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Zu Besuch bei Provamel

„Hundertprozentig gentechnikfrei“ garantiert der Soja-Spezialist und überbietet selbst die gesetzlichen Standards. Mit Verkostungen, Rezeptkarten und einer Hotline geht Provamel gegen Vorurteile vor. // Peter Gutting, Fotos T
28.02.2005
„Hundertprozentig gentechnikfrei“ garantiert der Soja-Spezialist und überbietet selbst die gesetzlichen Standards. Mit Verkostungen, Rezeptkarten und einer Hotline geht Provamel gegen Vorurteile vor. // Peter Gutting, Fotos T

Gentech? Nicht die Bohne!

„Hundertprozentig gentechnikfrei“ garantiert der Soja-Spezialist und überbietet selbst die gesetzlichen Standards. Mit Verkostungen, Rezeptkarten und einer Hotline geht Provamel gegen Vorurteile vor. // Peter Gutting, Fotos T. Langreder

Hilft Sojamilch tatsächlich gegen Hitzewallungen? Eine Frage, mit der Sybille Rienth häufig konfrontiert wird. „Ja“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin beim Provamel-Kundenservice, „es gibt Studien, die zeigen, dass die Häufigkeit zurückgeht“. Aber: Im Einzelfall sei der Effekt nicht garantiert, die Verbraucherin müsse es selbst probieren.

Also wieder eine halbgare Nachricht, die beweist, dass die Halbwertzeit angeblicher Erkenntnisse kaum weiter reicht als zur nächsten Buchmesse. Sybille Rienth reagiert gelassen auf den Einwand: „Die Ernährungswissenschaft ist eine junge und spannende Wissenschaft.“ Da helfe nur, klar und seriös das Gesicherte vom weniger Gesicherten zu trennen. Zu den erwiesenen Vorteilen von Soja gehören mindestens drei. Erstens der hohe Gehalt wertvollen pflanzlichen Eiweißes, zweitens der cholesterinsenkende Effekt. Und drittens der hohe Gehalt an Soja-Isoflavonen (pflanzlichen Östrogenen) sowie an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

An die Vorzüge pflanzlicher Produkte glaubte auch Philippe Vandemoortele, als er Mitte der 70er Jahre mit einer Maschine für Sojamilch experimentierte. Der junge Mann war Forschertyp und Unternehmerssohn. Sein Vater hatte den belgischen Lebensmittelkonzern Vandemoortele mit heute weltweit über 2.400 Mitarbeitern aufgebaut. Bald stellten sich auch mit den Sojaprodukten ökonomische Erfolge ein. 1980 wurde im belgischen Izegem die Firma Alpro gegründet - als Spezialist für Sojaprodukte innerhalb der Vandemoortele-Gruppe. Sie brachte unter der Marke Provamel erste biologische Produkte auf den Markt. Spätestens seit 1989 stießen Soja-Fans auch in hiesigen Bio-Läden auf die Sojadrinks.

Wie bei Weizen und Dinkel

Ahnte Simone Prester-Lück damals, dass sie einmal für diese Firma arbeiten würde? Natürlich nicht. Aber die Marketingleiterin von Alpro Deutschland wusste Bio-Läden zu schätzen. Simone Prester-Lück hat seit langem eine Vorliebe für Dinkel gegenüber Weizen.

Sie sieht die Entwicklung der Sojamilchprodukte ganz ähnlich wie die von Dinkel. Zunächst ein Muss für alle, die nichts anderes vertragen, dann eine schmackhafte Abwechslung und schließlich eine bevorzugte Variante von all denen, die sagen: Weizen ist gut, Dinkel ist besser. Beziehungsweise Kuhmilch ist gut, Sojamilch ist besser.

Provamel Deutschland hat seit 2002 verschiedene Initiativen gestartet, um Vorbehalte abzubauen, die in vielen Fällen auf dem Prinzip beruhen: „was der Bauer nicht kennt …“. Allein im Jahr 2004 gab es 800 Verkostungen in 900 Bio-Läden, wurden 2,7 Millionen Rezeptkarten an die Frau und den Mann gebracht, flankiert von Befragungen, wie solche Aktionen bei Verbraucher und Händler ankommen. Außerdem gibt das Unternehmen jedes Jahr eine große Untersuchung in Auftrag, bei der Verbraucher den Geschmack bewerten und Hinweise geben, wie er noch besser werden könnte.

Dass die Marke dermaßen durchstartet, hat mit dem Aufbau eines eigenen Marketings für Deutschland zu tun. Seit gut zwei Jahren gibt es im Düsseldorfer Büro spezielle Ansprechpartner für die hiesigen Händler und Verbraucher. Drei Außendienstler und zwei Marketingleutearbeiten daran, dass Provamel-Produkte in möglichst allen deutschen Bio-Läden angeboten werden.

Mehr als der Weltmarktpreis

Dabei profitieren die Düsseldorfer von Erfahrung und Know-how der belgischen Firmengruppe, die allein im Sojabereich 530 Mitarbeiter beschäftigt und Bio- sowie konventionelle Produkte herstellt.

Aus Qualitätsgründen bauten die Begründer der Sojalinie auf zwei Prinzipien, die im Bio-Markt eine zentrale Rolle spielen: auf direkten Kontakt zu den Produzenten und lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produkte. Daraus resultiert ein eigenes, aufwendiges Kontrollsystem auf Gentechnik-Freiheit - sowohl für Bio- als für konventionelle Produkte (siehe Kasten).

Komplett gentechnikfrei

Außerdem schließt das Team von Chefeinkäufer Filip Walraeve mit jedem einzelnen Landwirt in Brasilien, Argentinien, Kanada, China und Frankreich langfristige Verträge ab, für die die Bauern rund zehn Prozent mehr Erlös erhalten, als der Weltmarktpreis bietet.

Allein für Provamel pflegen die Einkäufer den Kontakt zu 60 Bio-Bauern in Südbrasilien, einer großen Farm in Argentinien, 30 Öko-Farmern in Kanada, 800 kleinen Familienbetrieben in China und 80 Bio-Bauern in Frankreich. Der Hauptanteil der Sojabohnen kommt aus Südbrasilien, das im Gegensatz zum Norden des Landes noch komplett gentechnikfrei ist.

Warum diese Weigerung, auch nur eine Bohne auf dem anonymen Weltmarkt zu kaufen? Woher der Ehrgeiz, bei der Gentechnik-Freiheit die gesetzlich geforderten Standards zu überbieten? „Hier geht es um Vertrauen und Ehrlichkeit“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Sybille Rienth. Sie weiß, dass viele Verbraucher beim Stichwort Soja automatisch an Gentechnik denken. Deshalb müsse man alles Menschenmögliche tun, um selbst kleinsten Verunreinigungen einen Riegel vorzuschieben. Ehrlichkeit zahlt sich eben aus - langfristig .

Hotline für Verbraucher

Seit Herbst letzten Jahres hat Provamel eine Hotline für Verbraucher eingerichtet. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens beantwortet Fragen zur gesunden Ernährung mit Soja - bei Bedarf in Absprache mit der wissenschaftlichen Abteilung in Belgien. Darüber hinaus können Rezepthefte und Informationsbroschüren bestellt werden. Telefon 0 18 05 / 95 95 87 (0,12 Euro/Min.) Weitere Infos auch unter www.provamel.de

Was in Belgien begann …

  • 1899 Constant Vandemoortele gründet im belgischen Izegem das Unternehmen. Seit den 30er Jahren Konzentration auf Speiseöle, Margarine, Frittierfette und Bäckereigrundstoffe.
  • 1934 Handel mit Sojabohnen.
  • 1975 Philippe Vandemoortele entwickelt ein exklusives Produktionsverfahren für Sojamilch.
  • 1980 Gründung der Alpro N.V. im belgischen Izegem.
  • 1989 Neue Produktionsstätte in Wevelgem mit höherer Kapazität.
  • 1996 Kauf eines Werkes für Sojaprodukte im französischen Issenheim.
  • 2000 Alpro eröffnet Produktionseinheit im englischen Kettering. Die Alpro Deutschland GmbH mit Sitz in Düsseldorf wird gegründet.
  • 2002 Das deutsche Geschäft der Marke Provamel geht vom belgischen Firmensitz auf das Düsseldorfer Büro über.

Kontrolle auf allen Stufen

Rückverfolgbarkeit war von Anfang das zentrale Prinzip von Provamel. Daraus entwickelte sich ein eigenes, über gesetzliche Standards hinausgehendes Kontrollsystem auf Gentechnik-Freiheit. Kontrolliert und getestet werden:

  • Saatgut
  • Erntemethode
  • Ware vor und nach dem Transport
  • Transportunternehmer verpflichtet sich, die Fahrzeuge nie mit Gen-Ware zu beladen.
  • Silobetreiber im Erzeugerland, darf nur gentechnikfreie Ware lagern.
  • Ware bei der Anlieferung in Belgien
  • Endprodukt (willkürliche Probenahmen durch externes Kontrollgremium)

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