Jeden Tag eine gute Entscheidung. Für eine bessere Welt. Für uns alle.
Leben

Einblick

Die moderne Ernährungswissenschaft hat lange gebraucht, um einzusehen, dass der Mensch kein Ofen ist, der Kalorien verbrennt. Von der Komplexität des Essens und Verdauens haben Mediziner aber nach wie vor nur einen vagen Begriff.
01.11.1999
Die moderne Ernährungswissenschaft hat lange gebraucht, um einzusehen, dass der Mensch kein Ofen ist, der Kalorien verbrennt. Von der Komplexität des Essens und Verdauens haben Mediziner aber nach wie vor nur einen vagen Begriff.

Die Farbe der Nahrung

Die moderne Ernährungswissenschaft hat lange gebraucht, um einzusehen, dass der Mensch kein Ofen ist, der Kalorien verbrennt. Von der Komplexität des Essens und Verdauens haben Mediziner aber nach wie vor nur einen vagen Begriff. Der Versuch, die meist aufs Grobstoffliche zielenden Ansätze zu überwinden, ist daher lobenswert. In seinem Buch "Warum wir rote Äpfel lieben", (Kösel-Verlag, München 1999, 199 Seiten, ISBN 3-466-34410-7, DM 38,-.) geht Diethard Stelzl der Bedeutung von Licht und Farben in unserer Nahrung auf den Grund.

Warum Licht Leben ist und wie verschiedene Farben auf den Menschen wirken, erklärt Stelzl ausführlich. Seine Informationen über Stoffwechselvorgänge und einzelne Nährstoffe kann man allerdings überall nachlesen. Der Autor ordnet auch Vitaminen und Mineralstoffen bestimmte Farben zu und gibt Ernährungsempfehlungen für Krankheiten von Alzheimer bis Schuppenflechte.

Auf der einen Seite beruft sich Stelzl auf moderne Wissenschaftler wie den Biophotonenforscher Fritz-Albert Popp und verleiht seinen Argumenten damit Plausibilität. Andererseits benutzt er allzu häufig Vokabeln aus dem Dunstkreis der Esoterik und stellt bloße Spekulationen als Tatsachen dar. Dass Stelzl zur Ermittlung individuell bekömmlicher Speisen das Pendel bevorzugt, könnte abschrecken. Und wer wird so weit gehen, die Farben seiner Nahrungsmittel jeden Tag aufs Neue am herrschenden Planeten auszurichten?

Trotzdem dürfte die Mehlzahl der Leser von Diethard Stelzl etwas Wesentliches lernen: Seine mit vielen schönen Farbfotos bebilderte Schrift macht deutlich, dass in echten Lebensmiiteln viel mehr steckt, als Laboranalytiker sehen können. Dass unser Wohlergehen nicht nur von chemischen Prozessen abhängt, lässt sich kaum bestreiten. Ob wir die nicht-materiellen Einflüsse "kosmische Urinformation" nennen oder lieber sprachlos bleiben, spielt keine Rolle.

Hans Krautstein

Kräuterzigaretten sind keine Alternative

"Kräuterzigaretten sind ebenso schädlich wie andere Glimmstängel und daher als 'gesünderer' Ersatz oder gar als Entwöhnungshilfe nicht geeignet". Zu diesem Urteil kommt der Mediziner Gerd Glaeske im Pressedienst Gesundheitder Barmer Ersatzkasse. Zwar enthielten Kräuterzigaretten kein Nikotin, jedoch fast alle anderen schädlichen Stoffe, die beim Rauchen entstehen. Phenole, Schwermetalle und Benzol seien nur drei von insgesamt 4000 chemischen Substanzen, die sich im Tabakrauch finden. Wer Kräuterzigaretten dauernd konsumiere, müsse mit den gleichen Langzeitschäden rechnen wie Tabakraucher. In deren Krankheitsstatistik spielten Lungenkrebs, Herzinfarkt und Atemwegserkrankungen nach wie vor eine zentrale Rolle.

Wer das Rauchen aufgeben will, sollte besser auf Nikotinpflaster, Kaugummis oder Nasensprays zurückgreifen, rät Glaeske. Auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen könnten helfen, die Sucht zu überwinden.

Halskrausen ade?

Wer nach einem Schleudertrauma eine Halskrause trägt, tut seiner Gesundheit offenbar keinen Gefallen. Professor Joachim Grifka von der Universität Bochum übte nach Auswertung internationaler Studien deutliche Kritik an der gängigen Behandlung. Die Manschette verringere die Beweglichkeit des Halses und bringe die Patienten in einen Teufelskreis aus Schonung, Verspannung und Muskelschwäche vor allem dann, wenn sie länger getragen werde.

Klinikessen macht krank

Was die Spatzen seit langem von den Dächern pfeifen, fanden Wissenschaftler der Universität Hohenheim jetzt nach umfangreichen Tests bestätigt: Das Essen im Krankenhaus lässt nicht nur kulinarisch zu wünschen übrig, es ist auch ungesund. Am Klinikum der Uni Freiburg wurden ein Jahr lang regelmäßig Proben von den Mahlzeiten gezogen und im Labor auf ihren Nährstoffgehalt untersucht. Das traurige Ergebnis: Die Energiezufuhr lag rund 25 Prozent über dem Richtwert von 1800 Kilokalorien, besonders auffallend war das Überangebot an Eiweiß und Fett. Bei Obst und Gemüse hingegen stellten die Experten große Defizite fest, was die niedrigen Werte bei den Mineralstoffen Magnesium, Calcium, Eisen und Zink erklärt. Vitamine wurden in der Studie nicht berücksichtigt, doch vermuten die Ärzte auch hier eine Mangelsituation.

Dass die Freiburger Klinik kein Einzelfall ist, zeigt eine Studie des Göttinger Ernährungsmediziners Peter Schauder, der gemeinsam mit der niedersächsischen Ärztekammer 45 Krankenhäuser unter die Lupe nahm. Das Ergebnis auch hier: Zu viel Fett und Eiweiß, zu wenig Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Die durchschnittliche Nährstoff-Zusammensetzung wich deutlich von den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab. Verheerend kann sich dies besonders auf alte Menschen über 75 auswirken, die nach Angaben des Heidelberger Mediziners Günter Schlierf in der Mehrzahl schon vor dem Eintritt in die Klinik unterernährt sind.

Bisher zeigen die Krankenhausträger wenig Bereitschaft zum Umdenken. Dennoch gibt es positive Ansätze. Vor allem Kliniken für Naturheilverfahren, aber auch andere Einrichtungen stellen die Verpflegung um. So bringt die Heidelberger Frauenklinik Sankt Elisabeth seit drei Jahren nur noch Obst und Gemüse aus Bioanbau auf den Tisch. Auch im evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende stammen die Zutaten zu diversen Vollwertmenüs aus ökologischer Landwirtschaft.

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge