Anzeige

Anzeige

Kurz notiert 03|2018

Quelle: Fleischatlas 2018/CIRCABC, MEG
Quelle: Fleischatlas 2018/CIRCABC, MEG

Tierwohl

Verbraucher wollen staatliches Siegel

In Deutschland wünschen sich immer mehr Verbraucher eine artgerechte Tierhaltung. Das geht aus dem Ernährungsreport 2018 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor. Gefragt nach ihren Erwartungen an einen landwirtschaftlichen Betrieb nennen die Befragten auf Platz 1 eine artgerechte Tierhaltung (66 %) – noch vor der Qualität der Produkte (62 %) und der Entlohnung der Mitarbeiter (59 %). 82 Prozent wünschen sich mehr Transparenz über die Bedingungen, unter denen Nutztiere gehalten werden. Um sich beim Kauf klar orientieren zu können, sprechen sich 79 Prozent der Konsumenten für ein staatliches Tierwohlsiegel aus. Dass ein solches funktionieren kann, zeigt die Eier-Kennzeichnung (s. Grafik unten). „Die vier Stufen von 0 für Öko-Erzeugung bis 3 für Käfighaltung haben das Kaufverhalten der Verbraucher fundamental beeinflusst“, steht dazu in dem von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem BUND publizierten Fleischatlas. Damit sich Verbraucher auch beim Kauf von Fleisch für mehr Tierwohl entscheiden können, empfehlen die Autoren eine ähnliche Kennzeichnung wie für Eier: 0 für Bio, 1 für einen gesetzlich definierten Premiumstandard, 2 für ein darüber liegendes Niveau und 3 für die gesetzlichen Mindestanforderungen.
Hintergrundinfo zur Grafik: Gekennzeichnet werden müssen nur frische, unverarbeitete Eier. Hier greifen Verbraucher kaum noch zu Eiern aus Käfighaltung. In verarbeiteten konventionellen Produkten wie Nudeln sind häufig Käfigeier enthalten, eine Kennzeichnungspflicht besteht hier nicht – und somit auch keine Wahlfreiheit. bg


Negativpreis 2017

Rukwied kassiert Dino

Der Präsident des Bauernverbands hat den „Dinosaurier des Jahres“ von der Umweltorganisation Nabu kassiert. Joachim Rukwied streite die Verantwortung der Landwirtschaft für das Artensterben ab und verteidige beharrlich ein Subventionssystem, das zulasten von Natur, Landwirten und Steuerzahlern geht, lautet die Begründung vom Nabu. Den Dino hatte 2001 bereits Vorgänger Gerd Sonnleitner erhalten, doch seither hat sich, so der Nabu, „nichts verbessert. Im Gegenteil“. sb


Verpackung

Chemikalie bleibt in der Dose

Bisphenol A darf weiterhin in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Zahlreiche EU-Parlamentarier hatten ein Verbot der Chemikalie angestrebt, fanden dafür aber keine Mehrheit im Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments. Dieses konnte sich nur auf eine Senkung des Grenzwertes einigen. „Dabei können selbst kleinste Mengen des Stoffes in unser Hormonsystem eingreifen und dort zu dauerhaften Veränderungen führen“, kritisiert Martin Häusling, EU-Abgeordneter der Grünen. Bisphenol A steckt in den inneren Beschichtungen von Konservendosen, in Deckeldichtungen oder Plastikverpackungen. Spuren der Chemikalie können von der Verpackung in das Lebensmittel übergehen. 2017 wurde die Chemikalie von der Europäischen Chemikalienagentur ECHA als „besonders besorgniserregender Stoff“ klassifiziert. sb


 

Zahl des Monats

der Menschen in Deutschland kochen täglich. Während bei den Frauen 54 Prozent den Kochlöffel täglich
schwingen, sind es bei den Männern nur 31 Prozent.

Quelle: Ernährungsreport des BMEL, 2018

 


Demonstration

Tierleid, Glyphosat, Höfesterben: „Wir haben es satt“

Großdemo in Berlin: Mit einem ohrenbetäubenden Kochtopf-Konzert und begleitet von 160 Traktoren gingen im Januar 33 000 Menschen für eine neue Agrarpolitik auf die Straße. Die Demonstranten forderten die Politiker unter anderem dazu auf, Glyphosat zu verbieten und den Umbau der Tierhaltung zu finanzieren, damit Schweine wieder Tageslicht sehen und Kühe auf Weiden grasen können.
Für die Organisatoren der Demo steht fest: Die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft verursacht lokal und global Probleme für Bauern, Klima, Tiere und Umwelt. Deshalb dürfe der Umbau hin zu einer umwelt-, tier- und klima-
freundlichen Landwirtschaft, in der Bauern gut von ihrer Arbeit leben können, von den Politikern nicht weiter aufgeschoben werden. „Wir wollen raus aus der fatalen Exportorientierung und Landkonzentration, die Bauern hier und weltweit das Genick brechen“, verlangte der Sprecher der Organisatoren, Jochen Fritz.
Die Fakten sprechen für sich: In den letzten 12 Jahren musste in Deutschland ein Drittel der Höfe ihre Tore schließen, allein 2017 machten etwa zwei Prozent der Betriebe dicht. Derzeit gibt es noch etwa 269 000 Höfe in Deutschland.
Die „Wir haben es satt!“-Demonstration wird von über 100 Umwelt-, Verbraucher-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen getragen. sb


Tierversuche nehmen zu

Leiden im Labor

In Deutschland werden immer mehr Tierversuche durchgeführt. Das geht aus der Tierversuchsstatistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor. Demnach wurden 2016 über 2,8 Millionen Mäuse, Ratten, Fische, Hunde, Katzen und Schweine in Versuchen eingesetzt. Das sind fast doppelt so viele Tiere wie 1997, als mit 1,5 Millionen Tieren ein Tiefpunkt erreicht worden war. Die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ bezeichnet den Trend als „alarmierend“. Erschreckend sei auch, dass die Zahl der Versuche, die unter den Grad „schwer“ fallen, gestiegen sei. 5,2 Prozent (114 824 Tiere) der Versuche fielen in diese Einstufung. Dazu zählen Versuche, bei denen Tiere erhebliche Schmerzen erleiden, die länger anhalten und nicht gelindert werden können.
www.aerzte-gegen-tierversuche.de sb 


AgrarStudie

Wildkräuter retten Vögel

Die Zahl der Vögel auf Feldern und Wiesen sinkt seit Jahren dramatisch: 1980 gab es noch doppelt so viele Brutpaare in
der Agrarlandschaft wie heute. Doch dieser Negativtrend lässt sich umkehren – wenn die Landwirtschaft mitzieht. Das zeigt eine Studie der britischen Vogelschutzorganisation RSPB.
Während die Zahl der Wiesen und Ackervögel in Großbritannien von 2010 bis 2015 um neun Prozent sank, stieg sie für 17 Vogelarten auf den Versuchsfarmen um 50 bis sogar 120 Prozent an. Darunter Feldlerche, Grauammer und Star – alles Vögel, die auch in Deutschland zum Teil hochgradig bedroht sind.
In die Studie flossen Daten von 60 Farmen aus drei englischen Regionen für die Jahre 2008 bis 2014 ein. Die Landwirte hatten an einem Agrarumweltprogramm teilgenommen und sich verpflichtet, gegen einen finanziellen Ausgleich zehn Prozent des Landes so zu bewirtschaften, dass es der Vogelwelt hilft. Eine Maßnahme war das Säen von Wildkräutern. Durch die Kräuter ist die Zahl der Insekten angestiegen – und dadurch auch die Zahl der Vögel, denen die Insekten als Nahrungsquelle dienen.
Einige Vogelarten wie die Wiesenschafstelze konnten von dem Programm allerdings nicht profitieren. Sie gehört zu jenen Arten, die den Winter in Afrika verbringen. Der Zugweg dorthin steckt voller Gefahren: Schlechtes Wetter, Nahrungsknappheit, aber auch Stromleitungen und vor allem die Jagd auf Vögel dezimieren die Population erheblich. sb


Erschienen in Ausgabe 03/2018
Rubrik: News

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'
Birgitta Goldschmidt

Wie heißt die Studie der RSPB zu den Vögeln in der Kulturlandschaft? Oder gibt es einen Link zu einem Summary / Pressemitteilung?