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Kurz notiert 01|2017

Massentierhaltung (© Jens Büttner, dpa)
Großinvestoren sehen in der Massentierhaltung ein Finanzrisiko. (© Jens Büttner, dpa)

Umwelt und Finanzen

1,1 Billionen Euro gegen Fleisch

Eine Gruppe von Großinvestoren zeigt Lebensmittelkonzernen wie Kraft Heinz, Nestle, Tesco und Walmart die rote Karte. Die Investoren, hinter denen ein Vermögen von 1,1 Billionen Euro steht, drängen die Firmen, die Fleischproduktion aus Gründen des Schutzes der Umwelt, des Klimas und der Gesundheit zu begrenzen. Die Unternehmen sollten stattdessen
auf pflanzenbasierte Proteine setzen, da die „Fleischkarte“ zu risikoreich geworden sei. Das blinde Vertrauen, das die Welt der Proteinerzeugung durch die industrielle Landwirtschaft schenke, berge das
Rezept für eine Finanz-, Sozial- und Umwelt-Krise, wird Jeremy Coller, der Investment-Chef von Coller Capital, im funds europe-Magazin zitiert.

Die Investoren sehen zudem die Gefahr, dass die Nahrungsmittelkonzerne Marktanteile verlieren, wenn sie dem Verbrauchertrend hin zu weniger Fleisch nicht Rechnung tragen.

Neben Coller Capital gehören laut dem Magazin funds europe Aviva Investors, Robeco, einige schwedische Pensionsfonds und christliche Organisationen zur Gruppe der Großinvestoren. Die Gruppe, die sich für ihre Aktion den Namen
„Protein Shake Up“ gab, verschickte den Appell an 16 börsennotierte Konzerne der Lebensmittelbranche.

Der Appell dürfte seine Wirkung nicht verfehlen. Denn über ihre milliardenschweren Beteiligungen an den Lebensmittelfirmen haben die Großanleger ein Mitspracherecht. Im Zweifel können sie auch das Investment abziehen. Man spricht dann von Divestment.

Der Begriff „Divestment“ steht auch für eine weltweite Bewegung, die Unternehmen, Fonds und Privatleute dazu aufruft, aus fragwürdigen Anlagen auszusteigen. Divestment-Kampagnen haben es zum Beispiel geschafft, dass sich der Allianz-Konzern aus seinen Kohleinvestitionen weitgehend zurückgezogen hat. Auch der norwegische Pensionsfonds, der größte Staatsfonds der Welt, zog sein Geld aus Kohlefirmen ab. sb



Feinstaub, Nitrat & Co.

Bund pfeift auf Richtlinien

Mit der Umsetzung von EU-Richtlinien scheint es Deutschland nicht eilig zu haben. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen: Demnach sind gegen Deutschland derzeit 16 Vertragsverletzungsverfahren anhängig. Dabei geht es etwa um die Versalzung der Werra durch den Kaliabbau, die mangelhafte Prüfung der Auswirkungen von Flugrouten auf die Umwelt und die anhaltend hohe Feinstaubbelastung in Städten.

Jüngst hat die EU-Kommission ihre Drohung wahr gemacht und Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Nichteinhaltung der Nitratrichtlinie verklagt. Denn Deutschland tut noch immer zu wenig, um die Verschmutzung des Grundwassers durch Nitrat aus der Landwirtschaft einzudämmen.

Die drohenden Strafen sind beträchtlich: Für einen mittelschweren Verstoß ist von 35 Millionen Euro die Rede. sb

 


Ausstellung

Fragen zum Essen

Werden wir in Zukunft alle satt? Was passiert auf dem Weg vom Acker zum Teller? Mit diesen und weiteren Fragen
befasst sich die Ausstellung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) „Über Lebensmittel“. Sie ist bis Ende 2017 in den Räumen der DBU in Osnabrück zu sehen und geht danach auf Wanderschaft durch die Republik.
www.ausstellung-ueberlebensmittel.de

Orte sind noch offen.


Zahl des Monats

Zahl des Monats 880 837

Saatgutproben von Kulturpflanzen aus aller Welt lagern in der norwegischen Arktis in Spitzbergen – zum Schutz der Vielfalt und für Notfälle.

Quelle: The Crop Trust, 2016


Grüne Woche

Demo gegen Agrarindustrie

Verlassene Höfe, Patente auf Pflanzen und Saatgut, die Fusion der Agrarkonzerne Bayer und Monsanto – es gibt viele Gründe, um bei der „Wir haben Agrarindustrie satt“-Demonstration dabei zu sein. Die Demo findet am 21. Januar am Rande der Grünen Woche in Berlin statt.

Wir haben es satt PlakatDie 45 Trägerorganisationen hoffen auf viele Teilnehmer, denn 2017 sei wegen der Bundestagswahl ein Jahr der Entscheidungen. In puncto Agrarpolitik stellt sich die Frage: Sollen weiter Steuermilliarden für Agrarindustrie, Großgrundbesitz und Tierfabriken vergeudet oder sollen regionale Landwirtschaft sowie Tier- und Umweltschutz gefördert werden?

Schrot&Korn unterstützt die Demo wieder als Medienpartner.

Infos: www.wir-haben-es-satt.de sb

 

Die Demo findet mittlerweile zum 7. Mal statt.


Offensive für mehr Tierwohl

Nur Schall und Rauch?

Die Kritik an der Massentierhaltung scheint Früchte zu tragen, das legen Äußerungen des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) nahe. Man habe sich die Frage gestellt, ob nicht an mancher Kritik von außen tatsächlich mehr Substanz ist, als wir selbst wahrhaben wollen, gesteht dessen Präsident Johannes Röring ein. Und: Die Landwirtschaft müsse sich in manchen Punkten ändern. Der Verband startet deshalb eine Nachhaltigkeits-Offensive und hat dazu einen Maßnahmenkatalog vorgelegt.

Pikant dabei: Gegen Röring, der einen Schweinemastbetrieb betreibt, hat die Tierschutzorganisation Peta Strafanzeige
wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt (Stand 6. Dezember).

Während die FAZ in der WLV-Offensive einen Affront gegen den agroindustriefreundlichen Deutschen Bauernverband sieht, kritisiert Ralf Bilke, Agrarexperte vom BUND in NRW, die Initiative als zu langsam und zu unpräzise. Der WLV verabschiede sich weder von der Massentierhaltung, noch äußere er sich zur Gentechnik. Tatsächlich liest sich der Katalog halbherzig: So soll zum Beispiel nur jedes fünfte Schwein seinen Ringelschwanz behalten dürfen, und das auch erst ab 2025. sb

Erschienen in Ausgabe 01/2017
Rubrik: News

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