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Essen

Der sanfte Kick

Tolles Aroma ohne Nebenwirkungen: Wer seinen Magen schonen und auf Koffein verzichten will, für den ist Getreidekaffee genau das Richtige. Im Bioladen gibt es ihn in vielen Varianten. // Jutta Krause
31.08.2008
Tolles Aroma ohne Nebenwirkungen: Wer seinen Magen schonen und auf Koffein verzichten will, für den ist Getreidekaffee genau das Richtige. Im Bioladen gibt es ihn in vielen Varianten. // Jutta Krause

Tolles Aroma ohne Nebenwirkungen: Wer seinen Magen schonen und auf Koffein verzichten will, für den ist Getreidekaffee genau das Richtige. Im Bioladen gibt es ihn in vielen Varianten. // Jutta Krause

Blümchenkaffee, Kaffee-Ersatz, Muckefuck – lauter herablassende Namen für ein Getränk, das den Vergleich mit der Bohne nicht zu scheuen braucht. Getreidekaffee ist nicht nur eine gute Alternative zum „echten“ Bohnenkaffee, er ist ein eigenständiges Getränk, dessen Vorzüge ihm eine wachsende Fangemeinde bescheren. Seine Beliebtheit spiegelt sich auch in der Angebotsvielfalt wider. Die Auswahl im Bioladen reicht vom klassischen Malz- und Dinkelkaffee über Landkaffee in verschiedenen Rezepturen bis hin zu Spezialitäten wie Cappuccino, Frappé oder Mischungen mit Bohnen- kaffee, Guarana, Vanille und Kakao. Getreidekaffee ist vielseitig einsetzbar. Sein würziger Geschmack erinnert an Bohnen- kaffee und passt hervorragend zu Frühstück oder Kaffeeklatsch. In Rezepten kann er für Desserts oder Muffins wie Kaffee verwendet werden.

Blaue Blume, reifes Korn

Hauptbestandteil sind geröstete Getreidekörner und die Wurzeln der Zichorie oder wilden Wegwarte. Der klassische Malzkaffee enthält in der Regel nur gemälzte Gerste, Dinkelkaffee wird pur oder mit etwas Zichorie vermischt angeboten. Landkaffee besteht aus Gerste, Roggen und Zichorie, kleine Mengen von Eicheln oder Feigen runden manchmal den Geschmack ab. Die Mischungen sind fein abgestimmt, jede Zutat trägt ihre Geschmacksnuance bei: Zichorie und Eichel geben dem Kaffee mit ihren Bitterstoffen die leicht herbe Note, Gerstenmalz und Feigen sorgen für Süße und die Körner bringen würzig-kräftige Röstaromen ins Spiel.

Rösten, Mälzen, Mischen

Wie beim Bohnenkaffee trägt auch hier der Röstvorgang entscheidend zum Geschmack bei. Damit das Aroma sich besonders gut entfalten kann, wird jede Zutat einzeln bei niedrigen Temperaturen langsam und schonend geröstet. Das ist auch wegen der unterschiedlichen Feuchtigkeitsgehalte sinnvoll. Zuvor werden die Körner manchmal gemälzt. Dazu weicht man sie ein und bringt sie zum Ankeimen. Das aktiviert getreideeigene Enzyme, die Stärke in Malzzucker umwandeln. Die anschließende Röstung stoppt den Keimvorgang und bewirkt den typischen mild-süßen Malzgeschmack. Aus der jeweiligen Rezeptmischung der gerösteten Bestandteile brühen die Hersteller einen starken Kaffee-Extrakt, der von der Spitze eines mehrere Meter hohen Turmes als feiner Nebel versprüht wird. Die Tröpfchen fallen durch einen heißen Luftstrom, der ihnen die Feuchtigkeit entzieht, und werden dabei zu trockenem Instantpulver. Bioprodukte kommen ganz ohne Stabilisatoren, Trenn- und Netzmittel und andere Hilfsstoffe aus, die fester Bestandteil konventioneller Instantkaffees sind. Alle Zutaten stammen zudem aus kontrolliert biologischem, teils auch bio-dynamischem Anbau. Durch die schonende Verarbeitung bleiben ihre wertvollen Inhaltsstoffe weitgehend erhalten. Ernährungsphysio-logisch hat der „Muckefuck“ einiges zu bieten: Er ist koffeinfrei, enthält deutlich weniger Gerbstoffe als Kaffee und ist somit magenfreundlicher. Seine leicht bitteren Geschmacksstoffe regen die Leber- und Gallenfunktion an. Der Malzzucker wird im Darm schnell resorbiert, gibt einen sanften Energieschub und steigert damit kurzfristig die Konzentrations- fähigkeit – interessant für alle „Schreibtischtäter“, die ihren Koffeinkonsum verringern möchten. Dinkelkaffee wird zudem eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt.

Die Gabe des Frohsinns

Glaubt man der berühmtesten Befürworterin dieses Getreides, der Äbtissin Hildegard von Bingen, so verleiht er auch ein „aufgelockertes Gemüt und die Gabe des Frohsinns“. Tatsächlich enthält Dinkel viel hochwertiges Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate und zahlreiche Spurenelemente, Mineralien und Vitalstoffe. Reinen Hildegard-Kaffee aus 100 Prozent gerösteten Dinkelkörnern hat Sonnentor im Programm, die anderen Hersteller mischen ihrem Dinkelkaffee einen Teil Zichorie bei und im Neuroca von Pural wird der Geschmack mit der Zugabe von Feigen abgerundet. Klassischer Malzkaffee aus reinem Gerstenmalz wird von Mount Hagen produziert, der Yorzo von Lima ist aus gerösteter Gerste. Typische Landkaffees in verschiedenen Zusammensetzungen gibt es beispielsweise von Runge, Lebensbaum und Bioforce, von deren Getreidekaffee es auch zwei süße Varianten mit Kakao und Vanille gibt. Wer seinen Koffeinkonsum langsam verringern will, findet mit halb&halb-Mischungen – etwa von Bauckhof oder Rapunzel – eine „Umsteigerdroge“, die zur Hälfte aus Bohnenkaffee besteht. Koffein in Form von Guarana findet sich im Guafee von Sinfo, der eine typisch italienische Note aufweist. Die größte Auswahl an Getreidekaffees bietet Naturata, wo mit neun Spezialitäten von Frappé bis Cappuccino aufgewartet wird.

Gut für Mütter

Schließlich ist der Blümchenkaffee auch eine Alternative für stillende Mütter, die nicht wollen, dass das Koffein in die Muttermilch übergeht. Sie schätzen seine stärkende Wirkung und den würzigen Geschmack; überdies steht er in dem Ruf, die Milchbildung zu fördern. Während für Mütter alle Sorten gut geeignet sind, sollten Kinder unter sieben Jahren lieber zu dem milderen Malzkaffee greifen, der weniger Gerb- und Bitterstoffe enthält.

Für Genießer

Latte macchiato mal anders: Einfach 150 ml heiße Milch aufschäumen und in ein hohes Glas füllen. 1–2 Teelöffel Getreidekaffee in 50 ml heißem Wasser auflösen und vorsichtig um die Milch gießen. Mit Kakao bestäubt oder mit wenig Rohrzucker gesüßt genießen.

Halb und halb: von allem das Beste

Wer Magen und Gesundheit schonen, aber nicht ganz auf Koffein verzichten will, kann mit Mischungen aus Getreide- und Bohnenkaffee, Guarana oder Kakao zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie liefern das volle Aroma, enthalten dabei aber nur halb so viel Koffein. Da kann’s gern mal eine Tasse mehr sein.

Falscher Mokka oder braune Brühe?

Jeder kennt das Wort „Muckefuck“ – aber woher kommt es eigentlich? Nach der gängigen Erklärung handelt es sich dabei um eine – wenig elegante – Eindeutschung des französischen Begriffs „Mocca faux“ (falscher Kaffee). Einer weiteren Deutung zufolge ist das Wort aus den Begriffen „Mucke“ (was so viel wie zerfallende Erde bedeutet) und „faulig“ entstanden, was ihn fälschlicherweise zu einer braunen Brühe degradieren würde. Das hat er nun wirklich nicht verdient, unser „Mocca des céréales biologiques“.

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