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Kurz notiert 01|2018

Welternährung (© picture alliance/dpa)
Genug zu essen für alle Menschen – ginge auch mit Bio. (© picture alliance/dpa)

Welternährung

Bio könnte alle Menschen satt machen

Kann Bio die Welt ernähren? Ja, das geht. Allerdings braucht es dafür die Unterstützung der Verbraucher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gruppe von Wissenschaftlern der Welternährungsorganisation FAO, der Universitäten Aberdeen, Klagenfurt und Zürich unter Federführung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in einer Studie. Würden wir Menschen weniger tierische Produkte essen, weniger Nahrungsmittel wegwerfen und in der Tierhaltung weniger Kraftfutter wie Getreide und Soja (und dafür mehr Gras) verfüttern, könne der Bio-Landbau einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten. Selbst neun Milliarden Menschen (prognostiziert für 2050) könnten damit ernährt werden – ohne mehr Land für den Anbau zu brauchen. Bei unverändertem Konsum würde die Umstellung auf ökologischen Landbau hingegen zu einem erhöhten Flächenverbrauch führen. Bei der Frage „Wer ernährt die Welt?“ betonen Kritiker stets, dass die Umstellung auf Bio aufgrund geringerer Ernten zu höherem Landverbrauch führten und deshalb keine Alternative sei. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Durch die Umstellung auf Bio-Landbau werden wichtige Umweltprobleme angegangen – Treibhausgasemissionen werden vermindert und negative Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft wie hohe Pestizidbelastungen und Stickstoffüberschüsse reduziert. Das sei gut für Böden, Luft, Klimaschutz, Wasser und Artenvielfalt.

Eine nachhaltige Landwirtschaft mit allen positiven Auswirkungen auf die Natur ist  also nur möglich, wenn wir Verbraucher mitziehen. Unser derzeitiges Konsumverhalten bietet dafür viel Spielraum – auch wenn Veränderungen schwerfallen: Aktuell werden in Deutschland jährlich rund 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf verzehrt, das ist doppelt so viel wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für angemessen hält. Zugleich wirft jeder rund 83 Kilo Lebensmittel pro Jahr weg. sb


Küken (© Clipdealer)Umfrage

Darf Tierschutz mehr kosten?

Die politische Diskussion um ein Tierwohllabel stößt in der Bevölkerung auf Rückendeckung: Obwohl es bereits eine Fülle von Siegeln gibt, wünschen sich 78 Prozent der Verbraucher eine deutlichere Kennzeichnung von Tierprodukten, die aus artgerechter Haltung stammen. Ebenso viele fordern weitere Regeln und Gesetze zur artgerechten Tierhaltung. Trotz dieses Votums einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ist mit 47 Prozent aber nur knapp die Hälfte der Befragten bereit, für den damit verbundenen Mehraufwand in der Tierhaltung mehr zu bezahlen.

Die Forscher haben auch herausgefunden, in welchen Discountern und Supermärkten diejenigen einkaufen, die eher bereit sind, mehr zu bezahlen: Kunden der Bio-Supermärkte Alnatura oder Basic sowie die von Aldi greifen eher tiefer in die Tasche als jene, die bei Netto und Lidl einkaufen. sb

(© Clipdealer)


Polen

Abholzen wird teuer

Polen muss die Abholzungen rund um den Nationalpark Bialowieza einstellen. Dazu ist das Land vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) verurteilt worden. Die Abholzungen, gegen die monatelang Natur­schützer protestierten (wir berichteten darüber in Ausgabe 11/2017), sind rechtswidrig. Der Bialowieza-Wald ist UNESCO-Welterbegebiet. Sollte Polen mit dem Abholzen fortfahren, drohen Strafgelder in Höhe von 100 000 Euro pro Tag. sb


Zahl des Monats

Zahl des Monats 14,6

Prozent des Energieverbrauchs wurden 2016 in Deutschland über erneuerbare Energien gedeckt. Im Jahr 2000 lag der Anteil bei 3,7 Prozent.

Quelle: Statistisches Bundesamt 2017


Wir-haben-es-satt-Demo in Berlin

„Der Agrarindustrie die Stirn bieten“

Drinnen im Saal diskutieren die Landwirtschaftsminister der Welt, draußen auf der Straße wird Druck gemacht „für die globale Agrar- und Ernährungswende und für gerechten Handel“. Mit diesen Worten rufen die Organisatoren der „Wir haben es satt“-Bewegung zur Demonstration auf. Diese findet am 20. Januar in Berlin statt. Start ist um 11 Uhr am Hauptbahnhof. Im Aufruf zur Demonstration, die von 50 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungszusammenarbeit getragen wird, heißt es weiter: „Dringender denn je brauchen wir eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft und gesundes Essen für alle!“ Man könne sich keine weiteren vier verschenkte Jahre leisten. Die Politik müsse endlich den Interessen der Menschen folgen, statt Konzernen zu mehr Macht zu verhelfen.

Es soll eine kraftvolle, bunte und lautstarke Bewegung werden, die den Konzernen die Stirn bietet und die nächste Regierung in die Pflicht nimmt. Diese, so die Veranstalter, würde aber nur handeln, wenn der Protest auf der Straße unüberhörbar wird. Deshalb die Bitte der Organisatoren: „Bring deinen Kochtopf mit und schlag mit uns Alarm für gute Landwirtschaft und gesundes Essen – hier und weltweit!“ Schrot&Korn unterstützt die Demonstration als Medienpartner. Weitere Infos: www.wir-haben-es-satt.de

Wir haben es satt Demo (© www.wir-haben-es-satt.de)

Laut, bunt und kraftvoll – so soll auch die Demo im Januar wieder werden. (© www.wir-haben-es-satt.de)


Ernährung

Obst und Gemüse steuerfrei?

Wie können Verbraucher motiviert werden, sich gesünder zu ernähren und sich vor Übergewicht zu schützen? Durch „Ampel plus“, einem ausgeklügelten System unterschiedlicher Mehrwertsteuersätze auf Lebensmittel, sagen Forscher der Uni Hamburg. Ihr Steuerinstrument, das sie im Auftrag von Diabetes-Organisationen und der Deutschen Adipositas Gesellschaft erarbeitet haben, wäre gestaffelt: Grünes Licht erhalten Obst und Gemüse, sie blieben steuerfrei. Auf Milch, Nudeln oder Fleisch würden die bei Lebensmitteln üblichen sieben Prozent erhoben (gelb). 19 Prozent Mehrwertsteuer (rot) muss zahlen, wer Produkte mit viel Zucker, Salz oder Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten kauft. Für besonders gesundheitsschädliche Softdrinks könnten sogar 29 Prozent fällig werden. sb


Norwegischer Staatsfonds

Aus für Aktien an Öl und Gas

Es begann mit dem Ausstieg aus der Kohle, nun will sich der weltgrößte Staatsfonds auch von seinen Anteilen an Gas- und Ölfirmen trennen. Norwegens Pensionsfonds, einst gefüllt mit dem Erlös aus dem Verkauf seiner Öl- und Gasvorräte, sieht in den fossilen Energieträgern kein Geschäft mehr. Als einen „späten Sieg der Vernunft“ bezeichnete Sony Kapoor, Berater des UN-Umweltprogramms Unep, in der Zeitung Aftenposten den Schritt. Er habe dem Fonds schon 2013 ein Umleiten der Gelder in grüne Investitionen vorgeschlagen. Norwegens Greenpeace-Chef, Truls Gulowsen, spricht von einem „klugen, aber halbherzigen Schritt“. Wolle Norwegen tatsächlich etwas gegen sein „Karbon-Risiko“ tun, müsse das Land damit aufhören, Milliarden in die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder in der Arktis zu pumpen. sb

Erschienen in Ausgabe 01/2018
Rubrik: News

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S. Ritter

"Bio" könnte alle Menschen satt machen - das wage ich einfach einmal zu bezweifeln. Es bedarf nur weniger kleiner Katastrophen, und schon ist eine riesige Ernte vernichtet. Diesen Ausfällen beugt u.a. der konventionelle Anbau mithilfe von Schädlingsbekämpfung vor. Natürlich mit allen Nachteilen.
Letztlich sollte sich der Mensch, das bewussteste aller Tiere, das sich von der natürlich Auslese entkoppelt hat, einmal grundsätzlich Gedanken machen über sein Verhalten auf der Erde. Es ist NICHT nachhaltig, Nachkommen zu produzieren, die man nicht ernähren kann. Die Menschheit wächst und wächst, es ist absehbar, dass diese Überpopulation nicht mehr ernährt werden kann. Eine Regulierung der Fortpflanzung gerade in den Ländern, wo Hunger und Armut herrschen und Kinder ohne nachzudenken gezeugt werden, ist unabdingbar. Gerade der Fortschritt ermöglicht das Überleben einer größeren Anzahl von Menschen auf der Erde. Das schlägt aber zurück auf alle, auf die kommenden Generationen.