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Kurz notiert März 2016

Wir haben es satt Demo 2016 (Foto: Volker Gehrmann/WHES)
Demo in Berlin. Mittendrin: Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen (u.r.) mit
Schrot&Korn-Fahne. (Foto: Volker Gehrmann/WHES)

Grüne Woche

Bauern statt Agrar-Konzerne

23 000 Menschen haben Mitte Januar in Berlin gegen industrielle Lebensmittelproduktion, Massentierhaltung und Agrarindustrie demonstriert. Unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt!“ zogen sie zum Bundeskanzleramt und forderten von der Regierung die Weichen für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft zu stellen. Jochen Fritz, Sprecher des Demonstrationsbündnisses, brachte es auf den Punkt: „Die Menschen wollen, dass Bauern und nicht Konzerne ihr Essen erzeugen.“

Anlass der Demonstration war die Internationale Grüne Woche (IGW), die große Landwirtschaftsmesse. Dort wurde auf zahlreichen Pressekonferenzen deutlich, dass in der deutschen Landwirtschaft vieles schiefläuft. So beklagte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied die besorgniserregende wirtschaftliche Situation vieler konventioneller Betriebe. Als Ursache nannte er „die dramatisch gesunkenen Erzeugerpreise“, vor allem für Milch und Schweinefleisch. Daran sei die Agrarpolitik in Berlin und Brüssel schuld, weil sie auf Massenproduktion und Exporte setze, kritisierten Bio- und Umweltverbände. Sie nutzten die IGW, um ihre Alternativen zu präsentieren. So forderte der Bio-Dachverband BÖLW,  „Agrarfördermittel umzuschichten, um konventionellen Betrieben eine Perspektive im Öko-Landbau bieten zu können.“

Der Verein AgrarBündnis stellte den Kritischen Agrarbericht 2016 vor. Darin kommt er zu dem Ergebnis, dass immer größere Betriebe kein Heilmittel für die Krise seien. Die Nachfrage nach regionalen und umweltgerecht erzeugten Lebensmitteln von bäuerlichen Betrieben wachse. Das biete weit bessere Perspektiven als das Setzen auf Weltmarktanteile.

Und was sagte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt? Er rief unter anderem zu mehr Dialog auf. Von konkreten Gesetzesvorhaben sprach er nicht. lf


Genfood Nein Danke ButtonGentechnik

Schweiz dagegen, Thailand auch 

Immer mehr Länder wehren sich gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen. In der Schweiz dürfen diese Pflanzen vorerst bis 2021 nicht auf den Acker. Der Schweizer Bundesrat hat das bis 2017 geltende Anbau-Moratorium um weitere vier Jahre verlängert.

In Venezuela hat das Parlament ein Gesetz verabschiedet, wonach gentechnisch verändertes Saatgut weder importiert noch verwendet werden darf.

Auf den Philippinen hat der oberste Gerichtshof Feldversuche mit Gentech-Auberginen verboten. Zudem haben die Richter alle laufenden Zulassungsverfahren und Importe gentechnisch veränderter Nahrungsmittel vorläufig ausgesetzt. Damit gaben sie einer Klage von Greenpeace Südostasien und philippinischen Bauernorganisationen statt. 

Die thailändische Regierung legte ein seit Langem erwartetes Gentechnik-Gesetz auf Eis. Damit dürfen dort vorerst keine Gentech-Pflanzen angebaut werden. lf


Förderung

Wieder mehr Bio-Bauern

Der Anbauverband Naturland konnte im vergangenen Jahr 276 neue Mitgliedsbetriebe begrüßen, ein Plus von zehn Prozent. Bioland meldete 288 neue Betriebe, was einem Zuwachs von fünf Prozent entspricht. Als wichtigen Grund nannten beide Verbände die verbesserte Förderung. Sie rechnen auch für 2016 mit zahlreichen neuen Bio-Betrieben. lf


Massentierhaltung, Grafik HühnerfleischFleischatlas 2016

Deutschland – Land der Massentierhaltung

Der Trend zur Massentierhaltung ist in Deutschland ungebrochen. Von 2012 bis 2015 wurden 720 000 Stallplätze für Schweine und fast 11 Millionen für Geflügel neu beantragt. Diese Zahlen nennen die Umweltorganisation BUND und die Böll-Stiftung in ihrem Fleischatlas 2016. Die meisten neuen Mega-Ställe für Masthähnchen sollen in Niedersachsen und Brandenburg entstehen. Bei den Schweinemästern sind neben Niedersachsen Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt die beliebtesten Bundesländer. Insgesamt „wächst die Fleischproduktion in jenen Bundesländern am stärksten, in denen bereits überdurchschnittlich viele Tiere gemästet werden“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Während sich die Produktion von Fleisch auf immer weniger Betriebe konzentriert, setzt sich das Sterben der kleinen Höfe fort. 80 Prozent der Bauern haben seit 2001 die Tierhaltung aufgegeben, die meisten von ihnen in Bayern und Baden-Württemberg. Gleichzeitig stieg die in Deutschland erzeugte Fleischmenge um 50 Prozent. „Ein tiefgreifender Strukturwandel zu Lasten kleinbäuerlicher und mittelständischer Betriebe“ sei das, sagte Barbara Unmüßig, Vorstand der Böll-Stiftung. Zugleich mache diese Landwirtschaft noch abhängiger von Futtermittelimporten aus dem Ausland.

Der Fleischkonsum der Deutschen bewegt sich seit 20 Jahren bei rund 60 Kilogramm je Einwohner und geht nur ganz langsam zurück. Am meisten Fleisch und Wurst verzehren die Männer in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Auch das steht im Fleischatlas. www.boell.de lf

Erzeugung tierischer Nahrungsmittel in Deutschland in 1000 Tonnen.


Zahl des Monats

Zahl des Monats 103 891

Brandenburger haben das Volksbegehren gegen Massentierhaltung unterschrieben. Nötig waren 80 000 Unterschriften. Jetzt ist die Politik am Zug.  

Quelle: Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg, 2016


Kochen

Gerne, aber selten

Deutschland kocht gern, heißt es im Ernährungsreport 2016. Gut drei Viertel der Befragten (77%) gaben an, dass ihnen Kochen Spaß mache. Doch zwischen „gern tun“ und „tatsächlich tun“ klafft eine Lücke. Nur 41 Prozent der Befragten kochen täglich. 22 Prozent greifen höchstens einmal pro Woche zum Kochlöffel, 12 Prozent sogar nie. Unter den Nicht-Köchen sind deutlich mehr Männer (20%) als Frauen (4%). Der Report wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegeben. Befragt wurden 1000 Bürgerinnen und Bürger. bg


Freihandelsabkommen

Kanadische Firma verklagt USA 

Die geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA mit den USA und Kanada werden hierzulande schwer kritisiert. Besonders umstritten: das Investitionsschutzkapitel. Es ermöglicht Konzernen, vor privaten Schiedsgerichten auf Schadensersatz zu klagen, wenn ihnen Regierungsentscheidungen die Geschäfte erschweren. Passiert ist das jetzt der US-Regierung. Sie wurde vom Konzern TransCanada auf 15 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt, weil Präsident Obama eine umstrittene Pipeline der Firma aus Umweltgründen nicht genehmigen will. Die Pipeline soll Öl aus kanadischen Teersanden quer durch die USA transportieren. Der Konzern begründet seine Klage damit, dass Obama eine rein politische Entscheidung getroffen habe, weil Umweltorganisationen Druck ausgeübt hätten. Eine solche politische Ablehnung sei „willkürlich, diskriminierend und enteignend“. Die Klage möglich macht das zwischen den USA, Kanada und Mexiko abgeschlossene Freihandelsabkommen Nafta. Auch dieses Abkommen enthält ein Investitionsschutzkapitel. lf

Erschienen in Ausgabe 03/2016
Rubrik: News

Kommentare

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Diana Gerst-Kraus

Ich bin gegen fiese Tierehaltung, bin überzeugte Veganerin und für meine Familie kaufen wir nur Biofleisch direkt beim Metzger.

Ist zwar etws teurer aber besser, nan weiß wo es herkommt und kennt die Leute. Gemüse wird nur regional , wenn möglich bio gekauft.

Im Sommer, teilweise bis in den Winter wird Gemüse selber angebaut, Sojamilch mache ich jetzt selber.

Ich fände es besser, man wurde den bio Bauern und due biogeschäften mehr unterstützen.

Liebe Grüße Diana