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Rooibos – ein Salontee macht Karriere

Rooibos-Tee gilt in Südafrika als Nationalgetränk. Buschmänner nutzten die Zweige der Leguminose schon vor Hunderten von Jahren für den würzigen Aufguß. Heute steht eine Kanne dampfender Rooibos-Tee in vielen afrikanischen Familien auf dem Frühstückstisch und wird am Nachmittag in den Salons getrunken.
01.02.1998
Rooibos-Tee gilt in Südafrika als Nationalgetränk. Buschmänner nutzten die Zweige der Leguminose schon vor Hunderten von Jahren für den würzigen Aufguß. Heute steht eine Kanne dampfender Rooibos-Tee in vielen afrikanischen Familien auf dem Frühstückstisch und wird am Nachmittag in den Salons getrunken.

Rooibos-Tee gilt in Südafrika als Nationalgetränk. Buschmänner nutzten die Zweige der Leguminose schon vor Hunderten von Jahren für den würzigen Aufguß. Heute steht eine Kanne dampfender Rooibos-Tee in vielen afrikanischen Familien auf dem Frühstückstisch und wird am Nachmittag in den Salons getrunken. Auch bei uns wächst die Fan-gemeinde. Der Naturkosthandel hält ein immer größer werdendes Angebot bereit - auch den ersten kontrolliert ökologisch erzeugten.

Neben Rooibos pur führen die Naturkostläden auch Mischungen und aromatisierte Varianten. Die nadelförmigen Teeblätter werden unter anderem mit Jasminöl, Zitronengras, Rosenöl, Aprikose, Pfirsich, Apfel und Zitrone verfeinert. Anbieter sind die Teegroßhändler Oasis, Heuschrecke und Herbaria.

Was ist das Besondere an dem rötlichen Getränk, mit dem sich Sonne und afrikanisches Lebensgefühl in die Teetasse bannen lassen? Rooibos schmeckt nicht nur sehr mild und aromatisch, sondern ist zudem überaus bekömmlich, hat der südafrikanische Chemiker Pieter Nortier bereits 1930 herausgefunden. Die Leguminose enthält nämlich weder Coffein noch Gerbstoffe und eignet sich daher sogar für Kinder. Weitere Pluspunkte sind der hohe Gehalt an Vitamin C, Mineralstoffen wie Eisen, Kalzium, Kupfer und Zink sowie Spurenelementen.
Hartnäckig halten sich die Gerüchte, daß das Getränk ewige Jugend verheißt, Falten glattbügelt, die Zähne vor Karies schützt, Rheuma, Akne und hohen Blutdruck lindert. Und nach einer durchzechten Nacht soll es am anderen Morgen den Kater vertreiben.

Flavonoide: Das Geheimnis ewiger Jugend?
Ammenmärchen? Nicht ganz, denn auch Wissenschaftler schreiben dem Getränk diverse Heilkräfte zu. Als besonders segensreich hätten sich seine Flavonoide erwiesen, die wie Antioxidantien wirkten, erklärt der südafrikanische Chemiker Daneel Ferreira. Sie schützen den Menschen und seine Nahrung vor schädlichen Sauerstoffteilchen, sogenannten freien Radikalen. Diese werden für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich gemacht wie Arthritis, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Entzündungen und Krebs. Wenn die Abwehr gegen die freien Radikalen versagt, kommt es zu einem "oxidativen Stress". Ursachen können falsche Ernährung oder der Alterungsprozeß sein.

Heilsame Antioxidantien sind z.B. Vita-min C, Vitamin E und das b-Carotin. Auch anderen Substanzen, wie den "Flavonoiden", wird eine ähnliche Heilwirkung nachgesagt. Rooibos-Tee birgt zwölf flavonoidartige Substanzen. Ein enormes Potential, schreibt Ferreira in seinem Forschungsbericht. Weiter heißt es dort: "Die Beweise, die auf den therapeutischen Wert von Rooibos-Tee hindeuten, verleihen den Behauptungen, Rooibos-Tee sei gut gegen das Altern einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit."

Als erster auf ökologischen Pfaden:
Rooibos-Anbauer legt Giftspritze beiseite

Die Rooibos-Ernte beginnt jedes Jahr im Januar in der südafrikanischen Kapprovinz. Nur dort gedeiht die Leguminose, die mittlerweile auch nach den EU-Richtlinien des ökologischen Landbaus kultiviert und verarbeitet wird. Der schwäbische Teegroßhändler Oasis und ein südafrikanischer Farmer haben das Bio-Projekt auf den Weg gebracht.

Jakob drückt das wie ein Rasierpinsel auseinandergespreizte Geäst zwischen Achsel und Unterarm zusammen. Jetzt setzt der schwarze Landarbeiter seine Handsichel an. Ratsch. Ein kurzes Ziehen und die frischen grünen Zweige sind von den verholzten Stämmen getrennt. Rooibos-Ernte in den Cedarbergen westlich von Kapstadt: Ein halbes Dutzend Helfer werkeln zwischen den mannshohen Büschen. Über ihnen das grenzenlose Azur des Mittagshimmels. Nur das Hämmern des Traktorenmotors durchlöchert von Zeit zu Zeit die Stille. Dann bewegt Vorarbeiter William den Schlepper ein paar Meter weiter, um den vorwärtsdrängenden Schnittern zu folgen.
Die Hälfte von ihnen sind Tagelöhner und bleiben nicht länger als bis zur Ernte. Nach vier Tagen ziehen sie weiter auf die nächste Farm, um Weintrauben oder Orangen zu pflücken. "Calvinia, 100 Kilometer von hier entfernt", antwortet Jakob knapp auf die Frage, woher er komme. Scheu richtet der 25jährige seinen Blick auf irgendeinen imaginären Punkt am Boden und lächelt vorsichtig. Die dunkelgrüne Strickmütze hat sich der junge Mann tief in die Stirn gezogen und vermeidet peinlich genau einem der umstehenden Weißen ins Gesicht zu schauen. Auch nach dem Ende der Apartheid sind die Rassengrenzen noch fest markiert.

Die Ernte beginnt im Januar
Der burische Landwirt Sypie de Beer ist der Besitzer der Plantage. Er hat die Ernte hinausgezögert, denn meistens beginnen die Arbeiter im Januar damit, die gedrungenen Büsche abzusicheln. Jetzt ist bereits Mai, also Spätherbst in Südafrika. Gemeinsam mit seinem Kollegen Frans van der Westhuizen beobachtet Beer vom Feldrand aus, wie die letzten Rooibos-Zweige unter Dach und Fach gebracht werden. Westhuizen hat seine Teesäcke schon gefüllt. "Ein sehr ertragreiches Jahr, aber leider ist die Qualität nicht berauschend", bilanziert der 46jährige Farmer in gebrochenem Englisch. Seine Muttersprache ist das dem Niederländischen verwandte Afrikaans. '
' In seinem großgemusterten Hemd und der beigen Gabardinehose mit scharfer Bügelfalte erinnert Westhuizen ein bißchen an die Farmer aus US-Spielfilmen. Die diesjährige Ernte hat der semmelblonde Kapholländer abgehakt und fiebert schon der kommenden Saison entgegen. "Wir haben einen warmen, trockenen Wind" sagt er und erläutert fachmännisch "das bedeutet Regen." Seine Augen glänzen, als freue er sich auf ein Weihnachtsgeschenk.

Optimales Wetter, also Regen, gibt der nächsten Ernte einen zusätzlichen Kick. Und sie steht sowieso unter einem ganz besonderen Vorzeichen: Zum ersten Mal wird Westhuizen seine ökologisch angebauten Pflanzen beschneiden. Er hat seit kurzem ein EU-Zertifikat in der Tasche, das ihn mit Brief und Siegel zum Öko-Farmer macht und damit zum Vorreiter, denn Rooibos-Tee in kbA-Qualität gibt es bisher noch nicht.

Bio-Anbau ist relativ unproblematisch
Durch die Umstellung auf Bio-Anbau sieht er keine allzu großen Probleme auf sich zukommen. Rooibos-Tee gedeiht selbst auf konventionellen Plantagen unter relativ natürlichen Umständen. Der Hülsenfrüchtler wächst schließlich auch in der Wildnis. Er gehört zur hiesigen Feinbuschvegetation, die über den sandigen, humusarmen Böden wuchert. Ein Paradies für jeden Botaniker: Die weitläufige Macchia beherbergt 600 verschiedene Erika-Arten, Zwiebel- und Knollengewächse sowie die Protea, die stachelig rote Nationalblume Südafrikas. Begrenzt wird diese pittoreske Landschaft aus Hochebenen und breiten Tälern von Tafelbergen, die wie Wäschestücke am Horizont zu hängen scheinen.
Dennoch bedrängen die Rooibos-Pflanze auch ein paar Feinde. Als Schädling Nummer eins gilt die Blattlaus. Sie saugt das Chloropyhll aus den feinen Nadeln, so daß diese sich gelb verfärben. "Diese Yassids", nennt Westhuizen ärgerlich die afrikaanse Bezeichnung und nimmt einen befallenen Zweig in seine kräftigen Farmerhände "die richten enormen Schaden an."

Tricks gegen lästige Blattläuse
Und er erklärt weiter: Die konventionell arbeitenden Landwirte bekämpften das zudringliche Insekt mit synthetischen Pyrethroiden, die im kontrolliert biologischen Anbau nicht erlaubt sind. Deshalb versuche er, die Plagegeister auszutricksen. Da sie erst im Herbst über die Büsche herfallen, plant Westhuizen, seine Ernte so schnell wie möglich einzufahren.

Auf einer Schotterpiste geht es zum Hof des Biopioniers, der etwa eine Autostunde entfernt von den übrigen Rooibos-Plantagen liegt. Der robuste Kleinlaster des Teeanbauers jagt über Kies und Sand, durchquert menschenleere Landschaften und später das fruchtbare Zitronental, durch das sich der schmächtige Oliphants River schlängelt. Man merkt (und hofft), daß Westhuizen die Strecke wie seine Westentasche kennt, denn die Tachonadel hat sich erst bei 100 Stundenkilometern eingependelt. Der Wagen ächzt und poltert und hinter seiner Heckscheibe wirbeln meterhohe Staubschwaden in die Luft.

Am Ziel hat das Auge sofort das Wichtigste erfaßt. Ein Stall, ein Geräteschuppen, ein Wohnhaus, dessen Außentreppe geradewegs in den Himmel führt. "Es gab einmal einen zweiten Stock", beginnt der Hausherr zu erzählen und deutet auf die sinnlos gewordenen Steinstufen. Der Wind habe das Obergeschoß hinweggefegt. Stürme, die vom Meer kommend durch die Ebene fauchen und erst von den Gebirgsausläufern abgefangen werden, machen den Bauern hier zu schaffen.
Westhuizen lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in dieser unwirtlichen Gegend am Rande der Cedarberge. "Du mußt zum Farmer geboren sein", erklärt er, wie sich das Leben in dieser Einsamkeit ertragen läßt. Es ist ein Leben der weiten Wege. Meistens sei ihr Mann von morgens bis abends unterwegs, sagt Frau Westhuizen. Um die Tee-Ernte zum Fermentieren oder Sortieren zu bringen, sitzt er viele Stunden hinter dem Lenkrad. Und selbst Alltägliches wie Einkaufen und Schulbesuch bedeutet fahren, fahren, fahren. Graafwater heißt das nächste Dorf und ist gut zehn Kilometer entfernt, 25 Kilometer weiter liegt Clanwilliam.

Die 6 000 Seelen zählende Kleinstadt an der Nationalstraße nach Namibia nennt sich verheißungsvoll Rooibos-Zentrum. Was dieses Provinznetz zu bieten hat, hat der Neuankömmling schnell überblickt: zwei riesige Tankstationen bekannter Multikonzerne, ein Supermarkt, ein Hotel, ein Teesalon, ein Restaurant. Die Bewohner haben sich auf die Bedürfnisse der Transitreisenden und Farmer eingerichtet.

Was bewegt einen Landwirt aus dieser abgelegenen Gegend, europäischen Normen für biologischen Landbau zu ge- horchen? Natürlich wiegen vor allem wirtschaftliche Argumente schwer. Nachdem die Handelssperre gegen Südafrika aufgehoben ist, beliefern die Rooibos-Erzeuger alle Herren Länder. Wichtige Handelspartner sind Japan, Korea, Taiwan und Deutschland. Ein biologisch erzeugtes Produkt sichere einen Wettbewerbsvorteil, gibt sich Westhuizen überzeugt. Und selbstverständlich ist der studierte Agraringenieur auch stolz, als erster auf ökologischen Pfaden zu wandeln. "Ich möchte in die Geschichte eingehen", erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Seine Öko-Plantage mißt 80 Hektar. Sie befindet sich 500 Meter über dem Meeresspiegel und damit 200 Meter höher als die Weizenfelder, die sich im flachen Land erstrecken. Das hat einen einfachen Grund: Auf den Hügeln gedeiht der Rooibos besser. Es ist feuchter und der Boden nährstoffreicher.

Eine buckelige schmale Sandpiste windet sich in einem langen Bogen von der Farm auf den Bergrücken. Westhuizen steigt für diesen Weg in seinen Jeep, andere Fahrzeuge würden hier auf der Strecke bleiben. Und selbst der Geländewagen hat seine Mühe: In gefährlicher Schräglage kriecht er Meter um Meter hoch, vorbei an einem Felsvorsprung. Wie gestapelte Schuhkartons liegen die rotschimmernden Sandsteine aufeinander. Ein Springbock wird vom Motorengeheul aufgeschreckt und flieht in großen Sätzen. Angeblich hausen hier oben auch Wildkatzen und Paviane.

Nach 18 Monaten die erste Ernte
Endlich kommt das Rooibos-Feld in Sicht: Die halbmeterhohen Pflänzchen in mattem Grün, die dem Ginster ähneln, sind im Juli, also vor neun Monaten, ausgesetzt worden. Sie reihen sich zierlich in langen Linien aneinander. Es dauert 18 Monate, bis die Feldarbeiter ihre Schneidegeräte zum ersten Mal anlegen dürfen.

Um der Saat im Dickicht der Macchia überhaupt Platz zu verschaffen, hat der Farmer die Feinbuschvegetation abgebrannt. Normalerweise wird daraufhin der karge Boden mit Phosphat und Stickstoff hochgepäppelt. Die Teeanbauer pflanzen als erstes Roggen und Hafer und nach drei Jahren Rooibos. Westhuizen hat als Öko-Farmer auf Stickstoff verzichtet, lediglich natürlicher, nicht chemisch aufgeschlossener Phosphatdünger hat die humusarme Erde verbessert.
Die EU-Verordnung für ökologischen Landbau läßt ihn zu. Einziger Knackpunkt sind Westhuizens Setzlinge. Sie stammen aus konventioneller Zucht und haben eine viermonatige Behandlung mit Fungiziden und Pyrethroiden hinter sich. Andere Jungpflanzen gibt es nicht zu kaufen. Deshalb hat der Bio-Anbauer vorerst eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Er möchte allerdings selbst eine Versuchsreihe starten, um Sämlinge ohne Chemie zu produzieren.
Eine Rooibos-Pflanze lebt im Durchschnitt sieben Jahre. Nach eineinhalb Jahren wird sie zum ersten Mal von den Schnittern zurechtgestutzt, mit drei Jahren erreicht sie ihren Zenit. Danach geht es abwärts, die Erträge schrumpfen, bis die Leguminose stirbt. Kurz vor ihrem Tod färben sich ihre Nadeln rot, dieser Tatsache verdankt die Pflanze ihren Namen "Rooibos", zu deutsch Rotbusch. In sieben Jahren hat der langwurzlige Strauch seine Lebensbasis meist völlig ausgezerrt. Bakterien und Pilze nehmen im Boden überhand und er benötigt eine Erholungsphase von zwei bis drei Jahren. Roggen und Hafer sprießen nun.

Schneiden und Fermentieren: Wie aus der Pflanze Tee wird
Ernten, Fermentieren, Sortieren und Pasteurisieren lautet die Reihenfolge der Arbeitsschritte, die Rooibos-Tee durchläuft, bevor er in Säcke verpackt auf Reisen geht. Die Landarbeiter wickeln bereits auf dem Feld die abgeschnittenen Zweige in Jute-Säcke, um sie transportfähig zu machen. Die erste Station von Westhuizens Ware ist die Kromland-Farm, die in einem Gebirgstal liegt. Hier geht es ans Schneiden und Fermentieren.

Die Tabakschneidemaschine Nummer eins ist für die Öko-Ernte reserviert. Scharfe Messer zerhacken in wenigen Sekunden die langen Äste in halbzentimetergroße Schnipsel, die nach Tannenreisig duften. Anschließend häufen Arbeiter den Rooibos zu zehn Meter langen Reihen auf und bewässern ihn zwölf Stunden lang. Das Erzeugnis beginnt zu gären und wechselt seine Farbe: vom frischen Grün in das für Rooibos-Tee charakteristische Rostbraun. Das feuchtwarme Klima sorgt dafür, daß die Masse anfängt, süßlich zu riechen.

Nächster Arbeitsgang: Der fermentierte Tee trocknet unter freiem Himmel. Auf etwa 200 Quadratmeter großen Betonflächen, die von kniehohen Mäuerchen verbrämt sind, liegt er ausgebreitet da, um unter der afrikanischen Sonne zu schmoren. "Es ist wichtig, dünne Schichten auszustreuen, nicht dicker als zwei Zentimeter, denn je schneller der Tee trocknet, desto besser die Qualität", weiß Westhuizen.

Sortieren und Pasteurisieren
Die Qualitätsware wird in den Sortierfabriken vom Ausschuß getrennt. Hier greift Westhuizen wieder in den Produktionsprozeß ein. Denn er ist nicht nur Farmer, sondern auch stolzer Besitzer einer kleinen Sortierfabrik in der Nähe von Clanwilliam. Nur ein Maschendrahtzaun trennt das unauffällige Wellblechgebäude von der Wildnis. Eine Schotterstraße und ein Schienenstrang binden den Betrieb an die restliche Zivilisation an. Tagsüber biegt ein LKW nach dem anderen mit frisch fermentiertem Tee in die Einfahrt ein. Auf einer Brückenwaage wird die Fracht erst einmal gewogen. Mittlerweile ist es allerdings schon fast 16 Uhr und die Laster sind längst wieder auf dem Heimweg. Nur die gestapelten Säcke im Hof zeugen von ihrem Besuch.

Aus dem Innern des Fabrikgebäudes dringt aber immer noch ein Höllenlärm. Westhuizen führt seine Geräte vor. "Die meisten Maschinen, die hier rumstehen, habe ich selbst zusammengebastelt", kämpft seine Stimme gegen das Gedröhne und Gehämmere an. Der fermentierte Rooibos verschwindet zunächst in dicken Metallrohren. Der Tee wird maschinell durch drei verschiedene Siebe gejagt. Zunächst bleiben die dicken Teile hängen, dann sind die trockenen und hellen Stücke an der Reihe und nach der dritten Sortierung bleibt nur noch das beste zurück.

Die für gut befundene Ware landet in einer Kammer, die ein überdimensioniert erscheinender Bottich ausfüllt. Hier wird sterilisiert: Mit Hilfe von Dampf schnellt die Temperatur des Rooibos von 20 bis 25 auf 100 Grad hoch, so daß alle gefährlichen Keime zugrunde gehen. Das pasteurisierte Produkt rieselt in 20-Kilogramm-Säcke. In Güterwaggons reisen sie zunächst zum Con- tainerhafen nach Kapstadt. Von dort geht es mit den Schiffen in alle Kontinente. Bremen ist das Ziel für die Ware, die in deutschen Naturkostläden angeboten wird.
Astrid Möslinger


Ökologisch von Anfang an
"Ein Projekt mit Zukunft", so beurteilt Hermann Schopferer, der als Auditor dem Farmer im fernen Südafrika auf die Finger schaut, damit die EU-Richtlinien für kontrolliert biologischen Anbau eingehalten werden. Ein besonderes Lob spricht er dem ersten Öko-Teeanbauer Frans van der Westhuizen aus. Er sei engagiert und kompetent. Der Vorteil bei diesem Projekt bestehe darin, daß die Plantage und die Verarbeitungsbetriebe auf Herz und Nieren geprüft worden seien, bevor die Landarbeiter die erste Bio-Ernte einführen. Das erspare Mißverständisse und helfe die Farmer für biologischen Landbau zu sensibilisieren. Nun gehe es darum, zu erforschen, wie sich Sämlinge auf natürlichem Weg, also ohne Fungizid- und Pyrethroid-Behandlung aufziehen lassen.

"Nach dem Ende der Apartheid war der Weg frei"
"Rooibos gehört zu den Tees, die wir schon seit langem im Programm führen wollten", sagt Oasis-Chef Helmut Reusch, der das Öko-Projekt in der Kapprovinz initiiert hat. Er habe jedoch jahrelang diesen Wunsch zurück- gestellt, weil er aus Überzeugung keine Geschäftsbeziehung zu Südafrika aufnehmen wollte. Mit Ende der Apartheid sei dann der Weg frei geworden. Rooibos als Produkt überzeugt den Teehändler voll und ganz. Einfach in Herstellung und Zubereitung biete es ein ganz besonderes Geschmackserlebnis. Aber auch persönliche Kontakte verbinden Reusch mit dem Projekt. "Mich beeindruckt wie die Menschen gemeinsam daran gegangen sind, das Land neu zu ordnen. Alle sind, so scheint es mir, im Aufbruch und wollen dieses Land voranbringen."

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