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Unerlaubte Wirkstoffe in Kräutern, Tomaten und Salat

In Kräutern und Gewächshaus-Gemüse (konventionell und bio) sind Schadstoffe aus der Gruppe der quartären Ammoniumverbindungen (QAV) nachgewiesen worden. Zwei Hauptvertreter dieser Stoffgruppe sind Benzalkoniumchloride (BAC) und Didecyldimethylammoniumchloride (DDAC). Diese Schadstoffe sind offenbar durch Pflanzenstärkungsmittel, die unerlaubt mit DDAC/BAC verunreinigt waren, in die Lebensmittel geraten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat mittlerweile das Inverkehrbringen der Pflanzenstärkungsmittel „Vi-Care“ und „Wuxal Aminoplant“ untersagt. Wie lang die Schadstoffe schon in den Pflanzenstärkungsmitteln waren, muss noch herausgefunden werden. Bislang wurde der Schadstoff in zwei Chargen gefunden. Betroffene Ware wurde vernichtet Für quartäre Ammoniumverbindungen (QAV), Benzalkoniumchloride (BAC) und Didecyldimethylammoniumchloride (DDAC) gibt es in Deutschland keinen eigenen Grenzwert. In solch einem Fall gilt automatisch der Minimal-Grenzwert von 0,01 mg/kg: Wenn der überschritten wird, dürfen die Waren nach europäischem Recht nicht mehr verkauft werden. Gerade bei Kräutern wurde dieser Grenzwert in der letzten Zeit oft überschritten. Die Bauern haben die belastete Ware vernichtet. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat die betroffenen Bio-Höfe aufgefordert, die entstandenen Schäden zu benennen. „Wir haben Höfe, auf denen es zu Schäden in Höhe von 1.000 Euro gekommen ist, aber auch solche, die 160.000 Euro verloren haben“, sagt Joyce Möwius vom BÖLW. Die Betriebe sind Opfer eines Betruges oder einer Schlamperei durch den Hersteller des Mittels und nun oft in ihrer Existenz bedroht. Wie hoch der Schaden insgesamt ist, der Landwirten durch die Verunreinigung der Mittel entstanden ist, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Einen Eintrag von QAV über unerlaubt verunreinigte Pflanzenstärkungsmittel hat es bislang noch nicht gegeben. Der BÖLW organisiert jetzt eine Sammelklage gegen das in den USA ansässige Hersteller-Unternehmen und vertritt damit die Interessen der betroffenen Erzeuger und der qualitätsorientierten Verbraucherinnen und Verbraucher. Gefahr für Verbraucher besteht nicht Selbst wenn die Kräuter und das Gemüse gegessen worden wären, hätte allerdings keine Gefahr bestanden: Nach Aussagen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) besteht für Verbraucher weder eine akute noch eine chronische Gesundheitsgefahr aus der DDAC-Belastung von Lebensmitteln. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hat seine Mitglieder unmittelbar mit Bekanntwerden der QAV-Verunreinigung von Pflanzenstärkungsmitteln darüber informiert, damit sie bzw. ihre Lieferanten und Erzeuger ab sofort auf die betroffenen Pflanzenstärkungsmittel verzichten. Auch auf die Möglichkeit eines Eintrags von QAV aus Desinfektions- und Reinigungsmitteln wurde hingewiesen, damit ggf. Reinigungsverfahren bzw. Reinigungs- und Desinfektionsmittel geprüft und umgestellt werden. Deshalb raten Experten, auf schadstofffreie Desinfektionsmittel umzustellen und die Informationen der Hersteller zu beachten. Bio-Bauer brachte den Stein ins Rollen Auf einem Bio-Hof ist bei einer Eigenkontrolle festgestellt worden, dass die Schadstoffe in Kräutern und Salat waren. Der Bauer nahm an, dass er irgendwas falsch gemacht hat beim Reinigen auf seinem Hof. Denn in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ist der Schadstoff enthalten. Es stellte sich aber heraus, dass der Schadstoff in zwei Pflanzenstärkungsmitteln war. Diese Pflanzenstärkungsmittel waren für den Ökolandbau zugelassen, weil die Hersteller nicht angegeben hatten, dass die Mittel QAV enthielten. Sie sollten beispielsweise über Zitrusextrakte wirken. Wie die QAVs in die Pflanzenstärkungsmittel gelangten, wird derzeit noch untersucht. Die deutschen Öko-Verbände haben ihren Mitgliedsbetrieben sofort nach Bekanntwerden die Anwendung der Mittel untersagt. Auch wurden Verkauf und Verschenken von, sowie Werbung für die betroffenen Mittel vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) verboten. Mehr zum Thema
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Rubrik: News

Kommentare

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Maria
Bei Wikipedia konnte ich mich jetzt über Pflanzenstärkungsmittel schlau machen. Ich wusste vorher auch nicht, das es so etwas gibt. Eine Liste der allgemein erlaubten bzw. der für Bio erlaubten Pflanzenstärkungsmittel konnte ich allerdings auf die Schnelle nicht finden. Mich würde interessieren, ob denn die Zitrusfrüchte, die für den Extrakt (Konzentration des Auszugs) verwendet werden, ursprünglich mal gespritzt waren. *überleg* Oder hat da einer doch etwas getan, was er nicht tun sollte oder fehlten ihm nur die Infos in der langen Prozesskette? Viele Grüße Maria
Helga
Zunehmend stelle ich fest, dass Bio-Lebensmittel in schlechtes Licht gerückt werden sollen. Jetzt kommen auch noch platzierte Attacken dazu.
Margit Steidl
Sehr geehrtes Schrot- und Korn-Team! Von Kunstdüngern habe ich schon gehört. Aber was genau sind dann Pflanzenstärkungsmittel? Fällt da normaler Kompost darunter? Was genau darf in Pflanzenstärkungsmittel rein? Was genau darf nur in Pflanzenstärkungsmitteln vorhanden sein? Ich frage das, weil ich diesen Begriff "Pflanzenstärkungsmittel" hier und heute zum ersten Mal in meinem Leben gelesen habe. Ich möchte gerne mein Wissen darüber erweitern. Was genau ist da im Bioanbau erlaubt? Das wüsste ich noch zu gerne. Mit freundlichem Gruß Margit Steidl