Sprossen und Keime - Schrot und Korn

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Sprossen und Keime

Vitamine von der Fensterbank

Nur Käse aufs Brot? Viel zu langweilig – da fehlt frisches Grün! Sprossen sind kinderleicht zu ziehen. So sprießt selbst bei Eis und Schnee in der Küche rasch ein Mini-Gärtchen. // Gudrun Ambros

Fotos: Michael Himpel // Foodstylist: Jürgen Vondung // Styling: Barbara Hilmes // Rezepte: Judith Braun

-> Rezepte

STAUNEND stehen Johanna und ihr Papa Herbert vor dem Regal mit den Saaten-Tütchen. So viel Auswahl: Azukibohnen, Bockshornklee, Brokkoli, Buchweizen…. Was sollen sie da nur nehmen? Für Anfänger eignen sich besonders Alfalfa, Rettich, Radieschen, Mungobohnen oder Linsen. Da ist der Erfolg am sichersten. Kinder mögen am liebsten Alfalfa oder Rotklee. Das schmeckt schön mild. Mild? Mag die Johanna aber nicht. Sie greift nach den Radieschensamen, denn wie die roten Knollen schmecken, das weiß sie. Und die Mungobohnen nimmt sie, weil sie so schön grün sind.

Eigentlich ist die Auswahl im Naturkostladen noch viel größer. Denn aus den Linsen und Kichererbsen im Nebenregal und auch aus dem Weizen, der einige Schritte weiter gleich kiloweise angeboten wird, könnten ebenfalls Keimlinge gezogen werden. Zumal sie das Bio-Siegel haben, also nicht mit Keimhemmern behandelt wurden. Der Vorteil der Keimsaaten aus den kleinen Päckchen: Sie wurden so sorgfältig geerntet und verpackt, dass kaum ein Körnchen verletzt ist. Aus fast allen kann also noch ein Spross entstehen. Außerdem gibt es hinten auf dem Päckchen die Anleitung zum Keimen.

Keimen für Anfänger

Wieder daheim, machen sich die beiden gleich ans Küchengärtnern. Johanna füllt je zwei Esslöffel Mungobohnen und Radieschensamen in zwei Schüsselchen und gießt handwarmes Wasser darüber. Deckel darauf und dann warten auf die Überraschung. Die ist erst einmal bescheiden: Die Samen sind am nächsten Morgen nur ein bisschen dicker als vorher, weil sie ordentlich Wasser geschluckt haben.

Ein Keimgerät gibt es noch nicht im Haushalt. Für den Anfang tun es auch zwei Einmachgläser mit etwas luftdurchlässigem Stoff als Deckel. Johanna darf die eingeweichten und wieder mit handwarmem Wasser gespülten Samen vorsichtig ins Glas klopfen. Das wird mit Hilfe von Stoff und einem Gummiring verschlossen, dann kopfüber schräg gestellt, damit restliches Wasser gut ablaufen kann und genügend Luft daran kommt. Wieder heißt es: warten. Was sich jetzt im Inneren der winzigen Körnchen tut, lässt sich von außen nur schwer erahnen. Wasser, Zimmerwärme, Sauerstoff und Licht wecken die kompakt im Samen gespeicherten Vorräte für das Pflanzenwachstum aus einer Art Winterschlaf. Stärke wird in Traubenzucker zerlegt, Eiweiß in Aminosäuren gespalten, Fette abgebaut, um Energie fürs Wachsen zu bekommen. Die Menge an Vitaminen, Ballast- und Mineralstoffen wächst beträchtlich.

Ernte aus dem Einmachglas

Dass sich etwas tut, kann Johanna rasch sehen: Schon am ersten Abend sind die Mungobohnen so dick, dass einige platzen und unter der grünen Schale ein elfenbeinfarbenes Unterkleid hervorspitzelt. Aus den rötlichen Radieschensamen wagen sich bereits erste Würzelchen. Essbar sind die Sprossen, sobald sie sich zeigen – mitsamt dem Kern. Etwas mehr Geduld belohnen Alfalfa, Linsen und Co. mit hohen Erträgen: Wer einen Esslöffel Samen sät, kann bis zu fünf Esslöffel Keimlinge ernten. Da macht das Warten Spaß. Trotzdem empfiehlt es sich, immer mal wieder zu probieren und vorsichtshalber auch noch mal auf der Packung nachzuschauen. Manche Sprossen, Bockshornklee oder Kichererbsen etwa, werden nach einiger Zeit bitter. Bei den anderen ist die Ernte Geschmackssache: Die einen mögen es milder und ernten früher, die anderen lassen ihren Sprossen Zeit, intensiveres Aroma zu entwickeln.

Johanna und Herbert ernten nach vier Tagen. Herbert kocht mit den Mungobohnen-Sprossen ein chinesisches Wok-Gericht. Johanna häuft ein Türmchen aus Radieschenkeimen auf ihr Käsebrot – so wie sie es wollte, verzieht beim Reinbeißen auch kein bisschen das Gesicht. Obwohl die rötlichen Würzelchen ganz schön scharf sind.

Kinderleicht

Sprossen selber ziehen ist für Kinder toll. Sie können den Miniatur-Pflänzchen beim Wachsen zuschauen. Einziger Einwand: Ohne Geduld und Zuverlässigkeit wird das nichts. Dann lieber zum Bioladen und dort die knackig-frischen Mini-Pflänzchen aus dem Kühlregal angeln.

6 Tipps fürs Sprossen ziehen

  • Samen waschen und je nach Sorte bis zu zwölf Stunden in handwarmem Wasser einweichen.
  • Eingeweichte Samen mit klarem Wasser abspülen. Dann gleichmäßig im Keimgerät verteilen.
  • Manche Sorten keimen lieber im Dunkeln, andere bevorzugen Licht.
  • Direkte Sonneneinstrahlung tut keiner Sprosse gut, dafür aber Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad Celsius.
  • Zweimal täglich mögen die Keime eine kurze Dusche.
  • Rettich- oder Radieschensamen zwischen andere Samen gestreut, verhindern mit ihren antibakteriellen Wirkstoffen die Schimmelbildung.

Steckbriefe Sprossen und Keime

Mungobohnen

Drei bis vier Tage nachdem sie ihre grüne Schale gesprengt haben, schmecken die Mungobohnen-Sprossen optimal: leicht süßlich, ähnlich wie rohe Erbsen und knackig frisch. Vor dem Keimen sollten sie zwölf Stunden einweichen und in den beiden ersten Tagen im Dunkeln wachsen. Mungobohnen schmecken prima im Salat und sind Spezialisten für China-Gemüsepfanne und Frühlingsrolle.

Radieschen

In der Tüte sehen sie aus wie rötlich-braune Steinchen, aber nach fünf, sechs Tagen mit Wasser, Luft und Wärme schmecken die Keimlinge ganz schön scharf. Es reichen vier Stunden Einweichzeit. Sie sind besonders stark im Kampf gegen Bakterien und Schimmel, und deshalb gute Begleiter für andere Samen im Keimgerät. Radieschenkeimlinge peppen Salat auf und passen gut zu Tomatenbrot.

Senf

Wenn Senfkörner mit Wasser zusammenkommen, entwickeln sie brennende Schärfe und würziges Aroma. Nach einer mindestens dreistündigen Einweichzeit sind die Keimlinge in zwei bis fünf Tagen erntereif. An ihren Würzelchen wächst ein zarter Flaum. Keine Sorge, das ist kein Schimmel. Senfsprossen machen sich gut auf Bratkartoffeln oder im Avocado-Dip.

Sonnenblumen

Hübsch sind die ovalen Sonnenblumenkerne, mit ihren schwarz-weißen Streifen. Geschält keimen sie aber schneller. Nach mindestens vier Stunden Wässern kann es losgehen. Ein bis vier Tage sollen sie wachsen und lieber zu früh als zu spät geerntet werden. Denn ihr nussig-milder Geschmack schlägt schnell ins Bittere um. Anrösten verstärkt ihr nussiges Aroma. Dann verfeinern sie sogar Desserts.

Weizen

Gekeimte Weizenkörner entwickeln ein süßlich-mildes Aroma. Zwölf Stunden sollten sie Gelegenheit haben, Wasser aufzusaugen, bevor sie ins Keimglas gelangen. Dort reifen sie in zwei bis vier Tagen. Neben den Hauptwurzeln wachsen flaumige Nebenwürzelchen. Wenn die Sprossen gerade mal so lang sind wie das ursprüngliche Korn, machen sie sich gut in Pfannengerichten oder auf saftigen Broten.

Bockshornklee

Schon beim Keimen entwickelt er den charakteristischen Duft, der an Curry erinnert. Kein Wunder, denn ursprünglich gehört er auch in diese Gewürzmischung. Bockshornklee braucht sechs Stunden im Einweichwasser und dann vier Tage im Dunkeln, um richtig auszukeimen. Länger darf es nicht sein, sonst wird er bitter. Die herzhaften Sprossen aromatisieren Reisgerichte und Aufläufe.

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dirk
Hallo Sprossenzieher und Züchter.

Der Artikel ist ganz gut zur Sprossenaufzucht, aber es fehlen ein paar Grundinfo´s, wie Wassertemperatur, Raumtemperatur, regelmäßigkeit beim gießen, etc.

Ich züchte und ernte Sprossen beruflich, also wer Infos mag, einfach ne Mail...

Bis dann. Gruß Dirk

dirk-sb@gmx.de
Karin Engelhardt
Obwohl ich eine Keimgerät habe, habe ich Probleme, dass die Sprossen gerne schimmeln. Was kann ich dagegen tun?
Patricia_k34
Das Schimmelproblem habe ich auch, deshalb ist mir auch die Lust am Sprossenziehen vergangen. Vielleicht kann uns jemand sagen, wie man diese vermeidet.
Dr. Norbert Kolb
Excellent
Dr. Norbert Kolb
Tips zur Vermeidung von Schimmelbildung:

1.) Grundsätzlich die Sprossen zweimal täglich gründlich waschen

2.) Es darf kein überschüssiges Wasser im Keimgefäß bleiben
Birgitt
Ich keime seit langem.

Schimmelprobleme hatte ich bei Weizen, das wird einfach nicht, mit keiner Methode.



Narrensicher dagegen Hülsenfrüchte, praktisch alle, von er Kichererbse über sämtliche Linsenarten 8Die sogar noch verletzt und Jahrealt keimen) bis zur Mungbohne.
Elfi Rust
Habe " Alles" gefunden was ich gesucht habe, was will man mehr!

Danke,

E. Rust
Tina
Sehr hilfreich der Artikel. Da bleibt mir nur die Frage offen, wie lange man die Sprossen Keimen lassen darf? Darf der Weizen auch schon grün werden oder ist er dann ungesund?
Ruth Kielman
Habe Weizensprossen problemlos gezogen.

Den Weizen in ein Sieb legen. Das Sieb in einen mit Wasser gefülltten Behälter legen, so dass die Körner alle bedeckt sind. Zwei Mal täglich Wasser wechseln und die Körner abspülen. Nach anfängliher Sprossung die Körner im Sieb ohne Wasser liegen lassen und nur noch zweimal taglich wässern, bis die Keime so groß sind, wie gewünscht. Habe zwei oder drei untersschiedlich weit entwickelte Siebe mit Sprossen, so habe ich jeden Tag frische Sprossen zum essen.

Wenn die Sprossen zu alt sind schmecken sie bitter.
Ralf
Es tut mir sehr leid, aber ich finde den Artikel äußerst enttäuschend.



Zunächst einmal ist das Ankeimen viel zu kompliziert dargestellt, was abschreckend wirkt - und das völlig unnötigerweise! Denn in der Praxis wäscht man einfach die Saaten in einem Sieb, gibt sie direkt in ein Keimgerät, und spült einmal durch. Dann 2x täglich spülen.

Und da vernünftiges Arbeitsmaterial nunmal Grundlage ist, ist es auch für den "Anfänger" wichtig, sich ein Keimgerät anzuschaffen. Es genügt ja auch erstmal eins; und da Johanna und Herbert ja eh schon im Laden sind, können sie auch gleich eines von hier mitnehmen. Die 20 Euro entsprechen gerade mal 2 Arztbesuchen oder einer Handvoll Medikamentenzuhahlungen (Diabetes, Bluthochdruck, Aderverkalkung) - so gerechnet hat man das Geld ziemlich schnell wieder raus.



Sehr unbefriedigend finde ich, dass die Frage der Ankeimzeiten nur anhand des "Geschmacks" und der "hohen Erträge" entschieden wird - anstatt daran, zu welchem Zeitpunkt der gesundheitliche Wert der Keime am größten ist.



Desweiteren fehlt die WIRKLICH wichtige Information, WELCHE Saaten denn nun GENAU im Dunklen, und welche im Licht besser keimen. Auch davon, dass (und wie!!!) Saaten wie bspw Hafer zum Keimen stratifiziert werden muss, kein Sterbenswörtchen.



Mein Fazit:



Der Artikel bietet viel Informationen. Bloß - wie fast immer in Presse und Medien, sind genau JENE Informationen, die wirklich für die konkrete Gestaltung des Lebens brauchbar wären, entweder gut versteckt in einem Wust von unnötigerweise verkomplizierter Darstellungen, oder sie fehlen völlig.



Schade.
Brigitte
Also, wenn das kein guter, das Thema umfassend behandelnder Artikel sein soll - welcher dann!

Ist doch wirklich alles ausreichend beschrieben, ich verstehe nicht, wie da jemand null Sterne vergeben kann.

Was, bitteschön, soll denn noch alles drinstehen? Es gibt Leute, die haben an allem was zu kritisieren...
Andrea Sydow
1.000 Dank, herrlicher Beitrag. Bisher habe ich mich nur an Mungobohnen gewagt und ich liebe sie. Ein Tipp, der Einfachheit halber. Um die Mungobohnen keimen zu lassen nehme ich einen Suppenteller. Zunächst gebe ich lauwarmes Wasser hinzu und dann stülpe ich ein Sieb darüber oder lege lose eine Folie drauf. Täglich spüle ich die Bohnen dann. Lasse Wasser darüber laufen und fange sie mit dem Sieb auf. Das mache ich dann bis sie essbar sind. Es bleibt alles im selben Behälter. Das spart das Umfüllen. Viel Spaß & guten Appetit