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Problemfrucht Avocado

Sie sind beliebt wie nie und gelten gar als Superfood. Doch sie haben eine schlechte Öko-Bilanz. Woher kommen Avocados? Wie werden sie angebaut? Und schneiden Avocados aus biologischem Anbau besser ab?

01.03.2017 vonLeo Frühschütz

Sie sind beliebt wie nie und gelten gar als Superfood. Doch sie haben eine schlechte Öko-Bilanz. Woher kommen Avocados? Wie werden sie angebaut? Und schneiden Avocados aus biologischem Anbau besser ab?

Schön ist die Avocado ja nicht gerade, birnenförmig und mit grün-lila Knubbelschale. Aber der Inhalt überzeugt: buttrig-weich, leicht nussig im Geschmack, vielfältig in der Küche einsetzbar und so gesund. Avocados enthalten reichlich ungesättigte Fettsäuren, Folsäure, Niacin, Vitamin E, Kalium und wertvolle Aminosäuren. Kein Wunder also, dass sich der Avocado-Verbrauch in der EU in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat.

Doch die steigende Nachfrage hat auch Folgen, vor allem für die Umwelt. Avocados brauchen viel Wasser und sie reisen weit, bis sie bei uns sind. Das schadet dem Klima und kratzt am Image des Superfood. Die Frage, die sich viele Kunden stellen: Sieht die Sozial- und Ökobilanz bei Bio-Avocados besser aus als bei den konventionellen Früchten?

Anbaugebiet entscheidet über Ökobilanz

Egal ob konventionell oder bio: Die Avocado benötigt viel Sonne, aber auch viel Wasser. Das macht den Anbau in trockenen Ländern sehr bewässerungsintensiv. Da können für ein Kilogramm Avocados schon mal 1000 Liter Wasser notwendig sein. Das entspricht sieben vollen Badewannen. Wasser, das aus Flüssen abgeleitet oder aus dem Grundwasser hochgepumpt werden muss – und dann womöglich anderswo fehlt.

Wichtig für die Öko-Bilanz einer Avocado ist deshalb das Klima vor Ort. An sehr trockenen Standorten wie in Südafrika oder Israel ist der Bedarf an Bewässerung weitaus höher als in tropischen Gebieten mit mehr Niederschlag. Avocados im Bio-Laden kommen vor allem aus Spanien, Peru und Kenia, kleinere Mengen auch aus Chile, Argentinien und Mexiko. Kaum eine Rolle im Bio-Laden spielen Südafrika und Israel als Herkunftsländer.

Wasserverbrauch beim Avocado-Anbau

„Unsere Erzeuger in Peru sind kleine Bauern, die durchschnittlich zwei Hektar Fläche bewirtschaften“, sagt Udo Buerk, der beim Importeur Biotropic die Qualitätssicherung und das Projektmanagement leitet. Die Bauern dort müssen die Bäume zwar bewässern, das Wasser dafür komme von den Bergen und sei nicht knapp. „Zumeist setzen die Bauern Tröpfchenbewässerung ein, sie wollen und müssen ja auch sparen“, erklärt Buerk. Der Fokus der Agraringenieure von Biotropic liege zwar traditionell auf der Bio-Anbauberatung und -kontrolle, seit einiger Zeit achten sie jedoch verstärkt auch auf Wasserverbrauch und Sozialstandards.

In Spanien ist der Wasserverbrauch für Bio-Produkte schon länger ein Thema, weil Umweltorganisationen wie der WWF seit Jahren die sinkenden Grundwasserspiegel in den großen und trockenen Gemüseanbaugebieten thematisieren. Frank Rieflin, Vertriebsleiter beim Bio-Importeur Naturkost Schramm, hatte deshalb schnell eine Stellungnahme seines größten Avocado-Lieferanten zur Hand. Enrique Morales, der Betreiber der Finca Jalhuca, hat für zwei Standorte in Andalusien und im regenreicheren Cadiz den Bewässerungsbedarf errechnet und kommt auf 585 und 154 Liter je Kilogramm Avocado. „Alle diese Zahlen sind natürlich grob gerechnet. Jede Finca ist eine eigene kleine Welt“, fügte er seiner Stellungnahme hinzu.

Ohne Bewässerung kommen Kleinbauern in Ostafrika aus, denn dort regnet es genug. Von Ostafrika bezieht der Biofair-Händler Kipepeo seine Avocados. Der niederländische Importeur Eosta arbeitet unter anderem mit drei kenianischen Firmen zusammen, die die Bio-Erzeugnisse von Kleinbauern für den europäischen Markt bündeln.

Transportwege auch bei Bio-Avocados weit

Bio-Avocados haben dieselben langen Wege wie konventionelle. Avocados aus Übersee kommen per Schiff, die spanischen per Lkw nach Deutschland. Hochgerechnet auf die einzelne Frucht ist der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid nicht so hoch. Dennoch gilt für Avocados dasselbe wie für Ananas, Bananen und andere Früchte aus Übersee: Sie sollten ein Genuss- und kein Grundnahrungsmittel sein. Am besten für die Umwelt und die Menschen vor Ort ist, wenn die Früchte aus saisonalem Bio-Anbau stammen.

Avocado vom Kleinbauer oder von der Plantage?

Die Beispiele zeigen, dass die für Bio-Läden relevanten Avocado-Importeure mit bäuerlichen Erzeugern und oft auch mit Kleinbauern zusammenarbeiten. Diese verdienen dadurch zusätzliches Geld, das sie investieren können, etwa in die Ausbildung ihrer Kinder. Ihre Avocado-Bäume wachsen in Mischkultur mit anderen Früchten oder in kleinen Parzellen. Allerdings werden nicht alle Bio-Avocados in solchen Strukturen erzeugt. Große Produzenten in Südafrika oder Südamerika bauen nicht nur konventionelle Avocados in riesigen Monokulturen an, sondern auch Bio-Früchte – meist zu günstigeren Preisen, als es ein Kleinbauer kann.

Ein anderes Problem, das der Avocadoboom mit sich bringt, wird in Mexiko deutlich. Das Land ist mengenmäßig das wichtigste Anbauland. Um die steigende Nachfrage vor allem aus Nordamerika zu decken, holzen Bauern dort illegal Wälder ab, um neue Anbauflächen zu gewinnen. Der Einsatz von Pestiziden hingegen ist im konventionellen Anbau nicht das größte Problem. Durch die dicke, ledrige Schale sind die Früchte von Natur aus gut vor Insekten geschützt.

Avocado: Ein Superfood

  • Die Avocado (Persea americana, auch Persea gratissima) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lorbeergewächse.
  • Der Name Avocado geht auf das aztekische Wort „Ahuacatl“ für Hoden zurück. Avocados werden auch als Alligatorbirne oder Butterfrucht bezeichnet. Die Avocado ist eine Frucht, genauer: eine Beere. Sie zeichnet sich durch die Form einer Birne, grünes Fruchtfleisch und einen großen braunen Kern aus. Für Obst hat die Avocado einen hohen Anteil an Fett. Ihr Konsistenz ist außen ledrig, innen butterweich.
  • Der ursprünglich aus Mexiko stammende Avocadobaum wächst heute in vielen subtropischen Ländern. Früchte trägt er nach vier Jahren. Sie werden unreif geerntet, verschifft und sollten zuhause in der Obstschüssel nachreifen, nicht im Kühlschrank.
  • Für konventionelle Avocados gibt es eigene Reifereien, in denen sie zum Nachreifen gelagert werden und aus denen die Früchte bereit für den Verzehr in die Supermarktregale geliefert werden.
  • Von den 400 verschiedenen Sorten werden vor allem zwei für den Export angebaut: Fuerte-Avocado haben eine gleichbleibend grüne, fast glatte Schale. Hass-Avocados hingegen zeichnen sich durch eine knubbelige Schale aus, die mit dunkler wird je reifer sie ist.

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