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Waschen mit weißer Weste

Beim Wäschewaschen kann sich ein Grauschleier über die Umwelt legen. Mit Waschmitteln aus dem Bio-Laden lässt sich das vermeiden. Und die Wäsche wird trotzdem sauber. // Leo Frühschütz
28.02.2010
Beim Wäschewaschen kann sich ein Grauschleier über die Umwelt legen. Mit Waschmitteln aus dem Bio-Laden lässt sich das vermeiden. Und die Wäsche wird trotzdem sauber. // Leo Frühschütz

Beim Wäschewaschen kann sich ein Grauschleier über die Umwelt legen. Mit Waschmitteln aus dem Bio-Laden lässt sich das vermeiden. Und die Wäsche wird trotzdem sauber. // Leo Frühschütz

Alle Waschmittel im Bio-Laden haben gemeinsam, dass sie auf diese und viele andere bedenkliche Inhaltsstoffe verzichten. Darüber hinaus vertreten sie jedoch unterschiedliche Wasch-Philosophien.

Dufte Lösung

Alle Hersteller bieten besonders für Allergiker Neutral- oder Sensitiv-Waschmittel an, die ohne Duftstoffe und ätherische Öle auskommen. Für die, die es duftig mögen, gibt es extra Wäscheduft zum Zudosieren.

Seifen aus Bio-Öl

Die Hersteller Sodasan, Sonett, Govinda, Almawin und Klar setzen auf Seife als wichtigste Waschsubstanz. Bei allen fünfen stammen die Öle für die Seifen aus ökologischem Anbau. Sodasan verzichtet – außer beim Wollwaschmittel – komplett auf weitere Tenside, ebenso Govinda. Die anderen drei unterstützen die Seife durch Tenside, die komplett aus konventionell angebauten pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden. Der anthroposophisch orientierte Hersteller Sonett setzt zudem energetisiertes Wasser und rhythmisierte balsamische Zusätze ein. Seifen lassen sich ohne großen chemischen Aufwand herstellen, sind gut abbaubar und waschen weich.

Chemisch hergestellte Tenside sind ergiebiger, technisch vielseitiger und weniger anfällig bei hartem Wasser. Aus diesen Gründen setzen Ecover und Ulrich natürlich ausschließlich auf solche Tenside. Bei Ecover werden sie, mit zwei Ausnahmen, komplett aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt. Die beiden von Ulrich natürlich eingesetzten Tenside enthalten beide einen Anteil, der aus der Erdölchemie stammt. Den bislang verwendeten Aufdruck „Ohne petrochemische Inhaltsstoffe“ auf der Flasche wird der Hersteller ändern.

Mit Petrochemie

Ganz ohne Erdölchemie kommen auch die meisten Seifenwaschmittel nicht aus. Mit Ausnahme von Sonett setzen deren Hersteller Salze der Polyasparagin- oder Bernsteinsäure als Enthärter ein. Diese Eiweißbausteine kommen in der Natur vor und steuern dort zum Beispiel den Aufbau der Kalkschale in Muscheln. Doch hergestellt werden sie mit petrochemischen Rohstoffen nach einem Patent der Bayer AG. Weil die naturidentische Polyasparaginsäure sehr gut abbaubar ist und in relativ geringen Mengen verlässlich wirkt, halten die Hersteller deren Einsatz für vertretbar. Auch beim Thema Enzyme unterscheiden sich die Waschphilosophien.

Proteasen, Lipasen und Amylasen lösen in konventionellen Waschmitteln Lebensmittelflecke, indem sie Eiweiß, Fett und Stärke aufspalten. Die dort verwendeten Enzyme wurden alle mithilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen (GVO) produziert, die zum Teil in Aufbau und Eigenschaften von natürlichen Enzymen abweichen. Solche durch Genmanipulation veränderten Enzyme setzt kein Hersteller von Öko-Waschmitteln ein (siehe auch den Artikel aus Schrot&Korn 12/2008: „Effizient, aber umstritten. Enzyme im Waschmittel“). Ecover verwendet in einigen Produkten naturidentische Enzyme, die mithilfe von GVO hergestellt werden. Bei Almawin enthalten die Waschpulver eine gentechnikfrei hergestellte Protease zum Lösen von Eiweißen. Alle anderen Hersteller verzichten ganz auf Enzyme.

Eine Besonderheit im Bio-Laden sind Waschnüsse. Die Fruchtschalen des südindischen Soapnut-Baumes enthalten seifenähnliche Stoffe, die Saponine, und werden in Indien und Nepal traditionell als Waschmittel benutzt. Von Govinda, Klar und Almawin gibt es Waschmittel mit Waschnussextrakt. Bei ihnen wird die Waschleistung der Saponine noch durch Tenside unterstützt. Ulrich natürlich hat mit dem Seifenkraut einen hiesigen Saponinlieferanten wiederentdeckt und verwendet dessen Extrakt als Zusatz. Zu den Innovationen gehört das enzymfreie Kaltwaschmittel Cool von Sodasan, mit dem wenig verschmutzte Wäsche schon bei 20 Grad sauber werden soll. Auch Almawin Cleanut und Klar Waschnuss flüssig sind bei 20 bzw. 30 Grad einsetzbar.

Weniger ist mehr Umweltverträglicher wäscht überdies, wer halb volle Trommeln vermeidet, hartnäckige Flecken vorbehandelt und sich beim Dosieren an die Anleitung hält. „Viel hilft viel“ ist beim Wäschewaschen die falsche Philosophie.

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