Anzeige

Anzeige

Kurz notiert 7|2017

Lebensmittelverschwendung

Übergewicht trägt zum Welthunger bei

Ungerechte Verteilung und die Verschwendung von Lebensmitteln sind die beiden bedeutenden Faktoren, die die Nahrungssicherheit weltweit bedrohen. Einen weiteren Aspekt rückt eine Studie unter Federführung der University of Edinburgh ins Licht: Auch die Überernährung trage zum Hunger der 795 Millionen unterernährten Menschen bei.

Die Studie, an der auch Klimaforscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mitgearbeitet haben, zieht den Schluss: „Allein durch Überernährung und Verschwendung gehen fast 20 Prozent der weltweit verfügbaren Nahrungsmittel verloren.“ Die Rechnung der Forscher lautet: Die Weltbevölkerung konsumiert rund zehn Prozent mehr Essen, als sie für eine gesunde Ernährung braucht. Neun Prozent der Nahrungsmittel werden weggeworfen oder verderben.

Drastisch wird die Bilanz, betrachtet man allein die Getreideverluste: Demnach geht fast die Hälfte des weltweit geernteten Getreides, nämlich 2,1 Milliarden Tonnen, durch Überernährung, Verschwendung und – bevor es überhaupt beim Konsumenten ankommt – ineffiziente Produktionsprozesse verloren.

Besonders verlustreich sei, so die Forscher, die Viehzucht. Sie stehe für 78 Prozent oder 840 Millionen Tonnen der Verluste. Mehr als eine Milliarde Tonnen Getreide werde allein dafür eingesetzt, um 240 Millionen Tonnen essbare Tierprodukte wie Fleisch, Milch und Eier zu produzieren.

Im Hintergrund steht, dass 39 Prozent der Erwachsenen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit übergewichtig und 13 Prozent sogar fettleibig sind. In Deutschland sind überflüssige Pfunde mittlerweile sogar der Normalzustand, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Am Ende ihres Berufslebens gelten 74 Prozent der Männer hierzulande als übergewichtig. sb


Schweinchen (© clipdealer/Eric Isselée)Gutachten

Das Leiden der Schweine

Die Haltungsvorschriften in der Schweinemast verstoßen gegen das Tierschutzgesetz und sind verfassungswidrig. Zu diesem Schluss kommt ein von Greenpeace beauftragtes Gutachten. Die Vorschriften verletzten die im Tierschutzgesetz verankerte Pflicht zu einer angemessenen Ernährung, Pflege und verhaltensgerechten Unterbringung. So dürfe im Stall auf Stroh verzichtet werden, was jedoch Wühlen und Graben, ein natürliches Bedürfnis der Tiere, verhindere. Greenpeace verlangt vom Bund, das Leiden zu beenden. Die Haltung müsse den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden – nicht die Tiere den Haltungsbedingungen. Bisher scheiterten Verbesserungen laut Greenpeace am Widerstand von Agrarminister Christian Schmidt. Der wies die Vorwürfe zurück. Die gesetzlichen Standards seien sehr hoch und würden nach und nach verbessert, erklärte der Minister gegenüber dem SWR. sb

(© clipdealer/Eric Isselée)


Außer Kontrolle

Verbotene Petunien

Genfood Nein-Danke ButtonPetunien leuchten in Blau, Lila oder Pink. Doch nicht in Orange. Dennoch sind in Finnland orange Petunien aufgetaucht. Wie sich zeigte, waren sie gentechnisch verändert und stammten aus Nordrhein-Westfalen. Da in der EU keine Gentech-Petunien zugelassen sind, wurden die Pflanzen vom Markt genommen. Die Behörden versuchen nun zu klären, wie das Saatgut in Umlauf gelangen konnte. sb

Erschienen in Ausgabe 07/2017
Rubrik: News

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'
Silvia

Stimmt absolut - Lebensmittel werden in den westlichen Industrienationen maßlos verschwendet. Dabei ist der Verbraucher aber das letzte Glied in der Kette. Es fängt bei der industriellen Massenerzeugung (insgesamt) und beim Angebot in den Supermärkten an. Wenn Letztere abends noch gut gefüllt sind mit Frischwaren, heißt das, es ist viel zu viel da! Viel davon wird entsorgt, damit wieder frische Ware ausgelegt werden kann. Dieses Überangebot, die Wegwerfgesellschaft, sind Auswüchse des Kapitalismus und Folgen des Konkurrenzdenkens. Da kann der Verbraucher noch so entrüstet sein und dagegen ankämpfen, das wird sich nicht ändern. Kauft es der Kunde nicht, kauft er sparsam, wirft es der Händler weg. Produziert ist es ja schon. Die Nachfrage müsste drastisch zurückgehen, um einen Effekt zu bewirken, das wird kaum passieren. Momentan geht es in die andere Richtung: wir haben immer mehr Hartz IV-Empfänger, die billige Lebensmittel kaufen! So paradox das ist - diese "Armut" trägt zur Verschärfung der Verschwendung bei.

Was den Tierschutz angeht, der Art. im GG ist mehr als dürftig und müsste dann aber konsequenterweise auch dazu führen, dass Glyphosat verboten wird, denn dieses Gift zerstört die natürlichen Lebensgrundlagen, nämlich den Boden und die Nahrungsmittel.

Wo ist die Verfassungsklage??