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Der „Bio-Prinz “

Felix Prinz zu Löwenstein hat Gut Habitzheim - seit 500 Jahren im Besitzt die Familie - auf Bio umgestellt. Neben seiner Tätigkeit als Biofunktionär praktiziert er hier im Kleinen, was er für eine große Lösung hält: Bio als Konzept für die Welternährung. // Text und Fotos Martin Fütterer
30.09.2008
Felix Prinz zu Löwenstein hat Gut Habitzheim - seit 500 Jahren im Besitzt die Familie - auf Bio umgestellt. Neben seiner Tätigkeit als Biofunktionär praktiziert er hier im Kleinen, was er für eine große Lösung hält: Bio als Konzept für die Welternährung. // Text und Fotos Martin Fütterer

Felix Prinz zu Löwenstein hat Gut Habitzheim - seit 500 Jahren im Besitzt die Familie - auf Bio umgestellt. Neben seiner Tätigkeit als Biofunktionär praktiziert er hier im Kleinen, was er für eine große Lösung hält: Bio als Konzept für die Welternährung. // Text und Fotos Martin Fütterer

Zunächst bewirtschaftete Felix Prinz zu Löwenstein sein Gut konventionell. Doch vor allem im Umgang mit Pestiziden kamen ihm immer mehr Zweifel. 1992 stellte er seinen Betrieb dann auf Bio um.

Felix - zwei deiner sechs Töchter sind gerade im Libanon, was machen sie da?

Die beiden machen Ferien mit Behinderten, die aus Beiruter Heimen kommen. Da in den Heimen eine Ordensschwester zwanzig Behinderte betreuen muss, werden sie nicht mehr als aufbewahrt. Allerdings gibt es dort auch ein behindertengerechtes Ferienhaus, das ein libane-­ sischer Christ gebaut hat. Seit 10 Jahren wird es von jungen Erwachsenen genutzt, die im Malteserorden engagiert sind und die in einer intensiven 1 : 1 Betreuung diesen Menschen einen Lichtblick in ihrem Alltag und die Erfahrung des Angenommen-Seins ermöglichen.

Deine Töchter sind nicht das erste Mal da. Warum machen sie das?

24 Stunden am Tag für eine Person zuständig zu sein, die schwer geistig und körperlich behindert ist und vielleicht überhaupt nicht auf die Zuwendung zu reagieren scheint, bringt einem viel über sich selbst bei. Zu wie viel Treue und Hingabe man fähig ist. Und zu erleben, dass diese Zuwendung einen völlig abgestumpften Menschen verändern und froh machen kann, ist unheimlich beglückend. Außerdem haben die Jugendlichen miteinander jede Menge Spaß!

Du selbst warst noch nicht im Libanon - aber es hat doch mit dir zu tun.

Ja, mein Vater war schon im Malteserorden engagiert und ich bin es auch. Einmal im Jahr fahre ich mit Behinderten nach Lourdes. Ich bin da schon als Jugendlicher sehr selbstverständlich hineingewachsen. Ich freue mich sehr, dass es meinen Kindern auch so geht.

Mit achtzehn machen viele Jugendliche exakt das Gegenteil von dem, was die Eltern tun oder erwarten …

Ich glaube, es kommt darauf an, ob das, was den Eltern wichtig ist, den Kindern einleuchtet oder ob sie’s nur als Fassade wahrnehmen. Und ob es gelingt, dass die vielen Privilegien - materielle Sicherheit, Ausbildung, Freizeit und auch familiäre Geborgenheit - nicht als Selbstverständlichkeit mitgenommen werden, sondern einen Grund bilden, Verantwortung zu übernehmen.

Hat Bio für dich auch etwas mit „Zurückgeben“ zu tun?

Das ist vielleicht zu viel gesagt. Aber mit Erhalten und Bewahren für die nächste Generation hat es viel zu tun.

Du bist ja nicht schon immer Biobauer.

Sechs Jahre habe ich konventionell gewirtschaftet. Das Studium hatte mir die Überzeugung vermittelt, dass man als Bauer in der feindlichen Natur ohne Chemie nicht überleben kann. Das glauben die meisten Bauern heute noch.

Dennoch kamen dir Zweifel …

Ich habe mich nicht als profitversessenen Brunnenvergifter erlebt. Aber die vielen Kompromisse im Umgang mit Pestiziden wurden mir immer unheimlicher.

Hast du dafür ein Beispiel?

Ab einer bestimmten Windstärke darf man eigentlich nicht mehr spritzen, weil das Spritzmittel sonst vielleicht wo hingeweht wird, wo es nichts zu suchen hat. Man fährt also mit der Spritze und der Wind wird immer stärker und dann müsste man eigentlich aufhören, hat aber das Fass noch viertel voll. Das macht man natürlich leer. Ich habe dann an verschiedenen Beispielen gesehen, dass Bio doch geht, und 1992 umgestellt.

War das so einfach?

Das war ein großer Lernprozess. Für einen konventionellen Bauern ist Unkraut auf dem Acker so etwas wie Krätze. An den Anblick muss man sich erst gewöhnen. Und das ganze Thema Bodenfruchtbarkeit: Da reicht es nicht, Wissen zu erwerben, man muss seine Erfahrungen machen. Egal, aus welchen Motiven man Bio anbaut: Wenn man damit anfängt, kommt man nicht umhin, sich damit auseinanderzusetzen und sein ganzes Bild von Landwirtschaft zu verändern. Das müssten meiner Meinung nach im Übrigen noch viele andere.

Warum und wer?

Ich sehe die Frage der Welternährung als eine Schicksalsfrage für die Menschheit, aber auch als eine Schicksalsfrage für den ökologischen Anbau. Seit einigen Jahren schon ist die Nahrungsmittelproduktion kleiner als der Verbrauch, das merkt man erst jetzt, weil noch Lagerbestände abgebaut wurden. Gentechnik- und Chemiekonzerne erklären jetzt lautstark, dass man sich Bio unter diesen Umständen nicht mehr leisten kann. Und viele Medien spielen mit.

Und - können wir uns Bio noch leisten?

Meine Meinung: Die Welt wird sich ökologisch ernähren oder gar nicht. Es geht nicht um möglichst hohe Produktionsmengen, sondern um Ressourceneffizienz. Wir können doch die knapp gewordenen Ressourcen - Energie, Wasser, Land, Urwälder - nicht jetzt in einem letzten großen Feuerwerk verpulvern und den kommenden Generationen unlösbare Probleme hinterlassen! Außerdem funktioniert Welternährung mit Ökoanbau.

Was macht dich da so sicher?

Es gibt eine Studie der Universität Michigan, die das deutlich macht. Natürlich reden wir dabei von einer Landwirtschaft, die mehr ist als nur Weglassen von Chemie und Kunstdünger. Wir reden von einem Landbau, der die Kräfte der Natur intelligent nutzt. Da hat auch der heutige Ökolandbau noch enormes Entwicklungspotenzial. Was man nicht vergessen darf: Die hohen Erträge der „modernen“ europäischen Landwirtschaft sind teuer erkauft - zum Beispiel zu Lasten der Umwelt. Bei dem allgemein niedrigeren Ertragsniveau in Russland oder Nordamerika ist die Konkurrenzfähigkeit des Ökolandbaus deutlich erkennbar.

Was macht dir am meisten Sorgen?

Die Allianz wirbt für einen Anlagefonds, der in Landwirtschaft investiert. Slogan: „Ernten Sie, was andere säen.“ Landwirtschaft droht immer mehr in die Hände anonymer, börsennotierter Konzerne zu geraten, die nur den nächsten Quartalsgewinn und den Börsenwert im Auge haben. Da ist die Zerstörung der Grundlagen vorgegeben. Die Böden werden zur wirtschaftlichen Verfügungsmasse, die Verantwortung bleibt auf der Strecke.

Was ist die Alternative?

Unsere Familie besitzt dieses Gut seit 500 Jahren. Ich betrachte es als von der nächs-ten Generation geliehen. Diese Einstellung haben viele, wahrscheinlich die meisten Bauern, die auf eigenem Land wirtschaften. Sie müssen davon leben, aber sie tun es nicht für Geld allein. Wer nur für Geld arbeitet, hat seine Seele doch schon halb verkauft.

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