantieren (Logo unten).

Nachhaltige Fischerei. Was ist das?

AquakulturNachhaltiger Fischfang bedeutet, so zu fischen, dass die Bestände erhalten bleiben. Es darf also nicht mehr gefangen werden, als „nachwachsen“ kann (keine Überfischung). Meeresböden dürfen nicht geschädigt und Beifänge, also Tiere wie Schildkröten und Haie, die man eigentlich gar nicht fangen will, müssen weitgehend minimiert werden. Wer überprüft die Vorgaben? Zum Beispiel das Marine Stewardship Council (MSC), die derzeit größte Zertifizie- rungsorganisation in diesem Bereich. MSC-Produkte werden mittlerweile in über 30 Ländern verkauft. Etwa 2 Prozent der weltweiten Fischfänge stammen aus MSC-Fischereien. Auch Naturland setzt auf Nachhaltigkeit (Logo oben) Das MSC-Logo – von Unilever geschaffen, einem der größten Fischverarbeiter – ist umstritten. Kritikpunkt: Die Zertifizierung wird zu früh im Prozess vergeben. So genügt es, wenn Fischer-eien zunächst nur einem minimalen Standard gerecht werden, um das Siegel zu bekommen. Damit, so Greenpeace, sei das Vorsorgeprinzip nicht als Kerngedanke der ökologischen Fischerei anerkannt. Neu bei Greenpeace: Fischratgeber. "Beliebt – aber bedroht". www.greenpeace.de

Naturland und

Sind vegetarische Fische die besseren Fische?

In Hinblick auf die Ökobilanz in Aquakulturen, ja. Zur Erklärung: Man unterscheidet zwischen Fischen, die sich pflanzlich ernähren (Karpfen), und Raubfischen (Forellen, Lachse), die sich von anderen Tieren ernähren (Insekten, Krebse, kleine Fische). Biokarpfen düngen die Teiche, in denen sie gehalten werden, mit ihren Ausscheidungen. Dadurch gedeihen Algen und Plankton. Sie stellen im Sommer die Futtergrundlage der Karpfen. Zum Teil produzieren Biokarpfen also ihr eigenes Futter. Ansonsten erhalten Biokarpfen Roggen, Weizen oder Lupinen aus biologischem Anbau. Forellen oder Lachse hingegen benötigen tierische Nahrung, die nicht in den Teichen heranwachsen kann, in denen die Fische gehalten werden. Man gibt ihnen Futter auf Fischmehlbasis und muss dafür auf Wildfisch zurückgreifen. So braucht man, um ein Kilogramm Lachs zu erzeugen, drei Kilogramm Wildfisch. Für Biofisch, schreibt die EG-Ökoverordnung vor, müsse das Futter aus „der nachhaltigen Nutzung der Fischerei“ stammen.

Geht’s dem Biokarpfen besser?

Gegenfrage: Wer will sich anmaßen zu behaupten, einem Fisch gehe es gut oder schlecht? Die EG-Ökoverordnung hat sich an das Thema herangewagt und fordert, man müsse „den Bedürfnissen der Tiere gerecht werden“. Die Bioverbände, zum Beispiel Bio- land, haben diese Vorgabe konkret umgesetzt. Bioland-Karpfen bekommen Platz. Die Besatzdichte ist auf 600 Fische pro Hektar begrenzt. In der konventionellen Teichwirtschaft können es bis zu 4 000 Exemplare pro Hektar sein. Der Verband schreibt Teichwirten außerdem vor, ihre Biokarpfen in naturnah gestalteten Teichen zu halten, die nicht mit Folien abgedichtet sind. So können die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen eher ausleben, etwa im Schlamm gründeln, um dort Futter zu suchen. Außerdem müssen mindestens 20 Prozent des Ufersaums als Flachwasserbereich gestaltet sein, in dem Uferpflanzen, etwa Schilf, wachsen können. Hier sollen Rohrsänger singen und Eisvögel fischen dürfen. Sogar, dass „Adler hier gerne auf Jagd gehen“, ist ausdrücklich festgehalten.

Erschienen in Ausgabe 11/2008
Rubrik: Ernährung

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