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Die technische Homöopathie"

Sanfte Heilmethoden haben Konjunktur. So auch die Bioresonanztherapie, die mit feinstofflichen Informationen ('Schwingungen') zu heilen versucht und dafür spezielle Geräte benötigt. Von der Schulmedizin wird sie abgelehnt und für wirkungslos erklärt.
01.11.1998
Sanfte Heilmethoden haben Konjunktur. So auch die Bioresonanztherapie, die mit feinstofflichen Informationen ('Schwingungen') zu heilen versucht und dafür spezielle Geräte benötigt. Von der Schulmedizin wird sie abgelehnt und für wirkungslos erklärt.

Bioresonanz-Therapie

Sanfte Heilmethoden haben Konjunktur. So auch die Bioresonanztherapie, die mit feinstofflichen Informationen ("Schwingungen") zu heilen versucht und dafür spezielle Geräte benötigt. Von der Schulmedizin wird sie abgelehnt und für wirkungslos erklärt. Ihre Anhänger dagegen verweisen auf deutliche Behandlungserfolge bei chronischen Krankheiten und vor allem bei Allergien.

Die Verwirrung um die Bioresonanztherapie beginnt bereits mit dem Begriff. Obwohl er klar erkennbar eine Behandlungsmethode bezeichnet und keine Form der Diagnostik, vermischen viele Wortbenutzer beide Bereiche in unangemessener Weise. Vermeintlich seriöse Wissenschaftler machen da keine Ausnahme. Voreingenommene Kritiker schlagen auf die Bioresonanztherapie ein, zielen aber mehr auf die Art der Diagnosefindung, die sie damit verbinden.

Manche Gerätehersteller sind an der Konfusion nicht ganz unschuldig, denn sie haben mit falschen Versprechungen beim Patienten übertriebene Hoffnungen geweckt. Wo die Meinungen von Gegnern und Befürwortern zwischen Vorurteil und Legendenbildung hin und her pendeln, tut sachliche Aufklärung besonders Not.

Mit dem Gerät von Morell und Rasche (MORA) fing alles an

Die Grundlagen für den heute unter dem Namen Bioresonanztherapie (BRT) bekannten Behandlungsansatz wurden von dem Arzt Franz Morell entwickelt. Er ging von der Erkenntnis aus, daß jeder lebende Organismus feine elektro-magnetische Signale erzeugt, die seine biochemischen Reaktionen und damit die gesamte Lebenstätigkeit steuern. Jeder Körper hat bis hinein in die kleinste Zelle sein spezifisches Schwingungsmuster, das im Falle einer Erkrankung die Balance verliert. Diese "patienteneigenen Schwingungen" versuchte Morell therapeutisch nutzbar zu machen, indem er gemeinsam mit dem Physiker Erich Rasche ein Gerät entwickelte, das die negativ veränderten Frequenzen des Patienten über eine Handelektrode aufnimmt ("mißt"), sie moduliert und die so gefilterte Information über eine zweite Elektrode an den Kranken zurückgibt.

Durch die Aktivierung der Selbstheilungskräfte soll der Körper von pathogenen Einflüssen entlastet werden. Im Idealfall soll es sogar gelingen, die mit einer Erkrankung einhergehenden "Störschwingungen" vollständig zu "löschen". Die nach den beiden Entdeckern benannte MORA-Therapie ist keine Elektrotherapie (wie etwa die Magnetfeldtherapie), denn sie setzt den Kranken keiner Fremdenergie aus, sondern führt ihm lediglich seine eigenen, umgewandelten Schwingungen zu. Von diesem Vorgang spürt der Patient während der Behandlung in der Regel nichts.

Das MORA-Gerät kam 1977 als "Prototyp" auf den Markt, später zogen andere Hersteller mit vergleichbaren Apparaturen nach. Der Ausdruck Bioresonanztherapie wurde erst Mitte der achtziger Jahre in Zusammenhang mit dem Bicom-Gerät der Firma Brüggemann populär (siehe Kasten, Seite xxx). Neuerdings ist zunehmend auch von Biophysikalischer Informationstherapie (BIT) oder - übergreifend - von Biokybernetischer Medizin die Rede.

Trotz gemeinsamer Wurzeln unterscheiden sich die Angebote nicht nur in punkto Technik, sondern auch in der Anwendung. Reine Therapiegeräte sind selten, viel häufiger werden die Apparaturen zusätzlich mit einem Meßteil versehen. Dieser arbeitet jedoch nicht mit dem Phänomen der Bioresonanz, sondern mit der Elektro-Akupunktur nach Voll (EAV). Die EAV stützt sich auf Erfahrungen der chinesischen Medizin und begreift sich als moderne Weiterentwicklung der klassischen Akupunktur. Hierbei wird die Leitfähigkeit des Gewebes (Hautwiderstand) an den Endpunkten der Meridiane (am Nagelfalz der Hände oder Füße) gemessen. Krankhafte Veränderungen lassen sich in physikalischen Einheiten per Zeigerausschlag darstellen. Die EAV oder die eng mit ihr verwandte Bioelektrische Funktionsdiagnostik (BFD), so heißt es, haben sich besonders bei der Allergietestung bewährt. Auch Belastungen durch Zahnmetalle und andere potentielle oder tatsächliche Gifte können ebenso wie Nährstoffdefizite und energetische Blockaden auf diesem Wege ermittelt werden.

Die Heilfrequenzen produziert der kranke Körper selbst

Die Vermutung, daß bei der Krankheitsentstehung neben grobstofflichen Einflüssen subtile immaterielle Reize eine große Rolle spielen, wird zumindest für Alternativmediziner allmählich zur Gewißheit. Wenn sich Krankheit stets auch in veränderten Schwingungsmustern manifestiert, scheint es nur konsequent, sie mit ähnlich gearteten Informationsströmen zu behandeln. Nur mit ihnen tritt der kranke Körper nämlich in Resonanz. Weil die Parallele zur homöopathischen Methode unübersehbar ist, spricht der 1. Vorsitzende der Internationalen Ärztegesellschaft für Biophysikalische Informationstherapie, Bodo Köhler, auch gerne von "technischer Homöopathie".

Die naive Hoffnung, Allergien oder andere Fehlreaktionen des Körpers ließen sich durch Invertierung per Knopfdruck dauerhaft löschen, verweist der Internist und Facharzt für Naturheilverfahren jedoch ins Reich der Phantasie. Derartige Versprechungen hatten seinerzeit wahren Wunderglauben geweckt und einen Run auf die Bioresonanztherapie ausgelöst. Das "Riesengeschäft auf Kosten der Seriosität" habe der Glaubwürdigkeit der Methode und ihrer Anwender genauso geschadet wie der mehrfach geäußerte Vorwurf der Unterwanderung durch Scientology.

"Es gibt keinen Löscheffekt. Wir schicken nur Informationen ans Immunsystem, die Heilfrequenzen produziert der Körper selbst", sagt Köhler. Er sieht in allergischen Erkrankungen ohnehin nur eine von vielen möglichen Indikationen für die BIT und möchte sie auch nicht auf chronische Leiden beschränkt sehen. Den Fall eines apathischen Kindes mit doppelseitiger Lungenentzündung, das noch während der Behandlung zum Spielzeug griff und nach drei Tagen kuriert war, nennt er als Beispiel für die Wirksamkeit bei Akutzuständen.

Eine Domäne der BIT sei zudem die Ausleitung von Giften. Selbst bei Krebs könne man die Lebensqualität verbessern und Schmerzen lindern. Grenzen seien allerdings dort gesetzt, wo der Organismus extrem ausgezehrt und nicht mehr zu einer Eigenregulation fähig sei.

Die Arbeit mit patienteneigenen Schwingungen bezeichnet Köhler als endogene BIT im Unterschied zur exogenen BIT, bei der die heilenden Frequenzen von Farben, Klängen, Mineralien oder Edelsteinen mittels schwacher Magnetfelder auf den Kranken übertragen werden. Daß Bioresonanz-Geräte auch in der Lage sein sollen, nicht nur die Informationen von Fremd-Medikamenten in den Körper zu schleusen, sondern aus den spezifischen Patientenschwingungen auch individuell abgestimmte Arzneien "herzustellen", eröffnet neue Perspektiven. Ausgesprochene Kontraindikationen stehen nicht auf Köhlers Liste, doch rät er Schwangeren vorsichtshalber zur Therapie-Abstinenz.

"Geräte sind dumm, das Phänomen ist der Mensch"

Peter Pilgram, Geschäftsführer des Pionier-Unternehmens MedTronik, das nach wie vor das MORA-Gerät herstellt, ist da weniger skeptisch. "Ich kenne Gynäkologen, die mit MORA arbeiten." Eine Verwandte sei auf diesem Wege von ihrer Unfruchtbarkeit befreit worden. Wie die meisten seiner Kollegen betrachtet Pilgram die MORA-Therapie aber nicht als Allheilmittel, denn nur in Kombination mit anderen Verfahren sei sie wirklich effektiv. Mit der Differentialmeßtechnik, die seine Firma als einziger Hersteller verwende, seien auch die im Rahmen der Diagnostik gewonnenen Meßergebnisse objektivierbar.

Heike Backes von VEGA Grieshaber hebt dagegen das kaum auszuschaltende subjektive Moment hervor: "Jeder Test ist nur so gut wie die Person, die ihn ausführt." Intensive Schulungen bereiten Anfänger auf diese schwierige Aufgabe vor. VEGA Grieshaber hat sich auf BFD-Testung (also die Diagnose per Elektroakupunktur) spezialisiert und bietet keine Kombiapparate an. Ganz anders Rayonex, dessen Bioresonator Diagnose und Therapie vereinigt. Auch hier komme es auf die "Fühligkeit des Therapeuten" an. Mit einem Detektor (ohne EAV) greift man Dissonanzen beim Patienten ab, die per Sensor angezeigt und anschließend gespeichert werden. Der Rayocomp besitzt einen Mikroprozessor und kann mit weiteren Geräten vernetzt werden.

Ausgefeilt und kompliziert ist nicht nur die Technik, sondern bisweilen auch die Sprache der Hersteller. Einer vergleicht die Bioresonanz-Therapie mit der Reparatur fehlerhafter Programme eines Computersystems. Der Biosignalmodulator von Pulsamed soll bioenergetische Störsignale des Patienten polar umkehren und so "das physikalische Prinzip der Summenkurvenauslöschung durch Interferenz" nutzen.

Pulsamed hat nur ein Therapiegerät im Programm. Außendienstmitarbeiter Ingo Rücker mißtraut der Testung, vor allem der These, ein technisches Instrument könne zwischen gesunder und krankhafter Schwingung unterscheiden. "Geräte sind dumm, das eigentliche Phänomen ist der Mensch."

Daß der in den Hintergrund zu geraten drohe, hatte der Ganzheitsmediziner Max Otto Bruker bereits vor Jahren beklagt. "Wer testet, ist ein schlechter Diagnostiker", meinte Bruker mit konkretem Blick auf die Bioresonanz-Methode und die allgemeine Überbewertung von Labordaten. Die gründliche Anamnese und das Gespräch mit dem Patienten kämen dabei zu kurz. Daß er sich mit seiner altmodischen Haltung nicht nur Freunde machte, war ihm bewußt.

Unseriöse Kritiker bei der Stiftung Warentest?

Brukers Ablehnung stützt sich aber auch auf die Einschätzung anderer Wissenschaftler. "Die Bioresonanztherapie muß als Spekulation und Irreführung der Patienten gelten", behauptet die Stiftung Warentest in ihrem Skript über "unkonventionelle Methoden und Therapien". Klinische Kontrollstudien an Pollenallergikern hätten ergeben, daß die Bioresonanz-Methode "zur Diagnostik allergischer Erkrankungen ungeeignet ist und keinen therapeutischen Effekt hat." Das Negativ-Urteil gipfelt in dem pauschalen Vorwurf, das Konzept widerspreche den Erkenntnissen der Physik.

Peter Pilgram weist die Kritik energisch zurück. Die Autoren hätten sich "nie ernsthaft mit der Methode beschäftigt". Ihre Ignoranz zeige sich allein darin, daß sie völlig übersehen hätten, daß mit Erich Rasche einer ihrer Erfinder noch lebt. Eine saubere Recherche an der Quelle habe es nie gegeben.

Noch deutlichere Worte findet Fritz-Albert Popp, Leiter des Instituts für Biophysik in Kaiserslautern. "Die Kritiker sind wesentlich unseriöser als diejenigen, denen sie mangelnde Seriosität nachweisen wollen." Getäuscht worden sei auch die angesehene Stiftung Warentest, die im "blinden Vertrauen auf Titel" auf vorurteilsbeladene und inkompetente "Fachleute" hereingefallen sei. Popp selbst hatte gehofft, den Beweis für die Wirksamkeit der Bioresonanz-Methode zu erbringen. Dies ist ihm nach eigener Aussage zumindest vorläufig nicht gelungen, "die Experimente verliefen negativ".

Trotzdem sei das, was in den Gedankenmodellen der Bioresonanz-Befürworter beschrieben werde, "physikalisch möglich". Etwa im Sinne einer Phasenumkehr elektromagnetischer Wellen und einer Rückkoppelung beim Patienten. Den gelegentlichen Versuch, einzelnen (gesunden) Organen exakt definierte Frequenzen zuzuordnen und diese therapeutisch einzusetzen, hält Popp jedoch für "äußerst gewagt". Daß es sich bei den fraglichen Schwingungen meist um breite Frequenzbänder handele, die sich durch individuelle Merkmale verändern, werde übersehen.

Viele Erfolgsberichte: Alles nur Placebo?

"Wir wollen die Bioresonanztherapie zur Akzeptanz in der Schulmedizin führen", sagt Peter Pilgram von Med-Tronic. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Streit um die Wirksamkeit bioenergetischer Verfahren geht weiter, jedem ablehnenden Gutachten stehen zahlreiche Studien gegenüber, die positiv ausfallen. Eine Einigung unter Wissenschaftlern ist nicht in Sicht. Zu tief sitzt das Mißtrauen der ärztlichen Standesvertreter, zu materialistisch ist das Menschenbild der orthodoxen Medizin. Leidtragender ist wie so oft der Patient, denn die Therapie mit patienteneigenen Schwingungen wird auch dann nicht von den Kassen bezahlt, wenn sie nachweisbar erfolgreich war.

Auch wenn viele Phänomene theoretisch (noch?) nicht erklärbar sind und sich bei Anwendern wie Patienten hin und wieder mystische Spekulationen in nachvollziehbare Überlegungen mischen, gibt der Erfolg der Methode doch in der Praxis häufiger recht, als ihren Gegnern lieb sein dürfte. Tausende von gelungenen Behandlungen als reine Placebo-Effekte abzutun, wäre zu einfach. Eine universelle Wunderwaffe, wie von manchem erwartet, ist die Bioresonanztherapie aber deshalb nicht.

Hans Krautstein


Scientology-Vorwurf:
Schmaler Grat zwischen Fakten und Verleumdung

Die Bioresonanztherapie wurde in der Vergangenheit wiederholt in die Nähe von Scientology gerückt und damit zu diskreditieren versucht. Die These, die gesamte Szene sei durch Mitglieder der umstrittenen Sekte unterwandert, ist in ihrer Allgemeinheit schlichtweg unsinnig. Wahr ist aber, daß sich der Chef der früheren Firma Brüggemann auf Nachfrage offenals Scientologe zu erkennen gab. Inzwischen hat er aber das Unternehmen verlassen und an neue Inhaber verkauft. Die Nachfolge-Firma Regumed bietet ihren Kunden die bewährten Bicom-Geräte für die Resonanztherapie an. Regumed weist jeden Verdacht einer Verbindung mit Scientology weit von sich. Hierzu sollen auch eidesstattliche Erklärungen vorliegen.

"Wer ein Scharlatan ist und wer nicht, ist selbst für Insider nur schwer zu durchschauen", meint Fritz-Albert Popp. Auch er sei schon mit dem Scientology-Vorwurf konfrontiert worden, obwohl er persönlich niemanden kenne, auf den er zutreffe. Die Konkurrenz ist groß, die Zahl der Verleumder anscheinend ebenso.


Literatur zum Thema

Bodo Köhler: Biophysikalische Informationstherapie, Gustav Fischer Verlag, Ulm 1997, 324 Seiten, DM 76,-.

Franz Morell: MORA-Therapie, Patienteneigene und Farbschwingungen, Haug-Verlag, Heidelberg 1995, 182 Seiten, DM 34,80.

Gerhard L. Rummel: Bioresonanz - Die große Chance, Mosaik Verlag, München 1998, 95 Seiten, DM 19,90.

Krista Federspiel/Vera Herbst: Handbuch - Die andere Medizin, Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden, Stiftung Warentest (Hrsg.), Berlin 1996, 383 Seiten, DM 49,-


Kontakte

Heilpraktiker-Gesellschaft für Biokybernetische Medizin und verwandte Verfahren (HPGBM), Kottenforsterstr. 50, 53347 Alfter-Heidgen, Telefon 0228-746292.

Internationale Ärztegesellschaft für Bioinformationstherapie, Sandstraße 19, 79104 Freiburg, Telefon 0761-53380, Fax 57522.

Internationale Ärztegesellschaft für Biokybernetische Medizin, Moltkestr. 4, 45128 Essen, Telefon 0201-232386.


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