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Schokokuchen à la Engelke

Dreieinhalb Minuten zu spät kam Anke Engelke zum Interview. Der Grund: Die Brownies, die sie eigens für diesen Termin gebacken hatte, brauchten etwas länger als erwartet. Sie schmeckten aber vorzüglich und verraten eine ganze Menge über die Kabarettistin.
01.03.2010
Dreieinhalb Minuten zu spät kam Anke Engelke zum Interview. Der Grund: Die Brownies, die sie eigens für diesen Termin gebacken hatte, brauchten etwas länger als erwartet. Sie schmeckten aber vorzüglich und verraten eine ganze Menge über die Kabarettistin.

Dreieinhalb Minuten zu spät kam Anke Engelke zum Interview. Der Grund: Die Brownies, die sie eigens für diesen Termin gebacken hatte, brauchten etwas länger als erwartet. Sie schmeckten aber vorzüglich und verraten eine ganze Menge über die Kabarettistin.

Das habe ich ja noch nie erlebt: Der Interviewer wird bewirtet.

Was gab’s denn bei den anderen?

Bestenfalls einen Tee. Aber hier warmen Schokoladenkuchen!

Und der ist aus sauber vermarkteter Bio-Schokolade, Zartbitter. Man kann diese Brownies natürlich auch aus anderer Schokolade machen, ich habe da viel experimentiert: mit verschiedenen Schokoladensorten, braunem Rohrzucker, ganz normalem hellen Zucker aus dem Bio-Laden. Für Geschmack muss man halt auch mal Kompromisse eingehen und ausnahmsweise hellen Zucker benutzen.

Das hört sich so an, als ob Sie zu Hause sehr konsequent biologisch kochen und backen.

Ja, das ist so. Aber ich stoße da natürlich auch an meine Grenzen. Wir haben immer drei bis vier Kinder am Tisch sitzen, die verschiedene Gelüste, verschiedene Ansprüche haben. Und ich hab’ einen Mann, der nicht einsieht, dass es immer nur Bio-Sachen geben muss; der schiebt dann und wann auch schon mal eine Fertigpizza in den Ofen. Wir sprechen schon gar nicht mehr darüber, dass da sogenannter Analogkäse drauf ist. Oder dass da Sachen drin sind, die es in der Natur eigentlich gar nicht gibt. Oder über die abstrusen Behauptungen, die auf der Verpackung stehen.

Wäre denn Fertigessen aus dem Bio-Laden eine Alternative?

Nein, ich glaube, da lässt sich mein Mann gerne geschmacklich ein bisschen verwirren und kauft eben ab und zu so eine Fertigpizza von der Tankstelle. Aber meistens gibt’s bei uns vernünftiges Essen. Vergangenen Freitag zum Beispiel hatten wir unser TV-Dinner …

Was ist denn das?

Wir essen so oft wie möglich mit der kompletten Familie zu Abend. Aber ein-, zweimal im Monat schauen wir gemeinsam mit den Großen einen coolen Film, und dann wird ausnahmsweise dabei gegessen. Entweder bestellen wir etwas oder es wird groß gekocht. Am Freitag hab‘ ich Pizza selbst gemacht.

Mit Vollkornteig?

Und selbst gemachter Tomatensoße, ja. Das schmeckte natürlich anders als die Pizzeria-Pizza, das gebe ich ja auch zu, aber das ist mir egal. Wenn ich backe, ist das mit Liebe gebacken und mit Verstand. Ich fand die Pizza gar nicht so schlecht. Aber die nächste wird anders. Man entwickelt sich ja weiter.

Und die Familie mochte die Pizza auch?

Ja, das kann aber auch daran gelegen haben, dass wir einen tollen Film gesehen haben: „Hangover“. Das war endlich wieder eine Super-Komödie, klug, schnell, brillant gespielt, rasant gefilmt. Das war mein Joker. Da fiel nicht auf, dass die Pizza nicht so schmeckte wie konventionelle aus dem Supermarkt …

An was lag das? An den Bio-Zutaten?

Auch, na klar. Ich hatte Bio-Salami genommen, weil meine Familie nun mal gerne Fleisch isst. Aber Bio-Salami ist nicht so salzig, nicht so überwürzt. Und auf der Pizza waren Kräuter, die ich im Sommer eingefroren habe. Die haben natürlich eine andere Intensität als irgendwelche geschmacksverstärkte Tiefkühlkräuter. Aber meine Pizza war schon in Ordnung.

Sie sind ja auch viel unterwegs; da ist es sicher viel schwerer, sich gesund und biologisch zu ernähren.

Stimmt, unterwegs kann ich nicht konsequent sein. Obwohl es heute viel einfacher ist, vernünftige Sachen in Restaurants zu bekommen. Ich erinnere mich an Essen mit unserer Musikband in den 80er-Jahren im Bergischen Land. Damals war ich Vegetarierin und fragte nach Essen ohne Fleisch. Die Bedienung hat erst gar nicht verstanden, was ich wollte. Als sie dann gemerkt hat, dass ich gerne was ohne Fleisch hätte, sagte sie: „Dann bringe ich Ihnen die Eiskarte!“

Warum wurden Sie als Teenager zur Vegetarierin?

Weil ich dick war, ein dickes Kind, ein dicker Teenager, wie so viele. Junge Leute sollten wissen, dass es ganz normal ist, wenn man zunimmt in der Pubertät. Das ist bei Mädchen so – bei Jungs wird dann die Nase dick. Und alles mögliche verändert sich dann auch noch ein bisschen, da wachsen Haare … Ich wurde halt pummelig und arbeitete als Moderatorin beim ZDF. Meine Vorgesetzten fanden mich zu dick. Deshalb habe ich begonnen, mich mit Diäten auseinanderzusetzen. Dann habe ich einen Film über Tiertransporte gesehen: Tiere, die kein Tageslicht sehen und aus Angst sterben. Sie müssen gar keinen Todesschuss kriegen, die bekommen einfach einen Herzinfarkt, wenn sie das erste Mal so eine Rampe hoch oder runter gehen müssen. Voll gepumpt mit Dreck. Das hat mich umgehauen; ich hab‘ kein Fleisch mehr gegessen. Und das kam dann auch meiner Figur zugute. Gleichzeitig machte nebenan der erste Bio-Laden in der Ortschaft auf. Meine Eltern kauften dort ein. Auch durch die bewusste Auseinandersetzung mit der Ernährung habe ich abgenommen. Und dann blieb ich dabei.

Seit gut fünf Jahren essen Sie wieder Fleisch …

Ich war 20 Jahre Vegetarierin. Ich habe immer auf meinen Körper gehört, wenn er Appetit oder Bedarf hatte. Vor fünf Jahren habe ich das auch getan, als er plötzlich Würste haben wollte! Jetzt warte ich, dass der Heißhunger nachlässt, aber bisher ist kein Ende in Sicht. Gottseidank gibt es inzwischen Bio-Bauern, von denen wir jetzt unser Fleisch kaufen! Grundsätzlich mag ich das aber sehr gerne, wenn der Körper einem was sagt.

Sollten Kinder auch auf ihren Körper hören?

Naja, die hören ja nicht auf ihren Körper, sondern eher auf die Werbung. Wir müssen unsere Kinder dahin bekommen, dass sie auch mal etwas essen, das sie noch nicht kennen. Zuerst schrecken Kinder ja meist vor neuen Sachen zurück: Soll ich das jetzt essen? Und ihre Geschmackssinne sind betäubt. Die Schulkinder, die heute in der Schule jeden Quatsch essen, Süßzeug, völlig überzuckert oder bei den herzhaften Sachen total überwürzt. Die können ja gar nicht mehr auf sich hören, oder? Da passiert nichts durch körperliche Bedürfnisse und Intuition. Da gibt es viel Arbeit. Wir müssen erreichen, dass es für die Kinder cool ist, Bio-Lebensmittel zu essen! Da sollte man eine Kampagne starten!

Das Rezept für die Brownies à la Engelke finden Sie unter

Manfred Loosen traf sich mit Anke Engelke in Köln: Bio-Brownies und -Kaffee inklusive.

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