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Interview mit Prof. Dr. med. Olaf Adam

Prof. Dr. med. Olaf Adam ist Ernährungswissenschaftler am Walther-Straub-Institut der Universität München. Er hat sich unter anderem mit Ernährungstherapien bei chronischen Schmerzen durch Rheuma befasst.
01.06.2003
Prof. Dr. med. Olaf Adam ist Ernährungswissenschaftler am Walther-Straub-Institut der Universität München. Er hat sich unter anderem mit Ernährungstherapien bei chronischen Schmerzen durch Rheuma befasst.

Die richtige Ernährung kann Rheuma-Schmerzen lindern

Prof. Dr. med. Olaf Adam ist Ernährungswissenschaftler am Walther-Straub-Institut der Universität München. Er hat sich unter anderem mit Ernährungstherapien bei chronischen Schmerzen durch Rheuma befasst.

! : Rheuma ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen mit meist heftigen Schmerzen vor allem in den Gelenken und der Wirbelsäule, aber auch in den Weichteilen und Muskeln. Bei entzündlichem Rheuma, also den verschiedenen Formen der Arthritis, spielt die Ernährung eine große Rolle. Denn die Schmerzen und die Schwellung der Gelenke werden durch entzündungsfördernde Botenstoffe verursacht, die aus Arachidonsäure gebildet werden. Diese Fettsäure kommt nur in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs vor, wird aber auch in geringen Mengen im menschlichen Körper selbst hergestellt. Kommen mit der Nahrung aus tierischen Produkten mehr als 350 Milligramm in der Woche dazu, wird dieser Überschuss an Arachidonsäure zur Bildung dieser entzündungsfördernden Eicosanoide verwendet.

? Was bedeutet das konkret für den Speiseplan?

! : Arachidonsäure kommt in Fleisch, Eiern und Milchprodukten vor. Mit zwei kleinen Fleischmahlzeiten und zwei Eiern pro Woche, täglich einem halben Liter fettarmer Milch und Milchprodukten, etwa zwei Scheiben Käse, ist die wünschenswerte Wochendosis nicht überschritten. Studien haben gezeigt, dass Vegetarier deutlich seltener an Arthritis erkranken, ebenso Menschen, die traditionell sehr viel Fisch essen, wie die Grönlandeskimos. Denn Arachidonsäure kann im Körper durch die Eicosapentatensäure (EPA), eine Fettsäure des Fischöls, verdrängt werden. Fisch auf dem Speiseplan ist also hilfreich, ebenso wie Lein-, Raps-, Walnuss- oder Weizenkeimöl. Diese Öle enthalten viel Alpha-Linolen-Säure, die im Körper zu EPA umgewandelt wird. Eine entsprechende Ernährung zeigt nach zwei Monaten eine deutliche Verbesserung der Entzündung. Eine vollständige Heilung durch Ernährungsumstellung ist in der Regel nicht möglich.

? Kann auch eine Fastenkur helfen?

! : Wer zwei bis drei Tage lang nur mineralstoffreiche Flüssigkeit zu sich nimmt, kann eine Besserung der Entzündung erreichen. Doch verstärkt sich dadurch auch die Mangel- oder Fehlernährung, an der 40 Prozent der Rheumakranken leiden. Wichtig ist eine vollwertige Ernährung nach den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Besonders beachten sollten Rheumakranke, dass sie genug Calcium zu sich nehmen, sich phosphatarm ernähren und möglichst täglich an der frischen Luft sind, um die Vitamin-D-Bildung anzuregen. Dies alles dient der Vorbeugung von Knochenschwund, denn die Osteoporose kann als Folge einer rheumatischen Erkrankung auftreten. n

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